Gibraltar - Las Palmas
Montag, 27. November
Der Wetterbericht spricht zwar von nicht allzu viel Wind, doch auch die nächsten Tage soll es nicht viel windiger werden. So machen wir die letzten Einkäufe und laufen aus. Doch der englische Safeways lässt mich böse im Stich: Weder frische Eier noch Frischback Baguettes werden rechtzeitig geliefert. So nehme ich etwas Hefe mit und gehe an den Markt Eier kaufen. Ist da was falsch? 24 Eier für €2.20? Um 10.30h laufen wir aus – genau wie geplant um die Strömungen in der Strasse von Gibraltar optimal mitzunehmen. Die Strömungsverhältnisse sind ziemlich kompliziert und abhängig von Flut und Ebbe, Wind und ob in der Mitte oder am Rand des Fahrwassers.
Beim Auslaufen hat dreht der Wind wie bestellt und schon bald haben wir schönsten Rückenwind mit 15kn. Wir fliegen nur so durch die Strasse von Gibraltar. Nachdem die letzten vier Tage niemand ausgelaufen ist, segeln jetzt gleichzeitig vier Yachten los. Doch bald verschwinden sie hinter der Kimm. Es hat zwar viel Schiffsverkehr, aber es ist problemlos, die Schifffahrtsstrasse zu queren. Wir müssen nicht einmal rechtwinklig darüber, wir können den Kurs der einzelnen Schiffe recht gut einschätzen. In der Nacht nimmt der Wind zwar langsam ab, doch wir können die ganze Nacht segeln. Wir behalten mein bewährtes Wachschema bei und so läuft der Radar und stehe ich jede Stunde auf um zu schauen, ob alles in Ordnung ist.
Dienstag, 28. November
Im Laufe des Vormittags schläft der Wind langsam ein und wir motoren fast den ganzen Tag. Zum allerersten Mal habe ich das Gefühl, dass der Weg das Ziel ist. Bis jetzt bin ich immer gesegelt, um irgendwo anzukommen. Doch jetzt befällt mich ein Gefühl, wie wenn das Leben auf dem Meer ohne Ende und meine ganze Heimat ist. Es spielt überhaupt keine Rolle wie schnell wir fahren oder wann wir ankommen. Wir haben genügend zu Essen an Bord und es wird uns an nichts fehlen. Ich habe total den Frieden und ich kann erstmals Bernard Moitessier verstehen, der nach einer Weltumsegelung nicht an Land gegangen ist, sondern nochmals um die halbe Welt gesegelt ist. Das könnte ewig so weitergehen!
Der Sonnenuntergang ist absolut spektakulär auf einem Meer, das von keiner Windwelle gekräuselt wird. Dafür läuft eine 3m hohe, ca. 50m lange Welle aus Westen. Bin ich froh, dass ich kein Einrumpfboot habe, das würde jetzt mächtig schaukeln. Heute gibt’s Gschwellti und Käse zum Znacht. Nach dem Essen kommt wieder schöner Wind auf und wir segeln mit gerefftem Gross und Genua durch die Nacht. Heute Nacht übernimmt Pa die Kontrollrunden und ich schlafe die ganze Nacht durch.
Mittwoch, 29. November
Wie jeden Morgen frühstücken wir erst gegen 10.00h. Bis 8.00h ist es dunkel und dann legen wir uns meist nochmals hin. Es ist wieder ein herrlicher Sonnentag und es scheint jeden Tag etwas wärmer zu werden. Gegen Mittag werfe ich erstmals die Angelrute aus. Kaum eine Stunde vergeht und ein Fisch beisst an. Die Angelleine rauscht 100m aus und dann beginnt die Arbeit. Es geht eine Viertelstunde, bis ich ihn an Bord habe – ein prachtvoller, 50cm langer Thunfisch. Zum Glück habe ich den Fischern auf den Kapverden beim Ausnehmen zugeschaut und eine weitere Viertelstunde später hatten wir vier herrliche Thunfischsteaks. Zwei habe ich als Sashimi zum Mittag gemacht und die anderen beiden gab es abends in Sesamöl kurz angebraten – yummi!
