Vanua Levu - Viti Levu (Fiji)
Vanua Levu - Viti Levu (Fiji) in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)
Vanua Levu
Unsere Reise durch Fidschi beginnt in Savusavu auf Vanua Levu, der zweitgrössten Insel des Landes. Die anderen 320 Inseln sind erheblich kleiner. Die halbe Bevölkerung sind Fidschianer, die andere Hälfte sind Inder, die ursprünglich als Sklavenarbeiter auf Zuckerrohrfarmen in das Land kamen. Heute leben die Fischianer auf dem Land und arbeiten meist als Farmer und Fischer. Die Inder leben in den Städten, führen Läden und Märkte. So verkaufen zum Beispiel die Fidschianer die Waren jeden Morgen im Markt an die Inder, welche sie dann tagsüber weiter verkaufen.
Es gab in der jüngeren Vergangenheit erhebliche Rassenunruhen. Zweimal wurde ein ‚indische‘ Regierung gewählt, diese wurden umgehend durch Coups der Fidschianer entmachtet. Noch schöner beschreit der Lonely Planet, wie die ersten Missionare auf Fiji und Vanuatu empfangen wurden: „In 1839 stieg der erste Missionar an Land und wurde umgehend gegessen“. So sind sie die Kannibalen! Heute ist es wesentlich friedfertiger. Viele Inder emigrieren nach Australien oder Neuseeland, da sie keine Wurzeln mehr in Indien haben.
In Savusavu, einem kleinen Cruiser-Treffpunkt treffen wir alte und neue Bekannte und wir nehmen eine Mooringboje neben Wayne – es ist halt schon schön, wenn man seine Freunde immer wieder trifft. Zu dritt machen wir einen Mietwagenausflug über Vanua Levu. Die Insel macht ihrer Bezeichnung ‚freundlicher Norden‘ alle Ehre. Sogar im Auto grüsst uns jedermann und wo wir anhalten, plaudern die Leute mit uns. Wir müssen auch nicht um Erlaubnis bitten ein Foto zu machen, wir werden aufgefordert Fotos zu machen! So erfahren wir von Junior, der in England aufgewachsen ist, wie sie auf dem Land mit Holz kochen und von Wurzelgemüsen, Gemüse, Kokosnuss, etwas Fisch und Fleisch leben. Die Luvseite ist üppig grün und hat grossflächige Plantagen: Kokosnuss, Gemüse, Wurzelgemüse und Kava.
Schon nach ein paar Tagen spüren wir wie stark die Gastfreundschaft in Fidschi ist. Nach den spannenden Begegnungen in einigen Cook Inseln und in Fidschi verblasst der Aufenthalt in Tonga rasch. Die Gastfreundschaft ist wirklich ausnehmend und ich bin froh, dass ich nicht früher zu einem Kurz-Charterurlaub hergeflogen bin. Ich kann die Region jetzt wesentlich intensiver und ihr gerechter erleben.
Zwei kurze Tagestörns bringen uns via Namela, wo unzählige Vögel in den steilen Klippen nisten, nach Makogai. Forscher zeigen uns über Forschungsstation in der sie Riesenmuscheln züchten und wieder einsetzen und Schildkröten inventarisieren. Sie zeigen uns auch das nebenan liegende ehemalige Lepradorf, in dem bis zu 5‘000 Leprakranke aus dem ganzen Südpazifik gelebt haben. Noch heute stehen die Ruinen des Dorfes, welches von 1919 bis 1979 bewohnt war und von französischen Missionaren geführt wurde.
Levuka
Levuka ist die ehemalige Hauptstadt Fidschis, da sie mit dem Segelkanu sowohl von Viti Levu als auch von Vanua Levu gut erreichbar war. Heute ist es ein kleines Provinzstädtchen und Weltkulturerbe. Levuka ist seit 3000 v.Chr. durchgehend bewohnt und nirgends im Südpazifik sind Kolonialbauten so gut erhalten wie hier. Viele Häuser datieren aus den Jahren 1850-90 und verströmen Charme. Ein kleines Museum zeigt Dokumente, Fotos und Gegenstände aus der Kolonialzeit. Fidschi war von 1874 – 1970 eine englische Kolonie. Eine etwas weniger rühmliche Geschichte sind die ‚Blackbirder‘: Melanesier auf anderen Inseln wurden mit Tricks auf Schooner gelockt und nach Fiji und Australien gebracht, um während 6 Jahren auf Zuckerrohrfarmen zu arbeiten. Der Lohn war 3 Pfund pro Jahr und die Sterbensrate über 50%!
