Antigua - Guadeloupe

Freitag, 5. Januar

English Harbour

Die beiden Buchten English und Falmouth Harbour haben eine lange Geschichte. Die Engländer hatten hier – unter anderem unter Lord Nelson - ihre Karibikflotte stationiert, da die Bucht sehr gut geschützt und der Passatwind schnell erreicht ist. So sind die Gebäude um English Harbour aus dem 18. Jahrhundert heute denkmalgeschützt und Teil eines Nationalparks. Die Gebäude werden von diversen kleinen Yachtunternehmen, der Hafenverwaltung, Boutiquen und Restaurants benützt.

Heute verteile ich Aufträge: Gennaker, Gennakerbaum und Anlasser reparieren, Autopilot und ein neues Dinghi bestellen. Alles bei einzelnen Spezialisten, da es keinen Allroundanbieter gibt. So bin ich den ganzen Tag zu Fuss und mit dem Dinghi unterwegs. Früher wurde ich für das Aufträge erteilen bezahlt, heute muss ich dafür bezahlen ;)

Am Nachmittag sehe ich einen genial schönen Katamaran (Gunboat) unter Schweizer Flagge und gehe Hallo sagen. Doch der Mann an Bord spricht kein Deutsch: Es ist der südafrikanische Delivery Skipper der Werft, der das Boot hütet, bis die Besitzer Urlaub haben. Er lädt mich auf ein Bier an Bord ein und wir plaudern eine Weile.

Samstag, 6. Januar

Erst gehe ich mit Rowland einen Kaffee trinken und wie es so ist, geht es länger als man denkt, obwohl ich bereits um 8.00h aufgestanden bin. Die Sonne geht hier um 7.30h auf und um 18.00h wieder unter.

Über Mittag putze die Hälfte des Unterwassers. Nachdem ich es wegen dem „kalten“ Wasser im Mittelmeer schon lange nicht mehr geschruppt habe, hat es das dringend nötig. Am Nachmittag gehe ich in ein Kaffee die Homepage überarbeiten. Es ist schon Wahnsinn: Vor wenigen Jahren war man hier froh, wenn es pro Insel ein Internet Café gab. Heute hat jedes zweite Restaurant hier gratis WiFi.

Die vielen Mails sind ein Riesenaufsteller. Es freut mich riesig, dass ihr meine Reise so aktiv verfolgt und Anteil nimmt. Es ist auch immer wieder Motivation, die Homepage aktiv zu halten und attraktiv zu gestalten. Ich komme mir vor wie wenn ich mitten während der Arbeit einfach aus dem Büro abgehauen wäre: Ich sitze mitten am Nachmittag in einem Kaffee wie wenn ich nichts besseres zu tun hätte :) Am Abend gönne ich mir das beste Restaurant des Ortes: Das französische Restaurant Cap Horn. Ich hatte eine ganz wirklich leckere Entenbrust mit Kartoffelgratin, der fast so gut wie ist wie derjenige von Madeleine.

Sonntag, 7. Januar

English Harbour von oben

Zuerst putze ich die zweite Hälfte des Unterwassers. Dann gehe ich wieder in das Internet um herauszufinden, ob und wo ich Blue Bie über den Sommer aus dem Wasser nehmen könnte und mache noch ein paar Telefone in die Schweiz. Goober ist schon genial, ich kann weltweit gratis telefonieren!

Borry macht mich via Mail darauf aufmerksam, dass 10 Länder in der Karibik (u.a. Antigua, Grenada, St. Kitts & Nevis, St. Lucia, St. Vincent & Grenadinen, Trinidad & Tobago) für Schweizer wegen dem Cricket World Cup ein Visumspflicht einführt. Dafür müsste ich den Pass nach London senden, was ich nicht machen werde. So habe ich jetzt noch mehr Zeit auf den anderen Karibikinseln!

Am Nachmittag gehe ich mit dem Bike auf die Shirley Height, dem Aussichtspunkt über English Harbour. Jeden Sonntag findet hier das grosse Happening statt: Von 15.00h bis 18.00h eine Steelband und ab 18.00h life Reggae Musik. Ich treffe meine Ankernachbarn und wir plaudern etwas. Ich bin dank dem Alphorn schon bekannt in der Bucht. Jeder spricht darüber, doch keiner spricht mit darauf an, da ich vor Anker zu weit weg bin um erkannt zu werden. Auch gut, denn so gut spiele ich noch nicht, obwohl ich immer wieder kleine Fortschritte mache.

