Lautoka - Whangarei
Lautoka - Whangarei in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)
Mehr als drei Wochen haben wir auf ein gutes Wetterfenster gewartet und so wollen los, auch wenn das Wetter nicht perfekt aussieht: Entweder hat man für die ersten zwei Tage zu südliche Winde und man muss hart am Wind segeln oder man läuft gegen Ende der Passage in eine Südwestfront. Nicht nur beim Zoll in Lautoka herrscht Hochbetrieb. Innert 3 Tagen werden 30 Boote Fidschi in Richtung Neuseeland verlassen.
18. November
Wir entschliessen uns, den Geschwindigkeitsvorteil von Blue Bie auszunützen und erst am zweiten Tag des Wetterfensters auszulaufen. Doch auch dieser hat es noch in sich. Als wir den Navulu Pass passieren, kommt Migration mit zerrissenem Grosssegel zurück und Green Coral kann wegen Getriebeschaden die Passage gar nicht erst in Angriff nehmen. Von anderen Booten hören wir auf Funk, dass sie am Südwestkap von Fidschi bis zu 40 Knoten Wind erleben. Kaum zu glauben, denn im Inselschatten von Fidschi haben wir keine 10 Knoten und segeln unter Screecher. Wir reffen vor dem Pass stark um für die starken Winde vorbereitet zu sein.
Direkt nach der Passage des Passes fallen wir ab und segeln nicht härter als halber Wind. Ganz so schlimm wie andere trifft uns der Wind nicht, doch die ersten Stunden bläst es mit 25-30 Knoten und die Wellen kommen die ersten Stunden unangenehm von vorne. Im Laufe des Abends beruhigen sich Wind und Welle ein wenig, doch gemütlich ist es nicht!
19. November
Der Wind dreht im Laufe des Tages mehr auf Südost (von vorne). Wir segeln weiterhin nicht härter als halber Wind und schlagen einen grossen Bogen nach Westen. Der Wind weht mit 20-25 Knoten und wir machen schnelle Fahrt. Mit einer südlichen Dünung ist es allerdings nach wie vor nicht sehr gemütlich. Die meisten Kollegen gehen härter an den Wind und wir sind schon bald 30 Meilen mehr im Lee. Doch wieso härter am Wind segeln, wenn wir später bei ankommenden Westwinden möglichst weit im Lee sein wollen?
Ob wir hier richtig taktieren? Vorerst segeln wir auf raumen Kursen schneller und angenehmer. Doch auch so ist es nicht besonders angenehm an Bord und wir kochen und essen nur wenig.
20. November
Der Wind lässt im Laufe des Nachmittags langsam nach. Dafür wird die Kreuzwelle immer ekliger und anstatt mit dem abnehmenden Wind auszureffen, legen wir noch ein Reff mehr ein, so dass wir bei 20kn mit drei Reffs im Gross fahren. So ist es einiges angenehmer, aber auch marginal weniger schnell. Meine Konversion vom Racer zum Cruiser macht langsam aber sicher Fortschritt:)
21. November
Die Kreuzsee hat sich über Nacht gelegt und der Wind kommt etwas achterlicher aus Ostsüdost, ist aber in Richtung und Stärke stark schwankend. Die drehenden Winde halten die ganze Nacht über an. Der Autopilot steuert im Windfahnenmodus die Drehungen zwar perfekt aus, aber bei 25 Grad Winddreher gibt es einen nicht abschaltbaren Alarm. Ärgerlich, denn dieser weckt mich immer wieder und stört meine Nachtruhe:)
22. November
Im Einfluss des subtropischen Hochs auf halbem Weg zwischen Fidschi nach Neuseeland startet ein wunderschöner, ruhiger Tag. Wir motoren am frühen Morgen bei Flaute eine Stunde, füllen damit unsere Batterien und machen heisses Wasser zum Duschen. Mit zunehmendem Fortschritt sinken die Temperaturen und wir schätzen eine heisse Dusche!
Wie jeden Tag wählen wir uns in die deutschsprachige Funkrunde von Detlev ein. Wir kennen alle anderen Boote auf der Funkrunde und so macht es Spass zu hören, wie es jedem geht, wie die Boote unterwegs sind und was man vom Wetter hält. Wir sind mittlerweile über 120 Seemeilen westlich der anderen Boote und des Hochdruckgebiets. Wir haben etwas mehr Wind und sind dank den guten Leichtwindeigenschaften von Blue Bie an den meisten vorbeigezogen, obwohl diese im Hochdruckgebiet die letzten zwei Tage teilweise unter Motor unterwegs waren. Wie sich im Nachhinein herausstellt, haben andere Boote bis zu 1‘000 Liter Diesel verbraucht, während wir keine 20 Liter verbraucht haben.
