Cartagena - Panama
Cartagena - Panama
auf Google Earth
Islas Rosarios
Monica kommt Blue Bie und mich besuchen. Um ihrem Besuch den gebührenden Rahmen zu geben und alle Systeme von Blue Bie ausgiebig zu testen, segeln wir für ein verlängertes Wochenende zu den Islas Rosarios. Die Hinfahrt ist mit achterlichen Winden sehr angenehm und ich führe sie in die Navigation ein. Meine Lektion wäre perfekt gewesen, wenn da nicht ein Objekt im Wasser gestanden, wo in keiner Karte weit und breit nichts verzeichnet ist und die Wassertiefe angeblich 90m betragen soll. Ich bin nicht näher hingefahren um das zu überprüfen:)
Die Islas Rosario sind ein kleines Archipel von bewaldeten Inseln, werden von Ausflugsbooten von Cartagena intensiv angelaufen und haben ein sehenswertes Aquarium. Die ‚Seglerbuchten‘ sind vom Ausflugstourismus verschont und so verbringen wir zwei schöne Tage auf und im Wasser ehe wir die Rückfahrt nach Cartagena antreten. Eigentlich wäre die Rückfahrt gegen den Wind, doch ich nütze die Wetterbeobachtung der letzten Tage um den alltäglichen Winddreher richtig vorauszusehen und Höhe auf Vorrat zu laufen. Dass es nach 20 Seemeilen auf 20m genau auf die Hafeneinfahrt von Cartagena passt, ist dann doch mehr Glück als meine Wetteranalyse.
Cartagena - Colón
Nach dem Probeschlag zu den Islas Rosarios ist alles klar an Bord für die 270 Seemeilen Überfahrt nach Colón. Colón liegt auf der Atlantikseite des Panamakanals und ist meine letzte Station im Atlantik. Ich fühle mich sehr gut als ich den Anker lichte und nach über 5 Monaten Cartagena hinter mir lassen kann. Es ist immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit auf eine grössere Passage aufzubrechen, alles Bisherige hinter sich zu lassen und sich auf Neues einzulassen. Was besser könnte dem entsprechen als ein Segelboot, mit welchem man ohne Strassen oder andere festgelegte Wege einfach losfahren kann?
Kaum ausserhalb der grossen Bucht von Cartagena holt mich die Realität schnell ein: Der Wind nimmt innert Minuten auf 30kn (Windstärke 7) zu und 3-4 Meter hohe Wellen laufen unter Blue Bie durch. Blue Bie scheint mit den Bedingungen besser klarzukommen als ich: Ich kann das Lesen nicht sein lassen und habe schnell ein flaues Gefühl im Magen. Nach einer Tablette gegen Seekrankheit geht es mir besser, doch Lust auf dem sich doch stark bewegenden Boot zu kochen, habe ich keine. Die Nacht verläuft ereignislos und im Laufe des nächsten Tages nehmen Wind und Welle kontinuierlich ab, so dass der Tag und die anschliessende Nacht Segelspass pur bieten. Ich fühle mich so wohl, dass ich Bratkartoffeln zum Nachtessen koche.
Am nächsten Morgen erscheint Colón im Dunst. Ganz unerwartet überkommt mich bei der Einfahrt ein wenig Wehmut auf als ich die letzten zwei im Atlantik Revue passieren lasse. Es waren zwei wunderschöne Segeljahre mit vielen interessanten Erlebnissen und Begegnungen. Ich fühle mich als ob ich in eine Sackgasse einfahre: Viele Segelboote segeln nach Colón hinein, aber nur wenige segeln gegen den Wind heraus! Doch die vielen schönen Erinnerungen überwiegen die Wehmut schnell und ich fahre in einem absoluten Hochgefühl bei Steelbandklängen durch die Wellenbrecher von Colón.
