Whangarei & Schweiz

Ihr denkt sicher, ich habe mich dem süssen Nichtstun verschrieben; der letzte Bericht ist schliesslich schon mehr als zwei Monate alt. Doch dem ist nicht so…

Norsand Werft, Whangarei

Peter und Dan von der Norsand Werft und ich unterziehen Blue Bie einer grösseren Überholung. Viele Projekte habe ich während Jahren auf ‚Neuseeland‘ verschoben, weil der gute Fachkräfte und Ausrüstungsgegenständen in den Weiten des Pazifiks kaum verfügbar waren.

Ready to sand the underwater

Ich erledige meine eigenen Projekte und bin gleichzeitig Auftraggeber und Assistent von Peter und Dan. So lerne ich immer wieder etwas Neues und kann den einen oder anderen Franken sparen. Schliesslich erstrahlt Blue Bie im neuen Glanz: Das Unterwasserschiff ist geschliffen, der Rumpf poliert, das Dinghi von Algenspuren befreit, die Stauräume und Bilgen gereinigt, die Sonnenzellenkapazität fast verdoppelt, der Salon ist mit neuen Polstern verschönert, die Delamination des Crash-Schotts und die Risse beim Rumpf-Brückendeck-Übergang sind fachgerecht repariert, neue Batterien installiert, das neue Trampolin eingepasst, die Motorensteuerung revidiert, der Motor und der Aussenborder einem Service unterzogen, das Bimini auf Vordermann gebracht und viele andere Kleinigkeiten erledigt, die in den letzten Monaten aufgetreten sind.

Blue Bie's new upholstery

Doch es ist nicht alles Arbeit: mit Endless, Watermelon, Nouvelle Vie und Felix le Cat treffe ich einige alte Bekannte und wir grillieren abends häufig auf dem von der Werft zur Verfügung gestellten Grill, wo ich auch immer wieder neue Cruiser kennen lerne. Mark kommt mich von Warkworth besuchen und auch Hansruedi Fanti treffe ich wieder und lerne auch seine Sirene Maja kennen:) Bei aller Arbeit ist es eine lehrreiche, schöne und spannende Zeit.

Nicht nur wetterbedingt, hat die Arbeitsliste noch 6 Positionen als ich in die Schweiz fliege. 26 Stunden bin ich via Shanghai unterwegs. Sitzen kann ich nach so langer Zeit kaum mehr und verbringe ich einen guten Teil des zweiten Fluges mit der Crew und anderen Passagieren in der Bordche und nasche Snacks und Getränke.

Das ist wohl nicht alleine der Grund wieso ich mit leichtem Übergewicht in der Schweiz ankomme. Das Leben im Südpazifik ist schon nicht schlecht und die Idee, nach einer weiteren Saison im Pazifik nochmals nach Neuseeland zurückzukehren reift weiter.

Schweiz

Snowboarding under the impressive Eigernordwand

In den 5 Jahren seit ich unterwegs bin, ist die Anzahl der Bekannten in der Schweiz schon zurückgegangen und ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie und engen Freunden als auch schon. Ich helfe meinen Eltern ihr Boot einwassern, gehe als Überraschungsgast an die Geburtstagsfeste von Marius und Angélique und feure mein Göttimeitli Dominique an einem Handball Turnier an. Wie die Zeit vergeht: Ihre grosse Schwester Angélique amtiert als Interim-Trainerin! Auch wenn es schon spät in der Saison ist, fahre ich noch ein paar Tage Snowboard, einen Tag auch mit meiner Schwester und ihren Kindern.

Familie Duss

Auch wenn ich nicht viel zu Hause bin, habe ich heute fast intensiveren Kontakt mit meiner Familie als früher. So habe ich für ein paar Tage Kinder, Hund und Haus meiner Schwester gehütet. Es war sicherlich ein schönes Bild als ich mit Rauhaardackel in ein schickes Zürcher Restaurant zum Mittagessen ging. Einer der Höhepunkte war sicherlich die Erstkommunion von Marius, den wir in gediegenem Rahmen im Kloster Kappel gefeiert haben. Auch nach 5 Jahren sitzen der Krawattenknoten und die Anzüge noch:)

Skiing with Sybil, Marius & Laura

Trotzdem bleibt auch Zeit für diverse Kaffees mit alten Bekannten. Auch wenn die Veränderungen in der Schweiz graduell sind, merke ich nach 5 Jahren doch, dass ich eine Generation verpasse: Neue Autos, Restaurants und Läden fallen mir auf. Auch wenn ich jedes Jahr nach Hause gehe; was nach der Abreise neu entsteht registriert nicht so richtig.

Spring skiing

Spring skiing

Nicht zuletzt konnte ich auch Seglerkollegen treffen: Marcel und Helen starten ihre Reise mit ihrem Katamaran Dakini, während John und Nicole, die ich mehrmals auf den sieben Weltmeeren getroffen haben, ein neues Leben in der Schweiz beginnen. Alles bleibt in Bewegung…

Viel zu schnell ist es schon wieder Zeit abzufliegen. Zu früh, weil ich gerne noch mehr Zeit mit Familie und Freunden verbracht hätte, rechtzeitig, weil es auch anstrengend, alle paar Tage anderswo zu übernachten und kein eigenes Zuhause zu haben.

Whangarei

Nach einem wiederum erstaunlich angenehmen und kurzweiligen Flug, finde ich Blue Bie wohlbehalten auf der Norsand Werft vor. Kaum ist das Unterwasser gestrichen und die letzten paar Arbeiten gemacht, geht es auch schon wieder in’s Wasser und in die Townbasin Marina von Whangarei. Das erste gute Wetterfenster verpasse ich knapp und habe so genügend Zeit für die letzten Vorbereitungen für die Überfahrt zum Minerva Riff und Fidschi.

Der Begriff ‚Wetterfenster‘ verdient einen eigenen Abschnitt: Der erste Teil der Passage nach Fidschi wird von durchziehenden Tiefdruckgebieten in Neuseeland geprägt, während im zweiten Teil noch immer Depressionen aus den Tropen herunterziehen. Etwas spät im Jahr, aber aufgrund der La Niña Lage nicht überraschend. Jetzt muss man nur noch eine Wettervorhersage abwarten, die in beiden Teilen günstige Winde versprechen; ob diese dann auch so eintreffen, ist ein anderes Thema ;-) Die Vorhersage ist entweder ‚unmöglich‘ oder vielleicht, aber nur selten gut und damit immer wieder Gesprächsstoff unter Seglern.

Hat der Wetterbericht in den letzten Tagen für nächste Woche noch gut ausgesehen, so bringt ein tropisches Tiefdruckgebiet in den neuesten Wetterberichten das Geschehen ganz schön durcheinander. Blue Bie und ich sind bereit für die Passage: die Arbeiten sind erledigt, Diesel und Wassertanks sind voll und ich habe genügend Proviant gebunkert, auch wenn ich nicht richtig für einen Grosseinkauf motiviert war. Noch stürmt und regnet es und ich werde morgen kurzfristig entscheiden, ob ich Richtung Minerva Riff lossegeln werde oder einen Küstenschlag nach Opua machen werde und von dort in einem nächsten Wetterfenster losfahren werde. Ihr werdet im Blog auf der Startseite meiner Webseite sehen können, wie ich entscheide …