Der erste Törn
Dienstag, 20. Juni
Heute morgen tröpfelt es – Grund genug mich nochmals im Bett umzudrehen, schliesslich gibt es ja nichts zu tun bis ich den Autopilot abholen kann. Der Autopilot ist um 12.00h natürlich nicht wie versprochen fertig, aber um 18.00h kommt nochmals eine Post. So putze ich erstmal das Schiff, das am Morgen vom Sahararegen ganz gelb wurde und fülle den Wassertank den ich über die letzten Tage geleert habe. 120 Liter in 11 Tagen, das ist schon ganz vernünftig, aber zuviel wenn ich bedenke, dass ich nicht auf dem Schiff dusche. Um 18.00h ist der Autopilot tatsächlich angekommen. Als ich danach im Auto sitze habe ich plötzlich kurz ein mulmiges Gefühl, so ganz nach dem Motto: ‚Muss ich jetzt?’
Dann baue ich ihn gleich ein – eine Sache von weniger als 10 Minuten und er läuft einwandfrei. Wahnsinn, wie schnell es geht, wenn die Sachen funktionieren. Ich mache noch ein paar Kleinigkeiten, wärme mir eine Büchse Ravioli und verfeinere sie mit Herbes Provencales und frischem Emmentaler. Heute war ein so richtig friedlicher Tag, auch wenn ich wieder keine grosse Zeit zum Nichtstun hatte. Ich fühle mich bereit, morgen abzulegen. Hoffentlich spielt der Wind mit!
Mittwoch, 21. Juni
Der Wetterbericht verheisst Südwestwind. Da nehme ich es gemütlich, gehe joggen, erledige einige Kleinigkeiten und faulenze. Das Ziel in Valencia den America’s Cup zu sehen, gebe ich auf. Das wäre eine Riesenfahrerei für ein paar Regatten schauen. So konzentriere ich mich darauf, am 27. Juni in Barcelona zu sein. Das kann ich in einigen Tagesetappen bestens schaffen.
Donnerstag, 22. Juni
Heute ist alles bereit und ich laufe gegen 11.00h aus. Doch der Wind ist gegen mich, er bläst wieder aus Südwest, daher wo ich hin will. So kalibriere ich erst einmal den Autopiloten, doch auch danach hat der Wind noch nicht gedreht. So setze ich den Spinnaker und tuckere bei 15 kn Wind gemütlich zurück Richtung Port Camargue. Ob das Hafenmanöver bei diesem Wind alleine funktioniert? Es hat und erst noch ohne eine Hand irgendeines Helfers. Ich fühle mich so richtig gut. Es funktioniert alles, ich scheine das Boot für’s erste im Griff zu haben.
Freitag, 23. Juni
Heute stelle ich den Wecker auf 6.00h um um 7.00h auszulaufen – egal was der Wind macht. Blue Bie macht unter Motor und bei leichten Winden c. 5-6 Seemeilen pro Stunde. Erst wenn es schön bläst, wird sie richtig schnell. Doch das Mittelmeer hat um diese Jahreszeit nicht so viel Wind. Es hat noch etwas Morgenthermik und mit dieser segle ich los. Immer Kurs 230° bis nach Leucate bin. Ich geniesse die Morgenruhe und döse etwas vor mich hin – und lasse mich alle halbe Stunde vom Wecker für einen Kontrollblick wecken. Doch bereits nach 2 Stunden lässt der Wind nach und ich motore einige Stunden. Um 13.00h mache ich mir einen Wurst-/Käsesalat.
Dann nervt mich so ein komisches Gesumse und ich gehe ihm nach. Es ist die eine Motorenelektronik die so halblaut tönt – Ölmenge. Da schaue ich besser mal nach – ohhh shit: Eine Riesenöllache unter dem Motor. Schnell den Motor abstellen. Wo kommt das Öl her? Bis anhin hat er kein Öl verloren, habe ich doch letzte Woche die Ölmenge kontrolliert. Da muss ich den Messstab nicht richtig montiert haben. Ob es noch Ersatzöl an Bord hat? Ja, 2 Liter, das müsste reichen. Jetzt schaue ich sicherheitshalber noch den Steuerbordmotor an. Oh, nein, noch die grössere Lache. Auch abstellen und erst einmal segeln – zum Glück hat der Wind zugelegt und die Richtung passt mit leicht geschrickten Schoten bestens. Also erst mal mit der Ölreinigung beginnen. Der Wind nimmt auf 15 kn zu. Die Wellen dröhnen gewaltig im Motorenraum und ich habe schon etwas bammel so blind durch die Gegend zu rasen. Nach einer Stunde ist der grösste Teil des Öls im Griff. Steuerbord ist es mehr Wasser als Öl. Fazit: Linker Ölstand auf dem Minimum, rechter in der Mitte. Da reicht das Öl ja gerade. Jetzt den Ölstab gut aufsetzen und ein Probelauf – scheint alles dicht zu sein. Unterdessen ist es 17.30h und Leucate noch eine Stunde weg.