Colón scheint die gefährlichste Stadt der Karibik zu sein, denn alle Segler und Einheimischen empfehlen, nur mit dem Taxi in die Stadt zu gehen – zu gross ist die Gefahr von Überfällen. Ich klariere mit Hilfe von Tito, einem der inoffiziellen Agenten, ein und melde mich für die Panamakanal Passage an. Es Es soll alles sehr schnell gehen und ich werde wohl bereits in rund einer Woche den Kanal durchqueren können. Nach Wartezeiten von bis zu drei Monaten letztes Jahr eine doch erfreuliche Nachricht. Mit der freudigen Botschaft rufe ich meinen Pa an, der umgehend ein Flugticket bucht und bereits drei Tage später auf Blue Bie eintrifft um mit mir durch den Panamakanal bis auf die Galapagos zu segeln.
Colón
Panama ist ideal um das Schiff für die nächsten 9 Monate mit Lebensmitteln vollzubunkern, denn diese sind später auf den Pazifikinseln richtig teuer. Eigentlich wollte ich dies in Panama City machen, doch die Taxiwege sind in Colon wesentlich kürzer und günstiger. So fahre ich während 5 Tagen jeden Tag in einen der drei Supermärkte, kaufe für über USD 1'000 haltbare Lebensmittel und Vorräte ein.
Es sind für mich grosse Mengen: 15 Kilo Pasta, 5 Kilo Reis, 3 Lt Soyasauce, 30 Büchsen Mais, 250 Büchsen Bier, 15 Lt Wein, ... Am Schluss schwimmt Blue Bie schwimmt 5 cm tiefer im Wasser und ich bin erschöpft vom vielen einkaufen, schleppen und einräumen. Zwischendurch bereite ich alles für die Kanalpassage vor: Der Vermesser kommt vorbei und prüft Blue Bie, ihre Belegtrossen (4 Belegtrossen à 40m sind Mindestausrüstung) und Fender und gibt sein OK. Nach der Bezahlung der Transitgebühr von USD 600, kann ich noch gleichentags einen Termin anfragen. Schon am übernächsten Tag könnte ich durch doch ich ziehe es vor, bis am Wochenende zu warten, denn bis dann treffen Monica und mein Pa ein um gemeinsam durch den Panamakanal zu fahren.
Panamakanal Passage
Heute ist der grosse Tag der Panamakanal Passage. Ich bin schon ein wenig nervös – schliesslich bin ich noch nie durch eine Schleuse gefahren und mache mir auch Gedanken, ob Blue Bie es rechtzeitig über den Gatunsee schaffe. Nach einem letzten Frühstück im Atlantik gehen Monica und ich frische Lebensmittel für die Kanalpassage einkaufen. Ich muss immerhin für sechs Personen kochen: Isolde und Gabor von der Yacht Kestrel möchten Panamakanal Erfahrung sammeln bevor sie selbst durchfahren und verstärken die Blue Bie Crew auf die Mindestbesatzung von 5 Personen (Skipper und 4 Linehandler) und auch der Advisor, der uns im Auftrag der Kanalbehörde berät, will verpflegt werden.
Ich koche am frühen Abend Ghacket’s und Hörnli, so dass wir gemütlich Nachtessen können, ehe der Advisor um 19.00h an Bord kommt. Doch unsere Transitzeit verschiebt sich zweimal auf 22.00h und so müssen wir erst einmal warten, bevor wir die Motoren für die Panamakanal Passage starten können.
Der Panamakanal wurde 1914 von den Amerikanern gebaut, nachdem ein erster Versuch der Franzosen gescheitert war, indem der Gatunfluss mit zwei Staumauern auf der Atlantik- und der Pazifikseite auf 30m.ü.M. zu einem See gestaut und die Höhendifferenz mit drei Schleusenkammern überwunden wird. So werden die Schleusen energiegünstig mit Flusswasser gespiesen. Die Schleusenkammern sind je 300m lang und 40m breit und jede Stunde werden Schiffe hoch- und heruntergeschleust. Nur einmal am Tag werden Segelyachten geschleust. Heute passieren 5 Yachten – 3 Segelyachten in einem und Blue Bie mit einer kleinen Yacht in einem anderen Päckchen.