Die Tage sind wie die Unendlichkeit. Durch das Wache schieben haben sei keinen Beginn und kein Ende. Ebenso scheint die Reise irgendwann begonnen zu haben und hat (vorerst) kein Ende. Nur, Pa, Blue Bie, das Meer und ich. Ich hätte nie gedacht, dass ich das Motto auf meiner Homepage so sprichwörtlich empfinden würde. Das ganze ist so friedlich, dass mir das Meer der beste Ort erscheint, dieses Jahr Weihnachten gebührend zu feiern – mal schauen.
Donnerstag, 30. November
Wir hatten die ganze Nacht von Mittwoch auf Donnerstag starken Nordostwind – genau von hinten. Wir haben das Gross gerefft, den Gennaker gegen die Genua mit zwei Reffs eingetauscht und sie im ‚Schmetterling’ gesetzt. Blue Bie ist die ganze Zeit zwischen 7 und 9 kn gelaufen. Immer wieder haben Wellen unten gegen das Boot geschlagen, doch wir haben trotzdem gut geschlafen. Ich habe ja gewusst, dass das am Wind passiert, aber vor dem Wind hat es mich schon ein wenig überrascht. Ich bin alle Stunde aufgestanden und habe mich dabei immer wach gefühlt – und konnte trotzdem sofort wieder einschlafen.
Tagsüber hat der Wind zwar abgeflaut, doch wir konnten den ganzen Tag unter Gross und Gennaker im Schmetterling segeln. Gegen Abend haben wir einen Motor angelassen um Strom zu machen. Autopilot, Radar und Beleuchtung brauchen doch jede Menge Strom und die Sonnenzellen lagen häufig im Schatten der Segel. Ich habe den ganzen Tag gelesen, gedöst und Alphorn gespielt. So geht die Zeit vorbei ohne Spuren zu hinterlassen. Ich freue mich auf die Atlantiküberquerung, wo ich dasselbe über eine noch längere Periode erleben werde. Ich bin gespannt, ob ich es dann genauso geniessen werde! Heute Nacht kann ich durchschlafen – Pa hält Wache.
Freitag, 1. Dezember
Ein ziemlich ereignisloser Tag mit relativ wenig Wind. So haben wir zweimal 2 Stunden motort bis der Wind wieder etwas stärker wurde. Wir werden voraussichtlich am Samstag in Las Palmas ankommen und es gibt keinen Grund uns zu beeilen, denn wir würden nur in der Nacht von Freitag auf Samstag ankommen.
Erstaunlich wie kurz so ein Tag ist: Um 8.00h wird es hell, um 8.30h aufstehen und Segel einstellen, Morgentoilette und Frühstück kochen. Frühstück um 10.00h, noch etwas plaudern, abwaschen und schon ist es 11.00h. Da bleiben gerade mal 3 Stunden zum Nichts tun, navigieren & Alphorn spielen. Gegen 14.00h gibt Mittagessen und dann nochmals 3 Stunden relaxen, lesen und Alphorn spielen. Um 18.00h geht die Sonne unter, es wird kühler und wir lesen etwas in der Kajüte. Um 20.00h gibt’s Nachtessen und um 22.00h machen wir die letzte Kontrolle vor dem Schlafen gehen. Danach ist es wieder an mir mit dem Einstundenrhythmus für die Wache.
Samstag, 2. Dezember
Der Wind dreht diese Nacht häufig und so schifte ich die Genua dreimal hin- und her. Zudem lösen noch zwei Frachtschiffe die den Radaralarm aus, weil sie weniger wie 2 Meilen von mir entfernt passieren. Beide haben mich gesehen und fahren einen Bogen um mich herum – danke!
Gegen Mittag erreichen wir Las Palmas auf Gran Canaria – fünf Tage nachdem wir abgelegt haben. Am Hafen höre ich einen Italiener sagen, dass sie die ganze Strecke wegen mangelndem Wind motoren mussten – da bin ich froh, dass Blue Bie auch bei achterlichen Winden um 10kn gut vorwärts kommt. Ich hätte gedacht, der Hafen von Las Palmas sei verlassen, nachdem vor einer Woche die ARC den Hafen mit rund 300 Booten verlassen hat. Doch die Stege sind gut gefüllt, aber wir kriegen noch ein Plätzchen.
