Grenada - Tobago

Dienstag, 6. November

Gelcoat Reparatur

Es gibt einiges zu tun ehe Blue Bie wieder seeklar ist. Ich brauche mehr Zeit die alte Scheuerleiste zu entfernen als gedacht und ich sehe immer wieder etwas, das ich noch machen kann. So fette ich die Ruderanlage, räume alle Leinen auf, dichte ein Luk ab, und mache ausgedehnt Siesta, denn bei dieser Hitze mag ich am Nachmittag nicht arbeiten, vor allem weil ich vom Arbeiten über Mittag starkes Kopfweh habe. Die Arbeiter der Werft arbeiten unbeeindruckt weiter und es macht Freude dem Arbeiter zuzuschauen wie er einige alte Schrammen an der Blue Bie ausbessert. Er macht seit sechs Jahren nichts anderes als Gelcoat Arbeiten. Das Resultat ist perfekt und der Rumpf der Blue Bie glänzt wie neu.

Abends gehe ich mit den Bootsnachbarn essen. Sie nehmen immer wieder Charterkunden mit und können damit gerade so ihre Kosten decken. Die grosse Freiheit ist es nicht. Ich bin froh, dass ich den Termindruck mit Kunden nicht habe!

Mittwoch, 7. November

Ich habe mich die letzten paar Tage ein wenig schwer getan. Es war eine grosse Umstellung von Mérida auf die Blue Bie: In Mérida hatte es viele Leuten und Unterhaltung und ich wusste wie mein Leben weitergeht: 7 Wochen Sprachschule, eine Woche Rundreise und danach zurück auf die Blue Bie. Jetzt bin ich auf der Blue Bie und es fühlt sich ganz anders an als in Mérida: Ich bin wieder viel alleine, es drücken wieder kleine Problemchen und ich habe im Moment keine Ziele an denen ich mich festhalten kann.

Es ist keine unmögliche Umstellung und ich meistere sie auch recht gut, aber es braucht einen bewussten Umgang um die Problemchen nicht zu Sorgen werden zu lassen und die Zeit mit mir zu geniessen. Ein wenig hat es auch mit dem Essen zu tun: Das Werftrestaurant ist abends aus unerfindlichen Gründen geschlossen und das Ressort nebenan ist so teuer, dass ich mir dort für den Alltag nur einen Hamburger oder die einzige Pasta auf der Karte erlauben möchte. Heute habe ich eine andere Seglerin zu den Läden gefahren, weil ihr Mann wegen Reparaturen nicht vom Boot weg konnte und sie nicht fahren wollte. So habe ich wieder etwas eingekauft und habe auf der aufgebockten Blue Bie gegessen. Die Preise in den Läden sind gewaltig; es ist einiges teurer als in der Schweiz und den Vergleich mit Venezuela mache ich gar nicht erst. So kaufe ich nur das Notwendigste und verschiebe den Grosseinkauf auf Trinidad & Tobago oder Venezuela.

Donnerstag, 8. November

Stern under water

Ich mache noch die letzten zwei, drei kleinen Vorbereitungen zum Einwassern und bin um 8.000h bereit. Dann kommt erst der Metallbauer um eine Reparatur vorzunehmen, die ich vor 4 Monate aufgegeben und schon lange abgeschrieben habe. Und als Blue Bie bereits am Kran hing, kam noch der Propellerspezialist und meinte, dass ein Propeller etwas schwergängig ist. So musste die Kranmannschaft eine Viertelstunde warten, ehe sie Blue Bie zu Wasser lassen konnten. Ich liebe die Aktionen in letzter Minute nicht besonders, denn selten ist die Qualität gut oder eine saubere Kontrolle möglich. Das Einwassern ging problemlos und auch das selbst montierte Seeventil ist dicht.

