Cook Islands - Tonga

Cook Islands - Tonga in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)

Older Palmerston house

Wir verlassen Palmerston nur ungerne; zu gut gefällt es uns hier. Doch unser Visum läuft aus und der Wind steht in die richtige Richtung. Mit 25-35kn aus Südost bläst er allerdings wesentlich stärker als vorhergesagt. Um am übernächsten Tag nicht vor Sonnenaufgang anzukommen, segeln wir erst mit drei Reff in Gross und Genua und später ganz ohne Grosssegel. So ist es nicht so ungemütlich wie es die Windstärke vermuten lässt.

Palmerston paradise

Wir haben keine genaue Position vom Beveridge Riff, doch wir sehen das 6 Meilen grosse, nierenförmige Riff mit einer grossen Lagune schon aus grosser Distanz. Ein Motor fällt aus und nur mit einem Motor und dem Grosssegel schaffen wir die Passage in die Lagune gegen den Wind gerade soeben. Auch wenn das Riff die Wasseroberfläche nicht durchbricht, ankern wir ruhig über einer Sandbank in der Lagune gleich hinter dem Aussenriff. Mir gelingt es den Motor wieder zum Laufen zu bringen und den anderen abzustellen – Wasser ist im schweren Wetter in den Motorraum gedrungen, die Bilgenpumpe hat versagt und das Wasser hat einen Kurzschluss in der Motorenelektrik verursacht. Zum Glück nur beim Abstellen – sonst wären wir jetzt ohne Motor mitten im Sturm auf dem Pazifik…

Louie und Alicia auf Tar Baby 2, die mit uns auf Palmerston waren, kommen im Laufe des Tages ebenfalls an und schaffen die Passage gegen den Wind und Strömung leider nicht und drehen nach Funkkontakt Richtung Niue ab.

Nach einer windigen, aber ruhigen Nacht dreht am nächsten Tag ein grosses Orion Transport-Flugzeug der neuseeländischen Seerettung Kreise über dem Beveridge Riff. Sie sprechen uns auf UKW Kanal 16 an, ob wir bereit wären, einer entmasteten Yacht mit defektem Motor in Seenot zu helfen. Natürlich sind wir bereit und sie geben uns die Position durch. 60 Meilen vor dem Wind in Richtung Niue – das passt und wir können morgen mit dem ersten Licht auslaufen dann behilflich sein. Wir geben unsere Satellitentelefonnummer durch und sind jetzt auch über grosse Distanz erreichbar. Der Schreck fährt uns in die Glieder als uns die Seerettung mitteilt, dass es unsere Freunde Alicia und Louie von Tar Baby 2 sind!

Tar Baby 2

© 2010 RNZAF

Eine Weile später werden wir über Satellitentelefon informiert, dass ein Fischerboot in zwei Stunden bei Tar Baby 2 sein kann, Louie und Alicia abbergen werden, aber das Schiff aufgeben werden. So wenig hat gefehlt und sie hätten sicher neben uns im Beveridge Riff geankert:-(

Wir erfahren später, dass im schweren Wetter das Wasserstag des Klüverbaums gebrochen und das Rigg heruntergekommen ist. Sie haben daraufhin über EPIRB Seenotalarm ausgelöst. Ich bin beeindruckt wie schnell, professionell und umfassend die neuseeländische Seerettung reagiert und Hilfe für die beiden organisiert hat. Ich bin aber auch enttäuscht wie wenig unternommen wird, um das Boot zu bergen. Das 100m Fischerboot war nicht bereit einige Stunden aufzuwenden, um Tar Baby 2 nach Niue zu schleppen – zu wichtig ist es, den Fang nach US Samoa zu liefern. Auf Niue ist kein grosses Boot stationiert, das Schlepphilfe hätte leisten können. Hätten wir mit unseren 6 Tonnen eine 20 Tonnen-Yacht bei 35 Knoten und stürmischer See abschleppen sollen? Ich denke nicht.

Tar Baby 2's Rescue

© 2010 RNZAF

Für Louie und Alicia war es eine schwierige Entscheidung: Sie haben über EPIRB Seenotalarm ausgelöst, konnten aber nicht mitteilen, welche Hilfe sie benötigen. Als dann die Rettung da war, mussten sie erkennen, dass ihre bevorzugte Option ‚abschleppen‘ nicht möglich war und mussten in Kürze entscheiden, ob sie die Option ‚abbergen‘ ignorieren und bis auf weiteres treiben sollten. Ein Satellitentelefon (und die Telefonnummern der wichtigsten Rettungskräfte) oder eine gute Kurzwellenanlage (so man ohne Mast noch eine gute Antenne hat…) mit der man die genauen Umstände mitteilen kann, hätte hier einiges bewirken können. Auf Tar Baby 2’s Blog und auf Latitude 38 findet ihr den Seenotfall aus ihrer Sicht.

