Jamaika - Kuba

Samstag, 12. April

Wir treffen die letzten Vorbereitungen für die Überfahrt nach Kuba, laden den neuesten Wetterbericht und Musik herunter, kaufen ein letztes Glacé in der Gelateria und verabschieden uns von den Marinamitarbeitern in Port Antonio und den anderen Seglern. Wir haben es mit dem Auslaufen nicht eilig, denn der Wind hat wie gewünscht gedreht und bläst erst noch deutlich stärker als vorhergesagt. So laufen wir ohne Eile gegen 15.00h aus. Doch irgendwie hatte ich die falsche Distanz im Kopf – es sind 110 und nicht 83 Meilen. Doch bei den gegenwärtigen 18kn Wind kommen wir locker vor Einnachten an.

Es ist eine wunderschöne Halbmondnacht, die Sterne funkeln über uns, wir gehen die ganze Nacht Wache und sehen kein Schiff.

Sonntag, 13. April

Im Laufe der Nacht flaut der Wind entgegen den Prognosen ab und wir treiben mit 1-4kn gegen Santiago de Cuba. Unter Einsatz des Motors kommen wir gerade noch vor der Dunkelheit an.

Entgegen anderslautenden Berichten ist der Hafen geöffnet und auch das Empfangskommando der Küstenwache bleibt aus. Lediglich der Marinaangestellte funkt freundlich zurück, stellt uns auf Englisch einige kurze Fragen und bietet uns an, gut geschützt ausserhalb der Marina zu ankern bis wir morgen einklarieren können.

Montag, 14. April

Nach dem Frühstück wollen wir am Marinasteg anlegen um einzuklarieren. Die Motoren laufen schon, doch man bedeutet uns zu warten, bis der Zoll bereit ist. Um 16.00h (!) trifft endlich Frau Doktor ein, wir dürfen anlegen und die Prozedur kann beginnen: Frau Doktor – im besten Sowjetstil ohne ein Lächeln – fragt nach unserer Gesundheit. Der Zöllner kommt zweimal kurz vorbei, wir wissen nicht wirklich wozu:) Die Vertreterin des Landwirtschaftsministeriums drehte jedes Gemüse um, flirtete mit Nila und mir und verabschiedet sich mit Küsschen auf beide Backen. Der 20-jährige Coast Guard Beamte muss eine Liste aller unserer Geräte (Motoren, UKW, GPS, Laptop, etc.) machen, damit wir nichts verkaufen. Der Beamte der Einwanderungsbehörde erstellt uns vor Ort die Visa. Alles unkompliziert, problemlos, korrekt und ohne irgendwelche Bitten um ein Geschenk. Nur mit der Frau Doktor „musste“ ich diskutieren. Sie war der Meinung, Blue Bie sei ein grosses Boot und wir müssen USD 90 für ihre 15-minütige Inspektion bezahlen. Eine (auf Spanisch geführte) Diskussion später konnte ich den Preis auf USD 38 reduzieren.

Neben uns liegen zwei andere Yachten am Betonsteg, welche wir bereits von Port Antonio kennen: Ein dänischer Sozialarbeits-Fischkutter, auf dem 3 Jugendliche wieder in ein normales Leben und Schule eingegliedert werden, und eine französische Yacht. Da der Beton doch sehr rau ist und Armierungseisen leicht vorstehen, bringe ich mit dem Dinghi einen Seitenanker aus um uns von der Mole abzuhalten.

Dienstag, 15. April

Santiago de Cuba

Den Morgen verbringen wir mit den letzten Zoll- und Veterinärsbeamten. Nur den Drogenhund bekommen wir nie zu Gesicht. Am Nachmittag erkunden wir mit dem Taxi Santiago de Cuba. Wir wechseln zuerst Geld. Es ist nicht ganz einfach, das zu verstehen: Man kann Pesos Convertibles gegen Euro (10% Kommission) oder US Dollar (20% Kommission wegen dem Embargo) wechseln. Mit diesen kann man in den Dollarshops einkaufen – Regierungsläden gemacht für Touristen. Die Einheimischen erhalten den Lohn in Pesos, welcher mit 1:24 gegen den Peso Convertible notiert, aber nicht zurückgewechselt werden kann. So können die Einheimischen offiziell gar keine Convertibles erwerben, ausser im Verkehr mit Touristen oder durch Transferzahlungen von Verwandten im Ausland.

So gerüstet schlendern wir durch die Stadt. Der erste Eindruck: Es ist alles sehr anders. An der Hauptstrasse – Einbahn und 50cm breite Trottoirs - hat es kaum Geschäfte, geschweige denn einen Gucci oder Hermes Shop. Ab und zu hat es ein Kleidergeschäft, eine Cafeteria oder ein Minilebensmittelladen. Dazwischen hat es viele Wohnhäuser, einige Privatherbergen und viele geschlossene Rolläden. Alles sehr einfach, um nicht zu sagen herunter gekommen, aber irgendwie mit Charme.

Man kann Santiago de Cuba nicht erkunden. Am besten bleibt man irgendwo sitzen und lässt das Leben an sich vorbeiziehen. Alles Erdenkliche wird fliegend angeboten: Erdnüsse, Süßigkeiten, Zuckerrohrgetränk, Früchte und Gemüse. Es fühlt sich an wie „New Orleans gemixt mit Rio de Janeiro, obendrein gewürzt mit Sowjetunion“ (Zitat aus dem Lonely Planet). Letzteres würde ich ersetzen mit gewürzt mit der Revolution. Denn in Santiago de Cuba hat Fidel Castro vor 50 Jahren den Sieg der Revolution verkündet. Wir schlendern, sitzen und ziehen alles in uns hinein. Alles was man auf dem Einheimischenmarkt mit Peso kaufen kann, ist spotbillig: Espresso, Brötchen & Softice: 5 US Cents, ein Stück Kuchen 10 US Cents. Doch man kriegt kaum was. Im Dollarshop wird es teurer, so kostet ein Bier 1 USD (sechsmal mehr als in Venezuela). Doch auch hier ist die Auswahl sehr beschränkt. So buchen wir für morgen früh gleich wieder ein Taxi um mehr von diesem faszinierenden Leben kennen zu lernen. Denn wir sind uns einig: So etwas haben wir bisher noch nirgendwo gesehen!

