Guadeloupe - St. Lucia

Etappe auf Google Earth


Mittwoch, 7. Februar

Ich gehe zuallererst schauen, wo der Mechaniker ist. Er ist bereits unterwegs, doch keine halbe Stunde später kommt er vorbei. Er nimmt sich viel Zeit dafür, dass er vor Freitag kar keine Zeit hat! Doch er findet den Fehler nicht und wir beschliessen, dass ich wieder den alten Alternator montiere – vergeblich :( So kommt er morgen mit einem neuen Alternator.

Den Rest des Tages verbringe ich wieder einmal im Internet und am Mailen. Es hat sich einiges angestaut während der letzten Woche, als ich keinen Internet Zugang hatte. Am Nachmittag treffe ich noch ein Schweizer Paar, das seit 5 Monaten mit einer Lagoon 440 unterwegs ist. Doch es ist keine glückliche Reise: Beide hatten keine Segelerfahrung als sie sich für eine Weltumsegelung entschlossen haben. Jetzt haben sie festgestellt, dass die Frau seekrank wird und sich auch sonst nicht wohl fühlt. Schade – jetzt fliegen sie erst einmal nach Hause um zu schauen wie es weitergeht. Wir gehen zusammen Nachtessen und hatten ein super gutes Gespräch. Ich hoffe sie finden den Rank.


Donnerstag, 8. Februar

Der Mechaniker wollte um 7.00h kommen – doch wegen seinen Hunden konnte er nicht schlafen und kam schliesslich gegen 9.00h. So konnte ich genüsslich im Cockpit lesen bis er kommt. Es war dann eine kurze Sache, einen neuen Alternator zu montieren. Dieser lädt jetzt die Batterien direkt, d.h. ohne den externen Laderegler. Diesen werde ich bei Gelegenheit auf der Steuerbordseite montieren, weil der Regler dort nicht mehr 100%-ig ist.

Am Mittag gehe ich mit dem Bike erstmals seit langem wieder in ein richtiges Shopping Center einkaufen. Doch zuerst kaufe ich mir eine Portion Pommes bei McDonalds. Da werde ich von einem Mann wegen meinem X99 Weltmeisterschafts T-Shirt angesprochen. Wie es sich herausstellt ist er der Präsident des Yacht Clubs von St. François. Er lädt mich ein über das Wochenende an ihre Clubausfahrt nach Marie Galante ein. Passt bestens, denn nach St. François wollte ich sowieso bei Gelegenheit, da dies einer der besten Kitespots auf Guadeloupe ist.


Freitag, 9. Februar

Es sind 16 Meilen gegen den Wind bis nach St. François also mache ich mich früh auf die Socken. Doch es hat Südost-Wind und ich kann fast alles auf einem langen Bein segeln und bin bereits um 12.00h dort. Ein Traumankerplatz, nur die Einfahrt ist heikel. Schmal und verwinkelt durch die Riffe und eine Boje fehlt. So gibt es wieder die bekannte Augapfelnavigation: Dunkelblaues Wasser ist tief und kein Problem, türkis ist nicht sehr tief, aber sandig und in Regel tief genug (die Tiefe sieht man in der Karte), braun sind Riffe und tunlichst zu vermeiden. Alles problemlos, solange die Sonne hinter einem steht und nicht von einer Wolke abgedeckt wird. Aber wenn nicht …. Ich ankere schliesslich hinter dem Riff in türkisgrünem Wasser vor einem Palmenstrand. 10 Boote – und 3 Schweizer!


St. François

Samstag, 10. Februar

Auf den französischen Inseln hat es kaum deutsche Segler – und die Schweizer sind alle aus dem Welschland! Wer A sagt, muss auch B sagen: Und plötzlich habe ich eine Familie mit 2 Kindern auf der Blue Bie für den Ausflug: Das Boot von Bernard, der mich im McDonalds angesprochen hat, hat ein Alternator Problem und so kommt er mit Frau und den zwei Söhnen an Bord. Um 10.00h setzen wir Segel und laufen für ein Barbecue die Bucht von Anse Carnot an: Ausser Strand und Bäumen hat es nicht viel, doch mit den 7 Yachten vom Yacht Club hat es schnell Betrieb. Ich versuche mich auf französisch zu unterhalten, was immer besser geht. Statt einer Dankesrede für die Einladung gebe ich ein Alphornständchen. Zwar nicht ganz fehlerfrei, doch sicherlich mit weniger Fehlern als eine Rede auf Französisch.

Am Abend segeln wir in die Nachbarbucht von St. Louis, wo wir zum Nachtessen eine feine Paella kriegen.


