Bequia - Grenada

Etappe auf Google Earth


Freitag, 18. Mai

Der Crusing Guide rühmt Bequia als Ort um Yachtzubehör einzukaufen. Ich brauche nicht viel, doch die beiden Yachtläden sind sehr klein und ich finde nichts Passendes. Nicht tragisch, alle Sachen haben Zeit. So gibt es anschliessend auch nichts zu tun und ich mache es mir auf der Blue Bie bequem und mache ein Mittagsschläfchen. Hier hat es guten Internetzugang und ich mache mich daran, meine Homepage zu überarbeiten.

Im Laufe des Nachmittags will ich in das Dorf mich etwas umschauen. Doch auf dem Weg komme ich ich bei Peter auf seiner Onda Blue, einer Schweizer Amel Super Maramu, vorbei. Er ist seit 6 Jahren in der Karibik unterwegs und ist jeden Sommer zu Hause. Wenn ich möchte, könnte ich schon noch eine Weile hier bleiben. Ich weiss noch nicht, wo ich nächsten Winter segeln möchte. Das muss ich auch noch nicht wissen, doch ich denke, ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal die Antillen bereisen, sondern eher der spanischsprachige Teil der Karibik (Venezuela/Kolumbien oder Guatemala/Honduras). Wir plaudern den Nachmittag vorbei und schon ist es wieder zu spät um das Dorf zu erkunden.

Nach dem Nachtessen gehe ich der Wasserfront entlang, doch alles ist ruhig. Nur in der letzten Bar am anderen Ende der Bucht spielt eine Lifeband. Ich treffe die Deutschen und die Amerikaner die mir auf Mustique geholfen haben und wir haben einen schönen Ausklang eines gemütlichen Tages. Was habe ich vorgestern gesagt? Es sind die Leute, die eine solche Reise interessant machen. Da kann ich den Dorfbummel gerne auf morgen verschieben!


Bequia

Samstag, 19. Mai

Viel gibt es nicht zu erledigen und trotzdem verfliegt der Morgen wie im Fluge. Ich schaffe es auf einen Dorfbummel, doch es gibt nicht viel zu sehen. Eine hübsche Buchhandlung mit interessanten Büchern über die Geschichte der Region bildet den Höhepunkt, ansonsten gibt es einige Strassenverkäufer die T-Shirts verkaufen und einige kleine ‚Supermärkte’ die den Namen nicht wirklich verdienen. Die lokalen Supermärkte haben ein sehr beschränktes Angebot und die Geschäfte von Europäern sind auch nicht grösser, verkaufen sich als Gourmet Shops und so exorbitant teuer (ein Yoghurt für USD 2). So kaufe ich wirklich nur das notwendigste.

Am Nachmittag segle ich um das Kap in die Friendship Bay, weil gemäss Lokalblatt am Abend etwas los sein soll. Doch gefehlt, im Restaurant sind gerade mal drei Tische besetzt und von Life Musik oder ähnlichem ist weit und breit keine Spur. So habe ich immerhin eine weitere Bucht erkundet. Als ich vor sechs Jahren das letzte Mal hier war, habe ich mich nicht hineingetraut, da die Einfahrt gemäss Hafenführer nicht ganz einfach ist. Sie bot mir keine Probleme, vielleicht auch weil es nicht gerade starken Wind hat.

Auf der Atlantiküberquerung habe ich bei jedem Blick in den Nachthimmel den Orion gesehen. Seit einigen Wochen zieht das Kreuz des Südens meine Aufmerksamkeit auf sich, ein Sternzeichen, das vorwiegend auf der Südhalbkugel sichtbar ist. Ich bin schon weit gekommen!


Friendship Bay

Sonntag, 20. Mai

Nach einem gemütlichen Frühstück segle ich in die Saltwhistle Bay auf der Nachbarinsel Mayreau. Einmal mehr macht das Segeln mit der Blue Bie riesig Spass, sie läuft wie auf Schienen und macht bei 15kn Wind trotz einem Reff im Gross ihre 9-10kn. Keine andere Yacht oder Kat unterwegs ist annähernd gleich schnell.