Montag, 8. Januar

Superyachten

Den Morgen verbringe ich im Internet Café, sichte erste Offerten für die Sommerlagerung der Blue Bie an und schaue, wo ich günstig an Kitematerial kommen kann. Am frühen Nachmittag schrubbe ich das Deck. Doch ich nehme es gemütlich und höre nach der Hälfte des Decks auf. Ich muss morgen ja auch noch was zu tun haben! Am Nachmittag gehe ich bei Rowland vorbei und wir gehen mit einem Kollegen von ihm in die Happy Hour. So langsam beginne ich hier Leute kennen zu lernen. Die meisten sind jung, haben oder suchen Arbeit auf den grossen Yachten hier in der Marina. So geht es nahtlos von der Happy Hour zu einem frühen Nachtessen über. Die Yachten sind riesig - unter 20m oder 5 Salingen ist man ein Nobody. In der Nacht sind die Boote wie Christbäume beleuchtet. Stromsparen scheint kein Thema zu sein :)

Abends um 21.00h spiele ich noch ein wenig Alphorn. Doch nach ein paar Minuten heisst es vor irgendwoher „Shut up“. Das mache ich, denn ich will niemand verärgern. Und das, nachdem ich am Morgen beim Alphornspielen fotografiert wurde! So nahe sind Hoch und Tief.

Dienstag, 9. Januar

Maltese Falcon

Nach einem Frühstück an Bord schrubbe ich die zweite Hälfte der Blue Bie. Dabei werde ich jäh von einem grossen Regenschauer unterbrochen. Ich schaue das neue Yachting World an und lese einen Artikel über „Maltese Falcon“ einem neuen Hightech Rahsegler mit automatischer Segeleinstellung. Danach gehe ich erst mal zum Franzosen, gönne mir einen Pastis und eine Fischsuppe ehe ich den Reparaturen nachgehe. Gut mache ich das: Beim Gennakerbaum gibt es eine Frage, aber sie würden nicht fragen kommen, sondern warten einfach. Der Anlasser läuft – auch ohne Reparatur. Jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr. Was das wohl ist? Da muss ich wohl noch etwas probieren. Der Autopilot müsste später diese Woche auch bereit sein.

Zur Happy Hour gehe ich wieder in das in das Internet. Ich wechsle mein Internet Café regelmässig: Am Morgen zu Espresso und Croissants in das Seebreaze Café, am späten Nachmittag zu Rumpunsch in das Mongoose. Da treffe ich wieder einige Leute und wir gehen zusammen Nachtessen. Heute Abend lass ich das Alphornspielen sein ;)

Mittwoch, 10. Januar

Heute Morgen war ich nochmals bei den Motorenmechaniker um ein neues Startschloss für den Motor zu bestellen. Danach war Dolce Far Niente angesagt: Am späten Vormittag habe gefrühstückt und zwei neue Kites (North Rebel 10 & 14 m2) bestellt, die ich in einem Monat in St. Martin abholen kann, war um 12.00h bei Rowland zum Tee trinken, danach haben wir geholfen eine 20m Yacht zu verholen und waren schnorcheln und freitauchen. Das ging mit seinen Tips auf Anhieb recht gut. Nachher habe ich den Autopiloten abgeholt und noch Bekannte aus Las Palmas getroffen, die jetzt auch angekommen sind. Dann noch ein Telefon in die Schweiz, etwas Alphorn spielen und schon war es wieder Zeit für das Nachtessen.

So langsam aber sicher komme ich immer mehr in den Inselgroove. Wollte ich ursprünglich ein paar Tage weg, bis die Ersatzteile geliefert werden, so geniesse ich English Harbour und die guten Kontakte immer mehr und werde bleiben, bis alles erledigt ist.

Donnerstag, 11. Januar

Den Morgen habe ich Blue Bie gewidmet, den Sonnenschutz über den Fenstern montiert, Schrauben abgedichtet und alte Silikonreste entfernt. Nach einem kleinen Mittagessen an Bord habe ich das neue Dinghi geholt: Was für ein Unterschied: Es ist gleich lang und nur wenig breiter, doch fühlt es sich viel grösser an. Vor allem ist es dicht und liegt deutlich höher im Wasser und spritzt mich nicht nass, sobald ich in das Gleiten komme.

