Maui
Für einen Monat bewege ich Blue Bie keinen Meter, mache keine Unterhaltsarbeit und gehe vor allem Kitesurfen. So gibt es für einmal auch keinen Google Earth Link meiner gefahrenen Route.
Jeden Morgen mache ich meine Fuhre bereit; fahre das Mountainbike, den Kite und das Waveboard mit dem Dinghi an den Strand, packe dort Kite auf den Rücken und das Waveboard auf das Bike und fahre 3 km an den Strand. Schon wegen meines ‚Rigs‘ falle ich am Strand auf wie ein bunter Hund und innert einer Woche kenne ich alle Kiter am Strand. Ich habe viel Kontakt mit Kitern die sich hierher pensioniert haben, Surflehrern und Kite-Touristen aus aller Welt. Ich gehe alleine mehr auf die Leute zu wie wenn ich zu zweit reise.
Ich frage mich ab und zu schon, wieso ich um die Welt segle, wenn ich doch nur kitesurfen will! Ich kann nicht genug kriegen vom Flow des Kitesurfens. Im Moment reiht sich ein Traumtag an den anderen: Perfekter Wind und Wellen, Sonne und Atmosphäre am Strand. Ich mache keine schwierige Manöver, gehe nie an meine Grenzen, geniesse das Spiel mit den Wellen und dem Kite.
Mit dem Waveboard ist das Kiten in der in der Welle viel spielerischer als mit dem normalen Brett. Ich kann auf einer brechenden Welle mehrere Kurven aneinander reihen – langgezogene schnelle Bottom-Turns im Wellental und kurze radikale Cut-Backs auf der Wellenlippe. Mit keinem anderen Sportgerät (Carving Ski, Snowboard, Windsurfer) kann ich eine so hohe Kurvengeschwindigkeit mit so viel Halt entwickeln wie mit dem Kiteboard.
Viel glücklicher wie nach einem Tag beim Kitesurfen in der Welle sehe ich selten aus!
Da mein Kühlschrank noch immer defekt ist, kaufe kaufe jeden Tag auf dem Nachhauseweg ein und koche mir abends etwas Feines an Bord. So habe ich tagsüber viel Kontakt, aber auch Zeit zum Reflektieren, über meine nächste Etappe, Gott und die Welt nachzudenken. Ich beschäftige mich alleine schon viel intensiver mit meinen Gedanken und Gefühlen wie wenn ich zu zweit reise.
Dazwischen hat es immer wieder den einen oder anderen Flautentag und ich mache Ausflüge in das Iao Tal und nach Lahaina. Dort sehe ich Relax, den Katamaran von Ralph und Carmen, doch treffe sie leider nicht. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage gebe ich mir selber: So schön das Kiten ist, so sehr interessieren mich das Reisen, Entdecken und Kennenlernen von Leute; Anreiz- und Wirtschafts-Systeme kennen zu lernen und zu verstehen. Es ist die Neugierde, die mich immer wieder vorwärts treiben; die nicht zulässt, dass ich allzu lange verharre oder sesshaft werde.
Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, diesen Sommer nach Kanada & Alaska zu segeln; habe mich an den Gedanken gewöhnt, mich warm anzuziehen, da ich keine Heizung habe. Doch dass ich keine warme Dusche habe, daran habe ich bis jetzt noch nicht gedacht! Ausserdem ist die Saison kurz und ich würde nach viel Zeit an der doch sehr entwickelten Pazifikküste der USA verbringen. Nach zwei Jahren in Entwicklungsländern hatte mich das vor kurzem noch motiviert.
Nach einigen Monaten in Hawaii habe ich eigentlich genug Zivilisation und bin wieder bereit für die Südsee. Wenn ich dann noch höre, dass alle segelunerfahrenen Amerikaner in die Baja California (Mexico) segeln und dort Regeln für Cruiser aufstellen, weil sie mit einem ungeregelten Leben nichts anfangen können, dann kann ich mich für die Südsee immer mehr motivieren …