Sonntag, 11. Februar

Nach einem ausgiebigen Frühstück relaxen wir noch etwas an Bord und ehe wir uns versehen ist es 14.00h. Zeit nach Hause zu segeln. Der Wind weht wie gestern mit moderaten 15kn und wir rauschen Richtung St. François. Doch plötzlich ist die Fahrt vorbei. Wir haben nicht aufgepasst und hängen in einem Hummerkorb. Alle Segel herunter, losschneiden und eine halbe Stunde später geht die Fahrt weiter. Die Einfahrt nach St. François ist wirklich beeindruckend. Die über das Riff brechende Welle ist keine 5 Meter neben der sicheren Einfahrt in die Lagune und den Hafen.

Nach zwei Tagen Rambazamba kommt mir die Blue Bie plötzlich sehr einsam vor. Ich gehe etwas Essen und bin früh im Bett.


Montag, 12. Februar

Heute gehe ich kitesurfen. Der Wind hat auf 18 kn aufgefrischt – ideal zum Kiten. Doch der Startplatz ist alles andere als einladend. Auf einer kleinen Wiese aufbauen und dann zwischen Jetskis und einem Wasserflugzeug in das Wasser, wo ein Helfer den Kite im Wasser stehend starten helfen muss. So haben es die Kiter vor mir gemacht und ich mache es ihnen nach. Am nächsten Tag sehe ich, dass die Locals den Kite trotz Windabdeckung auf der Wiese starten, was mir dann auch gelingt.

Am Nachmittag faulenze ich, schreibe ein paar Mails und putze wieder einmal die Hälfte des Unterwasserschiffs. Die Ortschaft ist recht gross, hat zwei kleinere Supermärkte und 10 Restaurants am Yachthafen. Für einmal hat es kein Café mit WiFi, doch zum Glück entdecke ich jemand in einer Hotellobby am Mailen. So versende ich vor dem Hotel sitzend meine Mails.


St. François II

Dienstag, 13. Februar

Nochmals ein Kitetag. Am Morgen gehe ich zwei Stunden kiten und danach fühle ich mich so richtig befriedigt – wie wenn ich den ganzen Tag etwas gemacht hätte. Zudem fühlen sich die Arme am Abend so richtig schön schwer an – einfach herrlich.

Am Nachmittag lese ich das Yachting World vom Dezember 2006. Und was lese ich? Dass sich für 2006/7 im Pazifik ein El Niño Jahr ankündet. Das kommt alle paar Jahre vor und hat weltweite Auswirkungen auf das Wetter: im Pazifik gibt sintflutartige Regenschauer und unterdurchschnittlichen Passat. Eine Recherche im Internet bestätigt, dass dieses Jahr El Niño herrscht (http://www.elnino.noaa.gov/). Nur gut, dass ich dieses Jahr nicht in den Pazifik fahre. Das wäre bei meinem Besuchsprogramm auch gar nicht möglich: Nächste Woche kommt Rolf Gloor mit Frau, im Dezember kriege ich Besuch aus Deutschland und anfangs April kommt mich Tanja wieder besuchen.


Mittwoch, 14. Februar

Heute hat es zuwenig Wind zum Kiten und ich muss sowieso bald einmal los Richtung Martinique. Gemäss den Leuten vom Yachtclub hat es ein Zollbüro am Flugfeld von St. François, so dass ich mir die Fahrt nach Point à Pitre ersparen kann. Doch da hat es nur ein paar Piloten die an ihrer Maschine basteln, aber kein Zollbüro. Die Piloten zeichnen mir ein Kroki, wo es in der Stadt ein Zollbüro haben soll. So marschiere ich weiter und als ich auf halber Strecke nach dem Weg frage, werde ich direkt zum Zollbüro gefahren. Und tatsächlich, es ist da und sie können auch Yachten ausklarieren. Einmal mehr treffe ich eine superfreundliche Zöllnerin und habe noch etwas mit ihr geplaudert. Ihre Hauptaufgabe ist das Auffinden von Drogen, geschmuggelten Zigaretten, usw., die sie meist aufgrund von Tips von anderen Leuten finden.


Donnerstag, 15. Februar

Frühmorgens mache ich mich auf den Weg Richtung Martinique mit Tagesziel Dominica. Es ist einfach wunderschön unterwegs zu sein. Die Navigation ist einfach: Im Lee von Marie Galante durch und dann um die Nordspitze von Dominica. Ich kann so wunderbar meinen Gedanken nachhängen. Blue Bie läuft wunderbar und erst als ich mich der Nordspitze von Dominica nähere wird es ruppig: Der Wind pfeift mit bis zu 25kn um das Kap. Gut, dass ich vorher schon das Grosssegel gerefft habe. Auch so schiesst Blue Bie mit bis zu 12kn dahin. Ich ankere in der Mitte der lang gezogenen Insel vor dem Restaurant Castaway. Lediglich zwei Boote sind in der Bucht.

