Whangarei - Savu Savu
Whangarei - Savu Savu in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)
27. Mai
Blue Bie und ich sind schon einige Tage bereit für die Fahrt nach Fidschi und der Wetterbericht sieht soweit vernünftig aus, auch wenn das Wetterfenster recht kurz scheint. Ein sonniger Tag mit herrlichen 15 Knoten Wind erwartet mich. Unter Gennaker ziehe ich Richtung Nordosten – Minerva Riff und wärmerem Wetter zu. Keine Minute vergeht ohne dass ich einen Vogel sehe. Ich wundere mich wie lange deren ‚Arbeitsweg‘ ist oder ob sie überhaupt in ihr Nest zurückkehren. Ein Albatros zieht majestätisch seine Kreise um Blue Bie, eine Delphinschule springt vor dem Bug und ich fühle ich mich auf dem Meer wieder willkommen geheissen.
Gegen Abend wird es etwas schwieriger: Einen kleinen Thunfisch zu landen ist noch einfach, ihn auszunehmen bringt mich in der hohen Dünung an die Grenzen der Seekrankheit. Für die Nacht stecke ich ein Reff ein und wechsle im zunehmenden Wind auf die Genua. Als der Wind noch mehr auffrischt, kommt das Grosssegel beim Reffen nicht herunter – eine Leine die ich am Segelkopf angemacht habe, verheddert sich am Diamond. Da bleibt mir nichts übrig als mit einem Reff die Nacht durchzusegeln und das Problem morgen bei Tageslicht zu lösen.
28. Mai (177 Seemeilen)
Ich habe keine Ruhe ehe ich das Grosssegel nicht befreit habe, obwohl der Wetterbericht abnehmende Dünung und Wind voraussagt. Gut gesichert mache ich mich auf den Weg in das Masttopp. Es ist schon ein wenig angsteinflössend; aber ich kann das Problem lösen. Ich habe einen wunderbaren Ausblick über die Wellenlandschaft – so schön, dass ich mich auf der Saling ein wenig verweile!
Ich fühle mich den ganzen Tag schwächlich und habe Kopfweh, so dass ich viel schlafe, während mein Kollisionswarnsystem AIS Wache hält. Der Wind und die Dünung nehmen ab und ich reffe in der Nacht aus und wechsle auf den Gennaker. Schon toll, wenn man bei 5kn Wind noch über 4kn Fahrt macht. Frischt der Wind auf 8kn auf, sind es dann sofort 7kn Fahrt; und das erst noch sehr komfortabel.
29. Mai (149 Seemeilen)
Einige Male muss ich im leichten und wechselnden Wind während der Nacht aufstehen und umtrimmen. Doch zwischendurch komme ich zu viel Schlaf. Der Morgen begrüsst mich bedeckt, kleinen Windwellen und einer gemächlichen Dünung, welche Blue Bie wie an einem Gummiseil langsam hoch und herunterhebt.
Die leichten räumlichen Winde halten den ganzen Tag an und Blue Bie rauscht auf der immer ruhigeren See mühelos dahin. Das Segeln macht nach wie vor so viel Spass, dass ich ein paar Stunden von Hand steuere. Um 16.00h startet der Küchendienst – Kartoffeln wollen geschält und mit einem Rindsfilet gebraten werden.
30. Mai (186 Seemeilen)
Es ist ein bedeckter, leicht regnerischer Tag; der Wind dreht etwas vorlicher, frischt auf 15-18kn auf und die See wird rauer. So richtig haben sich mein Körper und Kopf noch nicht an die Bewegungen auf See gewöhnt; ein Angewöhnungstörn nach Opua hätte gut getan. Doch das Wetterfenster hat zu gut ausgesehen…
So segle ich den grössten Teil des Tages im Salon und lese. Richtig Lust zum Fischen und Kochen habe ich nicht und so gibt es einen Snack zu Mittag und eine Suppe zum Abendessen.
31. Mai (203 Seemeilen)
Der gute Wind hält an und das Wetter klart etwas auf. Das Wetter wird Tag für Tag ein wenig wärmer und von meinen ursprünglichen 3 Schichten trage ich jetzt noch eine.