Wir bleiben zwei Tage im Beveridge Riff bis der Wind auf 15kn nachgelassen hat. Zu sehr schweifen unsere Gedanken immer wieder zu Louie und Alicia und wir haben zum Glück keine Eile, auch wenn es ausser Schnorcheln am Beveridge Riff nichts zu tun gibt. Dafür ist dieses im kristallklaren Wasser mit Dutzenden Fisch- und Korallenarten traumhaft schön.

Niue dinghy lift

Es ist eine gemütliche Nachtfahrt unter Genua nach Niue. Als wir um das letzte Kap biegen, kommt uns ein Dinghi entgegen – mein Freund Wayne begrüsst uns strahlend in Niue. Er war die letzten Monate in Neuseeland und wir treffen uns in einer der entlegensten Ecken der Welt wieder! Ein Dutzend Mooringbojen sind in der ziemlich ungeschützten Bucht vor Niue verankert und man muss das Dinghi mit einem elektrischen Kran aus dem Wasser heben, da es kein geschütztes Dock hat.

Niue formation

Wie die meisten Südseeatolle ist Niue durch einen Vulkan entstanden, der langsam erodiert hat, mit der Plattenbewegung gesunken ist und darauf ein Korallenriff gebildet hat. Im Gegensatz zu den meisten Atollen wurde Niue durch eine Plattenbewegung wieder emporgehoben, so dass heute ein 100m hoher Korallensockel über das Wasser ragt. Dieser ist so durchlässig, dass auf der ganzen Insel mit 60km Umfang kein Bach oder Fluss fliesst. Um die ganze Insel hat sich ein neuer, erstaunlich ebener 50-100m breiter Korallensockel gebildet.

Exploring Niue with Wayne and Loly

Gemeinsam mit Wayne erkunden wir während zwei Tagen die Insel, das Riff und einige der unzähligen Höhlen. Das Gestein ist äusserst scharfkantig und gutes Schuhwerk empfiehlt sich. Umso grösser ist der Kontrast zu den runden Stalaktiten und Stalagmiten die sich über die Jahrtausende in den Höhlen gebildet haben.

Niue reef landscape

Aufgrund der geringen Biomasse ist das Wasser kristallklar und hat viele für Taucher attraktive Höhlen. Doch ich habe letztes Jahr genug getaucht, so dass es mich nicht wirklich unter Wasser zieht.

Niue Yacht Club crowd

Dafür hänge ich einen Tag im Niue Yacht Club „the biggest small Yacht Club in the World“ und lade die neuesten Seekarten herunter. Man glaubt es nicht, aber jemand macht sich die nicht ganz legale Mühe, die CMap 93 Edition 2 und 3 Seekarten aktuell zu halten und zu veröffentlichen. So haben wir die aktuellsten Seekarten, die aber nur so genau sind, wie die Gebiete neu vermessen werden. Und das liegt teils hundert Jahre zurück…

Niue arches

In den 50er Jahren lebten fast 20‘000 Leute auf Niue. Bis 2004 reduzierte sich die Zahl auf 2‘000 und als der Wirbelsturm Heta in 2004 viele Häuser zerstörte, sind nochmals die Hälfte der Leute weggezogen. Fast jedes zweite Haus ist zerstört und nicht wieder aufgebaut. Das bedrückt die Stimmung des Touristen schon etwas und wohl noch viel mehr der verbleibenden Einheimischen.

Niue market lady

Von den Regierungsgehältern und den rund 2‘000 Touristen pro Jahr lässt es sich auf Niue soweit leben. Zudem managen sie ihre Beziehung zu Neuseeland sehr gut: Die 14‘000 Cook Insulaner erhalten 35 Millionen Hilfe, die 1‘000 Niueaner 20 Millionen:-) Viele Einheimische haben in jüngeren Jahren in Neuseeland gearbeitet und kehren auf das Alter nach Niue zurück. So zum Beispiel Jim und Mamata die nach einer Karriere in der Ölindustrie nach Hause zurückgekehrt sind und jetzt liebevoll das kleine Restaurant des Niue Yacht Clubs leiten.

Niue caves

Nach einer Woche beenden wir unseren interessanten Abstecher auf diesem kleinen Eiland. Es ist eine unruhige Fahrt zur Vava’u Gruppe in Tonga: Die erste Nacht haben wir eine Flaute, so dass der Autopilot Blue Bie nicht mehr auf Kurs halten kann und wir einige Stunden treiben, dann zieht eine Front mit 25kn über uns hinweg.

