Line Islands - Cook Islands
Line Islands - Cook Islands in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)
Wir können auf unserer Passage von Hawaii südwärts zu den Cook Islands die Entwicklung der Südsee-Inseln über die letzten Generationen nacherleben. Unser erster Stop war auf Fanning Island, welches zur Republik Kiribati gehört und aus westlicher Sicht unentwickelt ist. Die Leute leben in traditionellen Hütten und leben hauptsächlich von Fisch und Kokosnuss in den angestammten Strukturen.
Penrhyn
Eine 5-tägige Passage führt von Fanning nach Penrhyn; aus den tropisch-feuchten Doldrums in die trockenere Südsee. Noch bevor das Schiff klariert ist, kommen die Crew des schwedischen Nachbarschiffs und die Leute der verschiedenen Behörden an Bord um uns in Cook Islands einzuklarieren. Penrhyn gehört zu den nördlichen Cook Inseln, welche vom Tourismus im Süden ausgeschlossen sind: Das Versorgungsschiff kommt unregelmässig alle paar Monate und es gibt keine Flugverbindung zu den anderen Inseln.
Auf unserem ersten Inselspaziergang sehen wir viele abgedeckte Gebäude – ein Wirbelsturm hat vor einigen Monaten erheblichen Schaden angerichtet und man wartet auf das Versorgungsschiff mit Baumaterial. Nach dem quirligen Fannning erscheint Penrhyn wie ausgestorben: Niemand ist auf der Strasse und wir sehen keine Leute miteinander sprechen. Alle halten sich in ihren Häusern auf. Der Schulleiter spricht uns unterwegs an und lädt sich und den Pastor der örtlichen Kirche für den Abend zu uns an Bord ein – eigentlich wollten wir nach der Passage ja schlafen…
Es leben 150 Leute auf Penrhyn, davon 62 Schüler. Die meisten Leute arbeiten für die Regierung, es hat vier Berufsfischer und einige fischen nebenbei. Der Anbau von Kokosnüssen zur Kopraproduktion und die Perlenzucht wurden aufgeben, weil sie zu wenig profitabel sind. So richtig arbeiten sehen wir niemand und ausser dem Regierungsgehalt lebt man von den Überweisungen der ausgewanderten Insulaner. Es leben mehr Cook Insulaner in Neuseeland und Australien als auf den Cook Inseln! Die Leute erscheinen wohlhabender als auf Fanning und leben in Steinhäusern mit Wellblechdächern.
Es hat zwei kleine Läden auf der Inseln bzw. zwei Leute, die Waren im Container aufbewahren und (teuer) verkaufen. Nur wenn das Versorgungsschiff kommt, hat es (für einen Tag) frische und tiefgefrorene Sachen; doch das ist eine Weile her und wir sind fast besser versorgt als der Laden auch wenn uns frische Lebensmittel mittlerweile ausgegangen sind. Auf der ganzen Insel finden wir keine Eier, obwohl wie überall hunderte Hühner frei herumlaufen. Die Leute sind zu faul um Hühner zu halten, sagt der Pastor.
Wie überall auf den Cook Inseln ist die Telekommunikationsversorgung gut. Einige Leute haben Internet zu Hause und wir dürfen nach dem Unterricht das Internet der Schule gratis benützen. Ich helfe dem Schulleiter bei einigen PC Problemen und das spricht sich
schnell herum. Ein Fischer bringt uns einen frischen Fang vorbei und lädt uns auf einen Tee zu sich nach Hause ein. Er bittet mich, ihm bei einem kleinen PC Problem helfen – mein Computerfähigkeiten haben sich mittlerweile im ganzen Dorf herumgesprochen. Er kandidiert als Bürgermeister für Penrhyn und erzählt, was er ändern würde: Als erstes würde er ein Boot kaufen, welches alle Monate die Runde von Rarotonga zu den nördlichen Cook Islands macht und die Inseln mit dem notwendigsten versorgt. Finanzieren würde er es mit einer Spendenaktion bei den Cook Islanders in Neuseeland und Australien: Die letzte Spendenaktion für eine neue Kirche auf Penrhyn hat dort über USD 200‘000 ergeben.
