Guadeloupe - St. Martin

Etappe auf Google Earth


Freitag, 9. März

Ich geniesse die Marina von Pointe à Pitre und überarbeite die Blue Bie Homepage. Es dauert ca. einen halben Tag um die Tagebucheinträge zu redigieren, sie in das Webpublishing Programm zu kopieren, Fotos auszusuchen, den Update von Google Earth zu machen und alles zu publizieren. Doch schon am Mittag bin ich wieder schlapp und döse vor mich hin. Vor Geschäftsschluss gehe ich in die Wäscherei, hole die Wäsche und tausche 5 Bücher.

Heinz wird mich auf seiner Lagoon 440 die nächsten Tage Richtung St. Martin begleiten. Es ist sein erster Törn alleine auf seiner „Sunday Morning“ und so suchen wir uns für morgen eine einfache Etappe nach Les Saintes aus.


Samstag, 10. März

Es ist eine schöne Überfahrt auf die Saintes. In der Ausfahrt duellieren sich die Segelyachten mehr als an einer Regatta am Bodensee: Der vorderste fährt total langsam, der zweite setzt in der Ausfahrt das Gross, schiesst erst in den Wind und treibt dann neben das Fahrwasser. Ich überhole beide, was sie nicht goutieren, denn anschliessend fahren beide mit Vollgas an mir vorbei. Doch nach dem Segelsetzen sehe ich sie im Kielwasser schon bald nicht mehr!

Ich bin noch immer nicht ganz gesund, denn kaum angekommen bin ich schon wieder schlapp. Ich wollte mit dem Bike auf den höchsten Hügel der Insel, doch selbst der Spaziergang zum Fort ist mir zu viel. Dabei heisst es im Hafenführer von Chris Doyle: „It is not hard to walk up there – even gravitationally-challenged cruise-ship passengers make it.” Ich gönne mir trotz Magenverstimmung ein Glace und spaziere auf die andere Inselseite und zurück.


Sonntag, 11. März

Nach ersten schönen Meilen mit achterlichen Winden, wird der Wind im Lee von Guadeloupe komplett abgedeckt und ich starte einen Motor. Während ich mich auf dem Trampolin sonne, startet im Cockpit der Motoralarm. Doch ich höre ihn erst als ich in das Cockpit zurückkehre um etwas zu trinken. Also stelle ich ihn ab und starte den anderen Motor. Es ist schon gut, dass man als Katamaransegler zwei Motoren hat! Ich lasse ihn abkühlen und werde nach der Ankunft schauen was los ist. Nach einer halben Stunde kommt etwas Westwind auf. Westwind, wo es in der Karibik doch seit Jahr und Tag aus dem Osten bläst. Eine Stunde später dreht er zurück auf Osten und ich komme am frühen Mittag in Deshaies an.


Werner's "Sunday Morning"

Ein kurzer Blick in den Motorenraum zeigt, dass der Keilriemen des Alternators gerissen ist. Einen Ersatzkeilriemen habe ich dabei und kann ihn schnell wechseln. Ich kontrolliere auch bei beiden Motoren das Öl und Kühlwasser – beides ist bestens. Nach einem kleinen Ankertrunk gehen Heinz und ich schnorcheln und später gemeinsam Nachtessen. Wir haben es gut miteinander: Wir sehen uns tagsüber nicht allzu viel, aber geniessen das gemeinsame Nachtessen.


Montag, 12. März

Heute wollen wir die Überfahrt nach Antigua packen. Nach anfänglich leichtem, aber schönem Wind wird es bald flau und dicke Schichtwolken ersetzen die Passatbewölkung. Nach der halben Distanz müssen wir die Motoren starten um noch vor Dunkelheit anzukommen. Zum Glück hilft die Strömung und unterstützt uns mit einem Knoten Richtung Antigua.

