Oahu - Line Islands

Oahu - Line Islands in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)

10. April

Kauai ruft und wir verlassen Honolulu mit einem doch erstaunlich wehmütigem Gefühl. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir in einer Stadt so gut gefällt. Vor dem Wind segeln wir zur Kahe Bucht am Ende von Oahu, wo wir vor der Überfahrt nach Kauai nochmals einen Tag relaxen und mit Delfinen schnorcheln wollen. Wirklich schön ist der Ankerplatz vor dem grossen Elektrizitätswerk nicht, doch auf den Kühlleitungen wächst ein hübsches Korallenriff. Wen wundert es, dass die Locals genau dort mit der Harpune fischen?

11. April

Dolfins cruising

Den ganzen Tag ziehen Delfine an Blue Bie und Ausflugsbooten vorbei, ohne zu verweilen. Da das Wetter bewölkt ist und die Delfine schneller als jeder Schwimmer herumziehen, beobachten wir sie von Bord. Die Touristen werden von den Ausflugsbooten mit Maske, Schwimmweste und ohne Flossen herdenweise in das Wasser ‚geworfen‘ wo sie herumzappeln bis sie wieder aufgepickt werden. Ich bin nicht sicher, welches die grössere Show ist…

12. April

Um vor Sonnenuntergang in Kauai anzukommen, setzen wir bereits um 4.00h die Segel. Nachdem wir den Windschatten hinter den Bergen Oahus verlassen haben, segeln wir mit angenehmem achterlichen Wind nach Kauai und kommen am frühen Nachmittag an. Der Hafenmeister meldet sich weder über Funk noch Telefon. Sowohl der Hafen als auch das Ankerfeld sind pumpenvoll, doch wir finden für Blue Bie noch ein Plätzchen und ankern hinter dem grossen Wellenbrecher aber ausserhalb des Hafens.

13. April

Nawiliwili anchorage

Alles fühlt sich umständlich an: Es hat in der Nähe des Hafens kein Geschäft oder Internetzugang und das Dorf ist 4km entfernt auf einem Hügel. Immerhin finden wir auf halbem Weg ein Internet Café und einige auf Kreuzfahrtschiffe ausgerichtete Geschäfte. Laurence muss notfallmässig zum Zahnarzt und ich organisiere die nächsten Tage und bringe meinen Computer im Internet Café up-to-date. Bis wir zurück an Bord kommen ist es schon fast dunkel. Dort wo am morgen Blue Bie lag, liegt jetzt ein Coast Guard Schiff. Wo ist Blue Bie?!? Sie liegt 100m weiter hinten.

Blue Bie’s Anker hat im lehmigen Grund und starken Wind nicht gehalten, sie ist abgetrieben und hat ein anderes Boot gerammt, bevor der Anker sich wieder in den Grund gegraben hat. Ein anderer Segler hat von Hand den grössten Schaden verhindert, trotzdem hat das andere Boot einen grösseren Gelcoat-Schaden an der Wasserlinie und Blue Bie einige Schrammen an Heck und Ruder davon getragen. Doch es scheint nichts Strukturelles zu sein und kein Wasser scheint einzudringen. Wir ankern mit zwei verkatteten Ankern und versuchen über die Coast Guard und den Hafenmeister den Besitzer des anderen Bootes ausfindig zu machen, ehe wir uns nach der Aufregung früh schlafen legen.

14. April

Nach dem gestrigen Tag bleibe ich lieber an Bord um zu schauen, ob der Anker hält, werkle an Blue Bie und bereite die Homepage zum Veröffentlichen vor.

15. April

Kapaa Village

Mit einem Mietwagen sind wir nun doch einiges mobiler und können Kauai, die Garteninsel von Hawaii erkunden. Der erste Ausflug führt uns nach Kapaa wo wir den extra angelegten Küstenweg entlang radeln.