Er erzählt uns auch wie er in Verhältnissen wie heute auf Fanning aufgewachsen ist und noch vor einer Generation 2‘000 Leute auf der Insel gewohnt haben. Anschliessend nehmen er und seine Nichte uns mit zu einem Geburtstagsfest eines 5-jährigen Mädchens, wo wir und die schwedischen Cruiser (ihr Kuchen ist ebenso bekannt wie meine PC Kenntnisse) Ehrengäste sind und mit einem Blumenkranz empfangen werden!
Anderntags sind wir mit den schwedischen Cruisern beim katholischen Pastor zum Nachtessen eingeladen. Sie ziehen im Moment 11 Kinder auf – die Hälfte ihre eigenen sowie Gross- und Adoptivkinder wie das auf den Cook Islands üblich ist. Ihre erwachsenen Kinder arbeiten in Rarotonga und Neuseeland und lassen ihre Kinder bei der Grossmutter auf Penrhyn aufwachsen. Eine Familie hat nur Mädchen und keine Jungs? Kein Problem – man tauscht die Kinder. Wie heisst es so schön? Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind gross zu ziehen. Hier wird es wörtlich genommen!
Schon am frühen Sonntagmorgen schallen die Kirchengesänge über die Lagune und als wir gegen 9.30h zur Messe gehen, treffen wir alle Einwohner in der Sonntagsschule singend und der Predigt lauschend. Wir schliessen uns ihrem Zug zur Kirche an und hören die Pfingstpredigt und wunderschöne Gesänge. Singen können sie! Vielstimmig erfüllen Kanone das Kirchenschiff, in welchem sich einmalig in der Welt die Kanzel über dem Eingang befindet. Für uns ist der Gottesdienst ausreichend und wir geniessen wir einen windstill-heissen Nachmittag an Bord, auch wenn die ganze Gemeinde den Rest des Tages in der Sonntagsschule und ‚Versammlungen‘ ist.
Eine weitere Passage bringt uns nach Aitutaki. Die leichten Passatwinde halten die ganze Passage an und laden zum Träumen ein. Träumen? Nicht wirklich. Es ist eine ganz andere Wirklichkeit auf Passage; ausserhalb des üblichen Raums und Zeit. Die Welt reduziert sich auf das Leben an Bord, ohne Anfang und Ende und kennt keine Langeweile und keine Hektik. Einfach für die Ewigkeit…
Viel zu tun gibt es für uns nicht auf Penrhyn ausser uns mit den Leuten zu unterhalten. Das machen wir ausführlich und gehen im badewannenwarmen Wasser der Lagune mit Dutzenden Fischen, Moränen und Weissspitz- und Schwarzspitz-Haien.
Eine weitere Passage bringt uns nach Aitutaki. Die leichten Passatwinde halten die ganze Passage an und laden zum Träumen ein. Träumen? Nicht wirklich. Es ist eine ganz andere Wirklichkeit auf Passage; ausserhalb des üblichen Raums und Zeit. Die Welt reduziert sich auf das Leben an Bord, ohne Anfang und Ende und kennt keine Langeweile und keine Hektik. Einfach für die Ewigkeit…
Aitutaki
Aitutaki ist eine Südsee-Perle aus dem Bilderbuch. Aufgrund der Flugverbindung zu Rarotonga hat es Tourismus und einige wunderschöne Resorts und ist doch weit genug weg um nicht überlaufen zu sein. Aitutaki ist bekannt für Hochzeiten und Flitterwochen. Eine kleine Hauptinsel und mehrere kleine Motus um die Lagune laden zum Träumen und Relaxen ein.
