Big Island - Maui
Big Island - Maui in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)
7. Januar
Nach einem Monat Abwesenheit von Blue Bie, freue ich mich wieder zu Hause zu sein. Der Flug von der Schweiz ist zwar lang, aber trotz zweimaligem Umsteigen problemlos. Der Beamte der US Immigration war so begeistert von meinem Vorhaben, dass er mich um eine Visitenkarte mit meiner Homepage bittet – das hätte schwieriger verlaufen können. So bin ich froh, Blue Bie gesund und munter vorzufinden.
8. Januar
Ich nehme frühmorgens die letzten Vorbereitungsarbeiten für das Einwassern in Angriff und bin schon 9.00h fertig. Ron und seine Equipe brauchen etwas länger, doch bis morgen müssten auch sie bereit sein. Schon um 12.00h holt mich der Jet Lag ein und ich gönne mir einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf.
9. Januar
Eigentlich wäre alles bereit zum Einwassern, doch die Wellen brechen teilweise quer über die Hafeneinfahrt und wir verschieben es sicherheitshalber auf morgen.
Als ich mein letztes 5 o’clock Bier auf der Werft trinke, fährt ein Pick-Up Truck vorbei; im Augenwinkel sehe ich ein Surfbrett auf der Ladebrücke. Doch welches Surfbrett hat eine Schwanzflosse? Ich sattle mein Fahrrad und fahre hinterher. Weit kann er nicht, denn in 500m ist die Strasse zu Ende… Und tatsächlich, es ist ein rund 4m langer, 250kg schwerer Marlin. Ich stelle mir vor, wie ich einen 250kg schweren Fisch an Bord kriege und lasse mir erklären, dass auch Profi-Sportfischer so einen Fisch nicht an Bord hieven, sondern ihn bis zum Hafen hinterher schleppen und dort mit den Kran an Land heben.
10. Januar
In der Schweiz habe ich den Wetterbericht kaum angeschaut; in meinem Alltag spielte es fast keine Rolle ob es regnet oder die Sonne scheint. Hier lebe ich mit dem Wetter, muss in all meinen Entscheidungen den Wind, die Dünung und Tide berücksichtigen und fühle ich mich unglaublich lebendig dabei.
Das Einwassern geht problemlos und fahre auf die offene See. Es ist schon ein sehr erhabenes Gefühl nach so langer Zeit an Land wieder auf die offene See zu steuern. Eine leichte Brise streicht über das Deck, das Meer glitzert in der Sonne und erstreckt sich bis zum Horizont. Viel greifbarer kann Freiheit nicht sein.
11. Januar
Ich geniesse es, einfach wieder an Bord, wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Das bringt auch ein paar Verpflichtungen und ich schrubbe das Deck, welches voll dunkelgrauem Vulkansand ist.
Am Abend laden mich Ron und seine Frau zum BBQ mit seinen Mitarbeitern und Hafennachbarn. Das BBQ ist bei seinem Hafenplatz, gleich neben der Hafeneinfahrt. Wir schauen zu wie die grössten Wellen quer über die Hafeneinfahrt brechen und Kanus die Brandung abreiten. Gut, dass ich mit dem Einwassern von Blue Bie etwas ruhigere Bedingungen abgewartet habe – bei diesen Verhältnissen möchte ich nicht auslaufen müssen!
12. Januar
Ralph & Carmen auf dem Katamaran ‚Relax‘, die ich von Tahiti kenne, treffen im Laufe des Vormittags in Kailua-Kona ein. So gross die Bucht ist, überall liegen Ausflugsboote an Mooringbojen oder Riffe am Boden. Doch sie finden ein vernünftiges Plätzchen neben Blue Bie und schon tauschen wir bei einem ersten Ankertrunk mehr oder weniger wichtige Neuigkeiten aus. Obwohl sie eigentlich in der besseren Jahreszeit gereist sind, dauerte ihre Überfahrt von Tahiti lange 22 Tage, weil sich nach der Äquatorpassage der Nordostpassat nie einstellte und sie mit Gegenwinden kämpfen mussten. Ab und zu braucht es auch Glück!
13. Januar
Schon früh morgens sehe ich bei der Ankerkontrolle einen Mantarochen, der grazil unter Blue Bie hindurch schwimmt. Nach dem Frühstück träume ich ein wenig an Deck als Kalani mit seinem polynesischem Katamaran und einigen Touristen vorbeisegelt und mich auffordert mitzusegeln. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und schwimme hinüber. Nach einer unterhaltsamen Fahrt gehe ich zurück an Bord und werde dort von einer Delphinschule verwöhnt, dessen Jungmannschaft neben Blue Bie tobt, herumspringt und Saltos dreht.