Am Abend wollte ich im Mongoose noch in das Internet, doch der Server hat nicht funktioniert. Da ich ein paar Bekannte getroffen habe, bin ich nicht weiter in das Seabreeze. Es ist der erste Tag auf Antigua an dem ich nicht im Internet war oder Mails gelesen habe. Da es noch zu früh war für das Nachtessen, habe ich mich nachher nochmals kurz hingelegt und bin erst um 22.30h wieder aufgewacht. Da habe ich die Kontaktlinsen raus genommen und mich wieder hingelegt und die ganze Nacht bestens durchgeschlafen. Die Seeluft tut einfach gut!

Freitag, 12. Januar

Seabreeze Café

Nachdem ich gestern nicht im Internet war, gehe ich zuerst in das Seabreeze frühstücken und meine Mails anschauen. Anschliessend habe ich noch ein paar Besorgungen gemacht. Am Nachmittag habe ich per Funk geschaut, wie es meinen diversen Reparaturen geht. Der Funk ist schon bequem. Anstatt von Geschäft zu Geschäft zu laufen, kann ich alle Fragen vom Schiff aus erledigen. Ausser dem Gennakerbaum sieht alles gut aus, für diesen können sie das Originalteil nicht auftreiben.

Am Nachmittag war ich bei Rowland und wir gehen zusammen in die Zanzi Bar Nachtessen. Etwas weiter weg, halber Preis aber gleich gut wie die Restaurants direkt am Hafen. Nachher waren wir noch im Mongoose, wo es life Musik hat. Für einmal nicht Reggae, sondern Hits aus den 60er und 70er Jahre. Doch allzu lange haben wir es nicht ausgehalten und ich war um 24.00h in der Koje.

Samstag, 13. Januar

Rowland und Matt wollten frühmorgens mein altes Dinghi holen kommen und ich war früh wach. Ich hatte zwar gestern nur gerade ein Bier, aber heute morgen einen megablöden Kopf! So versuche ich die Genua herunterzunehmen, um sie mit dem Dinghi gleich zum Segelmacher zu fahren. Doch eine Schraube, welche die Vorstagssegmente zusammenhält hat sich gelöst und ich kriege die Genua nicht herunter. So warte ich bis Rowland und Matt um 9.00h kommen, um in den Mast zu entern und die Schraube anzuziehen. Nachdem alles erledigt war, gingen Rowland und ich frühstücken. Danach beginne ich die Blue Bie zu entrosten, Das wird eine langwierige Aufgabe, denn ich muss immer wieder nachspülen. Irgendwie vergeht die Zeit wie im Fluge, denn kaum war ich im Internet und Zeit am Telefon, wird es auch schon wieder dunkel. So erfahre ich, dass Rolf Junker und mein Pa mich nächsten Freitag für zwei Wochen besuchen werden. Ideales Timing, bis dann müsste alles soweit fertig sein.

Vor dem Nachtessen spiele ich noch etwas Alphorn, doch dann beginnt es zu schütten. So schnappe ich mir ein Buch, mache eine Suppe und einen gemütlichen Abend an Bord. In der Nacht regnet es immer wieder etwas, so dass ich am Morgen 30l Frischwasser gesammelt habe. Das reicht wieder ein paar Tage!

Sonntag, 14. Januar

Ich kann einfach nicht von einem guten Buch lassen. So lese ich im Bett, frühstücke und gehe nachher in das Seabreeze Café weiterlesen bis ich das Buch fertig habe. So schön kann ein Sonntag sein. Die Sonne scheint, die Luft ist wahnsinnig klar und die Bäume wetteifern in allen Grüntönen.

Am Nachmittag gehe ich etwas spazieren, höre einem Blues Sänger zu und klopfe bei meinem Bootsnachbar an. Ein Amerikaner der mich mit „Hi Ricola man“ begrüsst. Ein spannender Typ: Er hat in den 70er Jahren direkt von der Hippie Kommune auf das Segelboot gewechselt und immer nur Aushilfsjobs gehabt. Er lebt mit USD 150 pro Monat, ist sehr belesen und hat ein unglaublich breites Wissen. Irgendwie erinnert er mich an Michael Moore, denn er ist sehr Amerika-kritisch. So plaudern wir, die Sonne geht unter und ehe ich mich versehe, ist es 22.30h.