Ich geniesse dieses kontinuierliche Lernen auf meiner Reise schon sehr und neben all den lokalen Lehrern geniesse ich die Offline Version von Wikipedia, in der ich auch ohne Internet-Zugang „Wissenswertes“ wie dieses nachlesen kann.
Über eine unbewohnte Bucht auf Naigani und Nananu-I-Ra segeln wir zur Yasawa Gruppe. Nananu-I-Ra ist in der Hand von Expats die kleine Pensionen und eine Wind- und Kitesurf-Station betreiben. Ich würde gerne ein paar Tage hier kitesurfen, doch wir nützen den Wind für die Passage zur Yasawa Gruppe. Ich muss mich selber bremsen um nicht unter Vollbesegelung mit 8-10 kn durch Riffpassagen zu preschen. Es ist schon ein wenig unheimlich: Beidseits der tausend Meter breiten Passage lauern scharfe Riffe. Die Seekarten sind zwar leidlich genau, doch ich kann auch mit dem Feldstecher keine brechenden Wellen sehen. In ganz Fidschi sind die alten Mapmedia Rasterkarten genauer als die neuen CMap Vektorkarten. Gut, dass ich in MaxSea beide Karten nebeneinander offen habe und miteinander vergleichen kann.
Yasawa
Die Yasawa Gruppe besteht aus einem guten Dutzend kleinerer Inseln. Wie Niue wurden in der Yasawa Gruppe Kalksteinfelsen durch die Plattenbewegung mehrere hundert Meter gehoben und sind heute stark erodiert. Die Landschaft ist sehr trocken und ausgemergelt. Die Inseln sind so klein, dass es meist nur einzelne mit Fusspfaden verbundene Dörfer und Resorts hat. Der Transport erfolgt über Wasser – mit Aluminium Booten aus Neuseeland und 40 PS Aussenborder.
Wir ankern zuerst in Sawa-I-Lau und besuchen das im teilweise traditionellen Stil gebaute Dorf. Moderne Stein/Blechdachhäuser dienen zum Schlafen; Häuser mit Strohwänden zum Aufenthalt tagsüber. Traditionelle „Bures“, mit Schilf- oder Palmwänden und –dächern gedeckte Hütten dienen als Küche. Dutzende Schmetterlinge umschwirren uns. Man könnte denken, dass es überall in den Entwicklungsländern Schmetterlinge hat, doch weit gefehlt!
Die Leute im Dorf erledigen das meiste gemeinsam – im Gegensatz zu den Städtern Fidschis. Gemeinsam gehen sie fischen, errichten Bures für die umliegenden Hotels und fahren mit dem Boot in das eine Tagesreise entfernte Lautoka einkaufen. Sie verkaufen Fisch an die umliegenden Hotels und errichten für diese Bures und verkaufen auf der Hauptinsel gekaufte Souvenirs an Touristen, die einmal in der Woche mit dem lokalen Kreuzfahrtschiff kommen um eine Höhle zu besuchen.
Interessant, dass Captain Cook bereits vor 250 Jahren erkannte, dass der Lebensstil in den Städten Europas nicht wirklich besser ist als hier auf den Inseln. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen wäre oder besser ist es in Europa mittlerweile wohl auch nicht geworden!!! Trotzdem bin ich in Europa zu Hause und es ist meine Kultur und ich wäre nicht sicher, ob ich im Dorf hier glücklich wäre. Es ist interessant zu sehen, dass ein ganzes Land so gastfreundlich ist und so hohe Werte hat. Die Antwort liegt vielleicht darin, dass schon in der Schule zentrale Werte gelernt und das ganze Leben praktiziert werden ...
