Kolumbien & Ecuador
Kolumbien & Ecuador
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Freitag, 5. September
Heute verlassen wir Cartagena Richtung Anden. Die Koffer sind längst gepackt, da wir schon wegen meiner Augenoperation bereits eine Woche im Hotel gewohnt haben. Mit dem Stadtbus geht es zum Busterminal, welches wie fast überall weit ausserhalb der Stadt ist. Dort angekommen, warten wir frühstückend und lesend 2 Stunden bis der Bus fährt. Nach einigen Stunden kommen wir an den Magdalena Fluss, welchen wir mit einem Fährboot überqueren. Danach geht es mit einem Gemeinschaftstaxi nach Mompós, einer ehemals wichtigen Flusshandelsstadt. Von Hochland wurde alles gestohlene Inkagold nach Mompós gebracht und von dort den Magdalenafluss hinunter verschifft.
Samstag, 6. September
Mompós ist eine schnukkelige Kleinstadt mit vielen gut erhaltenen Kolonialbauten. Wir frühstücken in der Bäckerei, der Kaffee und Tee wird von einem der zahlreichen fliegenden Händler geliefert. Das ist problemlos, weil der Bäcker wie wir Kunde des fliegenden Kaffeehändlers ist.
Den Nachmittag verbringen wir schon wieder auf dem Wasser und erkunden die Flusslandschaft. Wie im venezuelanischen Los Llanos ist die Landschaft das halbe Jahr über unter Wasser, hat fruchtbarstes Weideland und ist die Fleischkammer Kolumbiens. Wir fahren mit einem Nauen durch Wasserkanäle und riesige Seelilienfelder, die dann später in der Lagune von Cartagena in das Meer treiben.
Sonntag, 7. September
Morgens um 5.00h stehen wir bereit um mit dem Jeep Richtung San Gil loszufahren. Es wird ein langer Tag, der damit beginnt, das der Jeep erst um 5.30h kommt. In El Banco entscheiden wir uns den ersten Bus ohne uns fahren zu lassen und erst zu frühstücken. Doch der versprochene zweite Bus fährt nicht und wir werden erst mit dem Taxi und Boot zu einer anderen Abfahrtsstelle gefahren, wo der Bus um 11.20h statt 9.00h fährt. Schliesslich kommen wir gegen 20.00h bei strömenden Regen in San Gil an.
San Gil ist unsere erste Stadt in den Bergen und so frieren wir erstmals seit langem. Der Busfahrer fährt uns freundlicherweise zum Taxistand, so dass wir nicht allzu nass in unserem Hostel ankommen. Ich habe es fast geschafft, durch all die Verspätungen meine gute Laune zu behalten;) Meinen Geburtstag feiern wir mit einer feinen Spaghetti Bolognaise in einem nahe gelegenen Café, da wir bei diesem Regen nicht weil laufen möchten.
Montag, 8. September
Nach dem gestrigen Tag auf der Strasse, wollen wir erst einmal richtig in San Gil ankommen. San Gil wird als kleines Interlaken oder Durango beschrieben, mit genügend Outdoor-Aktivitäten um sich eine Woche zu verweilen. Doch auch das Städtchen selber ist hübsch. Es hat einen wunderschönen schattigen Park, wo drei Flüsse zusammenfliessen.
Doch vor allem geniesse ich die etwas kühlere Luft, suche am Morgen einen wärmenden Sonnenstrahl und geniesse die erfrischende Kühle des Wassers beim Waschen.
Dienstag, 9. September
\Wir stürzen uns in das Abenteuer und wenn schon, dann richtig. Wir gehen auf einem Grade V Fluss river raften, dem höchsten Schwierigkeitsgrad, der mit dem Schlauchboot befahrbar ist. Es geht von Anfang an richtig zur Sache und eine schwierige Stromschnelle reiht sich an die andere. Wir sind mehr unter den Wellen als darüber, mehr ausserhalb des Schlauchbootes als drin und einmal wirft es mich einen Meter hoch in die Luft, bevor ich wieder im Schlauchboot lande. Dazwischen rasten wir immer wieder in einer kleinen Gegenströmung, wo wir ohne Paddelbewegung minutenlang an Ort verweilen, keine 5 Meter vom rauschenden Wasser. Das erinnert mich irgendwie an das Leben: Ruhe und Aufregung sind so nahe beieinander; wenn man im Gegenstrom ist, ist eine günstige Strömung selten weit entfernt.