Was für ein überwältigender Duft: Man kann die Feuchte des Regenwaldes richtiggehend riechen. Dominica ist wie kaum eine Karibikinsel mit Regen gesegnet. Entsprechend spriessen hier Pflanzen in allen Formen und Farben an allen Ecken und Enden. Als ich dann noch barfuss durch eine feuchte Wiese laufen kann, ist die Wonne komplett.


Freitag, 16. Februar

sDie Überfahrt nach Martinique geniesse ich wieder sehr. Die Sonne scheint, der Wind bläst und Blue Bie gefällt es sichtlich auch. Ich ankere in St. Pierre am Nordende von Martinique. St. Pierre war im 19. Jahrhundert das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum von Martinique bis die Stadt durch einen Vulkanausbruch im Jahr 1902 zerstört und 30'000 Einwohner getötet wurden. Als ich durch das Dorf schlendere bekommt mich ein beklemmendes Gefühl. Einige Ruinen stehen noch und viele alte Mauern bilden Teil der neuen Häuser. Doch der Glanz von damals ist weg. Der Vulkan ist wunderschön und voll üppiger Vegetation. Doch wie lange ist er noch so ruhig?

Die Zollformalitäten kann ich im Internet Café erledigen. Ein Novum - fast wie die Postagenturen in der Schweiz. So komme ich auch wieder einmal zu meinen Mails. Was heisst wieder einmal – ein Tag ohne E-Mail Zugang und ich fühle mich von der Welt abgeschnitten :(

Ich bin zwar weit weg, aber ich interessiere mich auch hier, was auf der Welt so abgeht. Die letzten Tage habe ich den Weltklimareport gelesen und bin schon froh, dass ich weitestgehend autark bin und die Umwelt nicht allzu stark belaste. Ich mache mit den Sonnenzellen meinen eigenen Strom (die Maschinen brauchte ich dazu nur über den Atlantik) und mit diesem Strom auch mein eigenes Wasser. So habe ich in den letzten 4 Monaten gerade mal 70 Liter Diesel gebraucht. Die Auswirkungen der Erhöhung des Meeresspiegels werde ich sicherlich im Laufe meiner Reise erfahren.


St. Pierre

Samstag, 17. Februar

Ich bin immer früher unterwegs. Heute wache ich 7.00h auf, frühstücke und um 8.00h geht der Anker auf. So bin ich bereits im 10.30h in Fort de France. Irgendwie bin ich heute nicht so gut drauf. Der Vergaser des Aussenborders ist verdreckt und morgen kriege ich Besuch. Also gehe ich erst mal in die Stadt um einen Benzinreiniger zu kaufen. Sie erdrückt mich fast mit den vielen Leuten und Verkehr. Benzinreiniger haben sie auch nicht – und alle Läden sind für die nächsten 5 Tage wegen dem Karneval geschlossen. Da kann ich nur auf mich selber zählen! Zudem realisiere ich, dass ich noch einen Grosseinkauf für die nächsten 5 Tage für 3 Leute machen muss.

So versuche ich mich erst einmal zu motivieren und laufe durch die Gassen von Fort de France. Kleider, Kleider, Kleider, gibt es hier zu kaufen. In der Strasse spielt eine Steelband unterstützt von einem 70-jährigen Geiger. Unwahrscheinlich wie das tönt. Ich bleibe über eine Stunde da, sehe wie die Bandmitglieder immer wieder ersetzt werden. Viele Leute bleiben stehen und hören zu. Meistens Schwarze, denn Weisse gibt es nur sehr wenige. Einige bleiben stehen und fotografieren, einige (ältere Herren) tanzen mitten auf der Strasse. Da ein Mietwagen aussichtslos ist, versuche ich noch einen Treffpunkt für Rolf und Elsbeth zu organisieren. Doch fast alle Restaurants sind sonntags geschlossen, doch am Schluss finde ich noch eines.

Danach widme ich mich dem Vergaser und kriege ihn halbwegs zum Laufen. Hoffen wir mal, dass der hält. Nachher gehe ich an den ersten Karnevalsumzug. Wie zu Hause nur viel ‚luftiger’. Viele schauen zu, die meisten teilnahmslos und nur einige wenige machen mit. Das Dinghi Dock und der nahe liegende Treffpunkt mit Rolf und Elsbeth liegen an der Karnevalsroute und sind somit für den Autoverkehr gesperrt. Ich bin gespannt wie wir das morgen hinkriegen.


Karneval

Sonntag, 18. Februar

Unglaublich, was sich in so einem Schiff alles so anhäuft. Ich weiss genau, dass im Salon nichts herumliegen muss. Und doch hat es nach zwei Wochen Junggesellendasein wieder diverse Sachen die herumliegen. So räume ich alles auf und reinige Blue Bie innen. Anschliessend gehe ich auf einen Tee zu den Kanadiern, die ich am Vortag beim Nachtessen kennen gelernt habe.