Vor der Schleuseneinfahrt vertäuen wir die beiden Yachten und fahren gemeinsam in die erste Schleuse ein, wo wir die langen Leinen den Schleusenwärtern übergeben. Blue Bie und Kymika werden von den Leinen in der Mitte der Schleuse gehalten, so dass wir die rauen Schleusenwände nie berühren. Schon bald schliessen sich die gewaltigen Tore und Wasser schiesst in mächtigen Strudeln in die Kammer.
Ich richte Blue Bie mit drei Motoren (meine zwei und derjenige von Kymika) immer wieder aus und Pa und Gabor setzen die Belegleinen kontinuierlich durch als Blue Bie in der Schleuse in wenigen Minuten um 10m nach oben gehoben wird. Oben angekommen öffnen sich die bergseitigen Schleusentore und wir fahren im Päckchen in die nächste Schleusenkammer. Dies wiederholt sich insgesamt dreimal, bevor Blue Bie zum zweiten Mal in ihrem Leben im Süsswasser des Gatunsees schwimmt. Das ganze Schleusen dauert keine Stunde und schon nach einer Meile belegen wir an einer Mooringboje und der Advisor geht von Bord. Wir nehmen einen Schlummertrunk und schlafen bald tief und fest.
Um 7.00h ist Tagwache und der nächste Advisor kommt an Bord. Zuerst motoren wir 30 Seemeilen über den Gatunsee zu den Schleusen auf der Pazifikseite. Bis zum Schleusentermin haben wir lediglich 5 Stunden Zeit.
Wer zu spät kommt muss für die Verspätung, einen weiteren Advisor und einen anderen Platz in der Schleuse USD 850 Strafe bezahlen. Obwohl offiziell nicht erlaubt, darf ich die Segel zusätzlich zum Motor setzen. So kommen wir ohne je Vollgas geben zum müssen rechtzeitig an der Pazifikseite an.
Miraflores webcam - Blue Bie in the Panama Canal
Danke Paddy und Eduard, dass ihr so genau geschaut habt!
Die Schleusen stehen um 12.30h bereit für uns und die gleichen 5 Yachten werden herunter geschleust. Wir gehen wieder in das Päckchen mit Kymika und das Herunterschleusen ist noch einfacher als das Hochschleusen.
Es hat kaum Strudel und wir müssen nur eine Leine aktiv bedienen.
Keine Stunde später sind wir die drei Stufen heruntergeschleust und Blue Bie schwimmt im Pazifik.
Wir stossen mit einem Glas Champagner auf den Pazifik an, Neptun erhält den ersten Schluck und Blue Bie eine neue Nationalflagge! Blue Bie schwimmt im Pazifikwasser wie sie es schon immer getan hätte und auch wir spüren keinen Unterschied zum Atlantik. Für Monica und mich ist es ein bedeutungsvoller Moment, denn wir planen, dass sie im Laufe der nächsten Monate zu mir auf Blue Bie ziehen wird und wir gemeinsam den Pazifik erleben und erkunden wollen.
Panama City
Es hat sich wirklich gelohnt, die Einkäufe in Colón zu erledigen. Der Ankerplatz in Panama City ist weit von der Stadt entfernt und alles ist nur per Taxi erreichbar. Zwar mit 5-10 USD nicht allzu teuer, aber doch wesentlich teurer als in Colon. Zudem ist die Auswahl auch nicht grösser. Müsste ich nicht auf Teile für die Motoren Ersatzteilkiste und eine SIM-Karte für mein Satellitentelefon warten, wären wir noch schneller weg gewesen. Doch auch so verfliegt die Zeit und ich bin viel in der Stadt unterwegs um Sachen zu erledigen, denn in den nächsten Monaten im Pazifik sind Ersatzteile und Lebensmittel nur schwer erhältlich.

