Zur Sicherung fährt ein Guide im Kajak neben uns her. Das kleine flexible Boot viel leichtfüssiger unterwegs als unser grosses Schlauchboot. Wenn es auf dem Meer nur auch so wäre...
Mittwoch, 10. September
Wir leihen ein Fahrrad und fahren 20km zu einem 180 Meter hohen Wasserfall. Es tut mir schon gut, mich sportlich zu betätigen und wir fahren schnell, benützen es beide als Training. Der Wasserfall ist sehr schön und wir müssen die eine oder andere Klippe überwinden um seinen Fuss zu erreichen. Wir schauen einigen Verwegten zu, die sich durch die untersten 60 Meter des Wasserfalls abseilen und kriegen ganz schön kalt als wir sehen wie sie nur in Badehose bekleidet, sich schlottern abseilen. Da lassen wir das Bad im kalten Wasser lieber sein.
Donnerstag, 11. September
Wir fahren mit dem Lokalbus nach Barichara, einem Kleinstädtchen das mit seinem Kopfsteinpflaster, weiss getünchten Häusern und farbigen Dachunterbalken aussieht wie aus dem 18. Jahrhundert– und es auch ist. Die Zeit scheint hier wirklich stehen geblieben zu sein. Wir wandern auf einem Weg aus dem Jahr 1864 in das benachbarte Cuena, wo ich Ziegenfleisch esse – erstaunlich schmackhaft! Nach dem Mittagessen wollen wir zurück, doch der Bus fährt erst um 18.00h. Wir schauen uns nach einem anderen Transport um, doch es hat im ganzen Dorf nur zwei Autos. Wir steuern auf das erste zu, wo Leute einsteigen. Es ist ein Polizeiauto, was uns nicht hindert zu fragen, ob sie uns nach San Gil zurücknehmen. Das können sie zwar nicht, aber sie nehmen uns mit nach Barichara, wo ein Bus auf uns wartet. So bin ich zum ersten Mal in meinem Leben zu einer Fahrt im Polizeiauto gekommen.
Während der Wanderung haben Nila und ich eine lange Diskussion über unsere Zukunft. So gut wir es miteinander haben, so wenig kompatibel ist unsere Zukunft. Unser Fall ist wohl das Gegenteil der meisten Cruiser: Bei vielen ist die gemeinsame Fahrt eine Belastungprobe, weil es selten der Lebenstraum für beide ist. Für uns ist es das Ende der Reise, welches Probleme macht. Nila möchte die Fahrt bereits im Pazifik beenden, dort sesshaft werden und arbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, die Fahrt schon so früh abzubrechen und so werden wir sehen, wie sich unsere gemeinsame Zukunft gestalten wird.
Freitag, 12. September
Ich plaudere fast zwei Stunden mit meinem Vater und Freunden in der Schweiz. Skype ist schon eine super Sache. Nachher gehen wir zur Busstation, wo Angestellte von vier verschiedenen Busgesellschaften uns umwerben, mitzufahren. Innert Minuten purzelt der Preis um 25%. Doch kein Bus ist da und wir warten mit der Entscheidung bis der erste eintrifft. Ein moderner Bus, alles bestens. Doch keine halbe Stunde in die Reise ist es auch wieder vorbei – verstopfter Dieselfilter. Immerhin ist die Busgesellschaft so flexibel uns in den nächsten vorbeifahrenden Bus umzupacken, auch wenn er von einer anderen Gesellschaft und viel älter ist.
Die Distanzen in Kolumbien sind gross und so kommen wir erst nach dem Eindunkeln in Villa de Leyva an. Es dauert rund 60 Stunden, das Land im Bus von Nord nach Süd zu durchqueren. Wenn ich da an die Schweiz oder Europa denke...