Doch es passt mir nicht, dass Blue Bie mit dem Backbordheck 15cm über die Wasserlinie eintaucht. Eine Kontrolle zeigt, dass eine Backskiste bis zum Deckel voll Wasser ist! Nachdem wir rund eine Tonne Wasser abgepumpt haben, schwimmt sie wieder richtig und es ist bewiesen, dass die Backskiste dicht ist, denn sonst wäre auch der der Motorraum unter Wasser gestanden! Der Grund für das Volllaufen war ein vom vielen Dreck an Land verstopfter Ablauf.

Freitag, 9. November

Alles läuft so weit rund und ich warte mit dem Auslaufen nur noch, bis der Elektriker ein kleines Problem am Alternator behoben hat – so klein, dass er nicht einmal eine Rechnung dafür stellte! Doch beim Testen stellt der Motor einige Male im Leerlauf ab. Der Mechaniker möchte dem auf den Grund gehen. Doch bis es auch der Chefmechaniker angeschaut hat, ist es Freitagabend und die Arbeit ist auf Montag vertagt. Macht nichts, ich habe Zeit. Der Mechaniker ist nicht wenig erstaunt über meine Reaktion!

Den Abend geniesse ich mit zwei deutschen Seglerpärchen. Es gibt schon kaum zwei Segler, die dasselbe Programm haben. Nur dumm, dass viele davon miteinander verheiratet sind. Sie (!) möchte jeden Tag der nächsten Jahre nur segeln, er möchte auf medizinischen Gründen häufig zu Hause sein. Die anderen beiden arbeiten noch zu 50% und dann möchte er um die Welt segeln – sie geniesst das Reiten und das Sonnenbaden im Mittelmeer oder in der Karibik. Ja, ich geniesse die Lebensform auf der Blue Bie: Unabhängig und ungezwungen von Chartergästen und Familie durch das Leben zu segeln. Und doch, wenn die richtige Frau …

Samstag, 10. November

Mit einem Motor fahre ich lieber nicht in die Prickley Bay um Werner zu treffen und so verabreden wir uns in St. Georges. Es gibt viel zu erzählen und so vergeht die Zeit sehr schnell. Am Abend hänge ich noch ein wenig in der Werftbar, plaudere mit der Bürochefin und einem Arbeiter. Ich hatte ihm vor ein paar Tagen empfohlen, jeweils ein wenig seines Geldes in einen Anlagefonds anzulegen um für das Alter etwas zu haben. Seither ist er Feuer und Flamme und voll begeistert. Ich bin gespannt, ob er es machen wird.

Am Abend werfe ich wieder einmal den Herd an und mache mir eine Rösti. Es ist eine schöne Abwechslung einmal auf dem eigenen Boot zu kochen. Es ist alles bestens an Bord und doch gibt es nach der langen Abwesenheit überall etwas zu tun. So braucht alles doppelt so lange, denn ich muss alles erst putzen, entrosten oder verstauen. Es ist schon unglaublich, was alles rostet: Edelstahlpfannen, -geschirr, -messer sind ebenso wenig verschont wie alles was irgendwo einmal mit Rost in Kontakt kommt wie z.B. Schubladenböden.

Sonntag, 11. November

Einfach Zeit haben… So herrlich! Ich habe den ganzen Tag nichts vor, frühstücke ausführlich, erkundige mich über den Stand der US Präsidentenwahlen, ersetze die Tankanzeige, welche ich mit 12-monatiger Verspätung von der Werft in Frankreich erhalten habe und putze den Salon der Blue Bie. Ich geniesse es richtig, die Blue Bie innen herauszuputzen, denn ich muss nichts, habe alle Zeit der Welt und auf meinem Schiffsradio läuft gute Steelbandmusik. Es war eine gute Idee, einen Autoradio mit USB Schnittstelle zu kaufen. So kann ich beliebige Stücke von meiner ganzen Musiksammlung in MP3-Format über einen USB Stick hören.

Selten habe ich werkeln, putzen, Musik hören und nichts tun so genossen!