Die Saltwhistle Bay ist eine der Traumbuchten der Karibik. Türkisgrünes Wasser, eine halbrunde palmengesäumte Bucht und einen perfekten Sandstrand. Und das Beste: Gleich auf der anderen Seite des Strandes brandet das offene Meer – ideal zum Kitesurfen. Kaum ist der Anker fest, packe ich die Kitesachen und gehe kiten. Zum ersten Mal muss ich den Kite alleine starten und landen, weil niemand, wirklich niemand, am kilometerlangen Sandstrand ist. Doch auch das funktioniert und ich gehe gegen Abend richtig befriedigt zurück auf die Blue Bie. Dort beginnt das Spektakel der besonderen Art: Die eine um die andere Yacht sucht einen Ankerplatz, kräftig ‚unterstützt’ von den lokalen Bootsjungen. Doch diese verwirren mehr als sie helfen. Nach einem kurzen Regenschauer mit drehenden Winden sucht die Hälfte der Yachten nochmals einen neuen Ankerplatz! So habe ich den ganzen Abend beste Unterhaltung und koche mir Spaghetti Carbonara.


Saltwhistle Bay

Montag, 21. Mai

Kiten, kiten, kiten! Ich habe den Strand wieder den ganzen Tag für mich alleine. Die Bedingungen sind ideal: Das Riff ist tief genug zum darüber kiten, aber macht schöne kleine Brandungswellen, die ich abzureiten versuche. Noch klappt das Timing nicht so recht. Im Lee des Strandes hat es eine kleine Halbinsel, welche mich vor dem Abtreiben bewahren würde. Doch es ist alles bestens und in Erwartung eines ähnlichen Spektakels wie gestern gehe ich zurück an Bord. Doch statt 25 Boote sind heute bloss 16 da und das Ankern geht ganz gesittet. Während der Hochsaison sollen bis zu 70 Boote hier sein und zum Ankern muss man Fender ausbringen! Bin ich froh, dass jetzt nicht Hochsaison ist.


Dienstag, 22. Mai

Meine Vorräte sind langsam, aber sicher erschöpft und so fahre ich mit der Blue Bie nach Union Island zum Einkaufen. Unterwegs entsalze ich Wasser und motore deshalb die ganze Strecke langsam, um nicht allzu früh dort zu sein. Doch wie immer, wenn man es gemütlich nimmt, passt man zu wenig auf: Eine kräftige Strömung versetzt mich immer mehr Richtung Union Island und Riff. Doch ich merke es rechtzeitig und kann in tieferes Wasser abdrehen. Nochmals gut gegangen!

Union Island wird wie Bequia hoch gelobt, doch bietet wenig. Ich bin schon etwas enttäuscht. Das schlimmste sind die in einem 20 Meter langen Becken gehaltenen Ammenhaie. Auch das Preis/Leistungs-Verhältnis stimmt nicht besonders: Kostet eine Hauptspeise in Antigua in einem guten Restaurant um die CHF 18-20, so kostet es hier CHF 25-30. So fühle ich mich im Moment in einer ruhigen Ankerbucht wohler, wo ich selber koche. In einem Ort mit vielen Restaurants macht es mich zu wenig an, für mich alleine zu kochen. Trotzdem oder erst recht geniesse ich die Pizza Calzone im Bougainville. Das Leben unterwegs kostet nun mal etwas und ich will mich nicht jeden Tag aufregen.


Ammenhai

Mittwoch, 23. Mai

Ich geniesse wieder einmal den schnellen Internet Anschluss, schaue die America’s Cup Rennen, spreche wieder einmal ausführlich mit meiner Schwester und segle dann nur unter Genua in die Tobago Keys. Die Tobago Keys sind nur durch das Horseshoe Riff vom Atlantik getrennt. Der Wind streicht ungebrochen über den Ankerplatz, welcher einige Kilometer lang und ein paar hundert Meter breit ist. Das Wasser ist türkisgrün und nur wenige Meter tief. Ich ankere gleich neben dem Riff und habe wieder einmal ein Farbenspektakel der Sonderklasse: Türkisgrünes Wasser, schwarzbraunes Riff und der dunkelblaue Atlantik dahinter. Kaum fahre ich in dieses traumhafte Gebiet ein, verlangsamt sich mein Puls und das ganze Leben. Ich lese zum ersten Mal seit langem einen Krimi und hänge meinen Gedanken nach. Es ist viel zu schön, um sich mit irgendetwas zu beschäftigen.