Mittwoch, 16. April

Chess classes

Mir scheint als sei in Kuba alles vor 30 Jahren stehen geblieben: Autos, Motorräder, die letzte Renovation der Häuser, Strassen, etc. Es ist alles hundert Mal repariert und sauber, aber das Geld für Farbe oder andere Investitionen scheint zu fehlen. Zum ersten Mal sehe ich keine Mobiltelefone – sogar im viel ärmeren Haiti besitzen viele Leute eines. Sie sind seit einem Jahr erlaubt – bei SIM-Karten Preisen von USD150 aber kaum erschwinglich. Wir essen in einem Privathaus – einem so genannten Palador – zu Mittag. Paladores müssen exorbitante Steuern zahlen, dürfen nicht mehr als 12 Gäste bewirten und kein Rindfleisch oder Meeresfrüchte servieren – soweit die Theorie:)

Wir besichtigen das historische Museum von Santiago de Cuba, verschiedene Plätze und Pärke und kaufen am Markt Früchte und Gemüse. Immer wieder werden wir von Leuten angesprochen – alle wollen helfen, die einen weil sie freundlich sind und die anderen weil sie schnelle Convertibles verdienen möchten – es fällt mir nicht immer einfach die Geduld für diejenigen zu bewahren, die einfach an anderen Menschen interessiert sind. Ich rege mich dann doch etwas auf als ich für eine fürchterlich schlechte Brühe von Kaffee 1 USD zahlen muss – die Einheimischen zahlen im gleichen Restaurant nur 5 Cents. Diesem Widerspruch begegne ich noch häufig, doch gewöhne mich langsam daran und würde ihn sogar akzeptiere, wenn der Kaffee zumindest gut wäre!!!

Donnerstag, 17. April

Heute bleiben wir den ganzen Tag in der Marina. Nila schrubbt das Deck und ich dichte den Türrahmen ab, wir plaudern mit den Nachbarn und zum xten Mal mit dem Zollbeamten, installieren Seekarten auf dem PC, drehen, nachdem es sonst nichts zu tun gibt, alle Fallen um und geniessen ein Drink im Marinarestaurant und eine hervorragende Ente bei unseren französischen Nachbarn Philippe & Martine. Ja, es geht uns wirklich nicht schlecht, wenn sogar das Arbeiten Spass macht:)

Zum ersten Mal sind die C-Map Seekarten nicht detailliert genug. Ich installiere spezielle elektronische Seekarten für Kuba, welche von der russischen Navy vor 30 Jahren erstellt wurden. Es ist schon unglaublich, was unter Seglern alles getauscht wird. Je weiter weg man von Europa und den USA kommt, desto geringer werden die Budgets und desto mehr wird kopiert. So habe ich mittlerweile drei verschiedene Sätze globaler Seekarten, Hafenführer für die halbe Welt, Fischführer – alles elektronisch und fein säuberlich nach Region archiviert. Wurden früher Seekarten im Copy-Shop kopiert, so erübrigt sich das heute – ein USB Stick tut das seine!

Freitag, 18. April

Wir machen einen Ausflug mit dem Taxi auf den Gran Piedra, den mit 1250m höchsten Gipfel in der Umgebung von Santiago. Wir haben einen super Rundblick über die Sierra Maestre, Santiago de Cuba und das karibische Meer und besichtigen eine ehemalige französische Kaffeeplantage. Kaffee- und Zuckerrohr wurden vor 150 Jahren in Kuba gepflanzt als Sklavenunruhen auf Haiti den Anbau unrentabel gemacht haben. Wir fahren erstmals in Kuba über Land: alle paar hundert Meter wird dem einen oder anderen Helden der Revolution in einem kleinen Monument gedenkt. Die Bushäuschen sind massiv gebaut und äusserst geräumig. Dies ist dringend nötig, denn die Busse fahren doch eher unregelmässig und sind überfüllt. Da haben wir es gut: Die Taxifahrer sind immer äusserst pünktlich und eher eine Viertelstunde zu früh als zu spät. Wie wir später erfahren gibt es für Touristen zwei Busgesellschaften mit modernen chinesischen Bussen die zuverlässig operieren.

Ich erhalte ganz schlimme Nachrichten: Die Ehefrau eines befreundeten Seglers wollte auf den BVI an das Land schwimmen um Muscheln zu sammeln, während er an Bord Siesta machte. Die Küste ist zum Teil felsig und man muss kurze Stücke im Meer schwimmen, um zum nächsten Strand zu kommen. Dabei ist sie verschollen und nicht mehr aufgetaucht. Diese Nachricht bedrückt meine sonst gute Stimmung doch sehr.

Samstag, 19. April

10 Schiffe der Transcaraib, einer Cruiser-Rally in Etappen von Guadeloupe nach Santiago de Cuba, laufen ein. Aus der Beschaulichkeit mit 3 Booten wird eine Hektik mit 13 Booten und vielen Leuten. Wir haben Gelegenheit die neue Outremer 42 anzuschauen. Praktisch gleiche Aussenmasse wie die Outremer 43, aber mit deutlich breiteren und höheren Schwimmern und Aufbau. Sie bietet auf den ersten Blick mehr Platz, doch der eigentliche Gewinn ist vor allem mehr Raumgefühl, eine unter Deck erreichbare Bugkoje und in der Eignerversion ein grösseres Bad.