Hilly Vava'u

Bis wir den Ava Fenua Pass in Tonga erreichen, hat sich das Wetter so weit beruhigt, dass ich mich getraue, mit Wind und Welle im Rücken in den Pass einzulaufen. Es sind eigentlich zwei Pässe: der erste einen Kilometer breit, der zweite, keine 100m später im rechten Winkel mit brandenden Riffen auf beiden Seiten. Trotz ungenauen Seekarten finden wir die Einfahrt problemlos. Ich weiss nicht, ob ich dieselbe Einfahrt von 4 Jahren genommen hätte. Doch vor der Einfahrt zur gewünschten Ankerbucht kapituliere ich: Haben wir den Ava Fenua Pass planmässig mit Sonne von hinten passiert, scheint sie jetzt genau aus der mit Korallenköpfen gespickten Einfahrt. Das muss nicht sein und wir fahren ein paar Inseln weiter nach Olo’ua.

First Vava'u impressions

Kurz vor Tonga übersegeln wir den 9‘000 Meter tiefen Tongagraben, wo sich für uns unsichtbar die langsam nach Westen driftende Pazifikplatte unter die Tonga- und Indo-Australische Platte schiebt und diese hochhebt. So sehen wir keine Atolle vor uns, sondern langgezogene Hügel, die eher an ein überflutetes Appenzellerland oder die schwedischen Schären, denn an die Südsee erinnern. Wir ankern zwei Tage vor Olo’ua bis wir am Montag einklarieren können. Das Wasser ist voll grosser Quallen und wir verzichten auf ein Bad. Etwas unkorrekt spazieren wir am Strand entlang und sehen unzählige Muscheln und gehen auf die Insel. Es hat einige äusserst einfache und kaum möblierte Häuser. Es ist überall recht schmutzig und die Leute erscheinen recht apathisch. Im Vergleich mit den Cook Inseln und Niue kommen wir uns eher in Afrika den in Polynesien vor.

High-school feast

Vava’u besteht aus Dutzenden benachbarten Inseln und mit unzähligen Ankerbuchten. So entstand in Neiafu, Vava’us Hauptort, ein kleines Charterzentrum und ein beliebter Treffpunkt für Cruiser aus aller Welt. Abgesehen von einigen guten Restaurants und Bars hat das Dorf nicht allzu viel zu bieten. Vor allem frische Lebensmittel sind nur erratisch zu finden. Wir treffen die jungen Amerikaner Shaun und Mike, das australisch-französische Paar Annemary und Patrice und meinen Freund Wayne wieder. Gemeinsam feiern wir mit der einheimischen Bevölkerung das 25-jährige Jubiläum der High-School mit einem Riesenfest, Spanferkel und Vorführungen. Ebenso spektakulär ist die Hula-Show von Transvestiten, die von Einheimischen und Seglern gleichermassen angefeuert werden.

Neiafu cathedral

Beim Anlegen am Pier blockiert das Ruderrad; die Kugellager des Quadranten sind nach 10 Jahren zerbrochen. Die Ruderanlage funktioniert mit den Pinnen weiterhin, trotzdem bemühe ich mich um eine Reparatur. Sie erfolgt ‚Island-style‘: Eine Diskussion mit den Besitzern der Mooring-Bojen ergibt eine erste Adresse.

Cute Vava'u girl

Der Automechaniker dort gibt dem Taxifahrer auf Tongaisch weitere Anweisungen und wir fahren zu einem grossen Container auf einer grossen grünen Wiese mit einem kleinen Motorboot nebenan. Der Mann zersägt mit einem Eisensägeblatt ohne Griff ein Stück Holz… Ich erzähle die Geschichte ein weiteres Mal, erwähne ein temporär zurecht geschnittenes Bronzelager anstatt eines genau passenden Kugellagers. Doch, doch, sein Kollege könne das schon machen.

Vava'u market ladies

Natürlich melden sie sich am nächsten Tag nicht, doch als ich mit dem Skateboard vorfahre, sehe ich tatsächlich zwei brandneue passende Kugellager! Keinen Tag später ist alles bereit – fast. Mit Wayne’s Hilfe und seinen Werkzeugen nehmen wir auch die letzte Anpassung vor und Blue Bie hat jetzt wieder eine perfekte Ruderanlage.

Neiafu mooring field

Wir spielen für eine Woche Chartersegler und erkunden Vava’us Ankerplätze. Gemeinsam mit unseren Freunden segeln wir nach zu einem feinen Restaurant. Doch dieses ist geschlossen und bei 40 USD pro Person vergeht uns auch am nächsten Tag die Lust. Stattdessen machen wir ein feines Pot Luck Dinner an Bord.

Blue Bie in Blue Lagoon

Anschliessend erkunden Loly und ich diverse andere Ankerplätze. Sie sind so eng beieinander, dass wir kaum die Segel setzen, zu böig ist auch der Wind zwischen den Inseln. Die Blaue Lagune erstrahlt in allen tropischen Farben und ist eine der schönsten Buchten die wir in letzter Zeit gesehen haben.

Rainy days

Ein Tiefdruckgebiet zieht durch und wir können die Wassertanks mit Regenwasser füllen und den Bericht für die Homepage schreiben. Die meisten Buchten laden zum Schnorcheln ein, auch wenn die Korallen- und Fischvielfalt bescheiden ist.