Montag, 12. November

Als ich am Morgen an Land fahre, diskutieren die Mechaniker meinen ‚Fall’. Es ist nicht die vermutete Luft in der Dieselzuleitung und so demontieren sie nochmals die über den Sommer kontrollierte Einspritzanlage. Und siehe da, eine Düse ist defekt! Zum Glück haben sie von einem anderen Motor eine passende Einspritzdüse und nach dem Mittag ist die Blue Bie klar zum Auslaufen.

Doch ich habe es nicht eilig, höre Musik, schwimme, lese und gehe mit den deutschen Seglern zur Happy Hour, die sich spät in die Nacht hineinzieht.

Dienstag, 13. November

Nach dem Frühstück an Bord verabschiede mich von den Werftmitarbeitern. Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet, auch wenn sie es mit Terminen nicht so haben. Doch einige Tage nach dem Eintreffen der Skipper sind die Boote jeweils bereit:) Nachdem ich noch einem deutschen Segler geholfen habe, sein Boot zum Einwassern bereit zu machen und mit anderen Seglern zum Abschied Kaffee und Kuchen an Bord von Blue Bie genossen habe, ist es Zeit zum Auslaufen.
Es klappt alles bestens und Blue Bie zeigt sich wieder in ihrem Element. Ich bin es auch. Es ist schon ein tolles Gefühl, so ganz ohne Motorenantrieb über die Wellen zu gleiten und voraus nichts als Wellen zu sehen. Was andere Leute irgendwie beängstigt, gibt mir ein ungeheures Gefühl der Freiheit. Nur meine Seebeine müssen noch wachsen.

Auf dem Weg komme ich recht nahe an den ‚Porpoises’ vorbei. Drei Felsen, die einen Kilometer entfernt von der Küste im Meer gerade bis zur Meeresoberfläche ragen. Nur die Wellen brechen wild darüber: Eine Welle kommt tausende Kilometer von Afrika, sieht rechts Grenada und links Glover Island und denkt, da komm ich genau zwischendurch. Und plötzlich ziehen ihr die Porpoises die Füsse und dem Körper weg und sie stürzt in sich zusammen. Und wer denkt, dass die nächste Welle etwas daraus gelernt hat, irrt sich;) Doch Millionen von Wellen werden dafür sorgen, dass eines Tages die Porpoises kein Hindernis mehr für sie sein werden. Allfällige Analogien zu Menschen sind selbstverständlich komplett zufällig :)

Schon bin ich in St. Georges, wo ich neben der Taimada von Ute und Hajot ankere, mit denen ich letztes Jahr in Dominica auf zwei Ausflügen war. Wir waren über E-Mail seither im Kontakt und so ist das Treffen kein Zufall. Wir gehen zusammen in den Grenada Yacht Club essen. Spät abends SMSle ich noch mit Katja, die mich am Sonntag auf der Blue Bie besuchen möchte um gemeinsam kitesurfen zu gehen. Katja und ich haben uns vor zwei Jahren beim Kitesurfen in Brasilien kennen gelernt. Vom ersten SMS bis zur Buchung vergingen gerade einmal 18 Stunden. Schön, dass es so spontane Leute gibt! Jetzt muss ich alles klar machen, damit ich sie am Sonntag rechtzeitig auf der Nachbarinsel Tobago abholen kann.

Mittwoch, 14. November

Ich war vor 7 Jahren schon einmal in St. Georges und die Lagune sieht noch immer ähnlich aus. Doch es sind bereits Bagger aufgefahren und in wenigen Jahren wird hier eine grosse Marina entstehen. Das Ankern wird dann in der Lagune nicht mehr möglich sein. Nicht, dass ich es möchte, ausserhalb der Lagune hat es weniger Strassenlärm und Moskitos. Der Fortschritt macht auch vor der Karibik nicht halt.