Langsam komme ich dem Minerva Riff näher und ich verlangsame meine Fahrt um nicht mitten in der Nacht dort anzukommen. In den angenehmeren Bedingungen habe ich Lust mit meiner Angelausrüstung zu spielen. Erstmals probiere ich einen Rapala Magnum Tauchköder. Er taucht mit einer Schaufel vor dem Körper (siehe Foto) bis zu 10m tief. Und er funktioniert: innert Minuten habe ich einen wunderschönen Mahi Mahi an der Angel! Meine neue Rute, Rolle und ich machen kurzen Prozess und 10 Minuten später ist er an Bord. Auch beim Fischen geht die Technologie immer weiter: Statt 0.9mm Silk kommt jetzt eine Dyneema Leine von 0.5mm zum Einsatz. So kann bei gleicher Bruchlast die Rolle wesentlich kleiner, leichter und auch günstiger sein. Doch wir kennen ja unsere grossen Kinder: Statt einem Gang hat die Rolle jetzt zwei Gänge; dank Messe-Aktionspreis war sie trotzdem günstig.
1. Juni (157 Seemeilen)
Nord und Süd Minerva Riff liegen 20 Seemeilen auseinander. Das Süd Minerva Riff ist kleiner und hat Korallenblöcke in der Einfahrt und innerhalb der Lagune, die ich im bedeckten Himmel nur schwer sehen würde. Ich entscheide mich bis zum grösseren Nord Minerva Riff durchzufahren, welches eine saubere, 200m breite Einfahrt hat. Die Durchfahrt ist problemlos und ich ankere neben 4 anderen Yachten im Schutz des Riffs, welches bei Niedrig-, nicht aber Hochwasser über das Wasser ragt.
Nach einer heissen Dusche und einer Suppe fühle ich mich wie neu geboren. Ich bin gerade rechtzeitig angekommen – in der Nacht zieht eine Front mit Nordwinden über das Riff hinweg, doch ich liege ruhig und sicher.
2. Juni
Seit gestern Abend stürmt und regnet es im Minerva Riff. Das im Wetterbericht erst angekündigte, dann wieder verworfene Tief bzw. Trog ist eingetroffen und bleibt so gut wie stationär. Heute ist auch der Katamaran Bella Via eingelaufen. Sie hatten die Abfahrt aufgrund des unsicheren Wetterberichtes vom letzten Freitag auf Samstag verschoben. Sie sind am letzten Tag in starke Gegenwinde geraten und mussten kreuzen bzw. in den Wind motoren. Es hat sich für mich ausbezahlt, im Regen nach Marsden Cove zu fahren und für die Abfahrt bereit zu sein.
Wir Männer gehen ausserhalb des Riffs schnorcheln und harpunieren. Es sind sehr eindrückliche Korallenformationen die hunderte Meter in die blaue Tiefe abfallen. Paul und Dave fangen einige stattliche Zackenbarsche und sie laden mich ich auf Bella Via zum Nachtessen ein.
3. Juni
Nach den ‚blauen‘ Jobs der letzten Wochen ist es Zeit für die ‚pinken‘ Jobs an Bord und ich beginne Blue Bie von hinten nach vorne aufzuräumen und zu putzen. Wasser hat es mehr als genug:) Es bläst mit 20-30kn und einem halben Meter Welle auf dem Ankerplatz. Ich habe etwas näher hinter das Riff geankert. Am Abend feiern wir Allison’s Geburtstag, auch wenn das Wetter nicht gerade ideal ist. Mein Aussenborder will nicht mehr starten, doch das will ich bei Dunkelheit und Sturm nicht weiter prüfen. Nachdem mich Brunti zurück an Bord brachte, sehe ich, dass der Anker im dünnen Sandboden hinter dem Riff gerutscht ist und erst 30 Meter weiter in tieferem Wasser gehalten. Zum Glück ist nichts passiert.
Abgesehen von den Segelbooten sind zwei Boote der Navy von Tonga hier. Sie haben mich nicht angesprochen, waren aber mit den anderen Seglern die schon länger hier sind sehr freundlich und haben unter anderem Trinkwasser angeboten. Kein Vergleich mit den Fidschianern, welche letztes Jahr die Segler aus dem Minerva Riff vertrieben haben (siehe Zeitungsartikel
). Tonga Navy? Fidschi Navy? Die beiden Länder streiten sich tatsächlich um diesen Flecken Nicht-Erde. Nicht weil es hier irgendetwas Wertvolles hätte; dieses Riff definiert das ausschliessliche Wirtschaftszone und damit Lizenzeinnahmen aus der Fischerei. Die Tonga Navy darf gerne noch eine Weile bleiben und 'ihr' Minerva Riff besetzen!