Heinz kann die Lagoon 440 gut alleine segeln. Sie ist zwar etwas grösser und mehr als doppelt so schwer als die Blue Bie. Doch alles ist auf die Flybridge geführt und Elektrowinschen machen sein Leben einfach. Kein Krafttraining wie auf der Blue Bie – was der eine oder andere Gast an Bord von Blue Bie wohl bestätigen kann! Dafür ist die Blue Bie schneller :)


Dienstag, 13. März

Nach einem gemütlichen Frühstück gehe ich zuerst einklarieren. Seitdem ich das letzte Mal in Antigua war, ist dieser in ein neues Gebäude gezügelt, es gibt ein Formular mehr auszufüllen und an den drei Schaltern eine Runde mehr zu absolvieren. Es wäre ja nicht getan, die drei Schalter in Sequenz anzulaufen. Nein, es ist eine wahre Kunst: Erst beim Zoll ein Formular fassen, wegtreten und Formular ausfüllen. Zurück zum Zoll. Ohne weiteren Blick auf das Formular schickt er mich mit dem Formular zur Immigration. Dort erhalte ich ein weiteres Formular zum ausfüllen. Ausfüllen und wieder bei der Immigration anstehen. Ohne weiteren Blick erhalte ich einen Stempel in jedes Formular und werde zum Zoll zurückgeschickt. Dieser drückt wieder ohne Blick in das Formular einen weiteren Stempel hinein und schickt mich weiter zur Nationalparkbehörde. Ein- und ausklarieren gleichzeitig: „Nein, sie müssen erst einklarieren und sobald sie einklariert sind, können sie ausklarieren.“ Also …. Doch nein, das lassen wir jetzt sein und sparen uns die Freude auf morgen Vormittag auf :)


Mittwoch, 14. März

Werner und ich treffen uns im Seabreeze zu einem Frühmorgenkaffee – um 9.00h :) – und wir können über Funk den lokalen Wetterbericht mithören. Dieser spricht von einem Tiefdrucktrog und variablen Winden. Da macht es wenig Sinn, heute Nacht den 70 Meilen Schlag nach St. Barth in Angriff zu nehmen. So versucht Werner sein Visum zu erhalten. Doch das funktioniert nicht, es würde ein paar Tage dauern oder er müsste nach St. John in das Passbüro. Ohne Visum darf Werner nur einen Tag bleiben und muss heute ausreisen. So klaren wir beide aus – und bleiben bis morgen da.


Alphorn II

Am Nachmittag lese ich ein wenig, spiele Alphorn und geniesse mein sorgenfreies Leben. Gegen Abend gehe ich nochmals in das Internet Café und komme wieder einmal in den Einfluss des bürgerlichen Lebens: Obwohl ich noch keine fixen Pläne für diesen Sommer machen möchte, muss ich bereits heute buchen, weil immer mehr Kurse ausgebucht sind. So reserviere ich in der Schweiz einen Alphornkurs für Anfang Juli und eine Mountainbiketour Ende Juli. Das gibt einen ersten Rahmen für meinen Sommerurlaub.


Donnerstag, 15. März

Die Wetterbesserung verzögert sich. Auch wenn es nur selten regnet, kommt der Wind aus den komischsten Richtungen und bleibt schwach. Für die Nacht sind weiterhin leichte und variable Winde angesagt. Und wir müssen in der Nacht los, um die 70 Meilen bis St. Barth sicher vor Sonnenuntergang zu schaffen. So segeln wir lediglich halb um Antigua in die Deep Bay, welche ein idealer Ausgangspunkt für die Überfahrt ist. Bei anfänglich schönem Passat gleiten wir über wunderbar türkisgrünes Wasser, welches von Riffen durchsetzt ist. Zum Glück sind sie tief genug oder deutlich über Wasser, so dass die Navigation problemlos ist.