Tobago Keys

Donnerstag, 24. Mai

Ich faulenze den ganzen Tag. Am Morgen regnet es ein wenig, doch gegen Mittag klart das Wetter auf und ich kann ein paar schöne Fotos machen. Das Schnorcheln – hoch gelobt – ist wie überall in der Karibik auf einem bescheidenen Niveau. Es ist schön und ein interessanter Zeitvertrieb, doch nicht überragend. Dafür ist die Ruhe einfach überwältigend.


Tobago Keys II

Freitag, 25. Mai

Ich fahre durch die Südausfahrt der Tobago Keys nach Union Island. Dank GPS und guten elektronischen Seekarten und der Sonne im Rücken ist die Ausfahrt einfach zu machen. Ich kann die Riffe deutlich sehen und sicher gehen, dass sie dort sind, wo sie gemäss Karte sein sollten. Beim Zurückschauen spiegelt die Sonne im Wasser und kann ich die Riffe nicht mehr sehen. Bei der starken vorherrschenden Strömung, sich nur auf die elektronischen Hilfsmittel verlassend, würde ich es nicht wagen, von hier einzulaufen.

Nach der Ankunft in Union Island kommen die beiden Deutschen vorbei, die ich auf Bequia kennen gelernt habe. Sie haben einen Tagesauflug mit einem Wassertaxi gemacht und wir gehen gemeinsam Nachtessen. Es wird spät und wir landen bei ‚Stress’ in seiner Bar. Der erste Barbesitzer, der sich mir persönlich vorstellt und fragt, wie es mir gefällt. Nicht ganz verwunderlich: wir sind die einzigen drei Weissen unter hundert Einheimischen. Überall wird Ganja geraucht – gut habe ich dieses Laster nicht. Doch hier gehört es einfach zur Kultur.


Strassenszene auf Union Island

Samstag, 26. Mai

Ich bringe die Wäsche, tausche Bücher und mache letzte Einkäufe. Viel kaufe ich nicht mehr ein: Bald kommt die Blue Bie aus dem Wasser und ich habe noch genug Vorräte, die ich nicht wegwerfen möchte. Die Überfahrt in die Saltwhistle Bay kennen Blue Bie und ich langsam bestens. Ich würde gerne kitesurfen, doch es hat zu wenig Wind. Ich fühle mich heute nicht so gut: Überall hat es Pärchen und Sextouristinnen: Was Thailand für die Männer ist die Karibik für die Frauen und so sieht man viele weisse Frauen mit Einheimischen. Gestern Abend waren wir mit Herman the German – trotz des Namens einem Einheimischen – unterwegs: Sein Tip: Du musst die Frauen einfach fragen, ob sie mit dir in das Bett wollen. Sie können nicht mehr als nein sagen. Stimmt, doch diese Frage würden sie von mir sicher nicht erwarten. So fühle ich mich etwas einsam und ich habe erst gegen Abend etwas mehr Spass, nachdem ich einen Roman über eine schief gelaufene Beziehung gelesen habe. Der Untertitel lautet: „Die pfiffige Rache einer betrogenen Ehefrau: Tausche Mann plus Villa gegen kleine Wohnung“. Da geniesse ich meine kleine Wohnung ‚Blue Bie’ doch sehr.


Erika's - das Zentrum für Yachties

Sonntag, 27. Mai

Ich habe am Samstag ein Buch zu viel in den Bücherswap mitgenommen und habe nichts Gescheites gefunden. So habe ich aus Verlegenheit ein Buch über einen Verrückten der mit Bäumen spricht und sich in Jamaica auf eine Sextouristin eingelassen hat, mitgenommen. Es passt bestens zu meiner gestrigen Beobachtung und ist megawitzig geschrieben. Ich habe schon lange nicht mehr so geschmunzelt bei Lesen.

Gegen Mittag legt der Wind zu und ich kann doch noch kitesurfen gehen. Zum ersten Mal bin ich nicht alleine am Kiten: Ein Australier, auf dem Kat der Schwiegereltern zu Besuch, kitet auch. Seine Freundin hilft mir, den Kite zu starten und zu landen. So steht es nach zwei Tagen 2:2 für das Alleinsein gegen zu zweit unterwegs sein :) Diese Frage beschäftigt mich schon immer wieder. Wäre ich bereit mich auf eine Beziehung einzulassen oder gefällt mir mein Leben wie es ist zu gut?