Nila schrubbt fast den ganzen Tag das Deck, da der Rauch des nahen Zementwerkes hässliche gelbe Flecken hinterlassen hat. Abends gehen wir in einen Palador essen, ein illegales Restaurant in der Calle Padre Pico 359½ (viele Strassen haben halbe Hausnummern, weil die Häuser so schmal und zusammengebaut sind). Unser Palador ist der Hinterhof eines kleinen Stadthauses mit drei Tischchen. Speisekarten gibt es keine, aber Hummer, Shrimps, Fisch, Steaks und Poulet je für 10 USD. Das Essen wird vom Besitzer selber gekocht und nebenan machen sich die Kinder für das Bett bereit – für die Gäste sichtbar, da der Restauranteingang durch das Wohnzimmer führt und das einzige Kinderzimmerfenster direkt auf den Hinterhof geht. Anschliessend besuchen wir den 1. Mai Jahrmarkt. Wir sehen gut und gerne 50-jährige Karussells die mit einem Uralt-Generator praktisch im Handbetrieb laufen. Doch die Kinder haben die grösste Freude. Am meisten überrascht mich, ein Dreiradverleih, bei dem die Kinder für einen Peso 50m die Strasse hoch und herunterfahren können! Auf den ersten Blick überraschend, doch verständlich, wenn man weiss, dass die Kinder mit Coladeckeln auf den Strassen Baseball spielen. Ja, Kuba überrascht immer wieder.

Sonntag, 20. April

Chivirico

Wir laufen morgens um 4.30h aus um zeitig in Chivirico anzukommen. Der Zöllner und der Hafenmeister (die im 24-Stundenbetrieb schlafen), müssen wegen uns aufstehen. Denn ohne Zollinspektion darf man nicht und nach der Inspektion muss man innert Minuten unter den Augen des Zolls auslaufen – auch wenn man innerhalb des Landes reist! Wir wechseln drei Mal von Motor zu Gennaker, Genua, Gennaker zurück zu Motor, da die Landthermik alle paar Kilometer hinter einem Berg ausbleibt oder stürmisch ein Tal herunterstürmt. Doch wir kommen wie geplant am späten Vormittag in Chivirico an. Eine wunderschöne ringsum bewachsene Lagune, die morgens einfach angelaufen werden kann, aber nachmittags mit Seethermik und brechenden Wellen kaum passierbar ist. So musste vor kurzem ein israelischer Segler vor der Einfahrt umdrehen, weil es ihm zu ruppig war. Wir treiben unter Gennaker mit 2kn an den Riffen vorbei und erleben die Einfahrt problemlos.

Chivirico hat kaum etwas zu bieten – ein verträumtes grossräumiges Dorf das bei uns ein paar hundert, hier 4'000 Einwohner hat. Ob es Läden hat, können wir nicht beurteilen, denn am Sonntag ist alles geschlossen. Dafür sehen wir diverse Büros des Arbeitsamtes, der Partei oder der Sozialversicherung. Hoch über dem Dorf und der Lagune thront ein Hotel auf einer Klippe. Doch es ist all-inclusive und wir kriegen keinen Sundowner serviert. Den holen wir einige Minuten später auf der Blue Bie nach.

Montag, 21. April

Nach dem Aufwachen lichten wir Anker und segeln 45 Meilen nach Marea de Portillo. Segeln ist zu viel gesagt: Der Motor läuft 6 Stunden und nur während 3 Stunden kommen wir unter Segel vernünftig voran. Von der berüchtigt starken Seebrise spüren wir gar nichts. Immer wieder suchen wir Schatten, denn ohne Wind ist es drückend heiss. So plaudern wir, lesen und spielen Scrabble (ohne dass die Teile im Wind davon fliegen würden) und kommen gegen 19.00h in in Marea de Portillo an. Die Bucht ist fast kreisrund, mehr als einen Kilometer gross und hat eine breite, problemlose Einfahrt. Man könnte gut in der Nacht einlaufen, wenn die Leuchtfeuer funktionieren würden! Bis anhin hat das in Kuba problemlos funktioniert. Da es wenig Wind hat, können wir vor zwei Ressorts mit gepflegten Stränden ankern und müssen nicht auf die geschützte, aber wegen den Mangroven moskito-gefährdete Seite gehen.

Nila kocht uns eine feine Pizza und nach zwei Tagen mit vielen Stunden auf See schlafe ich fast zwölf Stunden durch, bis …

Dienstag, 22. April

Odeleisi

… mich die Küstenwache morgens um 9.00h weckt, um unsere Papiere zu kontrollieren. Nila ist zu diesem Zeitpunkt schon längst auf:) Den Nachmittag verbringen wir am Pool des Hotels – wir fühlen uns wie in billigen Club Med mit zumeist kanadischen Gästen: All-inclusive, höchst mässiges Essen und höchst mässiger Zustand des Hotels. Immerhin können wir mit dem All-inclusive Bändel des Mittagessens den ganzen Nachmittag am Pool gratis konsumieren:)

Am Abend gehen wir nach Marea de Portillo. Wir werden von Odeleisi spontan zu ihrem Geburtstagsessen eingeladen. Sie schenkt uns Brot, Mangos und Zwiebeln. Was für ein Gegensatz zu den Hotels! Wir werden morgen wieder kommen und uns revanchieren. Es gibt ausser den Hotels keine Unternehmen und die meisten Leute leben von der Mikrolandwirtschaft, haben Hühner, Schweine, kleine Pflanzflächen und fischen. Im Dorf mit 4'000 Einwohner haben sie 6 Ruderboote in welchen 30 Fischer jeweils in 2er Mannschaften 2-3 Stunden zum Fischfang hinausrudern. Odeleisi leitet einige Stunden pro Woche das Altersturnen und studiert einen Tag die Woche im Nachbarort. Ihr Mann Iwan leitet für eine Stunde täglich das Tae Kwan Do für die Kinder des Dorfes und studiert ebenfalls einen Tag pro Woche. Einen zweiten Job darf er nicht haben. Ich bin immer wieder erstaunt über Errungenschaften in Kuba – und was gleichzeitig alles fehlt.