Das tun wir denn auch ausführlich, oft mit einem Buch in der Hand in der Hängematte an Bord. Ebenso geniessen wir es nach über einem Monat wieder frische Lebensmittel einkaufen zu können – auch wenn das meiste tiefgefroren aus Neuseeland kommt.
Wir erklimmen teils per Fahrrad, teils zu Fuss den höchsten Punkt der Insel (124 m.ü.M) und geniessen die Aussicht über die Lagune; umrunden mit Fahrrädern die Insel und lassen uns in einem Ressort wieder einmal verwöhnen. Mit dem Dinghi fahren wir quer über die Lagune nach Maina und Honeymoon Island (kein Witz!), zwei kleinen Motus.
Beim Schnorcheln im kristallklaren Wasser um endet leider die Wasserdichtigkeit meiner Kamera und damit ihr Leben:-( Viel Ruhe haben wir nicht auf den Motus: Hunderte Rotschwanz-Paradiesvögel brüten auf der Insel und machen zusammen mit den auf das Riff krachenden Wellen ganz schönen Krach.
Wir haben nicht viel Kontakt mit den Einheimischen, suchen ihn nach unserem Aufenthalt auf Fanning und Penrhyn auch nicht unbedingt, auch wenn alle äusserst freundlich von ihren Mopeds winken und grüssen.
Rarotonga
Nach einem Tag mit leichten Winden erreichen Aviatu, die Hauptstadt der Cook Inseln auf Rarotonga. Mit 10‘500 Einwohner wäre Aviatu bei uns eine Kleinstadt und bietet mit 3 kleinen Supermärkten, einem wöchentlichen Gemüsemarkt und zwei Dutzend Geschäften auch nicht viel mehr. Doch hier ist es eine Südsee-Metropole und Hauptstadt mit allen Regierungsfunktionen.
Im Gegensatz zum mittlerweile ‚unattraktiven‘ Tahiti verweilen viele Touristen auf Rarotonga ohne die Ausseninseln zu besuchen und es hat schöne Strände, hübsche Ferienwohnungen und Ressorts. Über das lange Queen’s Birthday Wochenende mieten wir uns einen Roller und erkunden ausführlich die Insel.
Mit dem Roller umrundet man die Insel in einer Stunde es führen keine Strasse in das Inselinnere. So verbringen wir zwei Nachmittage am touristischen Muri Strand und wandern ein wenig in das Inselinnere. Wir gehen ein einem kleinen, feinen Restaurant am Strand auswärts essen und besuchen eine Insel-Show. Alles wunderschön, doch so richtig viel gibt es nicht zu tun.
Wir bleiben ein paar Tage um unsere Vorräte aufzustocken. Sehr viel ist nicht zu kaufen und wir haben Mühe Kartoffeln oder frisches Gemüse zu finden – alles kommt tiefgefroren aus Neuseeland. Wir werden von einer Supermarktangestellten angesprochen, ob wir Sachen mit nach Palmerston mitnehmen könnten. Natürlich können wir und so laden wir schliesslich 2 grosse Kartons für uns selber und 8 Kartons für Palmerston.
Palmerston
Wir brauchen zwei Tage um im äusserst leichten Wind die 260 Seemeilen nach Palmerston zu segeln.
Die 67 Einwohner auf Palmerston sind Nachkommen vom Engländer William Marsters der mit seinen drei polynesischen Frauen Palmerston im 18. Jahrhundert besiedelte. Noch heute sind die Familien und das Land in die drei Familien der Frauen gegliedert. Ausser Seglern verirrt sich kaum jemand auf diese Insel. Edward und Simon sind unsere Gastgeber während den nächsten Tagen, während Tere uns als Inselsekretär willkommen heisst und einklariert. Wir dürfen vorerst drei Tage bleiben um die Gastfreundschaft nicht zu überstrapazieren. Und was für eine Gastfreundschaft.