Ich bin den ganzen Tag unruhig, weil die Überfahrt nach Tobago ansteht. Nichts riesiges, doch immerhin über Nacht - und so viele Nachttörns habe ich noch nicht gemacht. So bleibe ich über Nacht nicht wie gedacht in St. Georges, sondern verhole in die Prickley Bay. Dort stosse ich auf einen grossen Schweizer Stammtisch, unter anderen auch Irene und Werner. Wir geniessen einen gemütlichen Abend und einige Caipirinhas lassen die Unruhe nicht weiter aufkommen.

Donnerstag, 15. November

Eigentlich würde ich heute Abend gerne nach Tobago auslaufen, doch im Laufe des Vormittags beginnt es in Strömen zu regnen. Ich mache die letzten Einkäufe und prüfe die verschiedenen Wetterberichte. Viel gibt es nicht zu tun und so gehe ich zu Irene und Werner um mit ihnen zu plaudern.

Gegen meinen inneren Schweinehund beschliesse ich trotz des Regens auszulaufen. Nach einer Rösti um 17.00h laufe ich um 17.45h mit dem letzten Büchsenlicht aus. Eine halbe Stunde später ist es bereits stockdunkel. Und siehe da, kaum unterwegs, hört der Regen auf. So kann ich die die ganze Nacht bei schönem Wind segeln. Es ist unheimlich friedlich und die Welt – das heisst die Wolken und Wellen – zieht wie auf einem Film an mir vorbei.

Freitag, 16. November

Tobago Sunset

Die vorhergesagte und erhoffte Winddrehung von Ost auf Nordost kommt die ganze Nacht nicht und im Morgengrauen lässt der Wind nach. So nehme ich den Motor zu Hilfe um gegen den kräftigen Strom Richtung Tobago zu Motorsegeln. Doch wo soll ich hin? Zu meinem Ziel, der Store Bay, die näher liegt, aber kein offizieller Einklarierungshafen ist oder zum Einklarierungshafen Scarborough? Ich entschliesse mich für letzteren. Es ist ein Umweg von 5 Stunden, den ich wegen Windmangel motoren muss. Das Städtchen scheint sehr aktiv mit vielen kleinen Marktständen, doch der Hafen ist sehr hässlich – so hässlich, dass ich nach dem Einklarieren sofort wieder auslaufe und in die Store Bay fahre. So komme ich gegen 17.00h in der Store Bay an, fast 24 Stunden nachdem ich ausgelaufen bin. Absolute problemlose 24 Stunden für mich und Blue Bie.

Ich habe keine Lust, an Land zu gehen und bleibe an Bord. Ich koche eine Suppe, lese und gehe gegen 21.00h in das Bett um den fehlenden Schlaf der vergangenen Nacht nachzuholen.

Samstag, 17. November

Tobago House

Nachdem ich fast ein ganzes Buch gelesen habe, putze ich gründlich das Deck und erkunde am Nachmittag Crown Point, die Ortschaft hinter der Store Bay. Es ist das Tourismuszentrum von Tobago. Ich geniesse es immer wieder in eine neue Ortschaft einzutauchen und die lokalen Gegebenheiten kennen zu lernen. Im Gegensatz zu Scarborough ist es fast gespenstisch ruhig. Wenn nur nicht fast alle Autos getunte Auspuffanlagen hätten! Es hat viele wunderschöne Villen die mich ein wenig an Hawaii erinnern. Wie ich später an der Strandbar erfahre, gehören die meisten Häuser, Hotels und Tourismusunternehmungen Ausländern. Zuviel, und die Regierung hat vorerst ein Immobilienkaufsverbot für Ausländer erlassen, um in Ruhe ein geeignetes Gesetz zu erlassen! Nicht nur die Schweiz hat diese Probleme.