Mittwoch, 23, April

Wir verbringen einen grossen Teil des Tages mit ‚Einkaufen’ ohne einen Laden zu betreten. Beim Warten vor dem einzigen, aber geschlossenen Laden lernen wir einen Mann gelernt, der uns Zucker und frischen Honig schenken möchte. Wir nehmen gerne an, doch ‚schenken’ ihm im Gegenzug eine kleine Flasche venezuelanischen Rum. Odoleisi packt uns eine Tasche voll Malangas (kartoffel-ähnliches Wurzelgemüse), Mangos, Bananen, Käse und eigene Eier und von Josefina erhalten wir weitere Mangos und fangfrischen Tintenfisch. Sie wollen uns alles schenken, doch wir geben Odoleisi Geld und beiden Damen T-Shirts, Shorts, einen Schal und etwas für die Kinder.

Den Nachmittag verbringen wir wieder am Hotel-Pool. Die moderne Welt ist für uns erst ein paar Wochen weg, doch kann ich mir schon nicht mehr vorstellen wieder einmal im Überfluss zu leben; bei Käse und Brot eine Auswahl zu haben oder auch sonst einfach alles in der näheren Umgebung kaufen zu können.

Donnerstag, 24. April

Cabo Cruz

Heute segeln wir 35 Seemeilen nach Cabo Cruz, aber der Wind ist auch heute schwach und dreht ringsherum. Doch mit Gennaker und Gross machen wir genügend Fahrt, so dass wir nur eine Stunde motoren müssen. Am Nachmittag fangen wir einen kleinen Thunfisch. Ideal, um das frisch aus einem Buch erworbene Wissen wie man einen Fisch am besten tötet, ausblutet, ausnimmt und filetiert, anzuwenden. Er wird superzart und schmeckt sowohl als Sushi zur Vorspeise als auch in Sesamöl gebraten zur Hauptspeise absolut hervorragend.

Ich habe lange kein Alphorn mehr gespielt. Irgendwie hatte ich zu wenig Lust oder es hat mich gestört, dass der Wind durch die Ankerbucht pfeift oder von Land laute Musik herübertönt. Doch die letzten Tage habe ich wieder angefangen und ich fühle wie gut es mir tut.

Freitag, 25. April

Wir erholen uns vom gestrigen Segeltag, relaxen, lesen, essen, schneiden Haare, schwimmen und reinigen das Unterwasserschiff. So vergeht der Tag bis am Nachmittag drei Katamarane von der Transcaraib eintreffen. Weitere 5 Boote sollen folgen – mit so einem Gedränge haben wir nicht gerechnet.

Wir gehen an Land, um unsere Vorräte weiter aufzustocken. Doch die Guardia Frontera lässt uns nicht an Land, weil dies kein internationaler Ankerplatz sei. Wir dürfen ein, zwei Nächte ankern, aber nicht an Land kommen. Wir fragen nach Trinkwasser und sie bescheiden uns, dass der Laden und das Restaurant heute sowieso den ganzen Tag geschlossen sind. Ob wir leere Flaschen haben? Klar haben wir – und so holen uns die Zöllner 25 l Trinkwasser aus ihren eigenen Beständen – zu Fuss und bei 35°. Man stelle sich das bei uns vor - nicht einmal ein Bier wollen sie dafür! Abends werden wir auf eines der französischen Boote zu einem Apéro eingeladen. Es wird ein lustiger Abend, zumindest für mich, denn die Franzosen (möchten) kein Englisch sprechen und Nila spricht kein Französisch.

Samstag, 26. April

Morgens um 3.45h holt uns der Wecker aus dem Schlaf. Wir wollen die starke Nachtthermik ausnützen um die 55 Meilen nach Cayo Granada zu segeln. Sie ist die erste Insel des ‚Gartens der Königin’, einem unbewohnten Archipel von hunderten Mangroveninseln, verstreut über 300 qkm. Der Wind bläst mit 20 kn und wir fliegen mit 9-10kn nur so dahin. So kommen wir bereits vor 11.00h in Cayo Granada an. Die drei französischen Boote folgen uns einige Stunden später.

Wir relaxen an Bord, ich helfe anderen Seglern bei MaxSea Problemen und mit ‚meinen’ kubanisch/russischen Seearten und tausche Software. Die Crew der Marana geht Harpunenfischen und kommt mit mehr als 10 Langusten zurück. So werden wir wieder einem grossen Langustenessen an Bord ihrer Catana 50 eingeladen. Es ist wiederum ein sehr lustiger Abend und wir geniessen die Gesellschaft der anderen Boote mehr als uns die Anwesenheit anderer Boote stört!

Sonntag, 27. April

Canal de Pingue

Wir laufen mit den anderen 3 Katamarane gemeinsam morgens um 7.00h aus: Eine Lagoon 440, eine Catana 50 eine Catana 431 und wir. Bei Winden um 15-20kn ist die Lagoon 440 ein wenig schneller als die Catanas. Wir fahren allen deutlich davon, ich denke so um die 10-20% - Wir sehen sie nach 20 Meilen segeln kaum mehr. ... doch erst, nachdem wir mit voller Geschwindigkeit durch den 10 Seemeilen langen Kanal von Pingue gesegelt sind. Seglerisch ein wunderbarer Tag! Ich bin vor allem von den Catanas ein wenig enttäuscht. Die Werft investiert viel Geld um die Boote bei allem Luxus leicht zu halten (Carbonmast, Sandwich-Möbel gegen Wasch- und Geschirrwaschmaschine, etc.). So gibt es die eierlegende Wollmilchsau doch nicht und jeder Segler muss seine Prioritäten setzen.