Montag, 28. Mai

Der Tag beginnt sehr durchzogen. Es ziehen grosse Regenwolken durch und zum Kiten ist es zu böig. So mache ich eine Besuchsrunde: Gehe bei nicht sehr gesprächigen Schweizern vorbei und anschliessend zu den Australiern. Doch kaum bin ich dort, kommt die Sonne durch, der Wind wird stärker und es zieht uns auf das Wasser zum Kiten. Doch es bleibt böig: Beim ersten Herausfahren hat es zu wenig Wind, so dass ich schnell wieder am Ufer warte. Dann passt es mit 14-18kn eine halbe Stunde lang ideal und dann kommt die nächste grosse Regenwand mit Böen bis 25kn. Der Kite lässt sich noch gut beherrschen und auch Springen geht. Doch der Regen ist so stark, dass ich beim Springen die Wasseroberfläche zu spät sehe und das Timing des Landens nur schlecht hinkriege. Doch es ist das erste Mal, dass ich den neuen 14er Kite richtig angeblasen fahren kann und es ist hammermässig. Ich springe nicht mehr, ich schwebe. Einfach fantastisch.

Nach dieser Regenböe bin ich ganz schön müde, höre auf zu Kiten und fahre zurück nach Union Island um wieder einmal E-Mails zu senden und empfangen. Doch das Ankern hat es heute in sich: Ein Korallenblock klemmt sich zwischen Ankerpflug und –stock ein. Zum Glück habe ich eine Hilfsleine am unteren Ende des Ankerstocks montiert, kann den Anker hochbinden, die Kette nachlassen und der Korallenstock fällt von alleine heraus. Das ganze mitten zwischen anderen Ankerliegern ständig zwischen Motoren und Bug herhastend! Doch schliesslich hält der Anker und ich gönn mir zum Nachtessen wieder einmal ein Entrecôte.


Dienstag, 29. Mai

Was gibt es schöneres als nach einem genialen Kitetag so richtig schön müde zu sein, ein ‚Feierabend-Bier’ zu geniessen und es sich einfach gut gehen zu lassen? Nichts! Damit ist für heute alles gesagt.


Saltwhistle Bay iI

Mittwoch, 30. Mai

Heute ist wieder ein schöner Kitetag. Der Wind ist eher schwach und er sollte auch erst auf das Wochenende auffrischen, doch zum Kiten reicht es. Am Abend gehe ich zur Abwechslung zu Robert ‚the Rightous’ & the Young essen. Robert ist ein Rastaffari und sein Restaurant ist in den jamaikanischen Farben gehalten – grün, gelb, rot und überall hängen Bob Marley Plakate und Fahnen. Die Karte ist sehr klein. Ausser in den grösseren Touristenorten gibt es in den Grenadinen nur Fisch und Poulet zu essen. Doch der Fisch schmeckt ausgezeichnet. Ich habe den ganzen Abend Gesellschaft von der Betreiberin der nebenan gelegenen Boutique und ihrem 9-jährigen Sohn. So erfahre ich etwas über das Leben hier auf der Insel. Der Sohn interessiert sich sehr über die Schweiz und ist ganz erstaunt, dass es an Land Grenzen gibt. Für ihn bilden mehrere Inseln ein Land und das nächste Land beginnt bei der nächsten Insel!


Robert 'Righteous' & the Young

Donnerstag, 31. Mai

Heute ist es wieder einmal Zeit, nach Union Island zu fahren. Per E-Mail vereinbare ich einen Termin um die Blue Bie in Grenada aus dem Wasser zu nehmen: Nächsten Freitag, den 8. Mai. Viel will ich nicht einkaufen, doch ein paar Frischprodukte brauche ich trotzdem. Bevor ich zum Einkaufen komme, fängt mich Herman the German ab, den ich vor ein paar Tagen kennen gelernt habe. Nach einigen Biers lädt er mich zu sich nach Hause zum Essen ein und sein Bruder kocht einen leckeren Fisch. Gegessen wird hier sehr früh, meist so um 17.00h. Er erzählt einmal mehr eine Riesenstory, wie ihm Geld versprochen wurde, er extra ausgewassert hat um sein Boot zu reparieren und jetzt kein Geld gekommen ist. So bin ich sehr vorsichtig, als er immer wieder neue Vorschläge für ein gemeinsames Geschäft bringt (z.B. gemeinsam einen Sessellift auf den Vulkan von St. Vincent bauen und betreiben!). Doch es ist ein unterhaltsamer Abend.