Läden hat es nur wenige und diese bieten nur eine kleine Auswahl an, doch über diverse Mini Markets und Fruchtstände verteilt, kann ich meine Einkäufe tätigen. Joghurt gibt es nur in einem Geschäft und mir fehlt insbesondere eine schöne Auswahl an Käse, Fleisch und Pilzen. Fleisch habe ich in Venezuela reichlich gegessen, doch guter Käse und Pilze fehlen auf meinem Speisezettel seit drei Monaten. Dafür ist der Rumpunsch an der Strandbar lecker und ich komme mit einigen Einheimischen und Touristen in das Gespräch. Von der Strandbar geht es fast nahtlos zum „Limen“ (Musikhören und relaxen) an den Strand. So wenig wie hier auf den ersten Blick los scheint, hat es einen guten Groove und es läuft doch immer wieder irgendwo etwas!

Sonntag, 18. November

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag etwas auf meiner Pendenzenliste zu erledigen. Heute demontiere und warte ich die Toilettenpumpe, die nach einem Jahr Dauerbetrieb undicht geworden. Es ist ein Genuss zu spüren wie sie nachher wie geschmiert läuft und zu merken, wie ich eine um die andere Sache erledige, ohne dass es sich gross nach Arbeit anfühlt! Ich nusche noch ein wenig auf der Blue Bie herum, gehe Brot kaufen, gönne mir ein Bier an der Strandbar und lese.

Schon höre ich das Flugzeug, das Katja nach Tobago bringt. Ich ziehe mich um und fahre mit dem Dinghi an Land. Ich habe keine Eile, der Flugplatz ist gerade zweihundert Meter entfernt und ich habe noch viel Zeit zum Plaudern bis sie durch den Zoll durch ist. Da es schon spät ist, koche ich uns feine Spaghetti zum Abendessen und geniesse das Wiedersehen.

Montag, 19. November - Sonntag, 2. Dezember

Philip's jibe

Katja lebt sich auf der Blue Bie sehr schnell ein und wir sind die ersten Tage jeden Tag auf dem Wasser, auch wenn es nur wenig Wind hat. Es reicht mir schon, über das Wasser zu gleiten, die Sonne und den Wind auf der Haut zu spüren. Noch hat es zu wenig Wind um an den Moves zu arbeiten, aber das kommt in den nächsten Wochen schon noch. Wir kiten im Pigeon Point Nationalpark an einem der schönsten Spots an dem ich bis jetzt gekitet habe: Der Strand ist 50m breit und von Palmen gesäumt, das Wasser ist türkisgrün und blau, abgegrenzt von den weiss über das Riff brechenden Wellen. Unter den Palmen stehen die Surfstation, einige Bars und Imbissbuden. Bei nordöstlichen Winden ist der Kitespot ideal, beim häufigeren Ostwind ist der Wind etwas löchrig.

Katja in the driving seat

Am Mittwoch machen wir Katja’s ersten Segeltörn und segeln mit der Blue Bie nach Plymouth. Es hat recht hohe Wellen, obwohl wir in der Abdeckung der Insel segeln. Für die nächsten Tage sind grosse Wellen und guter Wind angesagt. Und tatsächlich, ab Samstag bläst idealer Nordostwind und es rollen hohe Wellen an, die 2-3 Meter hoch über das Riff brechen. Die Brandung lässt sich mit dem Kite perfekt surfen. Mit dem Kite in der Brandung zu surfen ist fast noch schöner als im Tiefschnee zu snowboarden! So hoch die Brandung ist, liegt die Blue Bie einige Meter daneben sicher in der Store Bay, nur mit dem Landen des Dinghis müssen wir aufpassen, um nicht von einer Welle überrollt zu werden. Die am Ufer brechenden Wellen dröhnen Tag und Nacht über die Bucht. Nicht zum ersten Mal denke ich, dass ich gar nicht so nahe am Wasser wohnen möchte.