Am Abend laufen wir Richtung Stadtzentrum. Wir finden nach zwei, drei Kilometer einen um 20.30h offen El Corte Ingles, doch kein vernünftiges Restaurant. So kehren wir um und essen etwas am Hafen. Da ist die Hölle los: Bis um 5.30h sind die Bars offen und in vollem Betrieb. Das ist das Ausgangszentrum der Stadt!
Sonntag, 3. Dezember
Nach einem gemütlichen Frühstück wollen wir im Internet Café einen Rückflug für Pa buchen. Doch das WLan geht nicht. Also hängen wir den Laptop an das LAN an – funktioniert auch nicht! Wieso das, das hat doch immer funktioniert?!? Also dasselbe mit dem Ersatz PC, doch auch das funktioniert nicht. Kommt noch dazu, dass ich seit kurzem auf meinen beiden Mail Konten keine Mails mehr versenden kann. Also jetzt bin ich kommunikativ definitiv aufgeschmissen. Das braucht wohl noch etwas Arbeit!
Tagsüber basteln wir an der Blue Bie, dichten das Luk über meinem Bett and und verkabeln den Laptop sauber. Zudem ersetze ich präventiv alle Leitungen beim Steuerbordmotor, die ich beim Backbord ersetzt habe. So sind beide Motoren gleich und es sind einige ‚Sollbruchstellen’ beseitigt. Dieser hängt unterdessen am eigenen 12V Konverter, dem GPS und damit dem Autopiloten sowie dem Kurzwellenfunkgerät. Über letzteres kann ich Wetterfax empfangen und sogar E-Mails senden und empfangen, wenn ich ausserhalb des Mobiltelefonempfangs bin.
Montag, 4. Dezember
Ich gehe um 9.00h zum Rigger um eine Verstrebung für den vorderen Querträger zu bestellen. Das Drahtseil ist korrodiert und einige erste Seelen sind gebrochen. Das ist das einzige Drahtseil, das vor 2 Jahren nicht ersetzt wurde als Michel den Mast von Blue Bie verloren hat. Wir haben das erst unterwegs von Gibraltar hierher gesehen. Dabei bin ich in Gibraltar extra in den Mast hochgestiegen und habe oben alles kontrolliert! Da habe ich wohl am falschen Ort geschaut. Pa und ich haben am Sonntag versucht, das alte zu demontieren. Doch das ging nicht, weil der Wantenspanner voll korrodiert war. Der mit einem 2m langen Rohr verlängerten Gabelschlüssel haben wir dabei glatt verbogen! Das geht wohl nur mit der Drahtschere ab, aber erst nachdem das neue Drahtseil da ist und passt!
Der Rigger ist komplett ausgebucht und kann keinen Termin versprechen, da diese Woche noch zwei Feiertage sind. Irgendwie fühle ich mich nicht so richtig wohl. Die Kommunikationsprobleme und die ungelöste Verstrebung lassen mich nicht so richtig zur Ruhe kommen. Gegen Abend sagt der Rigger, dass wir das neue Drahtseil am Dienstagabend haben werden. Perfekt, dann können Pa und ich es montieren, bevor er am Donnerstag nach Hause fliegt. Ob wir das schaffen? Wir müssen immerhin den ganzen Querträger lösen, an welchem das ganze Rigg hängt.
Dienstag, 5. Dezember
Ich glaube, die E-Mail Probleme und die Verstrebung sind gar nicht die Ursache meines Unwohlseins: Ich habe mich schlicht zu wenig bewegt. So packe im mein Bike aus, organisiere jemanden der nächsten Mittwoch (erst!) die Toplampe montiert, erweitere meinen Aktionsradius und fahre in die Stadt und mache Besorgungen für die Blue Bie. Jetzt geht es mir viel besser. Es macht einfach unheimlich Spass mit dem Bike rumzudüsen. Noch viel mehr Spass macht es, mit Händen, Füssen, Englisch und ein bisschen Spanisch einzukaufen. Ich brauche im Merceriegeschäft Klettverschluss, im Elektronikgeschäft zwei Ferrite und Spezialkabel und im Tabakgeschäft Pfeifenputzer für das Alphornmundstück – übersetzen bitte J.