Montag, 15. Januar

Einsiedlerkrebs

Heute putze ich die Blue Bie wieder einmal innen heraus. Keine Ahnung, woher der viele Staub kommt, es ist wirklich nötig. Am Mittag kommt Steven vorbei und wir gehen zusammen erst an den Strand und dann zusammen auf eine einstündige Wanderung. Am Schluss laufen wir am Seabreeze Café vorbei und sehen die Leute am Kaffeetrinken. Da sagt er: „Und hier sind die reichen Leute“. Mir hat der Nachmittag mit der Wanderung ebenso viel Spass gemacht wie am Vortag das Buch im Seabreeze Café lesen. Schön, dass ich beides geniessen kann.

Nachher putze ich nochmals kurz das Unterwasserschiff, dusche, spiele etwas Alphorn und gehe Nachtessen.

Dienstag, 16. Januar

Es ist immer wieder ein eigenartiges Gefühl, wenn der Tag des Lossegelns näher rückt. Mit Blue Bie sicher vor Anker, mir komfortabel an Land und doch einigen Sachen die noch zu erledigen sind, scheint es mir unmöglich überhaupt je wieder loszusegeln. So gehen hunderte Gedanken durch den Kopf, was auf dem nächsten Törn alles schief gehen könnte. Doch je mehr ich erledigen kann, desto wohler wird es mir und ich freue mich immer mehr darauf, loszufahren.

So habe ich heute Bilgen gereinigt, den Bilgendurchgang der Dusche abgedichtet (oder zumindest versucht?), Kleider gelüftet, Reffbändsel genäht und den Lazybag genäht. Der Segelmacher hat mit den Segeln noch nicht einmal begonnen. Ich bin gespannt, wann die fertig sind. Am Abend habe ich noch eine Bekannte getroffen und wir sind zusammen Nachtessen gegangen. Wie immer bin ich früh müde und bin um 22.00h in die Koje.

Mittwoch, 17. Januar

Wenn man es am wenigsten erwartet klappt es doch: Ich habe nicht damit gerechnet, dass heute die Genua fertig wird und doch ist sie um 17.00h fertig. Ebenso kann ich den Schlüsselschalter für den Motor abholen, montieren und der Motor läuft auf Anhieb.

Pa und ich diskutieren hin und her, wo wir uns auf Guadeloupe treffen. Ich kann mich nicht so recht entscheiden: In Pointe à Pitre, wo sie es am nächsten vom Flughafen haben, aber ich einen Nachttörn um die auflandige Küste mit auflandigem Strom machen muss; in Malhault, das ideal gelegen ist, aber keinen Zoll zum Einklarieren hat oder in Deshaies, das weiter weg vom Flughafen ist, aber wie Malhault einfach zu erreichen ist und einen Zoll hat. Wir verschieben die Entscheidung um einen Tag. Langsam entspanne ich mich. Blue Bie ist bereit für die Überfahrt und ich geniesse einen letzten Abend an Land. Pasta schmeckt unter freiem Sternenhimmel einfach wunderbar.

Donnerstag, 18. Januar

Nachdem es am Abend und in der Nacht einige Male geregnet hat, ist das Wetter jetzt stabiler. Blue Bie ist bereit, ich bin es auch. Also wieso soll ich bis am Abend warten um einen Nachttörn zu machen? So entscheide ich mich für die einfache Variante, das heisst nach Deshaies zu segeln. Nach dem Ausklarieren heisst es motoren an und Anker los. Doch der Steuerbordmotor will nicht starten. Das gibt’s doch nicht!!! Auch mehrere Versuche die Verkabelung des Anlassers zu überbrücken nützen nichts. So starte ich halt bloss den Backbordmotor. Der Ankerkette klemmt auch noch unter einem Korallenblock, doch nach einer Stunde bin ich unterwegs.