Nach einem Besuch in der Werft treffe ich gegen Abend wieder Kalani und Taylor von der lokalen Coast Guard Station und gehe mit ihnen zu den Andersen’s auf einen Drink. Diese sind nicht da, das Haus ist wie immer offen, wir schenken uns einen Drink ein und warten auf die Andersen’s, die leider nicht kommen – Gastfreundschaft auf hawaiianisch!
14. Januar
Ich mache Blue Bie für Ankunft von Moni fein, doch dann sendet sie mir ein E-Mail, dass sie von der US Homeland Security während 5 Stunden befragt wurde, ehe sie schliesslich in die USA eingelassen wurde. Natürlich hat sie in der Zwischenzeit ihren Anschluss verpasst und hofft morgen in Hawaii anzukommen.
Ich nehme ein gutes Buch an Land, trinke ein Maui Porter (ein leckeres Kokosnuss Bier) und warte auf morgen.
15. Januar
Dasselbe Spiel von vorne: Leider erhalte ich den ganzen Tag keine Nachricht von Moni, ob sie kommt. Trevor, ein Freund von Kalani, fährt mich zum Flughafen. Und siehe da, pünktlich auf die Minute kommt sie an und erzählt ihre Geschichte: Die Beamten haben geglaubt, dass sie illegal in Hawaii wohnt und haben Dutzende Fragen zum Wohnort und Erwerbseinkommen gestellt. All ihre Stempel im Pass und ein Anruf in der Werft nützen vorerst nichts. Doch nach über 5 Stunden glauben sie es schliesslich und lassen sie einreisen.
16. Januar
Heute findet eine College Outrigger Kanu Regatta statt, wir verlegen Blue Bie temporär etwas weiter nach draussen in der Bucht und schauen zu. Doch nicht für lange, denn bereits für den Abend ist wieder stark Nordwest-Dünung angesagt.
17. - 24. Januar
Wir geniessen weiterhin die Gastfreundschaft von Kailua-Kona und verbringen viel Zeit mit unseren lokalen Freunden und in der Stadt. Doch vor allem spüren wir, wie es für uns zu zweit an Bord nicht mehr passt. Eigentlich könnte man ja meinen, dass wir uns nach einem Monat Abwesenheit vermissen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Schon nach ein paar Tagen fühlen wir uns eingeengt, geniessen unsere Anwesenheit nicht wirklich. Zum Glück empfinden wir beide ähnlich, spüren dass es für uns beide so nicht passt und beschliessen, getrennten Weges zu gehen.
Ein letztes Mal gehen wir gemeinsam segeln und machen eine Nachmittagsausfahrt mit Dick Boranian. Er hat vor einer Woche Blue Bie auf der Werft gesehen und war schon bald an Bord zum Fachsimpeln. Einige Tage später brachte als Dankeschön 5 Pfund eigenen Kona-Kaffee vorbei: Er arbeitet als Arzt in Kailua-Kona und betreibt am Feierabend mit einem Angestellten eine 3 Acre Kaffee-Farm. Die Nachmittagsfahrt ist schwachwindig doch wir unterhalten uns bestens und schliessen den Tag mit Ti Punch und einer Alphorn und Mundharmonika Session ab.
Moni und ich gehen das letzte Mal gemeinsam Nachtessen und wir können uns trotz allem gut unterhalten, ehe sie am nächsten Tag mit Sack, Pack und Klappvelo auszieht. Beiderseits fliessen Tränen, doch es ist leider die richtige Entscheidung.
25. Januar
Ich erkunde mit dem Fahrrad die Kaffeeplantagen von Kailua Kona. Klimabedingt liegen sie 500m über Meer und ich bin schon nicht mehr so fit wie auch schon. Mein Respekt für die Ironman Teilnehmer, welche in diesem Lava-Backofen die Weltmeisterschaft abhalten, steigt noch mehr. Ich besichtige zwei Kaffee-Plantagen und degustiere diverse Kaffees.
Doch an den „Kona Lisa“, den ich an Bord habe, kommt keiner heran. Kona Lisa ist so stark, dass er mich fast vom Hocker haut, doch er schmeckt sooooo gut. Falls jemand Lust bekommt: der Kona Coffee Outlet von Melissa und Ronda versendet weltweit! Vor allem die japanisch geführte Mauka Meadows Plantage ist eher ein Schaugarten, denn eine Plantage. Sie ist denn auch vorwiegend Schau-Objekt für japanische Touristen – ich war der einzige Nicht-Japaner – sei es als Tourist oder Angestellter – auf dem Betrieb.