Nach dieser Aufregung schnaufe ich erst einmal durch. Doch bald kommt schon das Hafenmanöver und ich muss alles vorbereiten. 50m vor der Hafeneinfahrt stoppt mich die Polizei. Ich verstehe kein Wort und sie sprechen kein Englisch. Nach einiger Zeit verstehe ich, dass sie die Hafeneinfahrt für einen Seenotfall freihalten möchten. Das mache ich gerne und bin froh, dass ich nicht mit zwei defekten Motoren eingeschleppt werden muss.
Samstag, 24. Juni
Eigentlich wollte ich heute in Leucate mal die Surfshops aufsuchen. Aber bevor der Motorenraum nicht sauber ist, gehe ich nicht. Also gehe ich in den Laden um Ölsaugtücher zu holen. Und siehe da, die funktionieren wirklich. Doch bis alles sauber ist, sind wieder 3 Stunden um. Danach duschen und etwas schlafen. Irgendwie bin ich dauermüde. Ich frage mich woher. Die Anstrengung oder die Anspannung, ob ich alles im Griff habe?
Jetzt gehe ich mit dem Bike von Port Leucate in Richtung Leucate Plage und Leucate Village und schauen, was es an Kitematerial hat. Abgesehen von Ersatzmaterial suche ich noch ein Kiteboard für die Welle und ein Leichtwindbrett. Da hat es tatsächlich eine riesige Auswahl und eine gute Auswahl von letztjährigen und gebrauchten Brettern, darunter ein wenig gebrauchtes Modell meines ‚Lieblingsbrettes’ (zumindest gemäss den Tests). Und wer mich kennt, weiss dass ich diese immer detailliert studiere. Dazu gönne ich mir als Stärkung eine Crepe, ein Bier und die ersten 15 Minuten des WM Achtelfinals Deutschland – Schweden. Danach war das Spiel gelaufen und ich konnte weiter shoppen gehen. Am Abend habe ich in Port Leucate bis zum Umfallen Austern und Miesmuscheln mit Curry Sauce gegessen.
Sonntag, 25. Juni
Heute möchte ich gegen Abend Richtung Barcelona auslaufen. 120 Seemeilen, das sind 12-24 Stunden. D.h. wenn ich um 16.00h gehe, bin ich zwischen 05.00h und 17.00h (mit Hafenmanöver) in Barcelona und sollte somit Tageslicht für die Hafenansteuerung haben. Barcelona ist der meistfrequentierte Hafen an der spanischen Mittelmeerküste und hat viel Container- und Frachtschiffverkehr. Das ist mir am Tage lieber als in der Nacht. So mache ich mir einen gemütlichen Morgen mit Croissant und Espresso in einer Bar und nusche nachher auf dem Schiff ein wenig herum. Um 12.00h beginnt es zu blasen und zu regnen – mal schauen was das Wetter heute noch bringt. Gemäss Wetterbericht Windstärke 4-5 aus Nordwest und das würde gut passen. Genau das hat es jetzt.