Freitag, 1. Juni

Ich hole erst einmal das versäumte Einkaufen nach und gönne mir anschliessend einen Espresso. Danach schaue ich an Bord den ersten Lauf des Louis Vuitton Cup Finals. Obwohl die Neuseeländer und die Luna Rossa immer sehr eng beeinander liegen, kommt nie wirklich Spannung auf und ich segle gegen Mittag zurück in die Saltwhistle Bay. Noch ist der versprochene Wind nicht da und ich plaudere den Nachmittag mit Pete und Wibi auf der Muse und der Familie von Marc und Nancy auf der Blue Wilderness vorbei. Auch so geht ein Tag um!


Wibi & Pete

Samstag, 2. Juni

Der Starkwind (20kn) ist wie vorhergesagt eingetroffen und ich kann erstmals meinen 10 Quadratmeter Kite einsetzen. Wie sein grosser Bruder fliegt er bestens und ist noch einiges wendiger. Es gelingen mir viele sehr hohe Sprünge. Am Abend fährt Steven, den ich schon einige Male getroffen habe, in die Bucht und wir plaudern miteinander. Doch als ich ihn um 19.00h zum Essen einladen möchte, ist er bereits im Bett. So geniesse ich den Abend alleine auf der Blue Bie und setze mein Vorrats-Vernichtungsprogramm fort.


Stephen

Sonntag, 3. Juni

Steven kommt früh am Morgen vorbei und wir diskutieren den ganzen Vormittag über Gott und die Welt. Als er gegen Mittag ausläuft, gehe ich wieder kiten. Doch der Wind lässt schon wieder nach und ich schaffe erstmals einen unhooked Sprung – einen Sprung, bei dem man sich aus dem Trapez aushakt und mit viel Beschleunigung horizontal über das Wasser gezogen wird. Das Manöver ist nicht ganz ohne und relativ verletzungsträchtig, doch auch wenn es mir auch nicht immer gelingt, komme ich ohne Blessuren davon.

Am Abend gehe mit Pete, Wibi, Marc, Nancy und den neu hinzugestossenen Schweden Peter und Benedikta und einem ganzen Schwarm Kinder an ein Barbecue am Strand. Wir haben einen glatten Abend den wir mit ein paar Rumpunschs als Absacker auf der Blue Bie beenden.


Barbecue

Montag, 4. Juni

Heute ist schon wieder so ein traumhafter Kitetag, es gelingt mir einfach jedes Manöver und auch ein paar unhooked Sprünge. Im Moment fühle ich mich so richtig wohl auf der Blue Bie und beim Kiten und ich tue mich ein wenig schwer mit dem Gedanken, am 8. Juni auszuwassern und anschliessend in die Schweiz zu fliegen! Doch man soll bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist!

Am Abend laden mich einige Amerikaner ein, mit ihnen in ein Restaurant Nachtessen zu kommen. Doch die letzten Tage waren mir zu viel Trubel und ich ziehe es vor, alleine auf der Blue Bie zu essen.


Dienstag, 5. Juni

Ein letztes Mal gehe ich kitesurfen, bevor ich mich auf den Weg Richtung Grenada mache. Ich nehme es ganz gemütlich und cruise mehr herum als dass ich Tricks ausprobiere. Es war eine wirklich schöne Zeit und Kitesurfen wird auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil meiner Agenda bleiben. Auch für nächsten Winter habe ich ein paar super Kitespots im Kopf: Tobago, Isla Margerita, Los Roques, Les Testigos, Aruba, Bonaire, … Ich freue mich darauf :)

Gegen Mittag mache ich das letzte Mal die kurze Überfahrt nach Union Island, wo ich ausklariere. Beim Ausklarieren treffe ich ein anderes Kitesurfpaar, die mir zeigen, wo man auf Union Island super kiten kann. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und gehe nochmals ein letztes Mal kiten. Gleich hinter dem Riff und neben der Happy Hour Bar. So habe ich Zuschauer und gehe nachher auf ein Bier vorbei.