4. Juni
Im Moment bläst es mit über 30kn; kein Baum steht auf dem Atoll und der Wind heult laut im Rigg. Paul und Dave von Bella Via scheinen gelangweilt und bringen mir im Neoprenanzug mein Dinghi. Wir tauschen etwas Software und dann kommen sie zum Kern ihres Besuches: Dave würde gerne mit mir nach Fidschi anstatt mit Paul nach Tonga fahren, da das Wetterfenster zuerst nach Fidschi aufzugehen scheint. Nach ihrer Abfahrt starte ich den Aussenborder und er springt auf den ersten Zug an… Den Rest des Tages verbringe ich an Bord übe neue Knoten, lese und geniesse bewusst die kleinen Tätigkeiten an Bord. Oder wie es so schön in meinem Buch heisst: „Solange es uns gelingt, unsere Achtsamkeit für den Augenblick, die Situation und uns selbst aufrechtzuerhalten – wir also weder gehetzt und getrieben noch gelangweilt sind – haben wir die richtige Veränderungsgeschwindigkeit.“
Der Wind bläst den ganzen Tag und die Nacht durch. Morgens um 2.00h rattert mein Bimini so laut, dass ich aufwache. Eine Sekunde später ertönt der Ankeralarm. Ich schiesse auf und in das sicherheitshalber bereitliegende Ölzeug. Der Wind hat in einem Regenschauer von Nordost 35kn auf Südwest 35kn gedreht. Dank dem ‚Bearing to Waypoint‘ – meinem Anker – erkenne ich den Winddreher und sehe dass Blue Bie nicht driftet. Schon geht’s los auf dem Funk. „Fuck, we’re dragging… or is it a windshift?“ Zum Glück liegen alle sicher vor Anker und weit genug vom Riff entfernt. Auch wenn andere Segler darüber lachen, ich gehe mit meiner Fernbedienung in die Koje und sehe so was passiert.
5. Juni
Es bläst noch immer mit über 30kn; die stärkste Böe messe ich mit 38kn. Es gibt nicht viel zu tun und ich mache Omeletten zum Frühstück. Danach putze ich weiter das Boot. Im Laufe des Nachmittags flaut der Wind endlich ab und ich gehe nach drei Tagen ‚Einzelhaft‘ Derek und Allison auf Kalida besuchen, die ich seit Panama schon mehrmals getroffen habe.
6. Juni
Nach dem Sturm der letzten Tage ist bei mir heute die Luft draussen; ich mache einen ruhigen Tag, geniesse ein Mittagsschläfchen und lese wenig. So langsam kommt die Sonne durch und bei Niedrigwasser ist das Minerva Riff fast spiegelglatt. Bei Hochwasser schwappt die noch immer hohe Dünung über das Riff und macht den Ankerplatz unruhig.
Der Kapitän und einige Seemänner der Navy von Tonga kommen in Beibooten bei den Yachten vorbei, machen Fotos und laden uns ein, sie an Bord zu besuchen. Die Navy macht seit 2 Wochen im Minerva Riff Manöver, markiert Präsenz und stellt den Leuchtturm wieder auf, welcher letztes Jahr von Fidschi’s Navy zerstört wurde. Unschwer zu erraten, welches Land die Sympathie der Segler hat.
7. Juni
Meine Batterien scheinen wieder gefüllt zu sein und das Minerva Riff präsentiert sich traumhaft. Spiegelglatt mit unglaublich klarem Wasser. Die Sicht beträgt bis zu 60m. Erstmal ist es so warm, dass ich das Bedürfnis habe in das Wasser zu springen. Dabei ist das Minerva Riff immer noch ausserhalb der Tropen.