Wailua Falls

Die Landschaft ist überall auf Kauai grandios. Roter Boden, grüne Vegetation, steile Berge und überall viel Natur. Auch die Wailua Wasserfälle sind schön, wenn auch nicht unbedingt eine Reise wert.

16. April

Albatros

Da es weiterhin wolkenverhangen ist, verschieben wir die Fahrt in die Berge und fahren der Küste entlang zum Kilauea Leuchtfeuer, welches seit 80 Jahren ausser Betrieb und heute ein Wahrzeichen und Vogelparadies ist. Wir sehen Boobies, Paradiesvögel und Albatrosse. Albatrosse? Diese wollte ich schon immer sehen und kann nicht glauben, dass sie hier nisten. Doch tatsächlich, Laysan Albatrosse brüten hier und fliegen dann 3-4 Jahre ununterbrochen über den Nordpazifik, ehe sie hierher zum Brüten zurückkehren. Sie brauchen an Land ein lange Startpiste und können nicht aus dem Meer starten. Mit zwei Meter Flügelspannweite gehören sie zu den kleineren Albatrossen, aber zu den grössten Vögeln der Welt. Ihre grösseren und bekannteren Geschwister leben im Südpolarmeer.

Unsere Fahrt führt weiter in die wunderschöne Hanalei Bucht, wo wir in ein paar Tagen gerne ankern würden, und anschliessend bis an das Ende der Strasse an der Na Pali Küste. Wir erklimmen für eine Stunde die Klippen um einen ersten Blick auf die schroffe Na Pali Küste zu erhaschen.

17. April

Waimea Canyon

Wir fahren den Waimea Canyon hinauf, den kleineren, aber mindestens so spektakulären Bruder des Grand Canyon. Die Sonne zeigt sich hie und da und wir schauen immer wieder von verschiedenen Aussichtspunkten in den tiefen Canyon und auf der Gegenseite zur Na Pali Küste, wo üppig grüne Täler dem tiefblauen Meer entgegenstürzen.

Na Pali coast

Eine zweistündige Wanderung führt uns durch einen morastigen Weg zu einem Aussichtspunkt. Wir versuchen unsere Füsse soweit trocken zu halten, doch geben es auf dem Rückweg auf. Wieso nicht früher?!? Die Aussicht ist den schlechten Weg allerdings nicht wert. Nach einer Entschlammung geniessen wir nochmals die Aussicht in den Waimea Canyon und die Na Pali Küste. Abends kaufen wir nochmals gross ein, denn morgen geben wir den Mietwagen zurück und hier ist bekanntlich alles weit entfernt.

18. April

Ich habe das Gefühl als ob ich nicht aus ‘Verpflichtungen’ heraus komme: Immer muss ich etwas tun: einen Ausflug weil wir den Mietwagen haben, Arbeit an Blue Bie oder die Homepage neu zu gestalten. Man könnte meinen ich hätte alle Zeit der Welt, doch mir erscheint es im Moment anders. Heute kümmere ich mich um die Elektroinstallation. Nach Abschluss der Arbeit laufen der Kühlschrank und die Navigationselektronik nicht mehr… So habe ich mir das nicht vorgestellt! Ersteres liegt an einem Wackelkontakt des neu gelieferten Kühlschranks und letzteres kann ich durch das Aus- und wieder Einstecken aller Tochtergeräte beheben.

So bleibt nicht mehr allzu viel Zeit um am Strand etwas zu lesen und mit dem Dinghy den Huleia Fluss hinaufzufahren bis dieser unter einem Blätterdach unpassierbar wird.