In Kailua-Kona hat es 772 Kaffee-Plantagen, die meisten Kleinstbetriebe mit durchschnittlich 12‘000 Quadratmeter, die sich finanziell kaum rentieren. Doch sie sind wunderschön und die Eigentümer pflanzen häufig auch noch Limetten, Orangen, Starfrüchte und Bananenbäume. Viele dieser Kleinbetriebe rösten den Kaffee nicht selber – die Holualoa Kona Coffee Company röstet für 200 unabhängige Farmen. Ein schöner und informativer Ausflug.
26. Januar
Der heutige Tag bietet fast alles, was eine Weltumsegelung ausmacht. So schildere ich ihn für einmal ausführlicher.
Der Wetterbericht kündet für heute Kona-Wind an. Dies ist eine Südwestlage vor einer heranziehenden Front, welche stürmischen Wind und Regen bringt. Das ist doppelt unangenehm, weil die meisten Ankerplätze auf Hawaii nach Südwest völlig ungeschützt sind. Ich überlege mir, die Wetterlage auszunützen und Richtung Maui loszusegeln. Ich bin jetzt schon lange genug in Kailua-Kona und es ist Zeit, etwas Neues kennenzulernen. Der Wind nimmt im Laufe des Tages immer mehr zu und ich beschliesse vor Sonnenuntergang Anker zu lichten. So ist es einmal mehr Zeit, Freunden auf Wiedersehen zu sagen und in das Unbekannte aufzubrechen.
Als ich knapp vor Sonnenuntergang aufbrechen will, startet ein Motor nicht. Ab in den Motorenraum: Ein Kabel des Starters ist aus dem Kabelschuh gebrochen und ich kann in wenigen Minuten einen neuen Kabelschuh aufpressen. Zweiter Anlauf: Die Ankerkette hängt nach der starken Winddrehung unter einem Korallenblock fest und reisst ganz schön an Ankerwinsch als Blue Bie im Seegang stampf. Ich schnorchle um zu sehen wie die Kette unter dem Korallenblock verläuft. Dritter Anlauf: Auch das Umfahren des Korallenblocks nützt nichts und Blue Bie reisst wiederum kräftig an der Ankerwinsch. Ich tauche 8m ohne Flasche) hinunter um die Kette von Hand aus dem Korallenblock zu befreien, was mir überraschenderweise gelingt. Vierter und letzter Anlauf: Ich komme endlich los, nachdem ich schon fast beschlossen habe die Häufung von Vorkommnissen als Hinweis zu betrachten und über Nacht hier zu bleiben.
So fahre ich in einen wunderschönen Sonnenuntergang und sehe die Sonne dunkelorange im Meer versinken. Plötzlich steht die Flosse eines Buckelwals senkrecht vor der Sonne und kurz danach sehe ich beim Sonnenuntergang den seltenen grünen Flash sogar zweimal und so klar wie noch nie auf meiner Reise. Da bin ich beruhigt und weiss, dass die Vorkommnisse wohl kein so schlechtes Omen sein können.
Der Nachthimmel leuchtet noch lange in allen Farben und Blue Bie fährt gemütlich nur unter Genua nach Norden. Schneller muss ich auch gar nicht segeln, denn sonst käme ich vor Sonnenaufgang in Maui an. Nach einer Weile höre ich ungewohnte Klänge an Bord: Buckelwale singen ihr Lied. Plötzlich bläst ein Buckelwal knapp neben mir. Blasen? Das tönt eher nach dem Schnauben eines Elefanten. Mir ist schon ein wenig mulmig, obwohl ich noch von keinem Walangriffen auf Segelboote in der Region gehört habe. Noch einige Male begleiten mich Wale mit ihrem Schnauben in dieser Nacht, ehe ich alleine Richtung Maui ziehe.
Die Nacht ist ereignislos, der Radar und Autopilot halten Wache, während ich ein paar Stunden schlafe, Kein Boot erscheint auf dem Radar. Der sonst äusserst ruppige Alenuihaha Kanal ist bei diesem Südwestwind kaum wahrnehmbar. Man sagt, dieser Kanal zählt zu den zehn schwierigsten Passagen der Welt, weil der Passatwind zwischen den mehreren tausend Meter hohen Bergen durchgepresst die fünffache Windgeschwindigkeit erreichen kann, die Strömung zwischen Big Island und Maui stark beschleunigt und die Wellen hundertfach von allen Seiten reflektieren. Wie es hätte sein können findet ihr in diesem Artikel
, den ich im Internet gefunden habe.
Erst gegen Morgen bin ich wieder gefordert als der Wind nach Westen dreht und ich das Grosssegel setze um Blue Bie ausgewogener zu trimmen. Nach Sonnenaufgang steht Maui vor mir und erinnert mich optisch stark an meine erste polynesische Insel: Die Osterinsel. Die Einfahrt in die Bucht von Hana ist problemlos und kurz vor 9.00h fällt der Anker und ich bin bereit für die nächste Etappe meiner Reise.