Dann geht es ab an den Karneval. Es ist ein typischer Guggenumzug. Die Musik wird viel mehr vom Rhythmus als von der Melodie geprägt und jede Gugge hat eine Gruppe von Tänzern/Tänzerinnen. Auch eine Schweizer Gugge aus Martigny ist dabei. Die schwitzen in ihren traditionellen Kostümen sicherlich gewaltig! Der Umzug ist grösstenteils vorbei als Rolf und Elsbeth ankommen. Doch das Taxi macht am Umzugsparcour halt und sie müssen einen Kilometer zum Dinghi-Dock laufen – gegen den ganzen Fasnachtsstrom! Doch sie schaffen es, wir räumen die Blue Bie ein und gehen noch an einekm Stand etwas kleines Essen.


Karneval II

Montag, 19. Februar

Rolf brennt darauf zu segeln und so setzen wir gegen 10.30h die Segel und segeln südwärts Richtung Le Marin. Erst mit 20kn von hinten und dann bei strömendem Regen mit 10-20kn gegenan. Blue Bie segelt gut, doch wir sind durchnässt. Immerhin kann ich die Frischwassertanks mit Regenwasser füllen und das Ölzeug wird auch wieder entsalzen.

Gegen 14.00h kommen wir an und wir erkunden Le Marin. Eine Riesenbucht mit hunderten von Segelbooten vor Anker. Nach einem Ankerdrunk gehen Rolf und ich in ein Restaurant zum Mailen. In all den grossen Yachthäfen hat es WiFi – in Fort de France habe ich hingegen gar nichts gefunden. Ich finde noch einen Mechaniker, der sich mit den externen Ladereglern auskennt und vereinbare, dass er übernächste Woche die Alternatoren der Blue Bie auf Vordermann bringt.


Dienstag, 20. Februar

Wir beschliessen trotz den Visumsproblemen nach Süden nach St. Lucia zu fahren. Die Überfahrt ist herrlich bei raumen Winden von 18-25kn. Kaum angekommen gehe ich zum Zoll. Visum? Ist absolut notwendig. Aber dazu müssen wir ein Antragsformular ausfüllen, Passfotos und Passkopien und USD 100 pro Person mitbringen. Also müssen wir erst einmal in die Shopping Mall Fotos machen. Doch denkste, wir haben alle Passkopien und Passfotos dabei. Also zurück zum Zollamt. Doch da das Visum drei Tage geht und wir nur drei Tage bleiben wollen, lohnt sich ein Visum gar nicht – sagt die Zöllnerin! Als ich sage, dass ich noch in andere Länder reisen will, meint sie es macht Sinn für mich – aber nicht für Rolf und Elsbeth. So bereite ich den Antrage vor, gebe Pass, Fotos, Kopien und USD 100 ab und kann morgen anrufen, wann ich den Pass wo holen kann. Ich habe selten einen so konstruktive Zöllnerin gesehen – oder hatte sie einfach keinen Bock auf den Papierkram?


Mittwoch, 21. Februar

Ganz so einfach ist es mit dem Visum dann doch nicht: Ich muss dreimal anrufen, bis sie mir sagen konnten, was mit dem Visum los ist. Doch dann die gute Nachricht: Ich kann den Pass mit Visum am Mittag am Flughafen abholen. So schlage ich zwei Fliegen mit einem Schlag, sattle mein Bike und radle 10km zum Flughafen. Doch zuerst verholen wir die Blue Bie von der inneren Rodney Bay Bucht in die äussere. Innen ist zwar alles nahe beieinander doch das Wasser ist viel zu dreckig zum Baden. In der äusseren Lagune ankern wir in türkisblauem Wasser.

Nachdem ich den Pass am Flughafen abgeholt habe (Ihr Pass? Der ist in der abgeschlossenen Schublade und der Seargant mit dem Schlüssel ist nicht hier … Doch in einer zweiten Suche fanden sie ihn zuunterst in einem anderen Stapel!), gehe ich mit dem Bike noch in die Hauptstadt Castries. Ein herziges Städtchen mit dem typischen Inselcharme: Einige wenige Gassen mit vielen Allerweltsläden. Die ganze Strasse ist eine einzige Baustelle und ich bin mit dem Bike schneller wie alles Autos! Zurück in der Rodney Bay schwimme ich mir den ganzen Baustellendreck herunter bevor wir abends zum Chinesen essen gehen.