Samstag, 13. September
Wir erkunden den Wochenmarkt in Villa de Leyva. Erstmals sehen wir Indios in ihrer typischen Anden-Hochland Bekleidung und werden auch gedanklich in die Anden katapultiert. Der Markt ist eine Kakaophonie von Gerüchten und Düften: Schweinefleisch am Spiess über offenem Feuer, Lederwaren, Früchte und Gemüse, alle paar Meter riecht es anders.
Wir schlendern am Nachmittag durch die Gassen, lassen uns hie und da nieder und lassen die Welt an uns vorbeiziehen. Abends gehen wir in ein Restaurant, das österreichische Speisen – und vor allem Wienerschnitzel auf der Karte hat. Wie sich herausstellt, wird es von einer Österreicherin geführt, die halbzeit in einem Grosskonzern in Bogota arbeitet, halbzeit kolumbianische Köche in der österreichischen Küche und in ihrer Freizeit junge Pferde trainiert. Das Wienerschnitzel haben die Köche ganz hervorragend gemacht – nur den Apfelstrudel muss sie selber machen. Sie erzählt uns ihre Geschichte und die des Hauses, welches der Familie ihres Ehemanns gehört und sie gemeinsam unter den Augen des Heimatschutz restauriert haben und heute 10 kleinen Restaurants und Geschäfte beherbergt. Bewundernswert, was sie alles erfolgreich auf die Beine stellt.
Sonntag, 14. September
Hoch zu Ross erkunden wir am Vormittag das nähere Umfeld von Villa de Leyva, sehen türkisblaue Weiher und das Skelett eines 120 Millionen Jahre alten Dinosauriers. Doch so richtig heimisch werden wir auf dem Pferderücken nicht – uns ist ein Boot allemal lieber. Doch da ist jeder verschieden: Ich erhalte gleichentags ein Mail von Kollegen, die auf dem Rücken eines Pferdes ihre Heimat gefunden haben. Jeder findet auf eine andere Art und Weise seine Erfüllung!
Das Wienerschnitzel war gestern so gut, dass ich zum Mittagessen gleich nochmals eines esse! Die Besitzerin hat die einzige Kalbfleischmetzgerei im Lande ausfindig gemacht und dem Metzger gezeigt wie man Fleisch für Wienerschnitzel schneiden muss.
Montag, 15. September
Wir verbringen 14 Stunden im Bus von Villa de Leyva via Bogotá nach Salento. Der Busbahnhof von Bogotá kann es locker mit dem Zürcher Flughafen aufnehmen. In drei überregionalen und dem lokalen Terminal werden hunderte Busse täglich abgefertigt; Werkstätten, Tankstellen und zahlreiche Restaurants runden das Angebot ab. Der Wechsel des Busses geht speditiv – einmal davon abgesehen, dass ich meinen Rucksack im Gepäckfach vergesse und den richtigen Bus unter hunderten finden muss. Doch die Angestellten helfen mit grösstem Eifer und eine halbe Stunde später habe ich den Rucksack wieder. Die Busse sind moderne Mercedes-Überlandbusse mit Fuss- und Schienbeinstützen, Klimaanlage, WC und Video. So werden wir von Videos unterhalten, wenn auch ziemlich tiefen Niveau!
Es hat auffallend viele SUVs auf der Strasse –mehr als in der Schweiz. Die Einkommensverteilung hier ist höchst ungleichmässig.
Dienstag, 16. September
Wir verbringen den Morgen auf der Kaffeeplantage des Hostel Besitzers und lernen wie Kaffee angebaut, geerntet und verarbeitet wird. Es ist eine lustige Gruppe von Iren, Holländern, Engländern und Italienern die sich informieren lassen. Es wächst nicht nur Kaffee auf den steilen Hängen der Farm, sondern auch Ananas, Brombeeren, Orangen, Bananen, Avocado, Lulu und Bambus, die den Kaffeepflanzen den notwendigen Schatten spenden. Es wachsen vier verschiedene Sorten von Arabica Kaffee, die noch nicht separat geerntet und verarbeitet werden. Schon eine Schande, dass der Kaffee erst in Italien geröstet wird und wir hier höchst durchschnittlichen Kaffee trinken müssen.