Nach feinen mit Kümmel aufgepeppten Kartoffeln sardinischer Art vom lokalen Metzger kontrolliere ich nochmals den Ölstand und überprüfe, dass die Motoren kein Öl verlieren. Der Steuerbordmotor verliert kein Öl mehr, aber Wasser. Jetzt ist mir auch klar, woher das viele Wasser in der Bilge kam. Und der Backbordmotor verliert noch immer Öl – und diesmal ganz sicher nicht beim Ölmessstab. Also verschiebe ich die Abfahrt nach Barcelona und werde morgen früh als erstes einen Mechaniker aufsuchen. Dann ist jetzt wohl Zeit um etwas zu relaxen und ein kleines Nickerchen zu machen. Es wäre genialer Wind 15 kn schräg von achtern, jetzt rege ich mich schon ein wenig auf. Noch viel mehr, dass ich nicht rechtzeitig daran gedacht habe, kiten zu gehen!!! Am Abend und in der Nacht frischt der Wind auf 25kn auf. Vielleicht doch gut, dass ich meinen ersten Nachttörn nicht bei diesem Wind gemacht habe.
Montag, 25. Juni
Ich gehe zuallererst auf die Werft. Doch die Mechaniker arbeiten am Montag nicht. Immerhin scheint der Bootsbauer sein Geschäft zu verstehen und ist schnell auf der richtigen Fährte. Doch die Lösung ist kaum vor Mittwoch da. Aber am Mittwoch sollte ich doch Cécile in Barcelona abholen. Sh... So informiere ich Cécile, dass ihr Urlaub wohl nicht ganz nach Plan beginnt! Nachdem die Batterien letzte Nacht stark abgefallen sind, lese ich in diversen Elektrik-, Elektronik- und Motorenhandbüchern und gehe dem Bootsbauer ein wenig zur Hand.
Dienstag, 26. Juni
Heute kommt der Mechaniker. Ich mache mir einen lockeren Tag bzw. nusche an vielen Kleinigkeiten auf der Blue Bie herum. Wieso haben sie z.B. keine rostfreie Schrauben für das Funkgerät verwendet? Dann habe ich eine Chromstahlpolitur gekauft, denn die Relingstützen und andere Chromstahlgegenstände haben doch deutlich Flugrost angesetzt. Die Paste funktioniert bestens – auch auf meinen Chromstahlsegelmesser. Doch der Chromstahlabrieb gibt sehr dreckige Finger. Und das kurz vor dem Feierabend? Nein, das muss nicht sein. Ich kauf mir bei Gelegenheit Küchenhandschuhe und mache es dann.
Es ist nach wie vor unklar, wann die Maschine fertig wird. Wenn sie die Dichtung beim Grosshändler finden, müsste morgen alles in Ordnung sein. Um 17.00h die erlösende Nachricht, die Dichtung ist da und kann morgen eingebaut werden. Am Abend gehe ich Frankreich – Spanien schauen. Unglaublich, was da für Emotionen hochgehen. Ich bin der einzige im ganzen Restaurant, der ruhig sitzen kann.
Mittwoch, 28. Juni
Die Dichtung ist um 10.00h eingebaut und der Probelauf findet statt. Noch immer kommt Öl heraus – es ist zusätzlich eine kleine Kupferölleitung, die korroriert ist. Kein Problem, die können sie beim Händler organisieren.
Heute kommt Cécile. Also einmal Reinschiff machen, einkaufen und auch sonst alles vorbereiten. Am Nachmittag möchte ich nach Perpignan fahren und abends Cécile abholen. Doch das Taxi hat frühestens um 16.30h Zeit. Dann halt um 16.30h. Vor 17.00h gehe ich nochmals auf die Werft um zu schauen, wie es mit dem Ersatzteil aussieht. Es ist frühestens am Freitag oder Samstag da !!! Das kann ja nicht wahr sein, Cécile und ich wollen doch segeln gehen. Nach einiger Diskussion einigen wir uns auf ein Provisorium, nachdem ich versprochen habe, den Motor auf der Rückfahrt von Barcelona bei ihnen fertig reparieren zu lassen. So ist der Motor um 18.00h fertig. Cécile und ich beginnen die Ferien mit einer Flasche Champagner und gehen dann gemütlich Nachtessen.
Donnerstag, 29. Juni
Endlich ist der Motor soweit – noch etwas putzen und es ist alles klar zum Ablegen. Die Reparatur kostet €800, das geht noch, wenn ich bedenke, dass die Mechaniker fast 3 Tage fast non-stop gearbeitet haben. Im Hafen messe ich 26 kn NW Wind. Ich liege parallel zum Steg und der Wind drückt die Blue Bie voll drauf. So habe ich etwas Bammel vor dem Hafenmanöver und dem Segeln.