19. - 21. April

Je näher die Abfahrt kommt, desto mehr realisiere ich, dass wir weder auf der Passage noch auf einer der anschliessenden Inseln keinen Internetzugang und nur beschränkte Kommunikation haben werden. So versorge ich unter anderem die Bankkonten mit genügend Liquidität, organisiere die Kommunikation über das Satellitentelefon und weise Familie und Freunde auf die erschwerte Kommunikation hin. Wie Laurence ihre Steuererklärung online in der kurzen Periode vom 1.-11. Juni online ausfüllen kann, wird sich weisen… Auch an Blue Bie gibt es noch einiges zu werkeln bis alles seeklar ist und zum Zahnarzt muss ich auch wieder einmal.

22. April

Eigentlich wollen wir heute losfahren, doch einmal mehr verschieben wir die Abfahrt um einen Tag: Unser Ziel, die Bucht von Hanalei ist nach Nordwesten offen und genau daher kommt die Dünung. Da warten wir lieber noch einen Tag, kaufen den letzten Economist für lange Zeit und geniessen den Nachmittag am Strand und der Bar des Marriott Hotels.

23. April

Hanalei House

Wir sind froh, Nawiliwili verlassen zu können. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir in Honolulu besserer gefallen würde als auf Kauai, doch der Hafen von Nawiliwili ist zu weit weg von allen Annehmlichkeiten.

Endlich strahlt auch die Sonne wieder einmal von einem makellos blauen Himmel und wir segeln bei Kaiserwetter um die Nordost Ecke von Kauai in die Bucht von Hanalei. Die Aussicht ist einmal mehr wunderschön und ich betrachte den ganzen Tag die Küste. Zu schade, dass man das mit der Kamera nicht gebührend festhalten kann. Das Verschieben der Abfahrt hat sich gelohnt und die Bucht von Hanalei präsentiert sich ziemlich ruhig als wir den Anker in den Sandgrund hinter dem Riff fallen lassen.

24. April

Hanalei beach

Die Bucht von Hanalei ist wunderschön und wir verbringen den ganzen Tag auf dem Trampolin, geniessen die Aussicht und lesen. Erst gegen Abend raffe ich mich auf, stürze mich mit dem Surfboard in die Fluten und gehe am nahegelegenen Riff surfen.

Blue Bie in Hanalei

Meinen Fortschritt muss ich leider eher als Rückschritt denn Fortschritt bezeichnen. Trotzdem geniesse ich die Zeit auf dem Wasser und in der Natur.

25. April

Hanalei village

Wir bummeln durch das Dörfchen Hanalei. Das Dorf ist touristisch und auf Surfer ausgerichtet. Doch es hat wie in Lahaina auf Maui nur wenig Hotelerie und es geht alles sehr ruhig und gemütlich her.

Hanalei beach

Ein Teil des Strandes ist von Hawaiianern belegt, die mit ihren Pick-Ups direkt auf den 100m breiten Strand parken, so dass zwischen Auto und Wasser gerade noch 5m für ihr Picknick übrig bleiben. Andere Länder, andere Sitten! Doch der Strand ist gross genug, dass wir an anderer Stelle abseits der Blechlawine die Sonne geniessen können.

26. April

Hanalei home

Ich gehe kurzfristig nochmals zum Zahnarzt um eine provisorische Krone machen zu lassen, da ein Aufbau nicht mehr stabil ist und ich nicht so lange mit einem Risikozahn unterwegs sein möchte. Der Wetterbericht zeigt ideale, leichtwindige Bedingungen für die nächsten Tage und wir beschliessen gegen den Sonnenuntergang loszufahren. Wenn wir nur wüssten …

Na Pali coast

Die Fahrt entlang der viel zitierten Na Pali Steilküste ist spektakulär. Sie ist auch zu Fuss nur teilweise erreichbar. Schroffe Felsen wechseln mit lieblichen Tälern ab und es ist kein Wunder, dass fast jeder Tourist sich mit einem Boot dieser Küste entlang fahren lässt. Unser Timing ist perfekt.

Na Pali coast

Wir erreichen die Küste nicht nur rechtzeitig für den Sonnenuntergang, sondern auch mit dem Vollmond, der über die steilen Klippen steigt. Wir können dem Reiseführer nur Recht geben, dass dies einer der schönsten Plätze Hawaiis ist!