Zum Mittagessen geniessen wir eine ausgezeichnete Forelle aus dem lokalen Bach und hauchdünne frittierte Platanen. Den Nachmittag verbringen wir im Dörfchen Salteno, das voll auf den Tourismus ausgerichtet ist. Es hat in Kolumbien zehn Mal mehr lokaler Tourismus als ausländischer. Nicht verwunderlich, da die Kolumbianer für fast alle Länder der Welt ein Visum benötigen und die Sicherheitslage erst seit fünf Jahren auf ein Touristenfreundliches Niveau gestiegen ist. Zum Nachtessen kochen wir in guter Backpacker Manier eine Suppe in der Hostelküche.
Mittwoch, 17. September
Ich gehe mit den Iren in ein benachbartes Tal wandern. Auf 3'000 m.ü.M hat es saftige Weiden, Regenwald und es wachsen Sauerampfer und Löwenzahn. Wenn nicht 50m hohe Wachspalmen scherenschnittartig über dem Tal wachen würden, könnte man sich fast in der Schweiz wähnen.
Ich sitze am Nachmittag am Dorfplatz, geniesse einen der zahlreichen Fruchtsäfte und lasse das Leben an mir vorbeiziehen. Es ist ein farbiges und buntes Strassenbild. Die meisten Leute sind zu Fuss, mit dem Fahrrad und ab und zu zu Pferd unterwegs. Die meisten jungen Frauen sind bereits Mütter – Kolumbien ist das Land mit den meisten Teenager-Müttern der Welt.
Donnerstag, 18. September
Wir fahren mit dem Bus via Cali nach Popayan. Bei aller Ähnlichkeit der Landschaft mit der Schweiz bin ich doch überrascht als ich im Busterminal Fasnachtsküechli entdecke. Wie zu Hause schmecken sie ausgezeichnet. Nila und ich haben beide keine grosse Lust auf Grossstädte und so beschränkt sich unser Stop in Cali einmal mehr auf den Wechsel des Buses. Cali und Medellin sind die Städte der Drogenbarone – doch man sieht nichts davon. Viel eher sieht man das Geld in den Hochhäusern Cartagenas, wo jeder mit Rang und Namen in Kolumbien ein Ferienappartement hat.
Cali ist nicht weit vom Pazifik und wieder tropisch warm. Ein Grund mehr durchzufahren. Erstmals kann ich im Bus eine längere Zeit lesen, bis anhin wurde es mir immer schlecht. Hoffentlich bleibt das so, denn die Busfahrten sind schon lang.
Freitag, 19. September
Popayan ist eine Kolonialstadt, die mich irgendwie an St. Gallen erinnert. Die alte Substanz ist da, doch es wird kein grosses Aufhebens darum gemacht und das Leben geht seinen gewohnten Gang. Erstmals in Kolumbien finde ich einen richtig guten Espresso und so schlendere ich durch die Stadt, geniesse hier einen Fruchtsaft und dort einen Espresso. Bei den Turbulenzen an den Weltbörsen muss ich mich auch wieder einmal ausführlich um einige Anlagen kümmern. Wir sind bei einem Deutschprofessor und seiner Mutter einquartiert, die zusammen ein Hostel mit vier Zimmern betreiben. Es fühlt sich wie in einer Familie an.
Beim Nachtessen sagt mir Nila, dass sie nächstes Jahr nicht mit mir in den Pazifik fahren möchte – ihre Liebe ist nicht mehr so stark wie vor 9 Monaten. Schade, wir können es wirklich gut miteinander auch wenn uns ausser der Liebe zur See und zum Reisen nicht wirklich viel miteinander verbindet. Wir beschliessen, gemeinsam bis nach Quito zu reisen und ab dort getrennte Wege zu gehen.