Was für ein herrliches Gefühl wieder zu segeln. Sofort kommt wieder die gelöste Stimmung der Atlantiküberquerung auf. Es ist einfach herrlich. Die Sonne scheint, ich habe raumen Wind mit 18 kn und Blue Bie rauscht unter Genua und 2 Reff im Gross (wieso auch mehr?!?) mit 8 kn dahin. So fliegen die 40 Meilen in 5 Stunden vorbei. Knapp vor dem Einlaufen fange ich noch einen Thunfisch, den ich mir zum Nachtessen mit Rösti mache. Yummi

Freitag, 19. Januar

Botanischer Garten

Deshaies ist ein kleines Fischerdorf mit ganz anderen Eindrücken als English Harbour. Ich höre Vögel zwitschern, es hat wunderschöne tropische Pflanzen und die Kirche läutet jede Viertelstunde.

Wer hat bloss die Kirchenglocken erfunden? Das müssen die Kirchenväter im Auftrag der Arbeitgeber gemacht haben. Das Kirchengeläut zerteilt die Zeit in viele Einheiten, die so ganz im Gegensatz zum Fluss der Zeit beim Nichtstun stehen! So gern ich Kirchen läuten höre, so unpassend erscheinen sie mir.

Nachdem ich es (hoffentlich endgültig) geschafft habe, den Steuerbordmotor zum Laufen zu bringen und die Blue Bie für den Besuch vorbereitet habe, gönne ich mir einen ‚freien’ Nachmittag im botanischen Garten in Deshaies. Er ist wie die Masoala-Halle im Zürcher Zoo, nur braucht es keine Klimaanlage um das feuchtwarme Klima zu erzeugen.

Samstag, 20. Oktober

Deshaies

Pa und Rolf sind gestern gegen Mitternacht angekommen. Wir nehmen es gemütlich, leben uns heute erst einmal ein und bleiben die Nacht hier. So gehen Pa und Rolf die Ortschaft erkunden und einen Pastis trinken, dann gehe ich zum Zoll um für morgen auszuklarieren – er hat heute immerhin von 13.00-14.00h offen :)

Gegen Abend gehen Rolf und ich einkaufen. Nach dem doch eher kleinen Sortiment in Falmouth Harbour, geniesse ich es wieder etwas mehr Auswahl zu haben. Wir gehen in ein kleines Restaurant essen, in dem Rolf vor 10 Jahren schon einmal war. Karte gibt es keine, dafür schmeckt das Essen herrlich.

Sonntag, 21. Januar

Wir wollen früh los Richtung Jolly Harbour auf Antigua. Doch wie könnte es anders sein – der Backbordmotor springt nicht an. Der Steuerbordmotor, welchen ich gestern repariert habe, läuft heute ;) Alle Versuche von Rolf fruchten nichts und so entscheiden wir uns Falmouth Harbour auf Antigua anzulaufen, um den Motor reparieren zu lassen.

Wir haben herrlichen Segelwind mit 14 kn und laufen während 5 Stunden hart am Wind Richtung Antigua. Wir haben es richtig gut miteinander und wechseln uns am Steuer ab. Es ist das erste Mal seit langem, dass der Autopilot nicht zum Einsatz kommt.

Gegen 17.00 laufen wir in Falmouth Harbour und sind einmal mehr erstaunt über die grossen Yachten. Einfach unglaublich!

Montag, 22. Januar

Immerhin ist der Motor am Sonntag stehen geblieben. So kann ich als erstes zu den Mechanikern gehen. Sie wollen um 11.00h kommen. Da können wir gemütlich nach English Harbour zum Einklarieren und die reparierte Genua abholen. Der Mechaniker kommt nach zweimaligem Nachfragen gegen 16.00h. Das lässt uns genügend Zeit, ein paar Kleinigkeiten an der Blue Bie zu machen. Nach zweimaligem Kopfschütteln geht der Mechaniker zurück in die Werkstatt und verspricht morgen wieder zu kommen.

Gegen Abend machen Rolf und ich einen kleinen Fussmarsch, denjenigen der mir der Amerikaner gezeigt hat. Am Abend gehen wir in die Zanzi Bar zum Nachtessen. Einmal mehr gibt es nur drei Menus zur Auswahl, aber alles war lecker.

Dienstag, 23. Januar

Tatsächlich, punkt 9.00h steht der Mechaniker bereit. Trotz dem engen Maschinenraum bemüht er sich sehr. Es ist die Einspritzpumpe die nicht funktioniert. Wieder erwarten muss er nicht die ganze ersetzen oder revidieren lassen, sondern kann sie selber reparieren.