Das Manöver gelingt mit etwas Schwung und das Segeln geht mit Genua alleine bestens. Nach einer Stunde geht der Wind zurück und wir setzen das Gross. So geht es gemütlich im Netz liegend unter Autopilot, Gross und ausgebaumter Genua genau vor dem Wind 21 Seemeilen nach Porte Vendres. Das Hafenmanöver gelingt bestens und wir liegen um 18.30h fest. Wir gehen joggen und ich merke, dass ich viel zu wenig getrunken habe. Ich dehydriere vollkommen und kriege Seitenstecher. Ich fühle ich mich total unfit. Nach dem Joggen hilft 1 Liter isotonisches Getränk. Noch eine Dusche und bin ich bereit für das Nachtessen, was super lecker schmeckt.
Freitag, 30.Juni
Heute machen wir einen kurzen Schlag von 11 Seemeilen nach Llansa, dem ersten Hafen in Spanien. Fast hätte ich vergessen, die Gästeflagge zu wechseln. Llansa ist ein herziges Feriendörfchen mit einem schönen Hafen. Allgemein sind die Hafenmeister sehr freundlich, erwarten einem am ersten Steg, weisen ein und helfen das Boot zu belegen. Da könnte sich der eine oder andere Bodensee-Hafenmeister eine Scheibe abschneiden.
Nach dem Segeln gehen wir spazieren und schwimmen. Cécile ist ein richtiges Bewegungstier und braucht neben dem Segeln noch Bewegung. Baden reicht nicht und so schwimmen wir quer über die Bucht bis zur letzten Badeboje. Dort stehe ich schnell im Sand ab und ruhe aus. Glück gehabt, ringsherum – weniger als ein Meter entfernt - hat es tonnenweise Seeigel! Um 21.00h - viva l'Espana - gehen wir auf der Terrasse des Segelclubs essen, geniessen eine richtig gute Paella und eine tolle Flasche Rioja.
Samstag, 1. Juli
Heute machen wir wieder nur einen kurzen Schlag nach Cadaquès. So können wir den Morgen geniessen, gehen nochmals schwimmen, geniessen Llansa und laufen erst um 14.30h aus. Für einmal ist das Übernachten wirklich teuer: € 117 – ein Katamaran kostet das doppelte wie ein normales Boot. Die anderen Häfen kosten €30 – 50, mit einem Katamaranzuschlag von 0-20%. Am Abend bezahlen wir den Preis für das späte Auslaufen. Der Wind weht mit 15 kn in die Bucht von Cadaquès hinein und so entschliesse ich mich, die Nachbarbucht von Port Lligat anzulaufen. Statt einer leerer Bucht wie gemäss Hafenführer ist sie voll von Moorings. Und alle sind belegt – es ist Samstag Abend und langsam Ferienbeginn. Der Hafenmeister empfiehlt nach Cadaquès zu gehen.
So motoren wir zwei Meilen nach Cadaquès und der Wind schläft langsam ein. Aber auch hier sind alle Moorings belegt und wir müssten auf fast 20m Wassertiefe ankern. Also legen wir den Anker halb in die Moorings hinein, was der Hafenmeister zwar nicht unbedingt billigt, aber sagt dass er nichts sehe! Doch weil der Wind ganz einschläft, kommen wir zu nahe an die Moorings und wir verlegen uns nach dem Nachtessen um 22.30h auf die andere Seite der Bucht in den verbotenen Bereich. Wir richten das Bett im Cockpit und schlafen die ganze Nacht unter Sternenhimmel.
Sonntag, 2. Juli
Heute rächt es sich, dass wir die Törnplanungsregeln nicht einhalten. Wir haben in der ersten Wochenhälfte gerade ein Drittel der Meilen gemacht, weil da die schöneren Ortschaften und Häfen sind. So geht es heute 46 Meilen weit und wir motoren früh los. Routinemässig kontrolliere ich die Motoren und der Backbordmotor macht Wasser! Nicht schon wieder! Dieser hat bis jetzt nur Öl verloren, aber immerhin das nicht. So motoren wir mit einem Motor weiter und schon bald kommt der Wind bei 22kn Wind genau auf die Nase und wir setzen das Gross. Doch das Motorsegeln bringt keine bessere Fahrt gegen den Wind als das Segeln und so setzen wir die Genua. Es wird ein langer und anstrengender Tag. Ich habe die Blue Bie noch nicht über längere Zeit bei solchem Wind gesegelt und ich muss mich erst daran gewöhnen. Es sind unheimliche Kräfte: Ich habe noch nie erlebt, dass zwei Törns auf der Winch nicht reichen und ich klemme mir zum Glück nur fast die Finger ein. Mit einem Reff im Gross und voller Genua liegt sie gut auf dem Ruder und wir machen bei 50° am Wind 7-8 kn Fahrt.
