Cartagena
Wir bleiben den ganzen August in Cartagena de Indias, Kolumbien und bereiten uns auf unsere Südamerikareise vor.
Die erste Woche verbringen wir an Bord vor Anker. Jeden Tag ist etwas los. Wir gehen in ein OpenAir Kino und Konzert; lassen die Rettungsinsel warten und bereiten Blue Bie auf das Auswassern vor; helfen die Lagune von Cartagena von Unrat zu reinigen und Walter seine Homepage erstellen; und geniessen immer wieder die gute Stimmung von Cartegana, sei es an der Party anlässlich der Buchtreinigung oder bei der wöchentlichen Happy Hour in der Marina.
Danach starten wir das letzte Mal Blue Bie’s Motoren und fahren zur Werft. In ganz Cartagena gibt es keinen genügenden breiten Travellift für einen Katamaran und nur Ferroalquimar wassert Katamarane mit einem grossen Pneukran aus. Wir können den Mast stehen lassen, auch wenn der Kranausleger schon sehr nahe an den Windex kommt. Anstelle eines Steges mit Klampen zum Anlegen halten zwei Mitarbeiter die Leinen für eine Stunde und zwei weitere Mitarbeiter halten Blue Bie mit Bootshaken vom Geröllufer ab. Nur gut, dass es kaum Wind hat! Die Crew arbeitet langsam und umsichtig. Blue Bie wird gleich am Wasser abgestellt, so dass der Pneukran nicht mit Blue Bie fahren muss und wir haben wir tagsüber mit der Seebrise meist staubfreie Luft. Es hat circa 20 Yachten auf der Werft, die meisten bleiben wie wir einige Monate an Land.
Blue Bie ist noch nicht auf den Lagerböcken als Juan und seine zwei Mitarbeiter beginnen, die geklebten Zierstreifen abzunehmen. Sie sind zerfleddert und ich möchte sie jetzt spritzen lassen und über dem Antifouling den Gelcoat erneuern. Es gibt auch für uns viel zu tun: Dinghi schrubben, Aussenbordmotor warten, Stopfbuchsen und Propeller fetten – alles Tätigkeiten, die an Land viel einfacher zu erledigen sind. Wir leben an Bord von Blue Bie, was sich mit der Zeit doch als ungemütlich erweist: Ringsherum hat es Werften für die Grossschifffahrt und es wird sandgestrahlt und gehämmert, dass uns abends die Ohren dröhnen. Damit nicht das ganze Boot staubig wird, schliessen wir tagsüber alle Luken und Türen geschlossen – bei 35° im Schatten nicht gerade angenehm. Sobald unsere Arbeit erledigt ist, verziehen wir uns mit einem Motorrad-Taxi oder dem Fahrrad in die Stadt um dem Lärm zu entfliehen.
Einmal mehr stehe ich vor dem typischen Cruiser Dilemma: Welche Tätigkeiten kann ich den Fachleuten zutrauen und was ist zu schwierig. Zudem kennt kein Mechaniker den eigenen Motor so gut wie der Skipper, doch dieser kennt sich wiederum mit Motoren nicht besonders aus! So übergebe ich dem lokalen Mechaniker die Wartungsarbeiten. Er hat ein gutes Auge für Motoren, sieht von blossem Auge, was ich im Laufe des Jahres im Betrieb gemerkt habe und behebt es. Es gibt doch immer wieder einiges zu ersetzen und er kann einige Teile lokal herstellen lassen, die ich hätte teuer importieren müssen. Wir beschliessen dafür den Motor auszubauen und in seinem Atelier zu reparieren, da dies bei Blue Bie relativ einfach geht und die Zugänglichkeit doch beschränkt ist. Der Wiedereinbau dauert 4 Stunden, ich hätte gedacht, es geht länger.
Alle Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen als ich Nachricht von der Klinik erhalte, dass die Augenlaseroperation in ein paar Tagen durchgeführt wird. Wir ziehen am Vorabend der Operation in ein Hotel und Nila spielt Frau Doktor, indem sie mir eine intramuskuläre Spritze verpasst. Die Operation geht für uns sechs Patienten fast wie am Fliessband: Spitalkleidung anziehen, Liegestuhl beziehen, Augendesinfizierung, anästhetische Augentropfen und dann wird alle 15 Minuten ein Mann zur Operation abgeholt. Ich nehme in einem Zahnarztstuhl Platz und muss nichts weiter tun wie erst das eine und dann das andere Auge auf einen roten Punkt fixierien. Einfacher gesagt als getan, weil meine Sicht immer wieder verschwimmt und der rote Punkt spiegelt. Die Operation jedes Auges geht ca. 3 Minuten, ohne meine starke Hornhautverkrümmung ginge es schneller. Alles komplett schmerzfrei.
Diese kommen einige Stunden später und gegen Abend schmerzt es doch ziemlich. Im Laufe der Nacht beruhigt sich alles und am nächsten Tag bin ich so gut wie schmerzfrei. Was nicht heisst, dass ich sehen könnte: Ich bin so lichtempfindlich, dass ich die ersten zwei Tage im dunklen Hotelzimmer bleibe und nur mit mehr oder weniger geschlossenen Augen zum Essen ausgehe. Auch das legt sich in den nächsten Tagen und nach einer Woche ist es soweit überstanden. Die Sehschärfe ist zum Lesen ausreichend, aber in die Distanz noch nicht gut. Die soll sich in den nächsten 6-8 Wochen einstellen. Wenn nicht, braucht es eine Nachoperation. Wir gehen ein letztes Mal auf die Werft um Sachen zu bringen und Blue Bie zu inspizieren. Es ist soweit alles fertig und wir beginnen unsere Reise mit dem Rucksack durch Südamerika mit einem guten Gefühl.