Er bittet uns an einen Steg zu gehen um besser Zugang zu seinem Material zu haben. Was wir machen und so für einmal auch zu den ‚grossen’ gehören. Blue Bie sieht richtig klein aus neben all den grossen Booten. Gegen 16.00h beendet und wir fahren mit dem öffentlichen Minibus nach St. Johns. Ist die Hinfahrt ein Abenteuer gleicht die Rückfahrt bei Dunkelheit einer Fahrt in einer Geisterbahn. St. Johns ist ein gemütliches kleines Städtchen, welches jeden Tag wegen bis zu 6 Kreuzfahrtschiffen im Ausnahmezustand ist. Doch sobald diese um 17.00h ablegen, kehrt Ruhe ein.

Wir geniessen eine Pina Colada am Dock und später ein frühes Nachtessen im George’s Restaurant und Bar, im ersten Stock oberhalb des Hauptplatzes.

Mittwoch, 24. Januar


Nach dem Ausklarieren und Begleichen der Rechnungen segeln wir halb um Antigua und ankern im Norden der Insel hinter Maiden Island. Die Navigation ist alles andere als einfach: Wir müssen zwischen Antigua und einem vorgelagertem Riff hochkreuzen und alle 5 Minuten wenden. Natürlich haben wir wieder im richtigen Moment Petri heil: Kaum beginnt die Wenderei beisst ein 1m langer Barrakuda. Es ist ein ganz schönes Stück Arbeit diesen an Bord zu kriegen und auszunehmen – alle 5 Minuten unterbrochen von einer Wende. Zum Glück steht die Sonne hoch hinter uns, so dass wir die Riffe gut sehen. Gegen 16.00h werfen wir Anker und erkunden Maiden Island: Die Insel ist 200m lang und 50m breit und wir sind das einzige Boot vor Anker. Rolf bratet den Barrakuda (bzw. ein Drittel des Barrakudas!) und macht Bratkartoffeln dazu.

Wir haben uns unterdessen aneinander gewöhnt: Rolf und ich kochen, Rolf und Pa machen den Abwasch, Pa und ich machen die Navigation, irgendwie passt es einfach. Wir unternehmen auch immer wieder etwas alleine oder zu zweit, so dass alle etwas Freiraum haben.

Donnerstag, 25. Januar

Tauchen light

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker laufen wir um 9.00h Richtung Barbuda aus. Zuerst wollen wir durch eine enge Riffpassage. Mit einem Umweg gibt es eine breite Durchfahrt, aber die Passage müsste bei dieser ruhigen See machbar sein. Ausserhalb des Riffs fährt ein Frachter gegen uns. Plötzlich schwenkt er 90° auf uns zu, fährt Volldampf durch die Riffpassage und dreht wieder 90° ab. Wenn der das mit Vollgas kann, müsste es für uns auch gehen! Langsam tasten wir uns durch und haben die Passage 10 Minuten hinter uns – und hatten nie weniger als 10m Wasser unter dem Schwert.

Nach einer schönen und schnellen Überfahrt (schneller als alle anderen Katamarane um uns herum) kommen wir gegen 14.00h am 11 Mile Beach auf Barbuda an, essen eine kalte Platte und lassen es gut gehen. Nachher gehen wir schwimmen, laufen, tauchen (um die hineingefallene Sonnenbrille heraufzuholen und die Tauchausrüstung einzuweihen) und mit dem Nachbar plaudern. Nach dem Nachtessen laufen wir Richtung St. Barth aus. Es hat kaum Wind und so treiben wir die ganze Nacht unter Spinnaker bei 3-5kn Fahrt Richtung St. Barth.

Freitag, 26. Januar

Der Wind wird auch tagsüber nicht viel stärker und so kommen wir gegen 14.00h in St. Barth an. Nach einem Mittagessen an Bord gehe ich einklarieren und wir bummeln durch Gustavia. Gustavia ist unglaublich chic und ich habe noch nie viele schöne Leute gesehen. Boutique reiht sich an Boutique und die Restaurantpreise sind hohes europäisches Niveau. Trotzdem gefällt es mir gut und wir geniessen es, nach zwei Nachtessen an Bord wieder auswärts zu Essen.