27. Januar
Hawaii ist am Ende der Welt, Maui (fast) die letzte Insel von Hawaii und Hana ist die entlegenste Ortschaft auf Maui. Und so fühlt sie sich auch an: Wie ein Siedlerposten im wilden Westen. Nicht von ungefähr, denn es wachsen Tannen wie bei uns auf einer Alpweide mit saftig grünen Wiesen, so ganz anders als das heiss-trockene Klima auf der Leeseite von Big Island. Die grössten Arbeitgeber sind ein Hotel und eine Ranch, die grösste Sehenswürdigkeit des 2000-Seelen Ortes ist der ‚General Store‘. Am bekanntesten ist die Strasse nach Hana eine enge, sich ewig windende Strasse entlang der wilden Nordküste Mauis.
Ganz alpenmässig ist auch das Wetter, es nieselt und regnet den ganzen Tag, so dass ich neben einem Rundgang durch das Dorf vor allem lese.
28. Januar
Es ist weiterhin regnerisch und ich stelle mich auf einen ruhigen Tag ein. Doch im Laufe des Vormittags wird der Nieselregen leichter und der Wind dreht voll in die Bucht und frischt auf. War es vorhin schon nicht besonders komfortabel, so stehen jetzt gut meterhohe Wellen in der Bucht. Zuviel um das Boot unbeaufsichtigt vor Anker zu lassen und ich beschliesse nach Kahului zu segeln.
Die Fahrt führt entlang der spektakulären Strasse nach Hana, die ich auf früheren Urlauben schon zweimal gefahren bin. Von der Strasse aus habe ich allerdings all die spektakulären Wasserfälle nicht gesehen, die über die Kliffe in das Meer stürzen.
Nach dem Runden des Pauwela Points legt der Wind immer mehr zu und Blue Bie fliegt mit 10-12 Knoten durch das Wasser. Regenwälder weichen Ananas Plantagen und Haleakala, der Vulkan von Ost-Maui kommt immer mehr aus den Wolken hervor. Das tiefblaue Meer, die weissen, doppelt mannshohen Brecher der Surfspots von Maui, die zartgrünen Flanken des Haelakala sind wunderschön.
Ein Motorboot kommt entgegen und springt alle paar Wellen hoch über das Wasser. Dann sehe ich ein Teil wegfliegen und ich bereite mich auf den Seenotfall vor. Doch da steigt es schon wieder und wieder kommt ein Teil seitlich hervor. Das ist kein Boot das ist ein Buckelwal der mir entgegen kommt! Er springt immer wieder; es ist ein magischer Anblick und ich schaffe es sogar ihn im hohen Wellengang zu fotografieren.
Ich habe mich hier schon immer wohl gefühlt, aber irgendwie beschliesse ich, hier einmal eine Weile zu leben!
Eine Störung zieht über Hawaii hinweg und es hat zu wenig Wind zum Kitesurfen. So geniesse ich die Stadt und drehe meine Runden mit dem Fahrrad. Dann leide ich zum ersten Mal auf meiner Reise unter schlechtem Essen und bleibe einen Tag mit Magen- und Gliederschmerzen im Bett. Zum Glück ist alles nach einem Tag vorbei, rechtzeitig um mich auf den Starkwind vorzubereiten. Dieser soll direkt in den Hafen hineinwehen und ich überlege, Kahului zu verlassen. Doch der Hafenmeister meint, ich sei sicher hier und so bleibe ich. Der Wind legt auf 20kn zu, doch die Wellen bleiben bei einem halben Meter und Blue Bie liegt ruhig vor Anker – ruhiger als ich im Bett!
3. - 4. Februar
Über Funk vorangekündigt, gehe ich beim Hafenmeister vorbei, um für die nächste Woche zu bezahlen. Ein Korb voll Passionsfrüchten für mich bereit und der Hafenmeister sagt ich sei Gast und könne so lange bleiben wie ich will ohne Hafengebühr zu bezahlen!
Der starke Wind hat natürlich auch sein gutes und ich gehe Kitesurfen. Es macht doppelt Spass, weil ich nicht damit gerechnet habe. Habe nicht gedacht, dass ich mehr als drei Tage in Kahului bleiben und dass es im Winter genügend zum Kitesurfen hat. Den Kitesurfstrand kann ich mit dem Fahrrad gut erreichen und ist perfekt: Der Wind kommt parallel zum Strand und weiter draussen brechen je nach Dünungshöhe 1-3m hohe Wellen. So werde ich hier die nächsten Tage hoffentlich vor allem im und auf dem Wasser spielen.
