Erst jetzt fühle ich, dass ich in Las Palmas angekommen bin. Bis jetzt war ich meist nur im Hafen und habe nur mit anderen Seglern gesprochen. Spannend, aber halt nur die halbe Wahrheit. Den grössten Teil des Nachmittags verbringe ich im Internet Café und so langsam kriege ich meinen PC wieder zu laufen. Zudem muss ich noch den E-Mail und Wetterempfang Empfang über Kurzwelle organisieren.
Pa schaut, wie wir die neue stromsparende Top-Laterne montieren können. Der Schaltkreis ist kompliziert und er verbringen mehr als den halben Tag damit.Die Montage der Toplampe geben wir nach einer Besichtigung im Masttop auf. Das soll ein Spezialist machen. Am Abend gehen wir mit dem Bootsnachbar essen. Ungefähr gleich alt wie ich, hat er sein Geschäft verkauft und eine super 56 Fuss Yacht bauen lassen. Damit ist er wie ich alleine unterwegs. Wir werden uns in der Karibik sicher wieder sehen. Es ist ein spezieller Hafen: Alle Leute fahren entweder auf die Kapverden, nach Brasilien oder in die Karibik. Wie heisst es so schön? Der einzig vernünftige Weg von den Kanaren nach Europa führt über die Karibik. So haben alle das gleiche Ziel und bereiten sich auf den grossen Schlag vor.
Um 19.30h teilt der Rigger mit, dass er das Drahtseil doch nicht rechtzeitig fertig kriegt. Dafür sagt er zu, dass er am Donnerstag hilft, das alte Drahtseil zu demontieren und das neue zu montieren. Auch gut!
Mittwoch, 6. Dezember
Heute haben wir einen faulen Tag und haben nicht viel zu tun. Doch es gibt immer was zu tun und so leimen wir ein paar unschöne Sachen und dichten den Wassertank unter meinem Bett ab, der sich nur noch zu 4/5 füllen lässt. Der Plastik ist total weich und ich kann den Ersatzschlauch nicht mit einer Schlauchbride festmachen. So kommt einmal mehr der Sikaflex Leim zum Einsatz. So vergeht die Zeit wie im Fluge und ich muss auch noch Alphorn spielen: Es kam gestern Abend doch eine sehr klare Aufforderung vom Nachbarschiff – schön, dass es gefällt, auch wenn die Töne noch lange nicht rein sind!
Am Nachmittag gehe ich wieder in das Internet Café und so langsam nimmt die PC Sache wieder Form an. Die Zeit nütze ich aus, um in Google Earth meine bisherige Reise zu erfassen. Jetzt kann man mit einem Mausklick auf der Homepage die einzelnen Strecken sehen, die ich zurückgelegt habe. Schon cool, was man mit diesem Programm machen kann. Heute ist der letzte Abend von Pa und wir gehen nochmals zum Japaner, der ist wirklich lecker.
Donnerstag, 7. Dezember
Nach zwei Wochen auf der Blue Bie verlässt mich Pa heute wieder. Ich habe es sehr genossen, für eine längere Zeit mit ihm zusammen zu sein, das haben wir zu Hause nie gehabt. So hat die Distanz auch ihre Vorteile! Am frühen Morgen hätte der Rigger kommen sollen, doch er verspätete sich um kam erst gegen 14.00h. Nach einigem Kopfschütteln, Rätseln, „I have never a thing like this“, wagen wir uns an die Arbeit. Es geht wieder erwarten gut, bis er merkt, dass er ein Teil falsch mitgebracht hat. Er kommt gegen Abend wieder zurück, doch diesmal ist das Teil etwas zu schmal. Natürlich nur ein wenig zu schmal und wir haben grösste Mühe es wieder heraus zu kriegen. Da am Freitag Feiertag ist, verspricht er am Samstag wieder zu kommen.