27. April

Wir runden in der Nacht die Leeseite von Kauai und segeln anschliessend hart am Wind nach Südwesten um uns beide Optionen ‚Tahiti direkt‘ (2‘500 Seemeilen nach Südwesten) und Line Islands (1‘100 Seemeilen nach Süden) offen zu halten. Anstelle der vorhergesagten leichten Winden bläst es mit 25kn, die Nacht ist rauh und für Laurence ungewohnt. Tagsüber beruhigt sich der Wind etwas, doch in der Nacht legt der Wind wieder auf 20kn zu und dreht südlicher.

28. April

UFO?

Nach der zweiten harten Nacht entscheiden wir uns Richtung Line Islands abzufallen. Eine einfache Entscheidung, denn am frühen Morgen dreht der Wind noch weiter südlich und frischt auf 25kn auf. Doch diese Entscheidung hat ihren Preis: Sind wir erst einmal auf den Line Islands, werden wir Tahiti kaum mehr anlaufen, da wir dazu 10-14 Tage hart am Wind oder sogar kreuzen müssten.

100 Seemeilen vor der Küste treffen wir auf eine in mehr als 1000 Meter Wassertiefe verankerte und in keiner Karte verzeichnete Plattform. Über Funk kontaktiert uns der Wachhabende und bittet uns, Abstand zu wahren. Meine Frage, wozu diese Plattform wird höflich unbeantwortet gelassen...

29. April

Der Wind bläst unverändert mit 25kn. Immerhin ist die doch unangenehme Dünung aus Südosten etwas weniger stark und es wird etwas komfortabler an Bord. Trotzdem werden wir draussen immer wieder von der Gischt geduscht, so dass wir fast den ganzen Tag in der Kajüte verbringen.

Ich weiss jetzt auch, wieso der Wetterbericht bei der Abreise komplett falsch war: Ich habe zwei Navigationsprogramme, welche die Grib-Dateien interpretieren. Doch sie interpretieren sie verschieden!!! Weitere Tests ergeben, dass zwei verschiedene Quellen derselben Wetterdaten zwei verschiedene Grib-Dateien ergeben, die dann wiederum verschieden interpretiert werden. So werde ich vorerst meine Grib-Dateien weiterhin über MaxSea beziehen und sie in MaxSea betrachten. Weitere Tests folgen…

30. April

Der Wind geht auf 20kn zurück und auch die Wellen und die Dünung gehen weiter zurück. So wird das Leben an Bord gemütlicher und wir können endlich wieder einen Tag im Cockpit geniessen und lesen.

Die harten Bedingungen fordern ihren Tribut: Zwischen Steuerbordrumpf und Brückendeck öffnet sich ein Riss, welchen die Werft in Big Island bereits repariert hatte und wir müssen täglich lenzen. Ich leide mit Blue Bie leidet und das Vertrauen von Laurence wird auch nicht gerade erhöht …

1. Mai

Bei weiter abflauenden Winden setze ich den Gennaker um etwas mehr Fahrt nach Lee und Richtung Palmyra zu machen. Doch nach einer Stunde ist Ruhe im Schiff: Der Gennaker ist weg!!! Das hatte ich auf dem Weg zur Osterinsel schon einmal. Mit Routine ist er schnell geborgen und die Ursache gefunden: Das Gennakerfall ist gebrochen, wo es normalerweise über die Rolle im Masttopp läuft. Als dann der Kühlschrank wieder einen Aussetzer hat und der Steuerbordmotor nicht mehr lädt, wird es mir das zu viel... Es gibt schon Momente, wo ich einfach aufhören und mich irgendwo an Land niederlassen möchte!!! Doch diese sind kurz und ich betrachte sie als Teil meines Weges...