Im Hafenmeisterbüro hat es wie an vielen Orten eine Büchertauschbörse. Doch für einmal hat es hier wirklich spannende Bücher und so tausche ich drei Bücher.

Samstag, 27. Januar

Rolf und Pa

Heute machen wir wieder getrenntes Programm. Pa und Rolf gehen mit dem lokalen Bus auf eine Inselrundfahrt – was für die ganze Insel gerade mal 2 Stunden dauert. Ich mache es mir unterdessen in einem Café mit WiFi gemütlich. Unglaublich, wie schnell die Zeit im Internet und mit Mailen immer wieder vergeht.

Sonntag, 28. Januar

Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir den 2-stündigen Übersegler nach St. Martin. Wie meist, fange ich knapp vor dem Einlaufen einen Fisch: Diesmal einen Prachtkerl von Thunfisch. Er wehrt sich ohne Ende, doch am Schluss habe ich die besseren Karten. Da der Zoll über das Wochenende geschlossen hat, gehen wir in die Orient Bay. Das ist die Badebucht von St. Martin. Hier hat es jede Menge Liegestühle, Strandbars und Jetskis. Der Ankerplatz ist gigantisch: Vorne über einem Riff der offene Ozean, auf Backbord eine Insel und auf Steuerbord der Strand.

Ich versuche Kitesurfen zu gehen, doch es hat zu wenig Wind. So warte ich an Land bis Pa und Rolf wiederkommen. Da sie unterdessen Mittag gegessen haben, haben sie mich nicht an Land gehen sehen und Rolf hat die halbe Bucht nach mir abgesucht, bevor er mich am Strand keine 200m von der Blue Bie weg findet.

Montag, 29. Januar

Wir segeln von der Orient Bay nach Marigot, der Hauptstadt des französischen Teils von St. Martin. St. Martin ist zwischen Frankreich und Holland zweigeteilt. Nach frischem Sashimi als Mittagessen erkunden wir Marigot. Marigot ist eine kleine geschäftige Stadt. So kann ich noch ein Kopfkissen kaufen und beim Kiteshop vorbeischauen, bei dem ich die Kites bestellt habe, obwohl diese erst in ein paar Wochen kommen werden. Nachher trennen wir uns wieder. Rolf geht laufen, Pa geht auf das Boot und ich suche ein Café mit WiFi. Erstmals muss ich danach suchen, doch dank der Hilfe des Kiteshop Besitzers werde ich fündig.

Dienstag, 30. Januar

Fast wie arbeiten. Die Zeit mit Rolf und Pa fliegt nur so vorbei. Wir verbringen einen ganzen Tag in Marigot. Die Blue Bie lässt mich wieder einmal im Stich: Beide Alternatoren laufen nicht und wir finden keine Ursache. So können wir keinen Strom und Wasser machen. Entsprechend müssen wir uns einschränken und ich bin genervt, dass ich meinen Gästen nicht bieten kann, was ich gerne würde. Pa und ich gehen über die grosse Lagune in den holländischen Teil von St. Marteen technisches Zubehör einkaufen. St. Maarten ist duty free und hat die grössten Yacht Shops der Karibik.

Mittwoch, 31. Januar

Doch immerhin segelt Blue Bie bestens und so segeln wir während den nächsten Tagen viel – zurück Richtung Guadeloupe. Zuerst segeln wir nach Statia, wo wir in der Oranjebaaj Anker werfen. Ein ganz komischer Ort: Ein riesiges Erdölumschlagslager und ein kleiner Ort oben am Hügel, aber keine Yachtinfrastruktur. Nicht überraschend: Die Bucht hat ganz schön Dünung und die Einrumpfboote schaukeln von Seite zu Seite - hin und her, die ganze Nacht!

Donnerstag, 1. Februar

Nevis

Am Abend ankern wir in Nevis wir an einem wunderschönen palmengesäumten Strand neben der Hauptstadt Charlottesville. Nur haben die Palmen keine Wedel mehr. Es scheint als hätte ein Sturm sein Opfer gefordert. Wir klarieren gar nicht erst ein, es geht ja morgen früh weiter.