Donnerstag, 22. Feburar

Wir segeln die kurze Distanz zur Marigot Bay. Eine absolute Traumbucht! Keine 300m Durchmesser, gesäumt von Palmen und Mangroven, nach aussen mit einer palmenbestandenen Sandbank fast komplett abgeschlossen. Zum Glück hat es Mooringbojen, so dass ca. 30 Yachten in der Bucht Platz finden. Dazu eine kleine Marine, einige herzige Häuser und ein neues 5-Sterne Ressort mit Zen Garten, Spa, usw. So geniessen wir einen gemütlichen Nachmittag, einen Sundowner und ein fantastisches Nachtessen in einem 5-Sterne Restaurant. Seit ich unterwegs bin, habe ich noch nie so gut gegessen.


Marigot Bay

Freitag, 23. Februar

Heute geht es schon wieder zurück nach Martinique. Der Wind ist herrlich und wir machen einmal mehr rauschende Fahrt – bis wir wieder in eine Langustenfalle geraten. Erst nur mit der Angelleine, doch als wir den Motor versehentlich im Rückwärtsgang lassen, auch noch im Propeller. Also alle Segel herunter und tauchen. Nach einigem Säbeln ist der Propeller von der Leine befreit. Doch die Propellerachse ist auf c. 1cm vom Algenbewuchs befreit. Es scheint als ob es den Propeller erst nach hinten und dann wieder nach vorne gezogen hat. Sicherheitshalber sichere ich den Propeller und benütze bis zu einer näheren Inspektion den Motor nicht mehr.

Als wir in St. Anne ankommen begutachten Rolf und ich den Propeller. Doch es sieht alles gut aus. Wir vermuten, dass es durch den Druck des Seils den Propeller und den ganzen Motorblock (auf den Gummipuffern) nach hinten und wieder nach vorne gezogen hat. Trotzdem können wir die Befestigungsschrauben etwas nachziehen. Da das Wasser untief ist, lassen wir die Maschine in vollem Rückwärtsgang laufen, alles hält. Danach gehen Elsbeth und Rolf für ihre zweite Ferienwoche wie geplant ein Hotel suchen, werden fündig und schlafen nach einem gemeinsamen Nachtessen an Land.


Samstag, 24. Februar

Nach dem Frühstück im Hotel von Rolf und Elsbeth motoren wir 2 Meilen von St. Anne nach Le Marin um einzuklarieren. Nach dem Lunch verabschieden wir uns. Ich hänge etwas in Le Marin, gehe in das Internet Café und einkaufen. Den Rest des Tages nehme ich gemütlich, spiele Alphorn und trage die Kitespots für nächste Woche in die Karte ein. Ich habe vor, die Blue Bie in Le Marin zu lassen und die Spots mit dem Mietwagen anzufahren, da die Spots auf der Luvseite von Martinique doch sehr dem Wind und Wellen ausgesetzt sind. Trotzdem sehe ich den einen oder anderen Spot, den ich mit der Blue Bie anfahren könnte. Doch das behalte ich mir für das nächste Mal vor.

Le Marin ist das Gegenteil der Marigot Bay: 500 Yachten in der Marine und sicherlich nochmals gleich viele in der mehr als zwei mal zwei Meilen grossen Bucht. Hier ist das Charterzentrum den französischen Antillen!


Le Marin

Sonntag, 25. Februar

Am Sonntag soll man nicht arbeiten und so lese ich im Buch von Bruno Stanek, welches mir Rolf und Elsbeth geschenkt haben. Er schreibt über die Irrtümer der Welt und vertritt zum Teil doch sehr starke Meinungen. Ich bin nicht immer seiner Meinung und unterliege damit vielleicht gerade dem Irrtum, den er anprangert. Doch meine eigene Meinung lass ich mir nicht nehmen.

Später reserviere ich einen Mietwagen und erkundige ich mich wegen einem Hafenplatz, damit der Mechaniker gut arbeiten kann. Das sei überhaupt kein Problem. Ich glaub es, denn es hat doch diverse freie Plätze an den Stegen.


Montag, 26. Februar

Gleich nach dem Frühstück rufe ich Thierry an um zu schauen, wann er diese Woche Zeit für die Alternatoren hat. Nur heute Nachmittag, den Rest der Woche sei er beschäftigt! Tja, das wirft all meine Pläne über den Haufen, denn ich habe eher mit Ende Woche gerechnet. So funke ich wegen einem Hafenplatz. Doch was gestern so problemlos getönt hat, geht heute plötzlich nicht oder zumindest erst nach 14.00h.

Doch als ich um 12.00h nochmals funke, klappt es plötzlich auch wenn alle anderen Yachten auf nach 14.00h vertröstet werden. So lege ich alleine in der Marina an und bin bei 20kn Seitenwind doch froh, dass der Bootsnachbar da ist und die Leinen abnimmt. Thierry lässt bis um 15.00h auf sich warten, doch zumindest ist er in der Analyse sehr schnell – und hoffentlich korrekt! Wir werden es am Donnerstag wissen.