Am Abend kommen wir um 20.00h in Blanés an. Ein richtiger Touristenort mit Strandhochhäusern wie an der Copacobana. Der Hafenmeister weist uns den letzten freien Platz an der Tankstelle zu. Überhaupt, die Blue Bie ist in diesem Revier meist der einzige Kat und in den Häfen eines der grössten Schiffe. Heute habe ich meine Lektion gelernt, was die Törnplanung angeht. So gut die Blue Bie segelt, sobald es gegen den Wind oder unter Motor geht, sinkt die Geschwindigkeit gegen den Wind auf 4-6 kn. Lange Distanzen sind wirklich nur mit der richtigen Windrichtung angenehm machbar!
Montag, 3. Juli
Wie immer hat es vor dem Mittag kaum Wind und wir motoren zwei Stunden, bevor der Wind kommt Heute haben wir perfekten Segelwind und es geht uns prächtig. Wir geniesen ein köstliches Mittagessen mit Rohschinken und Früchten. Gegen 16.00h laufen wir den alten Hafen von Barcelona an. Es ist schon ein erhabenes Gefühl neben all den Kreuzfahrt-, Container- und Fährschiffen anzulegen. So lasse ich den Steuerbordmotor an, doch es kommt kein Kühlwasser. Der Keilriemen ist lose. Zum Glück kann ich ihn von Hand andrehen und dann greift der Keilriemen. Ich würde diesen gerne ersetzen, da die Wasserpumpe bereits am Anschlag ist. Doch dazu muss der Riemen vom Alternator runter, aber die Befestigungsschraube ist festkorrodiert. Naja, mit anwerfen geht es auch.
Den Abend geniessen wir in der Altstadt von Barcelona, die gleich neben dem Hafen ist. Schon ein Riesenunterschied zu den kleinen Feriendörfern, die wir die letzte Woche besucht haben. Es pulsiert und lebt und wir geniessen das Shoppen, die Tapas und einen Gutenachtdrink an der Hafenbar.
Dienstag, 4. Juli
Nach dem Frühstück ersetze ich die Batterien und Cécile macht sich bereit für den Heimflug. Am Nachmittag will ich los Richtung Leucate um die Motoren zu reparieren. So laufe ich gegen 16.00h aus, doch bereits in der Haufenausfahrt kommt kein Kühlwasser mehr – der Keilriemen ist endgültig runtergeflogen. So gehe ich mit dem anderen, Wasser verlierenden Motor, zurück an meinen Platz und schaue mich nach einem Mechaniker um. Trotz allen Superyachten soll es auch Mechaniker haben, die sich mit einem kleinen Motor auskennen. Mal schauen. Auf alle Fälle warte ich jetzt erst mal die Reparatur ab.
Kommt noch hinzu, dass für Donnerstag und Freitag stürmische Nordwinde – natürlich einmal mehr genau gegenan - angesagt sind. So lasse ich den Abend gemütlich ausklingen und schaue den Fussballmatch am Strand von Barcelona. Ändern kann ich im Moment sowieso nichts.
Mittwoch, 5. Juli
Heute kommt der Mechaniker einer grossen Werft – nach Vorauszahlung. Der erste Fehler ist schnell gefunden: Der Keilriemen ist durch, weil die letzten Mechaniker die Keilriemenscheibe falsch montiert haben und der Keilriemen schräg läuft. Ausserdem würde er nie eine Wasserpumpe reparieren, das kostet mehr als eine neue. Aha! Mal schauen, ob sie die Wasserpumpen auf Lager haben. Nein, haben sie natürlich nicht. Ist erst in drei Tagen lieferbar und kostet €400. Da habe ich gesagt, sie sollen beide einbauen wie sie sind. Funktionieren tun sie beide, nur verliert die eine c. 10l Wasser pro Stunde. An diesem Vorschlag haben sie keine Freude!