Ohne Gennaker oder Spinnaker werden wir Palmyra morgen nicht erreichen und wir beschliessen nach Fanning zu segeln um eine Amwindstrecke weniger zu haben. Habe ich schon erwähnt, dass die nächste vernünftige Werft 5‘000 Seemeilen entfernt in Neuseeland ist?!?

2. Mai

Bei weiterhin leichten Winden segeln wir den ganzen Tag gemächlich Richtung Fanning Island. Wir draussen an Deck und lassen es uns gut gehen. Ich fange sogar einen kleinen Thunfisch, nachdem mir gestern ein Grösserer kurz vor dem Einholen entwischt ist. Er ist so klein, dass es gerade einmal für eine Person reicht.

In der Nacht ziehen grössere Regenschauer über uns hinweg und künden die Rossbreiten (Doldrums) an. Sie liegen rund um die Welt ungefähr auf Höhe des Äquators und sind zusammen mit den Polarregionen die grösste Wetterküchen der Welt. Die warme Luft über dem Äquator steigt auf und fliesst in den höheren Luftschichten in die Polarregionen, während unten kühlere Luft wieder zufliesst und die grossräumigen Passatwinde nördlich und südlich des Äquators verursachen. In den Doldrums ist es deshalb warm, es hat wechselhafte Winde und starke Regenschauer und Böen.

3. Mai

Fanning approach

In einem grossen Regenschauer kommen wir in die Nähe von Fanning Island und ich bin schon erleichtert, dass dieser vorbei zieht, bevor wir durch den Pass in das Atoll fahren. Unser Timing ist perfekt und wir erreichen den Pass mit einer leichten einlaufenden Strömung. Als dann die Sonne hinter den Wolken hervorlacht und eine Schule Delfine uns zum Pass leitet, ist es geradezu kitschig schön.

Wir ankern gleich nach dem Pass vor dem einzigen Dorf des Atolls und finden 4 andere Yachten vor Anker. Ich hätte gedacht, dass wir alleine hier sein würden. Immer wieder ziehen Regenschauer durch und es ist nicht ganz einfach die von der Passage feuchten Sachen zu trocknen.

Der Gang zur Immigrationsbehörde ist ergebnislos: Einige Polynesier diskutieren meine Frage während 5 Minuten in der lokalen Sprache, ehe mir eine Frau in makellosem English mitteilt, dass der Beamte heute abwesend sei und ich morgen zurückkommen soll. Doch abends kommt der Beamte an Bord vorbei und wir können zumindest teilweise einklarieren: Er benötigt Kopien der Schiffspapiere, doch es hat auf der ganzen Insel keinen Kopierer… Dafür leiht er sich ein paar Action-Videos aus. Viel scheint hier abends nicht los zu sein…

4. Mai

Fanning house I

Die Line Islands bestehen aus den Inseln Palmyra (Nationalpark der USA), Fanning und Christmas Island und ein Dutzend kleinere Inseln, welche alle zur Republik Kiribati gehören. Zu diesem Land gehören auch die 2‘000 Seemeilen weiter westlich liegenden Inselgruppen Phönix und Gilbert Islands, die jenseits der Datumsgrenze liegen. So sind wir hier zwar in derselben Zeitzone wie in Hawaii, haben aber dasselbe Datum wie die Gilbert Inseln, einen Tag früher. Technisch gesprochen haben die Line Island nicht UTC-10 wie Hawaii, sondern UTC+14 und sind somit die ersten Inseln der Welt die den neuen Tag erblicken. Um unseren Tag zu vereinfachen, bleiben wir beim alten Datum …