Schlaf ist im Moment gar nicht so einfach. Ich bin einfach zu ausgeschlafen und mache zu wenig Sport. Ich gehe meist zwischen 22.30h und 23.00h in die Koje und bin selten nach 6.30h wach, liege dann meist noch ein wenig im Bett und stehe zwischen 7.00h und 7.30h auf.


Dienstag, 27. Februar

Mit dem Mietwagen gehe ich heute nach Le Vauclin kiten. Es ist wie auf Hawaii: Aufriggen auf einer palmenbestandenen Wiese. Nur der Wind ist schwach. So kite ich bis zum Mittag und erkunde dann Martinique: Bananen- und Zuckerrohrplantagen soweit das Auge reicht. Ich besichtige eine Plantage und Rumdistillerie aus dem 17. Jahrhundert. Gewaltig, wie wichtig die Industrie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war und unter welchen Entbehrungen der Rum nach Europa kam. So mussten zum Beispiel die Fässer an einigen Orten von Männern schwimmend zu den wartenden Schiffen herausgezogen werden, da der Wellengang keine Landung mit kleinen Booten zuliess. Die ganze Industrie wurde durch das Aufkommen der Zuckerrübe in Europa vernichtet – und heute lebt die Insel vorwiegend vom Tourismus. Der Untergang von St. Pierre durch den Vulkanausbruch von 1902 hat auch nicht gerade geholfen.


Mittwoch, 28. Februar

Gestern bin ich ganz gemütlich nach Le Vauclin gebummelt. Es gab während der Fahrt so viel Neues zu sehen, dass ich einige Male an den Strassenrand gefahren bin, um mich überholen zu lassen. Heute fahre ich die Strecke zum zweiten Mal und schon ist sie Routine. Ich habe nur noch Augen für das Gaspedal – die Landschaft kenne ich ja. So schnell kommt Routine auf. Oder anders gesagt, was man jeden Tag macht, nimmt man gar nicht mehr wahr. Wie das Wetter hier. Die Sonne scheint dauernd und es ist immer schön warm. So schön es ist, nehme ich es trotzdem nur selten bewusst wahr.

Der Wind ist wieder schwach und es ist kein Kiter auf dem Wasser. So fahre ich mit dem Auto um die Insel und gehe an zwei, drei Kitestrände. Hier hat es wieder die kleinen Bars und Kaffees die ich gestern vermisst hatte. Es scheint, dass die Leute im Landesinnern einfach zu wenig Zeit für Müssiggang haben. Auch kein Wunder: Eine kleine Erledigung (eine EDF Sicherung kaufen) nimmt mehr als zwei Stunden in Anspruch. Ich muss in zwei Geschäfte und in beiden geht es so gemütlich zu und her, dass ich jeweils mehr als eine halbe Stunde warten musste, bis ich an die Reihe kam. Am Abend gehe ich nochmals mit Rolf und Elsbeth essen, die im Nachbardorf in einem hübschen Hotel wohnen.


Donnerstag, 1. März

Den einen Alternator kann ich heute selber einbauen, nachdem ihn Thierry revidiert hat. Doch der andere will noch immer nicht. So warte ich den ganzen Tag auf Thierry, der versprochen hat zu kommen, wasche die Bettwäsche, befestige die Gummileisten am Heck, die schon einige Zeit nicht mehr gut gehalten hat und träume vor mich hin. Es ist wieder einmal ein Tag zum über Gott und die Welt und einige Personen nachzudenken. Ich kann es kaum fassen, was im Laufe der letzten 12 Monate so alles passiert ist. Da hätte ich zu Hause wohl viel weniger erlebt. Da kann ich die Aussage von Tanja nur bestätigen, die nach zweijähriger Auslandstätigkeit auf die Frage „Was hat dich am meisten beeindruckt?“ antwortete: „Ich habe in diesen zwei Jahren soviel erlebt und zu Hause ist alles beim alten geblieben. Die gleichen Leute gehen noch immer aus dem gleichen Haus in das gleiche Geschäft arbeiten.“


Freitag, 2. März

Aus den Mund des Skippers einer 25m langen, von einer professionellen Crew gesegelten Yacht: „it is only a question of time until the next crisis emerges“! Da bin ich ja in guter Gesellschaft. Ich habe schon zweimal bei Thierry angerufen, doch er ist unerreichbar und im Büro weiss man nicht, was er wann macht. Immerhin habe ich den einen Alternator zum Laufen gebracht und so werde ich wohl mit nur einem funktionierenden Alternator Richtung Guadeloupe segeln, denn am Donnerstag kriege ich dort Besuch und muss einige Tage für die Überfahrt rechnen. Etwas frustrierend, aber ich kann es nicht ändern. Da hilft wohl nur der Spruch im Tagebuch: „Die Kinder kennen keine Vergangenheit und Zukunft, und – was uns Erwachsenen kaum passieren kann – sie geniessen die Gegenwart.“ (La Bruyère). Ich tue mein bestes!