Samstag, 20. September
Die Busfahrt ist immer wieder ein Erlebnis und ich kann mich während der Fahrt nicht satt sehen. Kahle hohe Berge, tiefe Schluchten, fruchtbare Talböden – die Landschaft wechselt alle paar Minuten. Die Fahrt ist heute so kurvenreich, dass ich nicht einmal daran denke, zu lesen. Gegen Abend kommen wir in Pasto, der südlichsten Stadt Kolumbiens an. Für einmal hat es wenig Kolonialbauten, dafür finden wir eine lebhafte Kleinstadt.
Sonntag, 21. September
Weiter geht die Fahrt durch Berge und Täler über die Grenze nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Für Ecuador gibt es keinen deutschen Namen. Wörtlich übersetzt heisst es Äquator – zu recht, denn kurz vor Quito überfahren wir den Äquator. Wo immer es etwas anzupflanzen gibt, wird der Natur ein Quadratmeter abgerungen. So abgelegen die Gegend scheint, gibt es keinen fruchtbaren Flecken, der nicht bereits mit besetzt ist. Die Zeiten, wo man ausziehen und Besitz von Grund und Boden nehmen kann, sind auf diesem Planeten wohl endgültig vorbei.
Wir nehmen ein Hotel am Rand der Altstadt von Quito um etwas vom Altstadtflair mitzukriegen. Unsere Begeisterung erhält einen ersten Knick als wir feststellen, dass es im Umkreis von einem Kilometer kein geöffnetes Restaurant hat und wir mit einem Taxi zum Nachtessen fahren müssen.
Montag, 22. September
Wir erkunden die Altstadt von Quito, deren Kolonialbauten entgegen dem Reiseführer nicht wirklich spektakulär ist. Es hat einige wenige gut erhaltene Gebäude und dazwischen viel Alltag. Quito erstreckt sich in einem Hochtal (2'850 m.ü.M) so weit das Auge blicken kann. Die Aussicht vom Turm der Kathedrale ist entsprechend spektakulär. Zu Mittag wollen wir in einem kleinen Restaurant einen frischen Fruchtsaft trinken. Doch bevor wir gefragt werden, was wir gerne möchten, steht bereits ein Teller dampfender Suppe vor uns. Dumme Frage – hier gibt es nur ein Mittagsmenu! So nehmen wir für einen USD (die offizielle Währung hier) einen Teller Suppe und einen frischen Fruchtsaft.
Die Altstadt bietet uns für die dezentrale Lage insgesamt zu wenig und so ziehen wir nach Mariscal, dem Touristen- und Ausgehquartier Quito’s. Es ist zwar nicht besonders authentisch, doch voll Leben. Wir erkunden verschiedene Anbieter von Touren und buchen Ausflüge für die nächsten Tage. Es ist bald Nila’s und mein letztes gemeinsames Nachtessen und wir gehen in ein Restaurant essen, welches auch in der Schweiz auffallen würde: Ein Glasvorbau um ein altes Gebäude dient als Restaurant, ein Baum wächst durch das Restaurant und das Ambiente ist mediterran flippig, aber genial. Dazu Chicken Wings in Kokosnusskruste; Champignons in Curry, Olivenöl und Schlagrahm und Camembert Raclette mit Nüssen und Äpfeln – Fusion Food at its best!
Dienstag, 23. September
Ich verbringe den ganzen Tag in Mariscal. Es sind Geschäftsleute im Anzug, junge gestylte Einheimische, Indios in traditioneller Kleidung und viele Backpacker unterwegs. Es hat viele Geschäfte, vor allem auch Outdoor-Bekleidung. Etwas, das ich seit ich meinem Urlaub in der Schweiz nicht mehr gesehen habe. Es fühlt sich alles gut an – nur nicht nach Quito!