Kleine Blue Bie, grosse Sunday Morning

Mitten in der Einfahrt zur Deep Bay liegt ein Wrack. Das müssen wir heute Nacht sauber umfahren! Eine Besichtigung mit Schnorchel und Flossen zeigt, dass es tief im Wasser liegt, nur der Schornstein und der Flaggenmast ragen auch nach 100 Jahren noch aus dem Wasser. Heute geniesse ich es wieder einmal Musik zu hören: Jean-Jacques Goldman und Joe Cocker unterhalten mich.

Auch wenn sich die Sonne wieder zeigt, scheint das Wetter noch nicht den normalen Passatrhythmus gefunden zu haben. Der Wind stellt am Abend komplett ab, Werner kocht einen Teller Ravioli und wir verschieben die Abfahrt nach St. Barth nochmals um einen Tag.


Freitag, 16. März

Ich geniesse den ‚freien’ Tag in der Deep Bay. Joggen, schnorcheln, dösen, lesen, Software installieren, Alphorn spielen, es gibt so viel ‚nichts’ zu tun. So verfliegt wieder ein Tag und Werner und ich gehen gemeinsam Nachtessen.


Samstag, 17. März

Um 2.00h machen wir Tagwache und lichten die Anker für die 70 Meilen nach St. Barth. Die ersten Stunden müssen wir bei leichten Winden motorsegeln, doch ab 6.00h ist der Wind stark genug, dass ich den Motor abstellen kann. Der Wind kommt achterlich und ich fahre Gross und Genua im Schmetterling. Schon herrlich, wie die Blue Bie ihren Weg durch die Wellen schlängelt. Es ist eine wunderschöne langsame leichte Rollbewegung.

Das Leben auf St. Barth ist schon leicht abgehoben: Restaurantpreise um die €28-38 bin ich mich nicht mehr gewohnt. Das zeigt einmal mehr den relativen Luxus: Hier zu wohnen würde mir nicht passen, denn ich würde könnte es mir nicht erlauben, regelmässig auswärts zu essen. Da passt es mir anderswo besser, wo ich mir den Luxus des auswärts essen regelmässig gönnen kann. Ich glaube, man muss sich seine Nachbarschaft gut aussuchen, um sich wohl zu fühlen. Das ist der Vorteil am ungezwungenen Leben: Ich kann es hier geniessen und nachher wieder weiterziehen kann. Werner und ich haben in einem etwas bescheideneren Restaurant Le Buccaneer für €21 einen super guten Mahi Mahi (Dorado) gekriegt.


Sonntag, 18. März

Ich geniesse es immer wieder, zum Frühstück irgendwo an Land einen Espresso zu trinken. An Bord mache ich mir selten die Mühe einen guten Espresso zu brauen. So geniesse ich in die Bar de l’Oubli einen Espresso und die wiederum zahlreichen schönen Leute in St. Barth. Am späten Vormittag ziehen Werner und ich weiter nach Marigot auf St. Martin. Bei 20kn achterlichen Winden rauscht die Blue Bie unter Vollzeug dahin. Erstmals seit langem werde ich wieder überholt: Von einer Swan 651 unter Spinnaker – das kann ich akzeptieren. Später kommt die Maltese Falcon entgegen – ein wirklich wunderschöner Anblick.

Auf dem Weg nach St. Martin komme ich an Tintamarre vorbei. Eine kleine Insel mit einer wunderschönen Ankerbucht. Da möchte ich bei Gelegenheit einmal hin.