Blue Bie in Canal de Pingue

Wiederum werden wir zum Langustenessen eingeladen. Gefischt wird immer von der Marana-Crew, gegessen wird reihum. Morgen sind wir an der Reihe. Keine Ahnung wie wir 10 Leute unterbringen sollen!

Montag, 28. April

Cayo Algodón

Wider Erwarten verlassen uns die anderen Katamarane – so löst sich das Nachtessenproblem von selbst:) Tage wie heute sind selbst auf Langfahrt selten: Wir haben keinen Plan für den Tag - weder Segeln noch ein Projekt (‚Arbeit’) oder einen grösseren Ausflug. Nila und ich schlafen aus, essen ausgiebig Frühstück, lesen und erkunden am Nachmittag die andere Seite der Insel: Mit dem Dinghi können wir in einem Mangrovenkanal fast quer durch die Insel bis an den gegenüberliegenden Strand fahren. Es ist ein herrlicher Sandstrand mit einem kleinen Pinienwäldchen. Anschliessend versuche ich zum ersten Mal mein Glück mit dem Langustenfang – doch ich sehe keine Languste, geschweige denn fange eine.

Doch nach zwei Tagen Langusten zum Nachtessen geniessen wir auch Penne mit einer Pilz-Carbonarasauce.

Dienstag, 29. April

Der Morgen erwartet uns absolut windstill. Kein Häuchchen bewegt das Wasser. Es ist absolut still, wegen den Mangroven plätschern nicht einmal die Wellen an den Strand. Plötzlich durchdringt ein lautes Rauschen die Stille. Wir schauen hoch und sehen einen Fregattenvogel mit eingezogenen Flügeln im Sturzflug herunter stechen. Mehrmals fährt er kurz einen Flügel aus um die Richtung zu ändern und einem Fisch zu folgen. Daneben – einen Meter über Meer dreht er ab. Fregattenvögel tauchen im Gegensatz zu Pelikanen nie – entweder können sie einen Fisch mit den Krallen aus dem Meer greifen oder einem anderen Vogel stehlen.

Der Wind bleibt schwach und so fahren wir unter Motor 9 Meilen bis zur Cayo Manuel Goméz. Ideale Bedingungen um den Motor zu testen und ein Diagramm zu erstellen, wie schnell Blue Bie mit einem bzw. zwei Motoren fährt. Erkenntnis: Sie fährt mit einem Motor rund 25% effizienter als mit zwei Motoren. Cayo Manuel ist eher langweilig – je länger je mehr gleichen sich für uns die Mangroveninseln. Nach zwei Tagen schaffe ich es endlich eine Seekarte zu deblockieren indem ich aufgrund einer französische Anleitung eine XOR Funktion in einem Hexadezimal-System berechne – heureka!

Mittwoch, 30. April

Mit einem leichten Morgenwind segeln wir weiter zur nächsten Mangroveninsel – diesmal die Cayo Cuervo. Im Gegensatz zu den letzten Tagen können wir an einem schönen Sandstrand ankern.

Ich versuche wieder, eine Languste zum Nachtessen zu fangen. Beim Waten über eine grosse Sandbank schwimmt plötzlich ein 1m grosser Ammenhai keine 10m an mir vorbei. Bevor ich mich vom Schreck erholt habe, stehe ich einem Rochen fast auf den Schwanz. Doch wir sehen uns beide rechtzeitig und er schwebt im knietiefen Wasser davon. Nach einer Stunde sehe ich zwei Langusten in 2.5m Wassertiefe unter einem kleinen Überhang. Doch ich getraue mich nicht sie anzugreifen. Nach einigen Minuten nehme ich den Mut zusammen und tauche hinunter und schaue sie mir aus der Nähe an. Nochmals einige Minuten später greife ich zu. Sie entwischt mehrmals, schaut mich böse (oder ängstlich?) an und verzieht sich rückwärts. Nach mehreren Versuchen kann ich mit einem Angelhaken an einem kurzen Stab einhaken, sie ergreifen und töten. Die zweite hat in der Zwischenzeit leider das Weite gesucht.

Nila kocht sie im Topf, macht eine feine Knochlauchbuttersauce dazu und wir haben ein super feines Nachtessen.

Donnerstag, 1. Mai

Wir segeln 17 Meilen zur Lagune von Cinco Balas. Die Einfahrt ist haarsträubend, zeitweise haben wir gerade mal noch 40cm Wasser unter dem Rumpf und es ist nicht erkennbar, wo das Wasser tiefer ist. Dabei steht im Hafenführer, dass sie problemlos sei! Die Lagune gefällt uns nicht, es hat ringsherum tote Mangroven und wir verlassen sie ohne zu ankern. Wir nehmen die andere Ausfahrt, welche auch nicht viel besser ist. So haben wir nicht wirklich viel gesegelt, aber ich bin total erschöpft als wir gegen 13.00h vor der Cayo Alcatracito ankern.

Wir dösen am Nachmittag, ich ersetze einen Öldruckgeber, adjustiere die Schaltung und den Leerlauf, während Nila ein Loch im Gennaker repariert. Abends heult der Wind um die Wanten so dass wir beschliessen mit der Überfahrt nach Casilda noch etwas zu warten.

Freitag, 2. Mai

Breakfast @ 9 kn speed

Wir haben die Inseln langsam gesehen und der Wind hat über Nacht zu unseren Gunsten gedreht, so dass wir trotzdem lossegeln. Wir segeln den grössten Teil der Strecke im Schutz eines langen Riffes und können auch bei 9kn Fahrt ganz gemütlich im Cockpit frühstücken.