Fanning ist die traditionellste Insel, die ich bis jetzt bereist habe. Weder die Kuna Indianer in San Blas (Panama) noch die Indios in den Anden leben auf noch so ursprünglich und unbeeinflusst von der modernen Zivilisation. Es leben 3‘500 Einwohner auf der Insel. Sie leben von Fisch, Kokosnuss und Reis, etwas Tarot, Papaya und Kürbis. Das Versorgungsschiff bringt alle 3 Monate das Wenige das sie sonst brauchen. Es hat kaum Läden, keine Bäckerei oder Metzgerei. Wozu auch? Es gibt nichts zu kaufen. Die Leute leben über die Insel verstreut in Palmhainen. Die Hütten sind eine Plattform einen Meter über Boden, haben ein Dach aus Pandanus Blättern und nur teilweise geflochtene Matten aus Palmwedeln als Wänden. Es gibt weder Dorfzentrum, Strom, Telefon, TV, Radio oder Internet. So ist es in der Nacht stockdunkel und man sieht auch ohne Wände nichts:-)

Fanning house II

Dafür gibt es jede Menge Zeit und Frieden. Die Leute sind scheu, grüssen aber äusserst freundlich zurück. Ein französischer Segler wurde hier heimisch und hat das einzige Restaurant und Pension auf der Insel. Die Gäste schlafen in denselben traditionellen Hütten, so es denn Gäste hätte. Nur ein paar Surfer oder Verwaltungsangestellte verirren sich auf die Insel, die sonst so gut wie komplett von der Welt abgeschottet ist.

5. Mai

Es regnet den ganzen Tag, wir fuhrwerken ein wenig an Bord und treffen die anderen Segler. Stu and Kym, ein junges australisches Paar, haben ihre Yacht in Kalifornien gekauft und segeln sie während eines halben Jahres nach Tasmanien. Michael & Candice, ein älteres hawaiianisches Paar segelt für die Ferien nach Fanning um hier zu surfen. Michael bietet mir seine Hilfe und Material für die Reparatur des Lecks an und gemeinsam planen wir die Reparatur. Sugar Daddy, den 60 Fuss Gunboat Katamaran von Bruce und Nora kennen wir bereits von Honolulu.

Noch nie habe ich eine so gute Kameradschaft und Hilfsbereitschaft unter den Seglern gesehen – jeder gibt was er hat und weit weg von allem hat jeder Gegenstand eine ganz andere Wertigkeit als zu Hause. Wir können jede Menge Regenwasser and Stu und Kym abgeben, die knapp an Wasser sind und auf ihrem Boot das Regenwasser nicht sammeln können, welches hier so reichlich vom Himmel fällt.

6. Mai

Ich verbringe den Morgen schwimmend unter dem Brückendeck und schleife die Reparaturstelle grossflächig. Am Nachmittag kuriere ich meinen Muskelkater… Es regnet weiterhin und nichts trocknet an Bord, auch wenn das Salzwasser schon seit Tagen weggespült ist.

7. Mai

Fanning house III

Müde vom Schleifen schlafe ich bis 8.00h. Michael kommt nach dem Frühstück vorbei, wir machen einen Laminiertestlauf für die Reparatur und ich ziehe das gebrochene Gennakerfall wieder in den Mast ein. Mit Michael, Candice und der Crew der Compass Rose, Rob und Luanne und deren volljährigen Sohn Nick und seiner Freundin gehen zu Bruno zum Mittagessen. Magalie, Bruno’s 16-jährige Tochter kocht superfein aus fast nichts: Krabbenbälle, gebratenen 30cm lange Crevetten und frischen Fisch aus der Lagune.

Am Abend sind alle Segler zum Potluck Dinner an Bord von Sugar Daddy eingeladen. Jeder nimmt etwas zu Essen mit und wir geniessen den Abend an Bord dieses Cadillacs der Meere.

8. Mai

Michael, Candice, Laurence und ich arbeiten wie ein routiniertes Team um den Riss unter dem Brückendeck zu reparieren. Michael überwacht, mischt und tränkt die Glasfasern mit Epoximasse, Candice assistiert, Laurence bringt die angemachten Teile und ich lege schwimmend Lage um Lage unter dem Brückendeck auf. Nach zwei Stunden ist das Werk vollbracht und ich hoffe, dass die Reparatur bis Neuseeland hält.