Montag, 19. März

Heute gehe ich gross einkaufen. Doch zuerst versuche ich einen Mechaniker aufzutreiben um die leckende Stopfbuchse zu ersetzen. Die telefonische Vorbuchung letzte Woche war mehr als schwierig und auch auf mein Mail hat er nicht reagiert. Doch heute Nachmittag haben sie Zeit. So gehe ich zuerst in den grossen Yachtzubehörladen ‚Budget Marine’ um einen neuen Aussenborder und viele Kleinigkeiten zu kaufen. Auch wenn der alte Aussenborder noch läuft, stehen viele Reparaturen an. Das lohnt sich nicht wirklich. So kaufe ich einen Tohatsu Aussenborder, weil dieser bei gleicher Leistung leichter ist als ein Yamaha. Den alten Yamaha biete ich dem Yamaha Händler zum Kauf an. Nach einigeDiskussionen wieso ich keinen Yamaha kaufe, will er ihn mir tatsächlich für USD 200 abkaufen. Doch als ich ihn bringen will, steht der Chef der Firma am Dock und fragt, ob er helfen kann. Ich will schon ja sagen, da macht der Mechaniker vom Morgen hinter dem Rücken des Chefs „psssst“. Also sage ich nein und warte ab, was passiert. Und tatsächlich, der Mechaniker betreibt als Nebenjob einen Occasionshandel :) Doch ich erhalte mein Geld und alles andere ist nicht mein Problem.

Der Ersatz der Stopfbuchse ist kein Problem, abgesehen davon, dass sich die Welle nicht weit nach hinten schieben lässt. Also müssen wir das Ruder abmontieren. Doch das geht nicht, weil ich eine spezielle Schraube nicht finde. Also versuchen wir die Anode hinten am Propeller abzunehmen um einige Zentimeter zu gewinnen, denn es fehlt nicht viel. Ich gehe tauchen und was sehe ich? Die Wellenanode steht am Lagerbock. Da hätte das Ruder entfernen nichts gebracht. Einmal mehr ist das Entfernen nicht ganz. Doch schliesslich schaffe ich es, halb schnorchelnd, halb Salzwasser schluckend mit Imbusschlüssel und Schraubenzieher die Anode zu lösen. Der Rest ist dann eine Sache von 10 Minuten!

Vor Ladenschluss hole ich noch meine neuen Kites und mein neues Board.


Dienstag, 20. März

Eigentlich wollte ich heute eine Rösti zum Zmorge machen und mich dann gemütlich bereit machen, bevor ich mit Werner um 9.00h zu Budget Marina fahre. Doch um 8.55h weckt mich das Kettengerassel eines ankernden Bootes und ich schaffe es nicht einmal die Zähne zu putzen, bevor Werner kommt. So setze ich uns einen Kaffee auf und wir frühstücken gemütlich bevor wir losfahren. Heute finde ich bei Island WaterWorld auch noch einen Ersatz für meine blockierenden Genuaschlitten und so sind bis zum Mittag alle Pendenzen abgearbeitet.

Was gibt es schöneres als stundenlang das neue Kiteboard vorzubereiten und sich auf die schönen Kitestunden auf dem Wasser zu freuen? Dann habe ich noch die neuen Genuaschlitten montiert und die Zeit geht einmal mehr im Nu vorbei. Nach einer kurzen Session im Internet Café koche ich uns beiden etwas feines zum Essen. Was wohl denkt der geneigte Leser dieser Kolumne? Spaghetti. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass ich Spargeln, Rösti und Spaghetti offerierte und Werner die Spaghetti gewählt hat :)


Mittwoch, 21. März

Ich motore Richtung Orient Bay um dort meine neuen Kites ausprobieren. Doch es hat wenig Wind und so ankere ich vis à vis im Schutz der Insel Tintamarre, die ich vor einigen Tagen gesehen habe. Es kommt keine Robinson Crusoe Stimmung auf, denn zwei Ausflugsboote von St. Martin bringen Dutzende Leute. Doch der Strand ist herrlich, es ist schön zum Schnorcheln und ich geniesse den Nachmittag an Bord und am Strand.

Um 16.00h kehrt Ruhe ein. Das letzte Boot verlässt den Strand und ich bin alleine vor Anker. Nachdem ich vom Schnorcheln zurückkomme, sehe ich, dass der leicht Wind gedreht hat und die Blue Bie ungemütlich nahe am Strand liegt. War ich tagsüber weiter draussen als die meisten anderen Boote, passt es mir so nicht zum Übernachten. Ich verhole mich 100m weg vom Strand und ankere erneut - dank der elektrischen Ankerwinsch keine grosse Sache.