Den Tag habe ich mit dem Bike in Barcelona verbracht. Park Güell, Sagrada Familia, Palau de Musica und Castell: Neben einer verwinkelten Altstadt bietet Barcelona viele Gebäude aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, vor allem von Gaudi. Dann noch Picasso, Miro – kulturell ist hier sehr viel los. Doch das spannendste für mich ist, dass der Hafen mitten in der Stadt ist. Fast wie Zürich, nur haben sie hier einen richtigen Hafen. Ich gehe durch alle Emotionen: Ich vermisse Cécile, rege mich über die Motoren und die Mechaniker auf und habe Bedenken, die Blue Bie im gegenwärtigen Zustand zurückzusegeln.
Donnnerstag, 6. Juli
Punkt 9.00h steht der Mechaniker da und montiert die Pumpen. Und oh Wunder, er schafft es, auch die lecke Pumpe dicht zu kriegen – gemäss seiner Aussage aber nicht für sehr lange! So laufe ich um 11.30h Richtung Norden aus. Mal schauen wie weit ich es schaffe. Eigentlich müsste es Nordwind haben, doch es hat Südwind. So segle ich bis Cap Tossa, wo ich den Nordwind und den ersten leichten (Gewitter-) Regenschauer treffe. Die letzten 5 Meilen motore ich mit beiden Motoren gegenan, die einwandfrei laufen. Um 20.00h komme ich in San Feliu de Guixol an. Das Hafenmanöver funktioniert auch bei 15kn perfekt und ich kriege so richtig Spass daran.
Heute bin ich einfach so richtig zufrieden und geniesse San Feliu. Zum Z’Nacht gibt’s superfeine Fettucine mit Steinpilzen, das ganze im mit Grappa flambierten Parmesanleib gedreht, einfach herrlich. So gehe ich richtig schön müde und zufrieden in’s Bett. Die Blue Bie verlangt schon einiges an Kraft und Anstrengung.
Freitag, 7. Juli
Starker Wind aus Norden voll auf die Nase. Das gibt eine nasse und anstrengende Segelei. Dabei habe ich mal gelesen, dass ein Fahrtensegler selten gegen den Wind segelt! Die nächsten 2 Tage sind Gegenwind angesagt, am Sonntag wenig Wind und am Montag sollte die Blue Bie auf der Werft sein. Erst mal los und dann entscheiden, ob ich die Nacht durchsegle um das von den Mechanikern in Leucate bestellte Teil montieren zu lassen. Sobald der Hafenmeister offen hat, gehe ich zahlen. Es haut mich fast vom Hocker: €180! Ein Katamaran zahlt wieder mal das doppelte einer in sich schon irrsinnigen Hafengebühr von €90. Da werde ich mir einmal mehr etwas gönnen, denn die grossen Ausgabeposten – Hafengebühren und Reparaturen – kann ich im voraus kaum beurteilen und beeinflussen.
Die ersten paar Meilen bis Cabo San Sebastian hat es kaum Wind, also Motoren an. Ab Cabo San Sebastian kommt der Wind etwas Wind auf und wie erwartet voll auf die Nase. Also Segel hoch. Schon nach einer Stunde legt er zu und ich reffe das Grosssegel und später auch die Genua. Nach 8 Stunden habe ich in der Nähe von Cap Creuse die letzte Möglichkeit zu ankern bevor die Küste kaum mehr Schutz vor dem Nordwind bietet. Da stellt der Wind schlagartig ab und dreht auf ein freundlichen Westwind. Das nehme ich als Zeichen, durchzusegeln. Nach einer Stunde ist der alte Nordwind wieder voll da - der typische Kapeffekt. Jetzt gehe ich nicht mehr zurück und ziehe es durch. Die Blue Bie hat ja den ganzen Tag bewiesen, dass sie es kann, auch wenn es eine harte Segelei ist.