Wenn man es am wenigsten erwartet, klappt es: Ich gehe um 14.00h zu Thierry um ihn für seine bisherige Arbeit zu zahlen. Er war selber im Laden, ist total unter Wasser, aber verspricht gegen Abend vorbeizukommen. Geld wollte er noch keines. Und siehe da: Um 16.00h kommt er auf der Blue Bie und beim Einnachten laufen beide Alternatoren. Schadensliste: Ein Regler und ein Alternator (sowie ein Regler der ihm beim Probieren kaputt gegangen ist). Anschliessend bin ich bei meinen Bootsnachbarn auf einen Apéro eingeladen und wie so häufig wurde ein kleines Nachtessen draus – alles auf französisch!

Und wenn der Text von heute etwas gar gesucht tönt: Ich habe den ersten Abschnitt am Mittag und den zweiten Abschnitt am Abend geschrieben!


Samstag, 3. März

Ich gehe nochmals bei Thierry vorbei um den nochmals überarbeiteten Reservealternator abzuholen und zu bezahlen. Für alles hat er 2 Stunden berechnet. Da habe ich sehr grosszügig aufgerundet und ihm eine Schachtel Schweizer Schokoladespezialitäten gegeben.

Danach bin ich bei starkem Seitenwind ausgelaufen, bin den beiden Bojen am Heck gekonnt ausgewichen, indem ich das Boot von Hand gezogen habe. Wenn ich höre, was moderne 44 Fuss Katamarane wiegen (10-14t im Vergleich zum meinen 5t), bin ich einmal mehr mit meiner Blue Bie sehr glücklich. Bei schönen achterlichen und seitlichen Winden bin ich nach St. Pierre gesegelt. Es ist heute gar nicht einfach einen Ankerplatz zu finden: Es geht sehr steil herunter und hat nur einen schmalen Streifen zum Ankern. Zudem dreht der Wind so stark, dass jedes Schiff viel Platz zum Schwojen braucht. Nach dem dritten Anlauf bin ich zufrieden, putze das halbe Unterwasser und revidiere eine Winsch, die nicht mehr richtig will.


Sonntag, 4. März

Aus irgendeinem Grund bin ich richtig müde vom gestrigen Tag. So schlafe ich aus, da es nicht allzu weit ist nach Roseau, der Hauptstadt von Dominica ist. Gegen 10.00h laufe ich aus, anfänglich unter gerefftem Gross und Genua. Doch bald wird der Wind vom Mount Pelée komplett abgedeckt und kurz darauf kommt er mit 3 Windstärken voll auf die Nase. Nicht nur etwa einige Minuten, nein – eine ganze halbe Stunde lang. Ich habe schon daran geglaubt, dass der seltene Nordwind eingesetzt hat – die Wolken über Dominica sehen entsprechend aus. Doch nach einer halben Stunde bin ich deutlich über das Nordkap von Martinique hinaus und der Wind kommt wieder wie gewohnt aus Osten.

In Roseau sind alle Mooringbojen belegt und zum freien Ankern ist es zu tief. So ankere ich (wie vom Hafenhandbuch empfohlen) vor dem Strand und lege zwei Heckleinen aus. Es fühlt sich zwar schon komisch an, keine 20m vom Strand zu ankern, doch nachdem ich denk Anker kontrolliert habe, fühle ich mich recht komfortabel. Nur eine an einer Mooringboje ankernde Yacht scheint mir gefährlich nahe. Doch wirklich nahe kam sie nicht.

Im Anchorage Café prüfe ich meine Mails und was sehe ich da? Der Besuch von Donnerstag sagt kurzfristig ab. So habe ich jetzt plötzlich jede Menge Zeit. Oder doch nicht? Ich will ja nach St. Martin um Kitesachen zu kaufen und wenn es passt zurück noch nach St. Anne auf Guadeloupe in die Sprachschule bevor ich Mitte April wieder Besuch kriege.