Freitag, 2. Februar

Redonda

Und wie es weiter geht. Der Wind hat mittlerweile auf 25 kn aufgefrischt und wir müssen heute während 9 Stunden gegen Montserrat aufkreuzen. Dabei kommen wir an Redonda vorbei. Kaum mehr als ein Felsen im Wasser und doch ein eigenes Königreich. Die Krone wird von einem Schriftsteller jeweils einen anderen weitergegeben.

Blue Bie segelt bestens, solange die Segelfläche im Gross und der Genua gut abgestimmt sind. Little Bay ist wie der Name – voll von kleinen Motorbooten und der grossen Fähre. So ankern wir ganz alleine in der daneben gelegenen Rendezvous Bay. Dort kann man zwar nicht einklarieren, aber wir haben eine grosse, felsgesäumte Bucht wie in Thailand ganz für uns alleine. Da wir jeden Abend eine andere Insel anlaufen, können wir häufig gar nicht einklarieren. Bis jetzt hatte ich deshalb noch nie Probleme, auch wenn wir mehrere Tage ‚verschollen’ sind.

Samstag, 3. Februar

Montserrat

Nochmals geht es hart am Wind an der Ostküste von Montserrat entlang gegen Guadeloupe und wir laufen am frühen Nachmittag in Deshaies ein, wo ich die beiden am Anfang ihres Urlaubs aufgeladen habe. Der Vulkan auf Montserrat ist 1995 letztmals ausgebrochen und von 11,000 Einwohnern sind mehr als zwei Drittel weggezogen. Als wir gestern im Lee der Insel hochgekreuzt sind, konnten wir den Schwefelgeruch des Vulkans deutlich riechen. Heute können wir die noch immer rauchende Flanke des Vulkans sehen. Schon eindrücklich und ein Zeichen wie stark die Natur ist.

Sonntag, 4. Februar

In der Landabdeckung von Guadeloupe segeln wir bis Basse-Terre, welches wir links liegen lassen und nochmals 2 Stunden gegen den Wind bis auf die Saintes. Hier ankern wir vor Bourg des Saintes und geniessen die Ambiance des Dörfchens.

Montag, 5. Februar

Bei heftigen Regenschauern und Böen bis zu 30kn segeln wir von Bourg des Saintes nach Pointe à Pitre. 50m hinter uns läuft eine grosse Lagoon 500. Bei den heftigen Böen laufen beide Boote gleich schnell, doch als diese nach einer Stunde vorbei sind, ziehen wir leicht davon. Plötzlich hat er genug, schaltet den Motor ein und fährt ohne zu grüssen 20m im Lee an uns vorbei. Dabei haben wir gestern Abend noch mit ihnen geplaudert!

Wir finden ein Plätzchen für Blue Bie in der Marina und ich mache mich sofort auf die Suche nach dem Elektriker. Dieser kommt gegen 19.00h vorbei und konstatiert den Fehler beim Stromverteiler, nicht bei den Alternatoren. Dieser sei im Yachtshop vorrätig und ich kann ihn morgen holen und selber auswechseln. Ich bin gespannt. Danach gehen wir ein letztes Mal gemeinsam Nachtessen. Der ganze Hafen steht im Zeichen der Route de Rhum, eine der bekanntesten Einhandregatten von Frankreich nach Guadeloupe. Hier liegt auch die Geronimo, der grösste Rennkatamaran der Welt. Riesig – allein der Grossbaum ist so lange wie die Blue Bie!

Dienstag, 6. Februar

Endlich kann ich in Gudaloupe einklarieren: In Deshaies und Bourg des Saintes war der Zoll das ganze Wochenende geschlossen und gestern war der Zoll um 15.00h bereits nicht mehr besetzt. Doch das Einklarieren geht problemlos, obwohl wir auch die Tage vorher nirgends einklariert hatten. Wir erledigen noch einige Kleinigkeiten an Bord – nur die Alternatoren kriegen wir auch mit dem neuen Verteiler nicht zum Laufen. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen verlassen mich Rolf und Pa am frühen Nachmittag. Es war eine schöne Zeit mit ihnen, doch auch irgendwie anstrengend. Ich bin es mich einfach nicht mehr gewohnt, so viele Leute um mich herum zu haben.

So hänge ich am Nachmittag erst einmal ab und geniesse das Dolce Far Niente.