Bereits um 18.00h bin ich das erste Mal müde und lege mich auf einer Campingmatte auf den Kajütboden. Das ganze Schiffen ist permanent feucht von Salzwasserschauern – keine Chance im Cockpit zu schlafen. Ich stelle den Radar ein der mich warnen soll, wenn ein anderes Schiff (oder die Küste) näher als 3 Seemeilen kommt und werde jede Stunde aufstehen. Das mit dem Aufstehen ziehe ich durch, es fällt mir nicht schwer, da ich bei dieser Schüttel- und Schlagerei eh nicht tief schlafe. Zweimal steht nach einer Stunde ein Kreuzfahrtschiff querab. Also eine Stunde nützt nichts zur Kollisionsverhütung – sie waren weit genug seitlich, sonst hätte der Radar angegeben, aber es hätte zur Kollision kommen können. Also alle halbe Stunden aufstehen? Mal schauen. Ich denke, da lass ich auch in Zukunft lieber den Radar laufen. Um 23.00h legt der Wind nochmals ein wenig zu – oder empfinde ich es nur so, weil es jetzt stockdunkel ist? Er legt schon ein wenig zu und ich binde ein zweites Reff ein. All die mich vom Bodensee her kennen oder sonst Angst um mein Leben haben, kann ich beruhigen: Bei diesen Verhältnissen würde ich es nie wagen ungesichert auf das Vordeck zu gehen, lege immer die Schwimmweste an und picke die Lifeline ein.
Samstag, 8. Juli
Die Nacht verläuft nach wie vor ereignislos. Einige Wellen schlagen erstaunlich hart von unten unter den Kajütboden und schütteln Blue Bie und mich kräftig durch. Dafür setzt der Bug schön weich in die Welle ein. Die (Plastik-)Mineralwasserflasche steht auch am nächsten Morgen noch gemütlich auf der Küche. Um 4.00h ziehe ich nochmals das Ölzeug an um zu wenden und Kurs auf Leucate zu nehmen, wo ich um 8.00h sicher und müde einlaufe. Um 9.00h gehe ich zu den Mechanikern – das Teil ist auch nach 1 Woche nicht gekommen, zum Glück haben Cécile und ich nicht auf das Teil gewartet! Also dann gehe ich nach Port Camargue, denn jetzt habe ich schönen halben Wind. Zuerst mache ich mir noch eine heisse Suppe und schon geht’s wieder los. Das ist doch ein herrliche Segelei. Erst mit halbem und später mit achterlichem Wind fliegt die Blue Bie nur so dahin und liegt dabei total ruhig auf dem Wasser. Abends um 20.00h laufe ich in Port Camargue ein.
Fazit von 2 Wochen Segelei und 500 Seemeilen: Die Blue Bie und ich sind doch recht aneinandergewachsen und mein Vertrauen in sie ist gross – auch wenn die Motoren ab und zu nicht wollen. Auch fühle ich mich selber wohl und weiss, dass ich sie auf dem Meer und im Hafen sicher handhaben kann. Sie ist physich anstrengend, nach diesen 2 Tagen durchsegeln bin ich ganz schön auf dem Hund. So lege ich mich früh in’s Bett und schlafe bis Sonntag um 10.00h durch.
Sonntag, 9. Juli
Heute gönne ich mir mal Urlaub. Aber erst, nachdem ich zuallererst joggen war. Der Mountainbike Alpencross kommt mit grossen Schritten näher und richtig fit fühle ich mich nicht. Die Blue Bie ist wie ein Heimbüro, wenn ich nicht explizit Abstand nehme, gibt es immer etwas zu arbeiten, kontrollieren, putzen oder organisieren. Da muss ich mir irgendeinen Plan machen. Heute geniesse ich es wieder mal zu e-mailen. 3 Stunden sitze ich im Cockpit am Computer, beantworte Mails, schicke neue und organisiere die nächsten Ferienaufenthalte: Meine Ferien im Juli in der Schweiz und dann kommen einige gute Freunde im August / Anfangs September auf die Blue Bie. Da freue ich riesig darauf. Wir werden wahrscheinlich zusammen die Balearen unsicher machen.
Denn eines habe ich die letzten zwei Wochen gelernt. Wenn der Wind nicht mitmacht, wird aus dem schnellsten Schiff ein ganz langsames und aus einer gemütliche Fahrt mit Rückenwind eine harte Bolzerei gegen den Wind. Und das vermeide ich gerne mit der richtigen Planung und etwas weniger Entgegenkommen gegenüber meinen Gästen.
Und dann lass ich einfach die Seele, Hände und Beine baumeln.