Katja's Railey

Ich geniesse die Zeit mit Katja sehr: Wir haben eine ähnliche Einstellung und können miteinander über sehr viele Sachen diskutieren. Es macht mir auch viel Spass mit Katja zu kiten: Sie fährt einiges besser als ich und ich bin ein wenig stolz auf sie. Sie motiviert mich immer wieder, neue Moves zu lernen. Wir finden einen guten Rhythmus: Am Morgen geht sie in das Internet Café um ihre Mails zu bearbeiten, danach gehen wir einkaufen. In den Läden finden wir das Notwendigste und in kleinen Obstständen gibt es feine Früchte - Ananas, Passionsfrucht und Orangen gehören zu unseren Lieblingen. Das Frühstück kochen wir an Bord, mittags essen wir oft einen Hamburger am Strand und abends gehen wir in eines der zahlreichen Restaurants essen. Diese sind wirklich hervorragend, nur das chinesische Restaurant fällt ab. Nach dem Essen nehmen wir meist einen Absacker im Coco Reef Ressort; neben ausgezeichneten Drinks haben sie jeden Abend Unterhaltung. Die Steelbands und Trommelgruppen sind meine Favoriten. Ich bin überrascht wie stark Tobago von den afrikanischen Wurzeln und wie wenig es von Lateinamerika geprägt ist.

Englishman Bay

Ab Mittwoch ist Flaute angesagt. Macht nichts – Katja war die letzten Monate jede freie Minute auf dem Wasser und ich werde in den nächsten Monaten hoffentlich noch genügend zum Kiten kommen. Wir mieten ein Auto und erkunden zwei Tage die Insel. Sie ist mit 40km Länge gut in einem Tag zu erkunden und bietet auf kleinstem Raum schöne Wasserfälle, Strände und Buchten. Es sind traumhaft schöne Buchten, die ich sonst mit dem Boot erkundet hätte. Doch ausser dem Strand bieten sie nicht viel und so werde ich es wohl damit gut sein lassen.

Osi, Katja & me

Abends nützen wir den Mietwagen um weitere Restaurants zu erkunden. Das Essen ist wirklich auf sehr hohem Niveau und wir lassen uns gerne verwöhnen. Am Samstag gehen wir nochmals segeln, dieses Mal verstärkt von Sonja und Osi, mit denen wir die eine oder andere schöne Stunde am Strand verbracht haben.

Montag, 3. Dezember

Kitebeach

So spontan Katja kam, so schnell ist sie schon wieder weg:( Es ist sehr ruhig auf der Blue Bie und ich muss mich erst wieder daran gewöhnen. Es ist für mich fast einfacher, mich auf Besuch einzustellen als auf das Alleinsein danach. Doch bereits nach kurzer Zeit geniesse ich die Ruhe und die Freiheit meinem eigenen Rhythmus zu folgen. Trotzdem möchte ich Besuch von guten Freunden auf keinen Fall missen. So hat mich Katja auf Sachen aufmerksam gemacht, die mir bislang nicht aufgefallen sind.

Nachdem ich zwei Wochen nichts gemacht habe, ist es wieder Zeit für einen Eintrag auf meiner Pendenzenliste und ich kümmere mich um einen Alternator, der nicht mehr funktioniert. Die lange Fehlersuche in der Verkabelung fruchtet nichts – der Alternator ist defekt. Gut, dass ich einen Ersatz dabei habe. Am Abend gehe ich mit Neil und Tracy, die ich vor einigen Wochen in den Bergen von Los Nevados getroffen habe, und einem anderen englischen Seglerpärchen zur Happy Hour und zum Nachtessen: „Bake & Shark“ – Fritiertes Haifischfleisch in einem selbst gemachten Brötchen – yummi!