Dazwischen geniesse ich die Sonne und atme nach den Aktivitäten der letzten Tage wieder durch und lasse die Seele baumeln.
Freitag, 8. Dezember
Heute mache ich für einmal überhaupt nichts. Ich lese, spiele Alphorn, gehe in das Internet Café und am Abend in die Altstadt zum Essen. Von meinen E-Mail Problemen sind fast alle gelöst – nur der Zugriff mit dem PDA auf mein Mail Account funktioniert nicht. Die Altstadt ist wirklich sehenswert und wunderschön dekoriert. Nur zu schade, dass es auch hier dieselben globalen Läden wie überall hat: Mango, Zara, Springfield, … Doch gleich um die Ecke hat es viele kleine Geschäfte und es macht Spass Schaufenster zu bummeln. Man merkt, den spanischen Lebensstil deutlich: Um 20.00h ist die Einkaufsstrasse noch voll mit flanierenden Spaniern. Touristen hat es in Las Palmas fast keine, dafür bietet es zu wenig Strände.
… und ich habe es geschafft, meinen Pass und meine Schiffspapiere wieder zu verlieren :-( Ich habe die ganze Blue Bie abgesucht, Pa angerufen, doch alles nützte nichts. Auch beim Hafenmeister war nichts. Dann kam mir wieder in den Sinn, dass wir nach der Anmeldung Mittagessen waren. Und siehe da, mein Pass und Schiffspapiere liegen nach 5 Tagen noch auf der Theke des Restaurants! Ufff. Ich glaube, ich binde mir den Pass um den Bauch oder lass ihn mir noch besser einoperieren.
Samstag, 9. November
Wieder warte ich auf Ottavio, den Rigger. Er ist ein wirklich feiner Kerl, aber hoffnungslos überlastet. So warte ich vergebens und gehe gegen Mittag in sein Geschäft. Es ist alles da, aber er hatte im Laden zu viel zu tun. So nehme ich die Sachen mit und montiere sie alleine. Und siehe da, es passt alles und geht auch alleine bestens. Bis der ganze Mast richtig vergeht der Nachmittag wie im Flug. Abends geniesse ich wieder ein hervorragendes Entrecôte in der Tapas Bar. Es ist absolut lecker und es gibt schlicht keinen Grund weiter zu laufen.
Sonntag, 10. November
Heute ist süsses Nichtstun angesagt. Ich geniesse den Tag auf dem Schiff, lese, spiele Alphorn und gehe mit dem Fahrrad im Hafen spazieren fahren. Am anderen Ende des Hafens liegt noch ein Schweizer Boot und ich gehe plaudern. Ehe wir uns versehen ist der Nachmittag um. Gerne würde ich zum Italiener Essen gehen. Doch dieser macht erst um 21.00h auf. Bis dann bin ich längst verhungert! So gehe ich nebenan zum Asiaten und geniesse Singapore Noodles.
Montag, 11. Dezember
Wieder ein herrlich fauler Tag: Auf der Blue Bie ist alles in bester Ordnung und es gibt nichts zu tun. So gehe ich waschen (und dabei mit vielen Leuten plaudern), einkaufen, schreibe Weihnachtskarten und kaufe mir den Hafenführer für den ersten Teil der Karibik.
Das macht mir deutlich, dass die Abfahrt langsam aber sicher näher kommt. Seit gestern stürmt es mit 30-35kn und an ein Auslaufen ist nicht zu denken. Doch gegen Mitte Woche müsste sich das Wetter beruhigen. Einerseits freue ich mich zu gehen, andererseits ist mir schon ein wenig mulmig. Wenn ich dann noch höre, dass vor 2 Wochen ein Boot einen Wal gerammt hat und gesunken ist, …
Dienstag, 12. Dezember
Heute wasche ich die Blue Bie wieder einmal gründlich und mache mich über die vielen kleinen Rostflecken her. Mit der richtigen Chemie macht es sogar richtig Spass, den Rost zu entfernen. Daneben finde ich immer wieder Zeit, um bei meinen französischen Bootsnachbarn einen Kaffee trinken zu gehen.