Abgesehen davon möchte ich herausfinden, ob familienfremde Neuzuzüger im Dorf willkommen wären. In den meisten Dörfern lebt eine Grossfamilie. Neuzuzüger sind meist zugeheiratet. Die Partnerwahl ist ein auch so ein spannendes Thema: Weil sie nur bei wenigen Gelegenheiten neue Leute kennen lernen, wird häufig schon bei der ersten Begegnung um die Hand angehalten. Wie überall auf der Welt gibt es auch hier Scheidungen. Wie man das erfährt? Die Leute sind wie sehr offen und interessiert.
Unser nächster Stop ist die Blaue Lagune, die von drei Inseln umgeben ist. Das Wasser ist 20m tief; zu tief um türkisfarben zu leuchten. Dafür ist das Schnorcheln entlang der Riffkante sehr schön. Viele Strände Fidschi’s haben bis an die Wasseroberfläche reichende Riffe, was das Anlanden des Dinghies bei Niedrigwasser erschwert, aber das Schnorcheln erleichtert. Wir sind im Nanuya Island Resort sehr willkommen und treffen ein junges Schweizer Paar auf Hochzeitsreise. Wir dürfen auch das Hotel WiFi benützen, so lange es funktioniert:-) Schon interessant zu sehen, dass wir von allen von Einheimischen geführten Resorts willkommen sind –nur bei einem von Expats geführten Resorts werden wir vom Grundstück vertrieben… Es sind herrlich unbeschwerte und friedliche Tage die eher an Ferien denn an das Cruisen erinnern.
Einkaufen ist in den Yasawas so gut wie unmöglich; umso dankbarer sind wir für den kleinen Laden im Coral View Resort und eine Gemüsefarm, in der wir selber Bohnen, Bananen, Frühlingszwiebeln und Tomaten pflücken.
Einige Meilen entfernt ankern wir vor dem Manta Ray Resort, wo jedermann mit den Mantarochen schnorchelt. Doch als ich schnorcheln gehe, zeigt sich keiner dieser eleganten Schwimmer. Das kann ich hoffentlich später nochmals nachholen. In Namboro werden wir von den Einheimischen äusserst herzlich empfangen. Wir bringen ‚Sevu Sevu‘dar – offerieren Kavawurzeln als Gastgeschenk mit der Bitte, vor dem Dorf ankern zu dürfen. Überall in Fidschi gehören das Wasser und die Riffe dem Dorf und ohne Erlaubnis darf man nicht ankern.
Die Einwohner laden uns am Abend zu Kava trinken ein. Die zerstampfte Kavawurzel wird mit Wasser vermischt und in kleinen Schälchen getrunken – ex. Es schmeckt erdig und lässt die Zunge nach der zweiten Schale kribbeln; bei grösserem Konsum sollen die Beine und Arme ihren Dienst versagen. Kava beruhigt und macht im Gegensatz zum Alkohol schläfrig.
Wir verbringen den nächsten Tag im Dorf, jeder will mit uns plaudern. Tags darauf fahren wir um die Insel um wie von Freunden empfohlen hinter Kuata zu ankern. Doch die Bucht ist unruhig und da der Wind für einmal sehr schwach ist, folgen wir der Einladung des Waya Lai Lai Resorts und ankern auf der Luvseite von Waya.
Die Einwohner von Namboro betreiben dieses Resort und schnell treffen wir Leute wieder, mit denen wir vor zwei Tagen Kava getrunken haben. Sie zeigen uns das ganze Resort und würden dann zu gerne Blue Bie von innen sehen. So verbringen wir gemütliche Stunden im Resort und an Bord. Die geplante Wanderung zum Sonnenuntergang auf einem Felsen fällt mit einer angekündigten Störung buchstäblich in’s Wasser und wir nützen die achterlichen Winde um eine besser geschützte Ankerbucht zu finden.