Jutía

Gegen Mittag kommen wir in den Cayos Machos de Fuera,. einer kleinen Inselgruppe umgeben von Dutzenden Riffen, an. Erst beim dritten Versuch bin ich mit dem Ankerplatz zufrieden, hat es genügend Platz ringsherum zu schwojen ohne Riffe zu treffen. Gegen Abend gehen wir an Land und werden neugierig begrüsst: Von Giovanni und Ramon, jeder Menge Iguanas, Einsiedlerkrebsen und Jutías (einem Murmeltier-ähnlichen Nagetier). Alle kommen auf uns zu, die Iguanas krabbeln über unsere Füsse und die Jutías wollen gestreichelt werden und wir plaudern mit Ramon und Giovanni. Fürwahr ein Zoo!

Samstag, 3. Mai

Obwohl wir eigentlich genügend Mangroveninseln gesehen haben, gefällt es uns hier und wir bleiben noch einen Tag. Es ist schön, Zeit zu haben und für einmal die langsamsten Cruiser zu sein. Die anderen sind schon fast über alle Berge.

Fast jeden Tag kommt ein grosser Katamaran mit rund 20 Touristen für das Mittagessen auf die Insel, so auch heute. Ramon und Giovanni wechseln sich zweiwöchentlich mit anderen Leuten in der Bewirtung ab. Es hat genügend Platz für alle und wir geniessen den Nachmittag mit einem Buch unter Palmen am Strand.

Sonntag, 4. Mai

Wir segeln mit gutem Wind bis nach Casilda, dem Hafen von Trinidad. Die Einfahrt ist 10 Meilen lang und geht gut betonnt um einige Riffe. Trotzdem fühle ich mich unwohl, unter Segel mit fast 10kn durch die Passage zu preschen und so bergen wir das Grosssegel und segeln nur unter Genua bis nach Casilda.

Die Marina hat einen schönen neuen Steg; nur das Wasser funktioniert nicht – weder am Steg noch in der Toilette. Der Hafenmeister ist entgegenkommend und wir nur die Gebühr für das Ankern (USD10) statt der Liegeplatzgebühr von USD22 pro Tag. Wir erkunden das Umfeld der Marina, welches drei All-Inclusive Hotels und sonst kaum etwas zu bieten hat.

Montag, 5. Mai

Trinidad - the city of music

Wir fahren mit dem Taxi nach Trinidad, da der angekündigte Bus heute (und auch die nächsten Tage) nicht fährt. Trinidad ist eine wunderschöne Kleinstadt im Kolonialstil und UNESCO Weltkulturerbe. Alle Häuser sind einstöckig mit hohen Räumen und grossen Innenhöfen. Wir schlendern durch die Stadt und werden von einer jungen deutschen Frau angesprochen, deren Freund ein Casa Particular betreibt. Das Haus gefällt uns und wir nehmen für USD25 ein Doppelzimmer. Danach ziehen wir wieder los und lassen uns treiben. Trinidad lebt von der Musik – auf fast jedem Platz, Restaurant und Cafeteria spielt eine Band. Es scheint mehr Musiker als Einwohner zu haben. Nach zwei Wochen auf einsamen Inseln habe ich die Leute schon etwas vermisst und geniesse das Treiben um mich herum.

Am Auffälligsten in Kuba ist das Fehlen jeglicher Werbung. Die wenigen Läden und Restaurants haben kaum Schilder und auch sonst gibt es keine Werbung, die suggeriert, man müsse etwas Neues kaufen. Nachdem ich für das erste genügend Musik gehört habe, setze ich mich in unserer Casa Particular vor das französische Fenster in den Schaukelstuhl und lasse das Leben weiter an mir vorbei ziehen. Es gibt kaum etwas Bequemeres als einen Schaukelstuhl und ich frage mich, wieso diese so aus der Mode gekommen sind. Ob das eine Marktlücke nach meiner Rückkehr ist? Nach dem Nachtessen ziehen wir wieder los – immer der Musik nach.

Dienstag, 6. Mai

Music fan

Wir ziehen den ganzen Tag in Trinidad herum und lauschen immer wieder diversen Bands. Sie bestehen meist aus 5-6 Musikern mit Trommeln, Rhythmusinstrumenten, Gitarre und Gesang; dazu gibt es teilweise Trompete oder Querflöte. Wir fühlen uns einfach richtig wohl in Trinidad: Zumindest fast: Ich habe Zahn- oder Kieferhöhlenschmerzen und natürlich keine Tabletten mit dabei. Drei Mojitos später spüre ich nichts mehr und kann den Tag vollumfänglich geniessen.

Zum Essen lassen wir uns wieder von einem Jintero (Schlepper) in ein privates (illegales) Restaurant führen. Ohne Schlepper geht nichts, denn offizielle Restaurants gibt es kaum und die illegalen Restaurants sind von aussen nicht erkennbar. Doch es fühlt sich gut an und wir fühlen uns nicht gedrängt – schliesslich muss jeder Werbung machen. Nach dem Essen hören wir Mojito trinkend einer CD-Aufnahme zu – im Hof eines Hauses und inmitten spielender Kindern – ich würde ja gerne wissen, welche Nebengeräusche man auf der CD hört.

Mittwoch, 7. Mai

Nicht immer geht alles geht wie geplant: Das Frühstück dauert viel länger als geplant und so verpassen wir die Zugsabfahrt in das Valle de los Ingenios. Wir erkundigen uns, ob noch ein Zug fährt – doch es wird uns beschieden, dass überhaupt kein Zug fährt! Am meisten freut mich, dass ich bereits während des Frühstücks total entspannt war und es einfach nehme wie es kommt. Ich habe schon das Gefühl, die Reise tut mir gut!

Im Valle de los Ingenios hat es ehemalige Zuckerrohrplantagen. Viel kann man nicht mehr sehen, doch das Tal ist schön und der Gedanke an die Sklaverei, welche das Geschäft am Laufen erhielt, ist nicht immer angenehm.