Mittwoch, 24. September
Wir fahren mit dem Jeep zum Cotopaxi, dem mit 5'900 m.ü.M. höchsten aktiven Vulkan der Welt immer näher. Je näher wir kommen, desto imposanter wird er. Die Sicht ist so gut, dass sogar der Guide Fotos macht. Mit dem Jeep fahren wir bis auf 4'500 m.ü.M, wo wir Mountainbikes ausladen und die Abfahrt beginnen. Anfänglich ist es sehr frisch, trotz Äquatornähe nicht viel über 0°. Eigentlich wäre es vorgesehen, dass wir die Naturstrasse hinunterfahren, doch immer wieder finde ich eine Abkürzung gerade den Berg hinunter, die eher Mountainbike gerecht ist. Die lange Abfahrt wird nur durch kurze Gegensteigungen und das Mittagessen unterbrochen.
Anschliessend fahren wir zur Lagune von Quilotoa, einem wunderschönen Kratersee, wo wir auf 4'000 m.ü.M. übernachten. Ich habe aufgrund der Höhe Kopfschmerzen und zweifle daran, ob ich genügend akklimatisiert bin, um über das Wochenende den Cotopaxi zu besteigen. Die Nacht ist sehr kalt; doch fünf Wolldecken und Nila geben gerade genügend warm.
Donnerstag, 25. September
Der Morgenspaziergang zum Kratersee ist aufgrund der Höhe ganz schön anstrengend. Immerhin sind meine Kopfschmerzen vorüber. Der erste Teil der Mountainbike Abfahrt ist einfach und wir geniessen die Aussicht und sehen erstmals frei grasende Lamas. Wie Schafe weiden sie in Herden auf den Hochwiesen. Da wir eine starke Gruppe seien, bietet uns der Guide an, eine zusätzliche Abfahrt mit einem anschliessenden fünf Kilometer langen Anstieg zu machen.
Trotz starken Gegenwind will niemand nein sagen. Unter den acht Teilnehmern hat es vier aktive Mountainbiker und so ist das Tempo in der ‚Spitzengruppe’ trotz der dünnen Luft ganz schön hoch. Ich halte gut mit und entschliesse mich, die Besteigung des Cotopaxi zu wagen. Die letzte 25 km lange Abfahrt auf der Strasse nach Lacatunga ist ein Genuss und alle sind sich einig, dass man das Hochland von Ecuador am besten mit dem Mountainbike erkundet.
Freitag, 26. September
Zum letzten Mal frühstücken Nila und ich gemeinsam, bevor ich meine wenigen Sachen packe und Richtung Cotopaxi aufbreche. Mit dem Bus fahre ich zur Papagayo Lodge. Die Lodge ist ein ehemaliges Farmhaus. Sie züchten Rosen – ich habe noch nie grüne Rosen gesehen – und es grasen Lamas, Kühe, Schafe und Schweine friedlich nebeneinander. Ich verbringe den Nachmittag grossteils lesend. Zum Nachtessen treffe ich per Zufall Birgit und Roland, mit denen wir die letzten Tage auf der Biketour waren. So verbringe ich meinen ersten Abend alleine in guter Gesellschaft.
Samstag, 27. September
Einmal mehr kann ich von einem spannenden Buch nicht loslassen und lese bis es Zeit ist, mich für die Cotopaxi Besteigung auszurüsten. Bergschuhe, Steigeisen, zwei Lagen Faserpelz, zwei paar Handschuhe, Gamaschen, Bergjacke und -hose. Mit dem Jeep (und zwei Stunden Verspätung) werde ich auf 4’500m.ü.M. gefahren, von wo ich 200 Meter zur Berghütte aufsteige. Dort lerne ich die anderen Leute kennen, die den Cotopaxi diese Nacht besteigen werden: Zwei Schweizer, zwei Deutsche, zwei Südtirolerinnen und eine Französin. Nach einer kurzen Einweisung in den Gebrauch der Steigeisen (in der Hütte weil es schneit...), ist es Zeit für ein frühes Nachtessen und Nachtruhe um 19.00h.