Es ist ein sozialer Tag: Erst ein Besuch bei Paul, Mary und Dave; dann kommen Derek und Allison vorbei und Nachmittag gehe ich an den Kindergeburtstag auf Monkey Feet – so langsam lerne ich alle 6 Boote im Minerva Riff kennen. Tom ist vor drei Tagen mitten im Sturm eingelaufen und berichtet von bis zu 10m hohen Wellen; sechs davon sind in sein Cockpit eingestiegen. Da hatten wir es im Minerva Riff vergleichbar ruhig.
8. Juni
Ein weiterer Trog liegt heute über dem Minerva Riff und es ziehen immer wieder Regenschauer durch. Abgesehen von meinem kurzen, aber guten Wetterfenster konnte in den letzten 3 Wochen keine Yacht Neuseeland verlassen und auch die Vorhersage ist weiterhin nicht vielversprechend. Ich gehe innerhalb des Riffs mit dem Dinghi schnorcheln und sehe viele bunte Fische.
Ausserhalb des Minerva Riffs wimmelt es nur so von Grossfischen und jeder Fischzug resultiert in guter Beute. Heute gehen Paul und Dave Nachbarbootes fischen. Als sie am späten Nachmittag noch immer nicht zurück sind, schlägt ihre Frau Alarm. Zwar haben sie Funk und Handfackeln dabei, doch es meldet sich niemand. Wir Yachties beschliessen sie suchen zu gehen, doch wo und wie? Wir suchen von der Saling mit dem Feldstecher das Riff ab und können niemand sehen. Dann beschliessen wir, zwei Yachten auszusenden um mit der Suche zu beginnen. Doch sie könnten überall sein. Gerade als wir Anker lichten wollen, fahren sie frisch fröhlich durch den Pass, nicht realisierend was sie ausgelöst haben. Des Rätsels Lösung: Zwar hatten sie Funk und Fackeln dabei, aber keine Uhr und das Funkgerät war ausgeschaltet um Strom zu sparen. Gut zu wissen, dass Hilfe da ist; gut zu lernen, dass eine regelmässige Standortmeldung eine Suche wesentlich vereinfacht.
9. Juni
Nach einem Tee bei Derek & Allison und dem Ende meines Buchs montiere ich Sandalen und gehe auf dem Minerva Riff wandern. Ich hätte gedacht, es ist kaum begehbar, doch weit gefehlt: Rund 300m breit und mit Höhendifferenzen von keinem Meter zieht sich das Riff um die ganze Lagune. Das Wasser rinnt bei Niedrigwasser wie ein Bergbach vom flachen Riff in die Lagune und trägt zur vielseitigen Akustik bei. Kleinste Fische und Krebse bewohnen das Riff, welches von weichen Korallen überzogen ist. Ein grosser Anker mitten auf dem Riff zeigt, dass nicht zu unrecht diverse Wracks auf dem Riff eingezeichnet sind.
Gegen Abend läuft eine dritte Navy Fregatta in das North Minerva Riff ein. Ich bin zu weit um Details zu sehen, doch ich erfahre später, dass es eine Fregatta der Navy von Fidschi ist! Kanonen werden bemannt, Flak Jacken angezogen und dann laufen die Schiffe aus, ohne dass es zu offensichtlichen Feindlichkeiten gekommen ist. Mehr dazu findet ihr in diesem Zeitungsartikel
(ihr dürft raten aus welchem Land...).
10. Juni
Der Wind ist immer noch sehr südlich und die Fahrt nach Fidschi wäre eine langsame Vorwindfahrt. Die meisten anderen Boote segeln Richtung Fidschi, während ich noch einen Tag im Minerva Riff bleibe und schnorcheln gehe. Die Innenseite des Ringriffs bietet zwar keine extrem schöne Korallenlandschaft, dafür wimmelt es nur so von tropischen Fischen und Riesenmuscheln in allen Farben. Die Strömung über das Riff ist stark und ich bin nach einer Stunde ganz schön müde und lasse mich zu Blue Bie zurück treiben.