Ich bin schon etwas traurig, das gute und vertraute Leben in der Saltwhistle Bay und Union Island loszulassen.


Happy Hour Bar & Kiterevier

Mittwoch, 6. Juni

Heute steht mir ein aktiver Tag bevor und segle ich zuerst von Union nach Petit Martinique zum Tanken. Dieser ist hier mit 1 Franken pro Liter recht günstig. Dann geht es weiter Hillsborough zum Einklarieren. Die Ankerbucht von Hillsborough ist zwar riesig, aber nicht einladend und so segle ich nochmals eine Stunde weiter in die Tyrrell Bay, wo ich zum Dritten und letzten Mal für den Tag ankere.


Donnerstag, 7. Juni

Ich hätte mir besseres Wetter für die Überfahrt nach Grenada aussuchen können. Die erste Front der Regenzeit zieht ausgerechnet heute durch. Schon früh am Morgen beginnt es zu regnen und hört den ganzen Tag nicht mehr auf. Der Wind ist anfänglich recht schwach, doch frischt sehr schnell auf 30kn auf. Ich habe nicht mit soviel Wind gerechnet, doch die Blue Bie läuft auch unter voller Genua und einem Reff im Gross raumschots bestens. Trotzdem binde ich ein Reff in die Genua und ein zweites in das Grosssegel. Ich segle auf der Luvseite von Grenada vorbei, so dass ich keine Windabdeckung habe. Trotzdem wird der Wind bald wieder schwächer, so dass ich über die 2 Knoten Schiebestrom froh bin. Am frühen Nachmittag komme ich in St. David an und versuche zu ankern. Doch der Anker hält im Lehm auch beim dritten Anlauf nicht und so nehme ich mir eine Mooring Boje.

Ich inspiziere die Werft, die wegen dem heutigen Feiertag geschlossen ist. Abgesehen von der Werft und einem Hotel hat es weit und breit nichts. Es sind circa 100 Boote ausgewassert an Land. Das Gelände liegt zwischen zwei 50m hohen Hügeln gut geschützt, welche auch bei einem Wirbelsturm Windschutz bieten.


Einfahrt zur Grenada Marine

Freitag, 8. Juni

Nach einem kurzen Frühstück gehe in die Werft schauen, ob das Auswassern klappt. Es klappt und wie: Ich bin als drittes Schiff gebucht – zu früh, denn ich brauche noch etwas Zeit um meine nassen Segel zu trocknen. Die Zeit bekomme ich und werde um 14.30h pünktlich zum Kran gerufen. Der Kranführer und weitere vier Leute wassern die Blue Bie speditiv, ruhig und professionell aus. Jeder der vier hat eine Leine abgenommen und einen der Unterstandspfosten positioniert. So steht die Blue Bie jetzt ganz ruhig: 4 Betonröhren, darauf Holzbalken und darauf Sandsäcke stützen sie. In den nächsten Tagen wird sie noch mit Spanngurten an vergrabene Betonklötze gesichert.

So sitze ich jetzt an Bord – und die Blue Bie scheint zu schwanken! So ein Gefühl hatte ich noch nie bei einem Landgang, aber jetzt wo die Blue Bie auf einmal ganz ruhig ist, ist es sehr ungewohnt. Später kommt Niclaus, der Werft Manager vorbei, stellt sich vor und erkundigt sich, was zu machen ist. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit meiner Wahl der Werft. Ich fühle mich auch wieder etwas besser wie die letzten Tage – kein Wunder, denn meine Gedanken sind bei den anstehenden Arbeiten.

Zum ersten Mal seit einem halben Jahr muss ich zum Duschen mein Necessaire packen. Dafür hat es heisses Wasser – einen Luxus den ich seit einen halben Jahr nicht hatte, aber auch nicht vermisste!