Nach der Funkrunde erlaubt ein OSO Wind mit 6-8kn für den ganzen Tag herrliches Screecher Segeln. Wir haben bis jetzt kein Fischglück, doch heute fangen wir innert 20 Minuten einen kleinen Skipjack Thunfisch und eine 12 kg schwere, 1.3m lange Goldmakrele. Michelle, die in ihrem früheren Leben Restaurants geführt hat, macht wunderbares Sushi.
23. November
Der wenige Wind hat über Nacht auf Norden gedreht und kündet damit das Ende des Hochdruckeinflusses an. Er kommt zu achterlich für schnelle Fahrt und wir lassen die Maschine ein paar Stunden laufen um beim Eintreffen der Kaltfront schon im Schutz von Neuseeland zu sein. Schon erstaunlich, wie präzise diese Front schon vor einer Woche angesagt wurde. Im Laufe des Nachmittags dreht der Wind auf Nordwest und wir halten weiterhin westlich von Kap Reinga in Erwartung der Kaltfront. Schon gut, dass wir so weit nach Westen gefahren sind, die anderen Boote müssen nach Eintreffen der Kaltfront hart am Wind segeln:)
Gegen Sonnenuntergang laufen wir schnell auf ein vor uns segelndes Boot auf. Wir rufen es über Funk auf, doch erhalten keine Antwort. Wir segeln keine 50m am Boot vorbei und sehen niemanden an Deck. Ich spiele eine unüberhörbare Melodie auf dem Alphorn, doch wieder kein Zeichen an Bord. Wie wir später in Neuseeland hören, muss das ein über 80-jähriger deutscher Segler sein, halb taub, der regelmässig drei Wochen für die Passage braucht, da er nachts die Segel birgt um zu schlafen.
24. November
Der Wind hat weiter auf Westen gedreht und wir machen guten Fortschritt Richtung Neuseeland. Per E-Mail lesen wir von Booten die in der Kaltfront Böen mit 45 Knoten erlebt haben. Wir reffen die Segel und sind bereit als die Kaltfront uns in Sichtweite von Kap Reinga erreicht – mit 25kn und einem kurzen Regenschauer relativ harmlos. Trotzdem surfen wir in der mitlaufenden Welle kurz mit 16 Knoten. Der Wind dreht kurz auf Südsüdwest, doch wir sind so weit im Westen, dass wir mit einem Schrick in den Schoten der Küste entlang segeln können. Schon bald dreht der Wind noch günstiger und wir segeln mit halbem Wind zum Kap Brett – dem Eingang der Bay of Island.
Über Funk können wir abends die anderen Yachten über die Front orientieren. Sie stehen weiter draussen und erleben ein paar haarige Momente und das Grosssegel von Micromégas reisst horizontal durch. Die Nacht bringt nochmals anstrengendes und kühles, aber schönes Segeln: Wir segeln bei drehenden Winden in Küstennähe mal unter Screecher, mal unter Genua, doch wir können unseren Kurs Richtung Whangarei halten. Ich schlafe ausnahmsweise im Salon, da ich immer wieder Segel anpassen und navigieren muss.
25. November
Noch einmal zeigt der Wind seine wilde Seite: Wir kreuzen die letzten 5 Seemeilen vom Bream Head zur Flussmündung von Marsden Cove gegen 25 Knoten Wind. Gut, dass das Reff schon im Segel war, so werden wir nicht einmal nass. Mit halbem Wind fliegen wir durch die Flussmündung: 12kn durch das Wasser – 8kn über Grund. Unter Motor wäre es eine langsame Einfahrt gewesen. So legen wir gegen 10.00h in Marsden Cove an und helfen kurz danach unseren Schweizer Freunden auf Dreamtime beim Anlegen. Das Einklarieren bei Customs und Immigration geht zügig über die Bühne und wir müssen nicht allzu viele frische Lebensmittel abgeben – wir sind nicht das erste Mal hier und wissen, worauf die Behörden achten.
Marsden Cove ist ein gut geschützter Einklarierungshafen, doch es ist nichts los. So nützen wir am Nachmittag die kippende Tide um die letzten 10 Seemeilen nach Whangarei zu motorsegeln und geniessen dort das erste Mahl auf festem Boden seit 7 Tagen.
[Die Etmale zur Passage folgen – ich habe im Moment keinen Zugriff auf das Logbuch:)]
Townbasin Marina
Es ist eines der ersten Male, dass ich auf meiner Reise ein Land ein zweites Mal anlaufe, was sich zeigt als mich der Barrista mit der Frage begrüsst, ob ich gerne einen Espresso hätte! So fühle ich mich in Whangarei schnell heimisch und wohl.