Nachdem ich mich in der Sonne wieder aufgewärmt habe, spiele ich erstmals seit langem wieder Alphorn und mache mich für meinen dritten und letzten Geburtstag im Minerva Riff bereit: Letzte Nacht sind Bruce & Alene auf Migration eingelaufen, nachdem sie den Sturm in Raoul Island (Kermadec) abgewettert haben. Die Sturmböen sind über die Berge heruntergestürzt und anlanden war in diesem Naturschutzgebiet streng verboten. So freuten sie sich, Alene’s Geburtstag mit den Cruisern im Minerva Riff zu feiern; doch ausser mir sind alle losgesegelt. So feierten wir Alene’s Geburtstag zu dritt auf ihrem Trimaran und einmal mehr ergibt sich eine unerwartete Verbindung: Meine Ex-Freundin Nila segelt seit einigen Jahren mit Alene’s Ex-Freund.
11. Juni
Heute stimmt alles und ich segle unter Vollzeug an Migration vorbei um ein paar Fotos zu schiessen, doch schon bald lege ich ein Reff ein. So angenehm die leichten Winde sind; zwischen 10 und 20kn Wind gibt es auf Blue Bie ganz schön viel ein- und auszureffen.
Es ist eine stete Balance zwischen genügend Segelfläche um schnell zu segeln und wenig Segelfläche um komfortabel zu segeln. Schon bald fühlen sich meine Hände wund und müde an. Am Abend höre ich über Funk, dass der Montag in Fidschi ein Feiertag ist – so verschieben wir alle das Einklarieren auf Dienstag. Grund genug, langsamer zu segeln ein mehr Reff als gewohnt stehen zu lassen.
12. Juni (210 Seemeilen)
Der Wind nimmt im Laufe des Tages stark ab, ich reffe aus und rolle den Gennaker aus. Erst gegen Abend wird es dann wieder Zeit für ein Reff und die Genua. Die Navigation ist einfach: Auf direktem Weg nach Savu Savu, bis ich auf den letzten 150 Seemeilen ein paar Inseln umfahren muss. So lese ich viel und geniesse die Sonne. Ich verzichte auf das Fischen und koche Spaghetti zum Nachtessen – ich habe in den letzten zwei Wochen genügend Fisch gegessen!
13. Juni (195 Seemeilen)
Der Wind und der Seegang sind so ruhig, dass ich den Nachmittag im Trampolin verdöse und mit der Fernbedienung den Kurs dem wechselnden Wind anpasse. Blue Bie bewegt sich so ruhig, dass ich fast der Illusion unterliege, dass sie still steht und das goldig schimmernde Wasser unter dem Trampolin durchrauscht – es tönt zumindest wie ein plätschernder Bergbach. Doch nein, ich komme Savu Savu stetig immer näher und Kalida schiesst ein paar schöne Fotos von mir. Ich muss zwischen zwei Übeln wählen – Überzeitgebühr für das Einklarieren an einem Feiertag bezahlen oder unerlaubt ausserhalb von Savu Savu ankern und möglicherweise eine kräftige Busse bezahlen. Ich ankere beim Cousteau Resort, werde vom Vogelgezwitscher in den Palmen begrüsst und glücklicherweise nicht kontrolliert.
Soll noch einer sagen, beim Segeln reist man so langsam, dass Körper und Geist mit der Reisegeschwindigkeit mithalten: Ich habe mich noch nicht an die tropischen Temperaturen gewöhnt und und schlafe 'al fresco' auf dem Trampolin.
14. Juni
Ich motore die letzten paar Meilen nach Savu Savu, wo ich bei der Copra Shed Marina an einer Mooring Boje festmache und vom Strassenlärm schon etwas überrascht bin. Die Marina meldet mich und die anderen Boote bei den Behörden an und schon bald kommen die Beamten an Bord. Sie fragen zum Glück nicht, wieso ich Passage von Neuseeland so lange gebraucht habe. Ich war mit dem Aufenthalt im North Minerva Reef 17 anstatt 7 Tage unterwegs. Dafür habe ich mit den 15 Litern Wein und Bier zu viel Alkohol an Bord. Bis jetzt war diese Menge noch nie ein Problem und ich muss morgen auf dem Zollbüro nachzahlen gehen.
15. Juni
Ich gehe auf den Zoll um den Alkohol zu verzollen, in das Spital um das Einklarieren der Gesundheitsbehörde zu bezahlen (USD 90, letztes Jahren waren es noch USD 18) und dann zu Internet- und Mobiltelefonanbieter um die Kommunikation zu organiseren. Am Markt kaufe ich frische Früchte. Zu Essen kaufe ich vorerst nichts, dazu ist das Essen in den Restaurants viel zu günstig. Den Nachmittag verbringe ich mit Mails und einem Schwatz mit den anderen Seglern.