Auf dem Heimweg zur Blue Bie fährt der Taxifahrer an verschiedenen Ständen vorbei damit wir Eier, Orangen und Brot kaufen können. Nach drei Tagen an Land hätte ich erwartet, ich brauche etwas Zeit zum Ausspannen, doch wir fühlen uns energiegeladen und beschliessen noch heute auszulaufen. Es sind nur 9 Meilen bis zur Cayo Blanco – doch gegen den vorherrschenden Wind. Kaum unterwegs beschert uns eine Regenwolke Rückenwind und bald ankern wir in der Cayo Blanco neben drei weiteren Booten der Transcaraib Rally. Erstmals hält der Anker nicht auf Anhieb, er liegt auf vielen kleinen Korallen. Der zweite Versuch ist besser und der Anker hält auch bei 20kn Wind.

Donnerstag, 8. Mai

Welcome to Cienfuegos

Schon um 7.00h lichten wir Anker. Auch die anderen Boote sind schon wach. Alle wollen wie wir nach Cienfuegos. So gibt es wieder eine Flotillenfahrt: Eine Outremer 45, eine Lagoon 410 und eine Jeanneau Sun Magic 46. Die Jeanneau und die Lagoon sehen wir schon bald nicht mehr und auch die Outremer 45 liegt bei 20-25kn Wind nach 40 Meilen gute 5 Meilen zurück. Blue Bie segelt wirklich schnell. In Cienfuegos spricht mich der Skipper der Outremer 45 an: Er hätte erwartet, schneller zu sein wie ich. Aber er habe nicht erwartet, dass ich auch ehemaliger Regattasegler sei …

Freitag, 9. Mai

Club Cienfuegos

Wir geniessen es, wieder einmal Wasser zur Genüge zu haben. Nila wäscht Wäsche und das Boot und ich pflege die Nachbarschaft ;) Gegen Mittag fahren wir mit einem Pferdekarren in die Stadt – wir müssen unsere Visen um einen weiteren Monat verlängern. Doch die Immigration hat geschlossen und so bummeln wir durch die Stadt. Sie erscheint wesentlich reicher als die anderen Städte Kubas. Es hat eine autofreie Einkaufsstrasse und die Leute sind besser gekleidet und gepflegter. Es gibt nach wie vor nicht sehr viel zu kaufen, doch ein Coiffeursalon mit 30 Plätzen und Manicurestation beeindruckt mich trotzdem. Wir organisieren eine Fahrgelegenheit nach Havanna. Einmal mehr kommt jemand auf uns zu und macht uns ein entsprechendes Angebot.

Samstag, 10. Mai

Plaza Vieja

Die Fahrt nach Havanna dauert gute 4 Stunden. Dort angekommen wissen weder der Fahrer noch wir, wo wir eigentlich hin wollen. So lässt er uns bei einem grossen Markt heraus – wie es sich herausstellt ein ‚Foodmarket’ und wir geniessen erst einmal Fast-food Chinesisch. Frisch gestärkt nehmen wir ein Bicitaxi (Rikscha) und lassen uns in die Altstadt Havanna’s fahren. Erstmals fällt es uns nicht leicht, eine Unterkunft zu finden. Wir laufen weit, doch was uns gefällt, ist ausgebucht. So akzeptieren wir schliesslich ein anständiges Zimmer. Wir ziehen schon bald wieder los, um Havanna Vieja zu erkunden und ein Zimmer zu finden, welches uns besser gefällt. Mir ist es wichtig, neben einem Schlafen einen schönen Raum zum Lesen und Faulenzen zu haben, sei es im Freien, in einem Wohn- oder Lesezimmer.

Sonntag, 11. Mai

Havanna impressions

Havanna fühlt sich an wie in ein bewohntes Museum. Die Stadt ist wunderschön baufällig und hat mehr als 900 historisch wertvolle Gebäude. Einige wenige wurden kunstvoll renoviert, die meisten noch nicht. Es hat viele Touristen und Einheimische in der Stadt, doch fast alle Türen oder Rolläden im Erdgeschoss sind geschlossen und verbarrikadiert. Wo bei uns Geschäfte sind, hat es einfach nichts. Wozu hat es hier eine Stadt? Das Capitol, ehemals Sitz des Senats und Repräsentantenhauses, nach dem Vorbild des Capitols in Washington gebaut, dominiert Havanna Centro. Doch auch dieses ist seit der Revolution unbenützt, denn es gibt kein Parlament mehr… Und doch: Im Gegensatz zu Haiti haben alle Einwohner zu Essen, Kleider und ein Dach über dem Kopf.

Havanna impressions II

Dafür sind die Leute einfach immer wieder liebenswert und wir geniessen die vielen kleinen und grossen Begegnungen. Seien es Serviceangestellte, die ihren Job liegenlassen um uns in der Nachbarschaft eine Übernachtungsmöglichkeit zu zeigen, Musiker oder unsere neuen Gastgeber.

Montag, 12. Mai

Havanna impressions III

Herrschaftshäuser aus den 20er Jahren zeugen im Stadtteil Vedado vom einstigen Glanz Havannas. In der Zeit von der amerikanischen Prohibition bis zur Revolution in 1959 war Havanna die Mafiahochburg Amerikas und fast alle Größen hatten hier ein Anwesen. Das grösste Mafiatreffen aller Zeiten hat hier stattgefunden. Seit der Revolution wurde kaum ein Haus renoviert. Sie dürfen von den Bewohnern weder verkauft noch gekauft, sondern nur in gleicher Grösse getauscht werden – in Havanna Vieja ist nicht einmal das erlaubt. So bleibt die Hoffnung, dass eines Tages Havanna wieder in altem Glanz erstrahlen wird.