Tintamarre

Ich erinnere mich wieder, wie unwohl ich mich vor einem halben Jahr in einer einsamen Bucht auf Mallorca fühlte und mich näher zur Marina verholte. Heute geniesse ich die Ruhe in der einsamen Bucht total.


Donnerstag, 22. März

Der Wind scheint gut zum Kiten und so segle ich die kurze Passage von Tintamarre in die Orient Bay. Doch es hat zu wenig Wind und so lese ich erst etwas an Bord. Gegen Mittag frischt der Wind auf und ich mache die Kitesachen klar. Nachdem ich aufgebaut habe, fühlt sich der Kite plötzlich etwas schlapp an, doch ich registriere es zu wenig und gehe auf das Wasser. Beim ersten Sprung kollabiert die Fronttube und der Kite lässt sich nicht mehr starten. Ich packe mein Bündel schwimmend zusammen und schwimme an Land zurück.

Die Inspektion der Fronttube zeigt, dass sich das Ventil vom Schlauch gelöst hat. Ich versuche zu leimen, was sich am nächsten Tag erfolgreich herausstellt. Am Abend sind 8 Boote in der Bucht – 6 Katamarane und 2 Einrumpfboote. Während es normalerweise mehr Einrumpfboote als Katamarane hat, sind die Katamarane in der Überzahl, sobald der Hafenführer von unruhigen Ankerplätzen spricht. Um 17.00h stirbt die Orient Bay aus: Tagsüber ist sie voll mit Touristen in Liegestühlen und unter Sonnenschirmen, doch am Abend gehen sie per Mietwagen zurück zu ihren Hotels. So hat es abends kein geöffnetes Restaurant, während es tagsüber mehr als 20 hat. Ich mache es mir an Bord gemütlich, spiele noch etwas Alphorn und mache mir eine Suppe.


Freitag, 23. März

Heute ist der Wind ideal und ich gehe wieder kiten. Es passt alles: Die Fronttube hält und das neue Board fühlt sich richtig gut an. Es macht alles, was ich von ihm verlange. Doch der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen: Ich habe vergessen, die Schrauben beim neuen Board mit Loctite zu sichern. So löst sich eine Schraube und ich gehe an Land. Keine Problem – ich werde sicherlich eine Schraube an Bord finden. So gehe ich mit dem Dinghi durch die 70cm hohe Brandung, Motor anlassen und losfahren. Doch er startet nicht auf Anhieb, ich bin zu wenig weit draussen, das Dinghi dreht quer zur Welle und schwups kentere ich. Zum Glück kann ich das Dinghi sofort wieder aufrichten und an Land ziehen. Ich kann auch alle Kitesachen retten, die herausgeschwemmt wurden. Doch der Motor ist durchnässt und mache ich eine kleine Zerlegung. Natürlich läuft er nachher nicht :( Ich versuche gegen 15 Knoten Wind zur Blue Bie zurückzurudern, doch ich komme kaum vorwärts. Zum Glück sieht mich ein Parasail-Bootsfahrer und zieht mich zur Blue Bie – vielen Dank!

Dort läuft der Motor dann fast auf Anhieb. Ich lasse ihn eine Weile laufen – es scheint alles bestens. Und ja, die Schraube habe ich gefunden und habe alle Schrauben mit Loctite gesichert. Mit dem Wind ist es für den Tag jedoch vorbei. Schade. Doch ich hatte einen guten Kite-Morgen und keinen bleibenden Schaden. So jogge ich einmal den Strand hoch und hinunter und gönne mir eine Portion Nachos und einen Erdbeer-Margerita. Am Abend bin ich so müde, dass ich um 19.00h beim Lesen einschlafe und auf das Nachtessen verzichte.