Zum Nachtessen bin ich auf Tyee und Monkey Feet eingeladen, die ich seit dem Minerva Reef kenne. Beide kommen aus Kanada und haben zusammen 5 Knaben im Alter von 7-15 Jahren; kein Wunder dass sie viel gemeinsam unternehmen.
In den letzten Tagen in Neuseeland habe ich mit dem Journalist vom CCS Magazin geskypt und er hat einen interessanten Bericht "Von Hawaii nach Süden" aus einem etwas anderen Blickwinkel über meine Reise der letzten Monate veröffentlicht.
Savu Savu
Ich komme so langsam in Savu Savu an, verbringe viel Zeit mit anderen Seglern und versuche mein Dinghi zu reparieren, was leider scheitert. Ich kenne Savu Savu vom letzten Jahr und es ist eine angenehme Kleinstadt. Die meisten Läden sind in den Händen von Indern. Man merkt spürt ihre Handelsmentalität: Im Gegensatz zu anderen Ländern der Südsee ist die Auswahl gross und die Preise günstig. Am Markt verkaufen fidschianische Farmer ihre Früchte und Gemüse – ich geniesse vor allem die frischen Früchte. Zum Essen bin ich meist irgendwo unterwegs.
Cousteau Resort
Mein guter Freund Wayne kommt mit seiner Yacht Learnativity von den Marshall Inseln via Rotuma in Savu Savu an. Um nicht über das Wochenende einzuklarieren, treffen wir uns im Cousteau Resort, wo wir bei einem feinem Mittagessen viel zu erzählen haben.
Am Sonntag kommen Wayne und Linda bei ihrem Morgenschwimm bei Blue Bie vorbei, danach gehe ich mit Kalida und Migration tauchen und mit allen gemeinsam zu Tyee und Monkey Feet zu Drinks und Nachtessen.
Road trip Vanua Levu
Gemeinsam mit Wayne und Linda miete ich einen Allradwagen und wir umrunden Vanua Levu. Schon nach wenigen Kilometern endet der Asphalt und wir fahren auf einer Kiesstrasse der Küste entlang nach Osten. Sie wird auch von uralten Linienbussen befahren, obwohl sie in einem schlechten Zustand ist. Wir sind etwas schneller unterwegs als der Bus und kassieren dafür einen platten Reifen – gut dass wir vor der Abfahrt den Reservereifen aufgepumpt haben!
Ein üppiger Regenwald zieht sich der Ostküste entlang, die Dörfer sind Meer und die Leute arbeiten als Fischer. Als wir uns der Luvseite abwenden, fahren wir durch schöne Zuckerrohrplantagen die in vollem Saft stehen; in zwei Wochen beginnt die Ernte wie wir von den Bauern erfahren. Immer wieder stoppen wir, um jemanden ein paar Kilometer mitzunehmen.
Gegen Abend kommen wir in Labasa, wo wir übernachten. Wir haben unerlaubterweise auch Ruby mit dabei und wenn jemand sie nicht sehen darf, dann ist es der Bio-Inspektor von Fidschi. Doch genau er übernachtet im gleichen Gasthaus wie wir! Wir besuchen am nächsten Morgen den Markt und stocken unseren Vorrat an Kava, Früchten und Gemüse auf. Wayne und ich waren letztes Jahr schon hier und ich weiss nicht wie oft Linda „Letztes Jahr …“ hören musste. Wayne und ich verstehen uns wirklich sehr gut.
Es ist eigentlich das erste Mal, dass ich einen Ort auf meiner Reise ein zweites Mal besuche. So schön es ist, Vanua Levu ein zweites Mal zu sehen, fehlt die Faszination des ersten Besuches, des Neuen und Unentdeckten. Trotzdem geniessen wir den Markt und die Freundlichkeit. Überall werden wir gegrüsst und ich schüttle Dutzende Händen. Auf dem Heimweg kommen wir an einer wunderschönen Palmenplantage mit dem Schild „For Sale“ vorbei. Es wäre ein wunderschöner Ort, doch ob ich immer hier leben möchte?
