Sonntag, 28. September
Um Mitternacht kleiden wir uns an und essen ein kleines Frühstück(!), ehe wir mit unseren Bergführern aufbrechen. Die meisten haben kaum geschlafen und klagen über Kopfschmerzen. Auch ich habe leichte Kopfschmerzen im Hinterkopf – das hatte ich noch nie. Dann geht es los. Der grösste Teil des Aufstiegs erfolgt auf dem Gletscher mit Steigeisen. Der Cotopaxi ist sehr steil (45°) und jeder Schritt fällt mir in der dünnen Luft schwer. Erst kann ich noch normal laufen, doch schon bald heisst es „Linker Fuss, rechter Fuss, einatmen, ausatmen; linker Fuss, ...“. Trotzdem brauche ich alle 5 Minuten eine kleine Verschnaufpause. Ich habe den richtigen Rhythmus für die Höhenlage nie gefunden.
Es ist eine wunderschöne Nacht, die Sterne funkeln und Sternschnuppen fliegen zum Greifen nah vorbei. Der Gletscher strahlt eine ewige Ruhe aus und trotz der Anstrengung ist es eine einmalige Stimmung. Langsam aber sicher steige ich höher, immer am Seil von Fernando meinem Bergführer. Ich bin gleich schnell wie die anderen, doch hinten beginnt eine um die andere Gruppe aufzugeben. Ich kämpfe mich Meter um Meter höher. In den Beinen geht es gut, doch ich habe zu wenig Luft. Bald laufe ich in Trance, bald versuche ich mich für jeden Schritt zu motivieren. Doch es reicht einfach nicht. Auf 5'700 Meter, zu Beginn des steilen Schlussanstieges bis auf 5'900 Meter gebe ich auf. Wenn ich den Gipfel überhaupt erreichen würde, würde ich ihn nicht rechtzeitig vor dem Umkehrzeitpunkt erreichen. So erlebe ich einen fantastischen Sonnenaufgang am steilen Hang und kehre dann um.
Doch auch der Abstieg ist mühsam. Ich bin so erschöpft, dass ich alle fünf Minuten eine Pause einlegen muss. Ich kann jetzt verstehen, dass Bergsteiger auch auf dem Abstieg einfach nur ein paar Minuten schlafen möchten und dann nie mehr aufwachen. Doch ich schaffe es sicher nach unten. Von den acht Touristen hat es nur gerade eine Südtirolerin bis ganz nach oben geschafft: sie ist zu Hause leidenschaftliche Berggängerin. Bei mir wie bei den meisten anderen war entweder die Akklimatisierung auf die Höhe ungenügend oder die Fitness nicht ausreichend. Nach 6 Stunden Aufstieg in der dünnen Luft waren meine Batterien schlicht leer. Trotzdem bin ich stolz es versucht zu haben und soweit gekommen zu bin.
Den Nachmittag verbringe ich in der Papagayo Lodge, wo mein Kopfweh sehr schnell zurückgeht und gegen Abend bin ich nur noch müde. Mit dem Bus fahre ich zurück nach Quito, wo ich nach einem kleinen Nachtessen gut und lange schlafe.
Montag, 29. September
Ich stehe den ganzen Tag ein wenig neben den Socken. Es ist der erste Tag ohne grösseres Programm, seit sich Nila und ich getrennt haben und die Aktienmärkte brechen weltweit ein! So mache ich nicht wirklich viel, sondern versuche vielmehr zu spüren, was ich will und wie ich weiter ziehen will.
Ich bleibe bis morgens um 4.00h wach um zu sehen, wie die europäischen Börsen auf den grossen Absturz in Amerika reagieren. Nicht allzu schlecht und ich kaufe kleine Positionen.
Dienstag, 30. September
Die Börsen stabilisieren sich auch in Amerika und ich beschliesse, weiter zu ziehen. Ich habe schnell gepackt und fahre mit dem Bus nach Baños, der Thermenstadt 200km südlich von Quito. Die Fahrt führt durch das Tal der Vulkane: Sieben Vulkane stehen mehr als 3’000m über dem Hochtal. Der höchste Vulkan ist der 6'300m hohe Chimborazo. Aufgrund der Unrundheit der Erde steht er weiter weg vom Erdmittelpunkt als jeder andere Punkt der Erde, inklusive Mount Everest!