Als erstes organisiere ich das Auswassern von Blue Bie. Die Werft ist recht beschäftigt und ich kann erst in einer Woche auswassern. Die eine oder andere Kleinigkeit lässt sich einfacher aus der Stadt erledigen und so hat Blue Bie schon bald neue Cockpitkissen und Spiegel.
Michelle verlässt mich um Freunde und Verwandte in Auckland zu besuchen. Wir haben beschlossen, ab hier getrennte Wege zu gehen. Blue Bie fühlt sich alleine wieder sehr ruhig an, doch ich schätze diese Ruhe auch sehr. Allzu ruhig wird es sowieso nicht: Chantal und Fredy nehmen mich mit zum Nachtessen zu Ernst, einem Schweizer Segler, den ich noch nicht kenne. Auch das gibt es! Ernst ist äusserst belesen und so haben wir schnell eine interessante Diskussion über Gott und die Welt.
Norsand Boatyard
Das Auswassern von Blue Bie bei der Norsand Werft geht zügig und problemlos. Schon am nächsten Tag kommt der Werftleiter Peter vorbei. Ich kenne ihn vom letzten Jahr und vom gemeinsamen Kiten in Fidschi. Gemeinsam beurteilen wir, ob die Osmose von Blue Bie eine Sanierung notwendig macht. An verschiedenen Stellen schleifen wir uns durch Gelcoat und einige Lagen Glasfasern und schauen, wie weit im Laufe der Jahre die Feuchtigkeit eingedrungen ist.
An allen Stellen dasselbe Bild: Hohe Feuchtigkeit im Gelcoat und der ersten Lage Glasfaser; erstaunlich geringe Feuchtigkeit ab der der zweiten (von 8-10 Lagen) Glasfaser. Eigentlich sollten Outremer Katamarane gar nicht von Osmose haben, doch es scheint als ob die Werft beim Bau nach der ersten Lage Glasfaser eine zu lange Pause eingelegt hat, das Harz angetrocknet ist und beim Laminieren der nächsten Lage viele Luftblasen entstanden sind, die im Laufe der Zeit wie ein Blasbalg Wasser angezogen haben.
Ich entschliesse mich, die Osmosebehandlung machen zu lassen. In Europa würde man das Boot nach dem Schälen in einer speziellen Halle unter Hitze austrocknen, hier lässt man es draussen trocknen. Das dauert natürlich länger, bis zu einem halben Jahr, ist aber wesentlich günstiger. Zum Glück hat mich Peter schon letztes Jahr auf die Osmose aufmerksam gemacht und ich habe schon Pläne für das halbe Jahr geschmiedet.
North Island
Michelle hat ihre Kamera an Bord vergessen und ich bringe sie ihr nach Auckland als ich meine Freunde Dave und Shauna besuche. Wir gehen zusammen auf ein Glas Wein und fühlen uns so wohl miteinander, dass wir den Kontakt wieder aufnehmen und Michelle mich in Whangarei besuchen kommt:)
Aus dem Besuch wird eine kleine Rundfahrt um den nördlichsten Teil von Neuseeland. Wir besuchen das Kauri Museum und die Kauri-Wälder, in denen noch einige der bis zu 2000 Jahre alten, eindrücklichen Bäume stehen.
Danach fahren wir nach Pahia, wo es anhaltend zu regnen beginnt. Macht nichts – wir finden in Chalet Romantica ein ausgezeichnetes Bed & Breakfast Hotel. Wir erhalten eine Suite mit allem Luxus zu einem ausgezeichneten Preis und finden Kontakt zu den schweizer/österreichischen Besitzern und anderen Gästen. Unseren Ausflug nach Russell lassen wir wörtlich in’s Wasser fallen und besuchen Martin & Ariane in Opua, die ich vor drei Jahren erst in Kuba und dann in Zürich im Bierfalken getroffen habe. Ich bin schon eine Weile unterwegs:)
Wir geniessen gemeinsam einen herrlichen Clam Chowder und lassen alte Erinnerungen aufleben, ehe wir nach Whangarei zurückkehren. Jetzt wird es Zeit die letztes Jahr geschmiedeten Pläne umzusetzen. Michelle fährt mich mit dem Mietwagen nach Whangarei zum Flughafen und ich fliege nach Perth, um für ein halbes Jahr Westaustralien zu bereisen und bekiten. Michelle wird noch ein paar Tage in Auckland bei ihrer Familie verbringen und mir dann folgen:)