Dienstag, 13. Mai

Dinner at Nenita's

Nila und ich sind keine Museumsgänger und so zieht es uns nach ein paar Tagen in der Stadt nach Viñales im Tabakstaat Pinar del Rio. Kaum angekommen, treffen wir den Schweizer Marcel und Ben, der als US Amerikaner wegen dem Embargo eigentlich nicht nach Kuba reisen dürfte und via Mexiko geflogen ist. Sie nehmen uns mit an einen Strand, wo wir den Rest des Tages sonnenbaden. Unsere Gastgeberin Nenita und ihr Sohn Joel sind die liebevollsten Gastgeber, die man sich vorstellen kann. Wir fühlen uns innert Minuten zu Hause und verbringen manche schöne Stunde mit ihnen und anderen Gästen im Schaukelstuhl auf der Veranda und geniessen frische Ananas, Mangos und Malanga Chips aus dem Tal.

Mittwoch, 14. Mai

Cuba on horsepower

Hoch zu Ross erkunden wir die Gegend um Viñales. Das Tal wird von riesigen (Mogotes) Kalksteinhügeln dominiert, dazwischen erstrecken sich auf roter Erde endlose Tabakplantagen und Felder. Domingo, unser Führer rollt im Sattel eine Zigarre nach der anderen und so rauche auch ich meine erste Cohiba (wie die Tabakpflanze auf Spanisch genannt wird). Er zeigt uns, wo der Tabak getrocknet wird und wie er später in der Fabrik fermentiert und zu Zigarren gerollt wird.

Domingo - our guide in Viñales

Unser Ausflug wird jäh unterbrochen als die Polizei uns entdeckt. Unternehmertum ist in Kuba illegal und so muss er spätestens morgen früh um 8.00h eine Busse von umgerechnet USD60 bezahlen. Uns hat die Polizei nicht einmal angesprochen … Auch die Besitzer der Pensionen müssen 90% der Einnahmen dem Staat abliefern. Am Nachmittag erkunden wir das kleine Dorf und gehen abends mit Joel und anderen Gästen in den Ausgang. Doch die Musik ist laut und schlecht und wir sind schon bald nach Mitternacht im Bett. Da hat uns der von Nenita gekochte Hummer doch um Klassen besser geschmeckt.

Donnerstag, 15. Mai

Mit dem Fahrrad erkunden wir weitere Ecken des Tales, erforschen Höhlen und geniessen den Pool des Jasmin-Hotels auf den Hügeln oberhalb des Dorfes. Alles wunderbar beschaulich und gemütlich. Immer wieder sitzen wir mit anderen Gästen auf der Veranda von Nenita und Joel, plaudern oder spielen Domino und Karten.

Freitag, 16. Mai

Die Fahrt im Taxi nach Cienfuegos ist ein Erlebnis der besonderen Art. Die Autobahn ist sicherlich drei Spuren breit, doch hat keine Fahrspurmarkierungen. Wir teilen sie mit Fussgängern, Ochsen- und Pferdekarren, Fahrräder – mit uns und entgegenkommend. Einige Schlaglöcher sind gross genug um Achsen zu brechen. Unter jeder Brücke organisiert ein ‚Amarillo’ (so benannt nach seiner gelben Uniform) die Mitfahrt der Kubaner auf Lastwagen und Bussen. Ältere Leute und Schwangere zuerst, die anderen später. Die Brücken eignen sich hierfür bestens, denn sie spenden den einzigen Schatten weit und breit. Sie sind mit jeder Menge Graffiti – Staatspropaganda – verziert. Nirgends wir heutiger Fortschritt gepriesen, überall wird die Revolution und ihre Helden hoch gehalten!

Kuba ist ein Erlebnis, das nur schwer zu beschreiben ist. Es ist interessant, eindrucksvoll und spannend. Ich bereue keinen Moment, dass wir den weiten Weg hierher gemacht haben. Und doch freuen wir uns auf die Blue Bie – endlich wieder eine komfortable Matratze! Wir richten uns ein, waschen und geniessen die kühle Brise an Bord. Etwas später hallt es auf schweizerdeutsch herüber: „Hoi zäme!“ Es sind Ariane und Martin, die mit ihrer Suleika (www.suleika.ch) ebenfalls auf grosser Fahrt sind. Evi und Wolfgang haben uns per Mail bekannt gemacht. Sie kommen auf einen Drink an Bord und es fühlt sich an, als kennten wir uns schon seit Jahren.

Samstag, 17. Mai

Ich bereite Blue Bie auf die nächste Etappe vor – bis nach Panama sind es immerhin 800 Seemeilen - organisiere Gas, kümmere mich um die Motoren und mache alles seeklar. Am späten Nachmittag gehe ich mit Software zum Tauschen und der XOR Funktion zu Martin – obwohl ich sie für meine Zwecke lösen konnte, habe ich sie erst teilweise verstanden. Er war Physikprofessor an der ETH Zürich und kann mir helfen – nachdem er sich im Internet schlau gemacht hat:) Anschliessend laden sie uns auf einen „Apéro dinatoire“ ein. Sie sind seit drei Jahren mit ihrer Mega Outremer unterwegs, einer 10m lange Aluminiumyacht, die aber nur den Namen mit meiner Outremer gemeinsam hat.

Sonntag, 18. Mai

Ariane & Martin

Wir verschieben das Auslaufen um einen Tag, um noch etwas mehr Zeit mit Ariane und Martin zu verbringen. Eva und Wolfgang haben ihnen von meiner Rösti erzählt und so koche ich für uns eine feine Rösti zum Znacht die Nila mit Salat und Kuchen ergänzt. Dazu öffnen eine Flasche des venezuelanischen Champagners, der uns Elias in den Los Roques geschenkt hat. Es geht uns ja schon nicht schlecht!