Dienstag, 4. Dezember

Roland & Philip

Ich mache jeden Tag eine Arbeit an der Blue Bie – und meist noch die eine oder andere Kleinigkeit dazu. So wird die Pendenzenliste nie zu lang und die Arbeit ist fertig, bevor sie wirklich beginnt – und damit ein echtes Vergnügen. So soll es sein! Heute löse ich alle Wantenspanner, putze, fette und montiere sie wieder. Nur so kann ich sicherstellen, dass sie bei der starken Korrosion auch in einem Jahr noch zu lösen sind. Ab Donnerstag ist Wind angesagt und so kann ich in aller Ruhe an der Blue Bie herumwerkeln und es geniessen.

Anschliessend besuche ich Roland auf seiner Orion. Er ist im Sommer Biogemüsebauer im deutschen Bodenseeraum und seit 13 Jahren jeweils im Winter 4 Monate in der Karibik, fast immer in Tobago. Er hat letztes Jahr mit dem Kitesurfen begonnen und wir waren letzte Woche viel zu dritt auf dem Wasser. Nach einem Besuch der Strandbar zur Happy Hour koche ich mir wieder einmal Spaghetti Aglio und Olio auf der Blue Bie. Ich könnte es fast jeden Tag essen:)

Mittwoch, 5. Dezember

Frühmorgens kommt Roland vorbei und hilft mir den defekten Alternator zu reparieren. Alleine hätte ich es weder geschafft noch gewagt, doch er hat viel mehr Erfahrung – sowohl von seinem Boot als auch von seinen Traktoren! Zwei Stunden später ist der Alternator repariert. Einmal mehr war menschliches Versagen im Spiel: Der Mechaniker in Guadeloupe hat letztes Jahr die Schrauben zu wenig gut angezogen als er ihn für den externen Regler vorbereitete. Den Rest des Tages lese ich ‚Die Päpstin’ ein historischer Roman um eine Päpstin die im 9. Jh. gelebt haben soll.

Am Abend gehe ich in das Restaurant Lattitude 11 essen. Das Essen ist einfach unglaublich gut. Der Koch kommt aus Deutschland und seine venezuelanische Frau serviert an den 8 Tischen. Ich esse als Vorspeise eine Entenbrust auf Linsen und als Hauptspeise einen Thunfisch mit Wasabi-Kartoffelstock, Randen und Curry-Zucchini. Letztere schmecken sogar mir ausgezeichnet! Anschliessend gehe ich nebenan in den Golden Star, wo mittwochs ein Talentwettbewerb stattfindet. Ich bleibe draussen, mir reicht, was ich höre;) Dafür geniesse ich es den Leuten zuzuschauen. Es kommt mir vor wie im Film der Pate: Richtige Mafia-Typen, aber total friedlich: Schwarzer Anzug, riesige Goldkette mit kreisrundem 15cm grossem Amulett und ebenso grosser goldener Gürtelschnalle, Hut und Sonnenbrille (um Mitternacht) und weiss-silbernen Krokodilleder Halbschuhe!

Donnerstag, 6. Dezember

Dream wedding beach

Ich zolle Tribut, gestern bis um 2.00h gelesen zu haben und schlafe bis um 9.00h. Eigentlich hätte es Wind zum Kiten, doch ein grosser Regenschauer zieht über die Insel. So esse ich erst einmal gemütlich Frühstück! Danach ist der Wind weg und ich gehe zu Roland auf seine Orion plaudern. Später gehen wir an den Strand, wo wir von einem deutschen Pärchen angesprochen werden. Sie heiraten nächste Woche hier auf Tobago und möchten nach der Trauung gerne eine Katamaranfahrt mit 10 Leuten machen. Doch der einzige Charterkatamaran ist ausgebucht. So fragen sie, ob Roland oder ich Interesse hätten. Roland’s Boot ist zu klein und werde ich mit ihnen eine kleine Ausfahrt machen. Roland wird mich an Bord unterstützen und ich kriege etwas in die Bordkasse!

Ich feiere den heutigen Samichlaus Tag mit einer Weihnachts-CD sowie den ersten Erdnüssen und Mandarinen des Jahres.