Samstag, 24. März

Ich lese wieder einmal ein spannendes Buch, „Protect and Defend“ von Richard North Patterson. Und wie immer schaffe ich es kaum, mich vom Buch zu trennen. So lese ich bis um 10.00h, ehe ich mich zum Kiten motiviere. Ich kann gerade noch einige Male hin- und hercruisen bevor der Wind weg ist, muss aber an Land ‚Höhe laufen’. Dafür komme ich mit einem Amerikaner in’s Gespräch, der auch Kiten lernen möchte. Am Nachmittag lese ich wieder an Bord. Ich bin ganz froh, dass es keinen Wind mehr hat. Gegen 17.00h kommt der Amerikaner auf einem Jet-Ski vorbei und fragt, ob ich mit ihm und seiner Frau Nachtessen möchte. Ich nehme die Einladung gerne an, erst recht, da er sich die Mühe macht einen Jet-Ski auszuleihen um mich einzuladen.

So gehe ich erstmals seit einigen Tagen wieder an Land essen, das macht es schon spezieller. Wir fahren mit dem Auto in die Nachbarbucht Grand Case, wo sich ein Restaurant an das andere reiht. Wir geniessen einen schönen Abend und ich komme der Mentalität der Amerikaner einen kleinen Schritt näher.


Sonntag, 25. März

Heute lege ich das Buch früher zur Seite um den Morgenwind auszunützen. Das gelingt bestens und ich habe eine gute Kitesession. So langsam aber sicher komme ich wieder auf das Niveau, wo ich schon einmal war. Ich hätte vor meiner Reise nicht gedacht, dass ich so wenig zum Kiten komme. Dafür geniesse ich es umso mehr, wenn so wie heute alles passt. Am Nachmittag ziehen Wolken auf und der Wind nimmt stark ab. Wieder plaudere ich mit Amerikanern. Alles was ich gestern verstanden habe, wird heute in das Gegenteil gedreht. Das ist wirklich ein zwei Parteienland! Anschliessend fahre ich mit dem Dinghi zu einer 100 x 20m grossen Insel mit einem kleinen Sandstrand und lese mein Buch fertig. Danach spiele ich Coiffeur und Alphorn, ehe ich mir eine Rösti zum Znacht mache.


Montag, 26. März

Am frühen Morgen lichte ich den Anker und motore Richtung Simpson Bay. Zum zweiten Mal in 2 Wochen reisst der Keilriemen des Alternators. Irgendwas muss bei der Montage der Alternatoren falsch gelaufen sein, dass dieser schon wieder reisst. Nachdem umlaufende Winde angesagt sind, ankere ich nicht vor dem kleinen und recht exponierten Simpson Bay Strand zu ankern, sondern in der grossen Lagune. Die Passage durch die Hebebrücke ist auch mit einem Motor problemlos, ganz im Gegensatz zur Megamotoryacht vor mir, die grosse Mühe hatte und den Verkehr aufhält.

Simpson Bay ist auf der holländischen Seite von St. Marteen. Während Marigot auf der französischen Seite typisch französisch ist, ist Simpson Bay ganz amerikanisch. McDonalds neben KFC und Sportsbar. Nach dem Einklarieren suche ich einen Motorenmechaniker und werde schnell fündig. Doch er hat erst am Donnerstag Zeit. Das passt bestens, es hat keinen Wind und ich habe es nicht eilig. Beim Einklarieren höre habe, dass man beim McDonalds gratis in das Internet kann. So gehe ich ungern wieder einmal in den McDonalds. Doch die Pommes sind wirklich gut! Wie ich im Laufe der nächsten Tage erfahre, gibt es kaum einen Platz am Ufer ohne WiFi Empfang! So lade ich erst einmal Mails herunter. Am Abend kommt Werner von Marigot herüber. Ich freue mich, ihn wieder zu sehen und wir gehen gemeinsam Nachtessen.