Vor Anker und Landleinen

Montag, 5. März

Eigentlich bin ich nach Roseau gefahren, um auf eine Inseltour zu gehen. Doch diese findet heute mangels Teilnahme nicht statt. So mache ich mit Karte und Bike bewaffnet auf, die Sehenswürdigkeiten selber zu entdecken. Dominica ist recht hoch und hat deshalb den schönsten Regenwald der Karibik. Erst geht es mit dem Bike 1,000 Höhenmeter nach oben bis nach Laudat, dem höchsten Dorf auf Dominica. Dort gibt es eigentlich nichts zu sehen, aber es hat eine Seilbahn im Dach des Regenwaldes. Doch USD 64 sind mir dafür doch zu viel. Dafür gibt es auf der Fahrt viel zu sehen: Farne mit Stämmen wie Bäume, Bambussträucher so hoch wie der Mast der Blue Bie und überall ist einfach alles grün. Danach geht es wieder hinunter zu den Trafalgar Falls. Diese sind vom Regenwasser gespiesen und damit schön kühl. Gleich daneben kommt ein vom Vulkan gewärmter Bach aus der Erde, der gut und gerne 35° warm ist, da lasse ich mich nicht zweimal bitten. Danach gehe ich noch zu den Schwefelquellen. Auch die sind vom Vulkan gespiesen und es riecht entsprechend. Umso besser schmeckt das Mittagessen in einem vollständig mit Bambus verkleideten Restaurant.

Doch ich merke schon, dass ich nicht mehr fit bin. Dieser Ausflug hat mich zumindest an meine Limiten gebracht. Etwas Ausdauertraining würde wirklich nicht schaden! Dafür habe ich mir vorgenommen, die nächsten Wochen es etwas gemütlicher zu nehmen. Denn mit dem Besuch ist meist segeln angesagt und dazwischen entweder Reparaturen oder die Fahrt zum nächsten Besuch. Auch jetzt hätte ich wieder volles Programm, wenn ich drei Wochen Sprachschule hineinbringen möchte. Doch das streiche ich erst einmal aus meinen Gedanken und schaue, was dann drin liegt.


Üppiges Grün

Dienstag, 6. März

Jetzt komme ich doch noch zu meiner Inseltour: Zusammen mit einem deutschen Eignerpaar und ihren 6 Chartergästen gehen wir mit SeaCat die Insel erkunden. Zuerst die Victoria Falls: Der Weg zu den Wasserfällen war abenteuerlich: Nach mehrfachen Flussüberquerungen durch den zum Teil hüfttiefen Fluss, müssen wir am Schluss noch glitschige mannshohe Felsblöcke erklettern um zum Wasserfall zu kommen. Als wir dann vor ihm stehen ist er wirklich sehr eindrücklich: Aus 75m Höhe stürzt das Wasser in einen Pool. Die mitheruntergerissene Luft weht als Wind in Sturmstärke. Wir lassen es uns nicht nehmen, im Pool zu baden. Nur direkt zum Wasserfall schafft es keiner: Der Wind und die Strömung ist zu stark. Zu Mittag essen wir bei einem selbst versorgenden Rastafari. Das vegetarische Essen schmeckt köstlich – serviert aus einer Kokosnuss, gegessen mit einem Kokosnusslöffel. Am Nachmittag besichtigen wir noch die Sari Sari Fälle und halten immer wieder an um die eine oder andere lokale Frucht zu probieren: Kokosnuss, Bananen, Guave, Grapefruit, sie schmecken köstlich.

Nur schlimm, dass die ganze Landwirtschaft total ruiniert ist: Nach dem Hurricane David in 1979 brauchten sie einige Jahre bis die Plantagen wieder auf Vordermann waren, doch dann waren die Käufer schon weg. So erhalten sie heute für eine Staude Bananen 10 Cents. Kein Wunder, dass sie sich bei all diesen Naturschönheiten auf den Ökotourismus fokussieren.


Victoria Falls

Mittwoch, 7. März

Wir hatten es gestern so gut miteinander, dass wir heute nach dem kurzen Übersegler nach Portsmouth nochmals gemeinsam auf die Indian River Tour gegangen sind. Eine beschauliche Ruderfahrt durch einen vögel- und pflanzenreichen Flusslauf.


Indian River

Donnerstag, 8. März

Zeit wieder tschüss zu sagen. Das ist schon ein wichtiges Element einer solchen Reise: Kaum hat man jemanden kennen gelernt, geht es auch schon wieder an den Abschied. Das ist für einen Einhandsegler sicherlich noch schwieriger als wenn man zu zweit unterwegs ist. So segle ich nach Pointe à Pitre, wo ich den Schweizer wieder treffe, dessen Frau so sehr an der Seekrankheit leidet. Es geht ihr nicht besser und sie überlegen, das Boot zu verkaufen. So hat auch das Alleinsein seine Vorteile!

Erstmals seit ich unterwegs bin, bin ich krank. In der Nacht und am Morgen im Magen und am Nachmittag Gliederschmerzen und eine bleierne Müdigkeit. Die 6-stündige Überfahrt ging wie in Trance. Ob ich von einem der Chartergäste angesteckt wurde? Ich bin so schlapp, dass ich es kaum zum Hafenmeister und in die Wäscherei schaffe. Doch gegen Abend geht es langsam wieder aufwärts und nach einem langen Schlaf bin ich am nächsten Tag wieder fit.


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