Es sind erst drei, später zwei Yachten an Mooring Bojen festgemacht und erstmals bin ich der Oldie unter den Yachties…
Simon, Edward oder Tere holen uns jeden Morgen mit dem Dinghi an Bord ab und bringen uns auf die Insel. Wir sind froh, denn der Pass gleicht bei auslaufender Tide eher einem Bergbach denn einem Pass.
Wir sind jeden Mittag bei Ihnen zum Mittag eingeladen und essen erstmals in der Südsee ausgiebig lokales Essen: Viel Reis, leckere Kokosnussgerichte und Fische, die ich bis anhin vor allem vom Tauchen kenne: Papageien-, Einhorn und andere Lagunenfische landen jeden Tag auf dem Teller.
Quid pro quo helfen mit unseren Vorräten wo wir können und partizipieren am Inselleben. Wir helfen bei Unterwasserschiff reinigen ihrer Boote und erleben das Wort Sandpapier im ursprünglichen Sinn: Man nehme etwas Sand und einen Lappen und los geht das Schruppen…
Wir pflanzen auf einer Sandbank 20 neue Kokospalmen, helfen beim Fischen und gehen auf einem Motu Kokosnusskrebse jagen.
Wir helfen in der Schule einer Projektgruppe der älteren Schüler beim Entwickeln einiger Geschäftsideen auf der Insel. Hier zeigt sich das grösste Problem von Palmerston: Es ist ein sehr kleiner Markt weit weg von allem mit unregelmässigen Transportmöglichkeiten. Würde z.B. jede der 12 Familien auf der Insel für USD 5 beim Bäcker einkaufen, ergäbe dies einen Tagesumsatz von USD 60 – nicht gerade berauschend.
Hier zeigt sich aber auch wie die ‚Wirtschaft‘ funktioniert: Fast jeder hat Doppelfunktionen: arbeitet in der Verwaltung, geht fischen und Kokosnuss ernten und arbeitet zu Hause. Die Mädchen und Jungen die für die Tanzshow üben kennen wir aus der Familie und der Schule, Tere, Edward und Familie treffen wir in den verschiedensten Funktionen. Was in unserer Wirtschaft jedoch fast am komischsten anmutet ist die Tatsache, dass man nicht aus beliebig vielen Leute für eine Funktion auswählen kann: Es leben nur die Leute auf der Insel die hier sind und man muss für die eine oder andere Funktion den an wenigsten ungeeigneten wählen… Doch im Gegensatz zu Penrhyn sind alle Leute aktiv.
Man sieht nicht viel Reichtum auf der Insel und die Leute leben nach wie vor relativ einfach. in gemauerten Häusern mit Wellblechdach. Häufig ist die Küche und sanitären Anlagen, falls vorhanden, ausserhalb des Hauses. Der Dorfgenerator läuft von 6-15h und 18-24h. Das reicht um die Tiefkühler kalt zu halten, in welchem der bescheidene Reichtum der Insel versteckt ist. Rund 4 Tonnen Papageienfisch-Filets warten tiefgefroren darauf für NZD 15/kg in Rarotonga verkauft zu werden. Dies einige Male im Jahr und es wird klar, wie die paar Quads und Scooter auf der Insel finanziert werden.
Wir bleiben fast eine Woche in diesem Paradies, welches doch auch ein paar kleine Risse zeigt: Eine der drei Familien ist isoliert und es herrscht recht grosse Uneinigkeit über die weitere Entwicklung der Insel: Will man einen Flughafen mit seinen Annehmlichkeiten, Hotels und Touristen oder will man den bisherigen Lebensstil weiter bewahren? Wir Cruiser befürworten sicherlich das letztere und die Mehrheit der Einwohner im Moment auch:-)
Wir haben noch nie eine solche Gastfreundschaft erlebt und können einen Besuch auf Palmerston nur empfehlen. Schreibt ein E-Mail an Tere Marsters (palmerstonisland@hotmail.com), bevor ihr Rarotonga verlässt um falls notwendig Nachschub für die Insel von dort mitnehmen könnt.


