Dienstag, 27. März

Heute Morgen nehme ich es gemütlich, bin einige Stunden im Internet und erkundige mich wegen einem neuen Satellitentelefon, da hier in St. Martin die günstigsten Einkaufsmöglichkeiten der ganzen Karibik sind. Und tatsächlich, sie haben Telefone an Lager. So gehe ich wieder in das Internet um zu schauen, was sie im Online-Handel kosten.

Am Nachmittag gehe ich mit dem Bus nach Philipsburg, der Hauptstadt von St. Maarten. Es sind zwei Kreuzfahrtschiffe hier und es hat tonnenweise Leute. Ich kaufe mir einen neuen PC Kopfhörer und eine Steelband CD. Nur im allerletzten Moment kann mich zurückhalten, einen Spontanuhrenkauf zu machen. Am Abend fahre ich mit dem Dinghi quer durch die Lagune nach Marigot um mit Werner Nachtessen zu gehen. Um den Nachhauseweg in der Dunkelheit zu finden, lasse ich den GPS mitlaufen. Ich hätte nicht gedacht, dass das Dinghi eine Maximalgeschwindigkeit von 20kn und eine Marschfahrt von 16kn erreicht.


Mittwoch, 28. März

Wieder ist grosses Einkaufen angesagt: Satellitentelefon und diverse Kleinigkeiten bei Budget Marine. Auf dem Weg dorthin stelle ich den Winkel des Dinghi-Motors flacher um zu sehen, ob das Dinghi so schneller läuft. Nein, tut es nicht, aber es wird unruhiger, weil der Bug höher steigt und von Wellen leichter aus der Bahn geworfen wird. So stelle ich den Motor wieder steiler und der Bug liegt tiefer und ruhiger. So lerne ich immer wieder etwas hinzu. Der Wetterbericht spricht von flauen Winden für die nächsten Tage. So ist keine Eile mit irgendetwas angesagt und ich geniesse den Nachmittag mit Dolce Far Niente.

Gegen Abend steige ich in den Mast um die Scheuerstelle zwischen Grossfall und Dirk zu beheben. Das Fall ist schon stark angescheuert. Da der neue Block – natürlich – nicht auf Anhieb passt, kann ich vor Ladenschluss noch einen passenden Schäkel kaufen gehen. Am Abend kommt Werner wieder vorbei und wir gehen zusammen Chinesisch essen.


Donnerstag, 29. März

Der Mechaniker kommt wie versprochen, doch mit karibischer Verspätung. Und am späten Vormittag kommt Werner vorbei um mich zu sichern, so dass ich im Masttop mit zwei freien Händen den neuen Block montieren kann. Die Verspätung nimmt mir genau jene Zeit, in der ich eigentlich meine Schwester anrufen wollte. Wir haben es seit drei Tagen nicht geschafft eine gemeinsame Minute für einen Anruf zu finden. Wer sagt da, eine Weltumsegelung ist die grosse Freiheit ;) Doch der Mechaniker ist schnell wieder weg – er glaubt die Keilriemenscheibe ist korrodiert. Kann sein, doch da er keinen Ersatz hat, schickt er mich in ein Elektromaterialgeschäft eine neue kaufen zu gehen. Doch keine passt. Der Verkäufer sagt, ich solle eine Minute warten. Aus einer Minute werden 30 und ein Nachfragen ruft einen Moment der Erinnerung hervor. Und wieder eine halbe Stunde später kommt er mit passenden Occasionsteilen, die in besserem Zustand sind als meine und gibt sie mir umsonst. So gebe ich ihm etwas für einen Feierabenddrink. Auf dem Schiff bringe ich die Scheiben mit Rostentferner und einem Scotch-Brite in einen nahezu neuwertigen Zustand.