Sie sind schon 20 Jahre unterwegs und haben eine Fülle von Erfahrung von der ich nur zu gern profitiere. Dafür kann ich ihnen mit etwas Computerwissen helfen. So erlebe ich wirklich eine wunderschöne Seglergemeinschaft hier in Las Palmas. Ich geniesse es richtig, alleine hier zu sein. Ich bin frei und unabhängig und trotzdem hat es immer wieder Gesellschaft. Morgen Mittwoch sollten Mechaniker die neue Toplampe montieren. Wenn alles klappt und ich mit Einkaufen und Ausklarieren beeile, könnte ich am Donnerstag auslaufen. Doch das ist mir zu viel Gehetz und und so beschliesse ich, nicht vor Samstag auszulaufen, denn am Freitag Auslaufen bringt Unglück.
Mittwoch, 13. Dezember
Erstaunlich pünktlich kommen die Mechaniker und montieren die neue Toplaterne. Um 13.00h ist alles fertig und ich habe zwischenzeitlich alle Chromstahlteile poliert. Unglaublich, wie viel sauberer Blue Bie jetzt aussieht. Den grössten Teil des Nachmittags verbringe ich im Internet Café, maile und organisiere Wetterberichte. Es sieht doch sehr durchzogen aus. Statt am Samstag denke ich immer mehr darüber nach, erst am Dienstag loszufahren, wenn sich wieder eine stabile Nordostströmung etabliert. Dann spreche ich mit einigen Amerikanern, die am Samstag los wollen. Der Wind ist untypisch, aber eigentlich gar nicht schlecht. So werde ich voraussichtlich nördlich um Gran Canaria herumsegeln statt südlich. Nur Montag Dienstag wird es wohl eher weniger Wind haben, bevor am Mittwoch dann der Nordost wieder richtig einsetzt. So beschliesse ich, auch am Samstag loszufahren und wir werden gegenseitig Funkkontakt halten.
Am Abend prüfe ich nochmals die Toplampe – alles funktioniert bestens, jetzt muss ich sie nur noch im Schaltpanel richtig verdrahten. Ich bin richtig euphorisch, jetzt wo ich weiss, dass es am Samstag losgeht. Schon speziell, ich bin schon so lange auf dem Wasser und freue mich richtig auf das Segeln. Es müsste die ersten zwei Tage eine Rauschefahrt geben. Ich bin gespannt, wie lange die Euphorie anhält. Auch wenn es keine wirkliche Warterei war, scheine ich doch froh zu sein, dass es endlich losgeht. Ich gehe in Gedanken all die Sachen durch, die ich die nächsten zwei Tage noch erledigen muss. Gut machbar, aber einen kleinen Zacken zulegen muss ich schon.
Donnerstag, 14. Dezember
Heute war ich so richtig einkaufen und habe den halben Corte Ingles leergekauft. Meine Vorräte lassen für viele Wochen keinen Hunger aufkommen und ich habe mir auch feines für Weihnachten und Neujahr gekauft: Pasta, Kartoffeln, Kartoffelstock, Obst, Gemüse, Crackers, Frischbackbrot, Steak, Entenleber, Rohschinken, Lachs, Panacotta, Chips, Guiness, Champagner, … Morgen wird alles auf das Boot geliefert und ich muss nur noch ein Plätzchen für die 8 Kartons voll Lebensmittel finden. Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit Computersupport und diversen kleinen Einkäufen.
Gemäss Wetterbericht hat es am Samstag und Sonntag guten Wind und dann einige Tage eher wenig. Ich habe beschlossen am Samstag abzulegen, denn einen Grund zu warten könnte ich immer finden. Es legen mindestens noch zwei andere Yachten gleichzeitig ab und es gibt Motivation und Beruhigung zugleich, dass andere gleich denken und in der Nähe sind. Ich bin schon ein wenig aufgeregt und mit Vorschlafen ist nicht viel.