Am frühen Nachmittag verbrennen alle Cruiser gemeinsam den Abfall, denn es hat auf der Insel keine Abfallentsorgung. Man lernt immer wieder etwas Neues!

9. Mai

Fanning Pier I

Es regnet fast den ganzen Tag, doch wenn die Sonne zwischen den dicken Wolken hindurch scheint, reflektieren diese türkisgrün das Wasser der Lagune.

Fanning Pier II

Das halbe Dorf scheint sich unter dem gedeckten Pier zu versammeln – es ist im Regen einer der wenigen trockenen Plätze auf der Insel.

10. Mai

Laurence und ich fahren mit dem Dinghi auf die andere Seite des Passes um nach den Regentagen die Sonne zu geniessen und an einem schönen Strand zu lesen.

11. Mai

Tarot Plantation

Wir bringen die Wäsche an Land und spazieren über die Insel. Überall sehen wir entspannte Leute und niemand hat es eilig. Wozu auch? Die wenigen Lebensmittel wachsen fast von alleine und mehr braucht bzw. hat man nicht auf der Insel. Paradiesisch, doch ob ich hier leben möchte? Die Hütten der verschiedenen Sippen stehen in Gruppen zusammen. Ohne Wände an den Hütten sieht man das ganze Leben der Familien; sieht ihre Kleider trocknen, das Baby Laufgitter, die Küchengeräte und das Geschirr, die wenigen Kleider und anderen Habschaften. Ich fühle mich schon ein wenig aufdringlich, alles so zu sehen, doch es stört sich niemand daran.

Fanning kids

Die Kinder rufen uns von weitem zu, doch wenn Laurence Süssigkeiten verteilt, zögern sie auf uns zuzukommen und warten bis Laurence ihnen die Süssigkeiten in die Hand drückt. Umso lieber posieren sie für Foto’s erst recht, wenn sie sich selber nachher in der Kamera anschauen können.

Coffee with Bruno

Wir machen einen Kaffeehalt bei Bruno um ein wenig mehr über ihn und sein Leben in einem doch sehr traditionellen Umfeld zu erfahren. Er ist vor 20 Jahren wegen einer Frau hier hängen geblieben und kann sich nicht mehr vorstellen von hier wegzuziehen, auch wenn er auf Reisen immer wieder einen Einblick in das andere Leben hat. Andererseits verdient er mit dem Restaurant nicht genügend um seine zwei Kinder gross zu ziehen. So segelt er mit seiner 30 Fuss Yacht alle paar Jahre nach Hawaii um dort zu jobben, Baumaterial und Lebensmittel zurück nach Fanning zu segeln.

12. Mai

Wir klarieren aus und erleben einmal letztes Mal den Fanning Spirit. Der Zöllner wie immer zu Haus und muss erst in das Büro gerufen werden. Ich finde ihn in einem traditionellen Haus, wo er mit Freunden und Familie auf handgeflochtenen Palmmatten sitzt und liegt. Einige Minuten später kommt er im T-Shirt in sein Büro und klariert uns aus. Auf der Polizeistation erhalten wir den Ausreisestempel Pässe und ich kann ein paar Polizeirapporte der letzten Monate durchblättern: Leute die betrunken auf das Grundstück des Nachbarn getorkelt sind, jemand der sein Kind geschlagen hat, etc. Es tönt fast überall auf der Welt gleich…

Ich hätte nicht gedacht, dass wir ausgerechnet in der Nähe von Hawaii eine so traditionelle Insel finden würden. Rückblickend war es eine gute Entscheidung für die Wirbelsturmzeit Hawaii anzulaufen. Ich konnte meine 'Zivilisationsbatterien' volltanken und bin bereit für neue Erlebnisse im Südpazifik!