Die Fahrt tut mir gut und ich bin voll freudiger Erwartung, was das Leben und der Tag noch bringen wird. Der Tag bringt ein Wiedersehen mit den beiden Südtiroler Bergsteigerinnen, die ich auf dem Cotopaxi getroffen habe und wir gehen zusammen in die Thermen und Nachtessen. Wir unterhalten uns nicht nur gut, auch das 250g Steak ist erinnerungswürdig.
Mittwoch, 1. Oktober
Ich schlafe lange aus und verabschiede nach dem Frühstück die beiden Südtirolerinnen, die versuchen werden, nach dem Cotopaxi auch den Chimborazo zu besteigen. Am Nachmittag regnet es und ich schlendere ein wenig durch den Ort. Es hat viele Anbieter für Ausflüge (River Rafting, Biking, Amazonas Touren) und Souvenirläden und nicht weniger als drei Schweizer Restaurants. In einem mache ich es mir im Sofa bei einer heissen Schokolade und dem Time Magazine und Cosmopolitan gemütlich. Jetzt weiss ich immerhin, wie Frau den Mann für das Leben angelt:) Im anderen Schweizer Restaurant esse ich zum Nachtessen ein Original Schweizer Käsefondue.
Donnerstag, 2. Oktober
Ich fahre am Morgen mit dem Fahrrad die Ruta de Cascados herunter, eine Strasse die an diversen Wasserfällen vorbeiführt. Die als achtes Weltwunder gerühmten Pailón de Diablo Wasserfälle sind dann allerdings doch enttäuschend. Gegen Mittag wechsle ich in das Luna Runtun Hotel, ein doch deutlich gehobeneres Hotel hoch über Baños mit einer wunderbaren Aussicht über das ganze Tal und eigenen kleinen, aber feinen Thermen und Spa.
Mit dem Preis steigt auch das Alter der Kundschaft– und sie wird meines Erachtens interessanter. Ich habe schon lange nicht mehr so interessante Gespräche gehabt wie mit einer Veterinärin aus Bogotá und ein kanadischen Ehepaar, das ihre Software Firma verkauft hat. Schon ein Unterschied zu den meist 20-25-jährigen Backpackern, die meist nach dem Militärdienst oder der Universität Südamerika bereisen. Das ist mir bis jetzt noch gar nicht als Vorteil einer Weltumsegelung per Boot aufgefallen; man trifft schon immer wieder interessante Leute die in ihrem Leben schon viel erlebt haben.
Freitag, 3. Oktober
Es ist einmal mehr eine lange, aber unterhaltsame Fahrt von Baños nach Cuenca. Cuenca ist neben Quito die zweite hochgerühmte Kolonialstadt in Ecuador. Doch mit den Kolonialstädten in Kolumbien können sie bei weitem nicht mithalten. Sie sind dafür in einem zu schlechten Zustand und die Strassenzüge sind zu uneinheitlich.
Auch meine Wahl des Hostels ist nicht gerade glänzend. Es wäre vielleicht ganz nett, doch es wird umgebaut und anstelle eines gemütlichen Gemeinschaftsbereiches hat es eine Baustelle. Doch ich habe keine Lust ein anderes Hostel zu suchen und das Zimmer ist ganz ok.
Samstag, 4. Oktober
Ich geniesse wieder einmal das Stadtleben, schlafe aus, gehe in eine Panaderia frühstücken und bummeln. Doch dann glaube ich meinen Augen kaum zu trauen: Ganz normale Geschäfte verkaufen Raubkopien aller möglicher Software: Windows, Office, PhotoShop für USD 2-5 pro Stück. In der Schweiz wird das nicht einmal unter dem Ladentisch gemacht! Da will ich nicht puritanisch sein und kaufe einige Programme...
Ich esse in einem ganz feudal gedeckten Restaurant vis-à-vis der Kirche Santa Domingo. Ich bin der einzige Gast und verfolge aus dem Fenster das Einweihungsspektakel des Platzes vor der Kirche. Ich habe erst noch WiFi Empfang und kann meine Homepage veröffentlichen.



