Einmal mehr am Kran

Samstag, 9. Juni

Auch im Paradies ist nicht immer alles paradiesisch und der heutige Tag ist ein Tag zum Vergessen! Nach einem kurzen Frühstück fahre ich mit dem Bike los um einen Flug in die Schweiz zu buchen, weil es über das Internet nicht möglich ist. Doch als ich beim Reisebüro ankomme, heisst es: samstags und sonntags geschlossen. Also radle ich wieder zurück und kriege bei der Hitze (38° im Schatten) fast einen Hitzschlag. Nach einer langen kühlen Dusche esse ich etwas Kleines zu Mittag und nusche auf der Blue Bie herum. Als ich in das WC gehe, kommt mir der WC Boden entgegen! Was ist den hier los?!? Als ich die Bodenbretter wegnehme, sehe ich, dass das kleine Schott unter den Bodenbretter vom Druck der Stütze eingedrückt ist. Die Werftleute haben beim Positionieren der Stützen extra abgeklopft, wo Schotten sind, doch dieses war offensichtlich zu schwach. Das wäre ein kleines Übel – doch was ist, wenn der um 3 cm eingebeulte Rumpf gerissen ist? Ich montiere weiter hinten eine Behelfstütze für den Fall dass der Rumpf reisst! Druck wegnehmen kann ich alleine nicht und kann nicht mehr machen, da die Werft über das Wochenende geschlossen ist.

Ich schlafe sehr unruhig und fast gar nicht. Kommt noch dazu, dass die Werft zwar bestens windgeschützt ist. Doch wegen dem fehlenden Wind ist es sehr heiss und es hat viele Moskitos, so dass ich in der Nacht nicht durchlüften kann.


Gut geschützte Grenada Marine

Sonntag, 10. Juni

Was höre ich? Der Werftkran fährt herum! Nichts wie los und den Werftarbeitern sagen, was los ist! Eine Stunde später kommen sie, heben die Blue Bie nochmals an und positionieren die Stützen neu. Zudem kriegt sie weitere 4 Stützen. Jetzt müsste eigentlich nichts mehr schief gehen. Der Rumpf geht von alleine in die alte Position zurück und er zeigt keinerlei Risse. Ich habe nochmals Riesenglück gehabt. Da Sonntag ist, arbeiten die Werftarbeiter in die eigene Tasche und ich bin noch gerne bereit, ihnen ein Trinkgeld zu geben. Oder sollte ich es von ihrem Lohn abziehen, weil sie gestern zu wenig gut gearbeitet haben? Doch die Erleichterung überwiegt. Ich bin immer hin und hergerissen zwischen einmischen (obwohl ich ja wirklich kein Fachmann bin) und sie machen lassen. Bisher habe ich mich meist für zweiteres entschieden, doch je länger je mehr habe ich das Gefühl, dass ich ähnlich viel weiss wie sie und Blue Bie viel besser kenne.

Heute gönne mir ein ganz feines Nachtessen im Ressort nebenan. Dort treffe ich John, einen der ‚Langzeitgäste’. Er hat ein vom letzten Wirbelsturm beschädigtes Boot gekauft und repariert es hier seit 2 Jahren. Der Spruch des Tages: Er sei schon zum vierten Mal verheiratet, weil das Hochzeitsfest jedes Mal eine geniale Party sei :)


Montag, 11. Juni

Ich fahre heute mit dem Bike wieder zum Reisebüro und buche für Donnerstag einen Flug mit Virgin Atlantic via London in die Schweiz. Das Biken geht heute viel flotter als vorgestern und ich hätte mir fast noch etwas mehr Hügel gewünscht! So ist meine Welt wieder in Ordnung. Wahrscheinlich braucht es einfach ab und zu einen schlechten Tag, damit man es wieder so richtig geniessen kann.

Den Rest des Tages verbringe ich wie gestern mit Vorbereitungen für die Übersommerung der Blue Bie: Propeller entkalken, Dinghi herunternehmen und unter dem Boot stauen, Anker und Kette unter dem Boot stauen (damit die Kette im Ankerkaste nicht rostet) und den Lazybag und Genua herunter nehmen.

Schnell kommen alte Gewohnheiten zurück und ich geniesse es, eine halbe Stunde unter der Dusche zu stehen. Danach spiele ich noch etwas Alphorn und gehe dann im Restaurant auf dem Werftgelände einen Hamburger essen. Es ist wenig los hier, doch ich komme langsam in den Groove und vermisse nichts!


Siesta im Schatten der Blue Bie

(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Print