Mamanuca
Wir überspringen die südlichsten Yasawa Inseln und segeln direkt nach Mana, der nördlichsten Mamanuca Insel. Hier erreichen wir das Tourismus-Land: Die kleinen Inseln werden von Resorts dominiert und Katamaranfähren und Helikopter bringen täglich neue Gäste. Das Mana Resort ist ein gehobenes japanisches Resort mit ein paar hundert Betten, 7 Honeymoon Bungalows und einem japanischen Buch-Swap. Wir ankern gut geschützt in der Lagune hinter dem Riff, auch wenn die Dinghy-Fahrt im starken Wind etwas nass ist. Doch für eine Nacht passt das. Nächstentags geht es um zwei Riffe unter Motor gegen 25kn Wind zum Castaway Resort, wo wir besser geschützt sind, auch wenn die Ankerkette die ganze Nacht um Korallenköpfe schleift. Dieses Resort ist mit Kinderclub fest in australisch-/neuseeländischer Familienhand und wir fahren weiter zum Musket Cove.
Musket Cove hat drei Resort und eine Marina und ist Cruiser-Treffpunkt schlechthin. Über 30 Boote liegen vor Anker und Mooring und das Durchschnittsalter schiesst nach oben. Viele Leute bleiben hier gleich monatelang oder kommen nach längeren oder kürzeren Ausflügen wieder hierher. Letzteres habe ich auch vor, denn Musket Cove ist zentraler Treffpunkt, aber auch Start- und Endpunkt für diverse Rallies.
Ein kleiner Laden bietet alles was der Cruiser begehrt und abends grillt man an der Strandbar gemeinsam das nachmittags gekaufte Fleisch. Teller, Besteck und Abwaschen wird von der Bar/Restaurant gestellt und wir geniessend einen gemütlichen Abend mit Wayne der heute wieder zu uns gestossen ist, Marjoree und Mike von Shelette, die ich von Moorea kenne sowie Rob und Marion, die wir vor einigen Wochen in einer entlegenen Fidschibucht getroffen haben.
Port Denerau
Nach ein paar Tagen Seglergemeinschaft segeln wir kurz nach Port Denerau. Waren die Mamanucas noch lokal-touristisch, hat es hier eine Resortlandschaft wie in Florida mit Hard Rock Café, 20 Restaurants und Bars. Es geht nicht lange und wir taufen es Fiji-Land! Doch schon ein kurze Busfahrt bringt uns in das Kleinstädtchen Nadi und eine weitere Busfahrt in den Bezirkshauptort Lautoka, wo wir einklarieren. Nirgends sind die Beamten so kleinkariert wie hier und auch ich komme nicht ungeschoren davon. Die Eintragung des in Levuka gemachten, aber noch nicht vollzogenen Crewwechsels, wurde von den Beamten mit bösen Telefonen mit Levuka beanstandet und ich muss nach langer Debatte ein Dokument nachreichen, auch wenn die Beamten mich vollkommen unschuldig sprechen...
Trotz allem gefällt es mir in Port Denerau und ich feiere mit Wayne und Loly meinen Geburtstag mit einem feinen Nachtessen. Tags darauf erkunden wir die Sanddünen von Sigatoka. Nicht wirklich spektakulär, aber trotzdem schön.
Mamanuca - zum Zweiten
Die letzten Tage vor Loly’s Abreise kreuzen wir durch weitere Mamanuca Inseln. Jede der kleinen Inseln hat ein Resort. Wir sind nur beschränkt willkommen: Auf Treasure und Bounty Island dürfen wir bleiben und mit dem Dinghi landen. Auf der South Sea Island werden wir kategorisch weggewiesen und auf Navini dürfen wir immerhin ein paar Stunden zum Schnorcheln bleiben, aber die Insel nicht betreten. Dafür ist das Schnorcheln hier mit vom schönsten was ich je gesehen habe. Es hat halt schon seine Vorteile, wenn die Insel nur mit maximal 20 Gästen belegt ist und keine Tagestouristen erlaubt.
Port Denerau – zum Zweiten
Loly’s Abflug rückt unwiderruflich näher und wir verbringen ihren letzten Tag an Bord in Denerau um alles zu organisieren. Der Abschied fällt nicht einfach; wir waren fast ein halbes Jahr gemeinsam unterwegs. Blue Bie und ich fühlen uns beide leer nach dem Abschied. Doch so langsam aber sicher starte ich wieder in das Einhand-Dasein.






