Am Abend fahre ich mit dem Dinghi nach Marigot und hole Werner zum Nachtessen ab. Nach dem Nachtessen kommen wir im strömenden Regen zurück an die Dinghimole, doch das Dinghi ist nicht mehr da! Sch…, jemand hat das Dinghi geklaut. Doch es ist zu spät um auf die Polizei zu gehen. So bleibt uns nichts anderes übrig als auf einen anderen Segler zu warten, der uns auf Werner’s Boot mitnimmt. Und wie es so ist, wissen sie, dass hier eine Diebesbande ihr Unwesen treibt, Dinghis stiehlt und sie nachher im Schwarzmarkt verkaufen. Und nein, abgeschlossen hatte ich es natürlich nicht. Werner ist so lieb und leiht mir sein Dinghi, so dass ich auf die Blue Bie in’s Bett und mich am nächsten Tag organisieren kann.


Freitag, 30. März

Ich fahre zurück nach Marigot und schaue, ob sich jemand das Dinghi für eine Spritztour ausgeliehen hat. Doch leider nicht. So gehe ich zur Polizei und anschliessend mit dem Taxi zur Marineabteilung in das Nachbardorf. Sie nehmen die Anzeige auf, machen aber wenig Hoffnung. Ein Kontakt mit der Versicherung ergibt, dass sie nur bei abgeschlossenem Dinghi zahlen oder wenn ich glaubhaft machen kann, dass es nicht möglich war, das Dinghi abzuschliessen. Doch das gebe ich gar nicht erst vor.

So bin ich hin- und hergerissen. Soll ich warten bis das Dinghi zum Vorschein kommt oder ein neues kaufen? Und haben sie überhaupt ein Dinghi und einen Ausserborder vorrätig? Doch es ist so mühsam ohne Dinghi, dass ich ein neues kaufe. Hatte ich vor zwei Wochen (!) noch den letzten Motor gekriegt, so haben sie jetzt mehr als ein Dutzend an Lager! So habe ich am Abend wieder dasselbe Dinghi und Aussenborder wie vorher. Nur das Geld ist weg – dafür hätte ich wirklich bessere Verwendung gehabt. Und trotzdem bin ich ein wenig Stolz auf mich, mit wie viel Ruhe ich die ganze Geschichte gemeistert habe.

Wäre ich nicht mit dem neuen Dinghi zum Mechaniker gefahren und zu schauen, wo er bleibt, müsste ich wohl bis zum St. Nimmerleinstag auf meinen revidierten Alternator warten. Er hat kein freies Dinghi gehabt und hat sich deshalb für zwei Tage nicht gemeldet! Das zeigt einmal mehr, dass ohne Dinghi einfach nichts läuft!


Samstag, 31. März

Nach der ganzen Hektik von gestern mache ich nochmals einen ruhigen Tag. Ich frühstücke gemütlich, schreibe ein paar E-Mails und schaue auf dem Internet den Tages Anzeiger an. Dann räume ich ein wenig auf und gehe tanken (USD 0.78 pro Liter Diesel!), denn morgen möchte ich wieder Richtung Süden lossegeln. Den Rest des Nachmittags geniesse ich auf der Blue Bie, gönne mir ein kühles Bier und denke über Gott und die Welt nach. Bewusst mache und lese ich nichts, sondern lasse einfach meine Gedanken fliessen.

Auch wenn es aus dem Tagebuch nicht hervorgeht, ist es schon sehr lange her, dass ich eine Woche so im Einklang mit mir selber war. Es hilft sicherlich, dass ich nicht viel gemacht habe und mir immer wieder Zeit nahm zu reflektieren. Ich muss das in Zukunft noch bewusster machen. Es ist nicht ganz einfach, im Tagebuch eine gute Balance zwischen Aktivitäten und Stimmungen zu finden. Es gibt meist soviel über Ereignisse und Missgeschicke zu schreiben, dass die Stimmungen meist zu kurz kommen.

Am Abend schaue ich den Wetterbericht an. Er verheisst guten Wind für morgen, aber starke Dünung aus Norden. Das macht das Ankern in Saba, Statia oder St. Kitts, die möglichen Tagesziele von morgen, sehr ungemütlich. So beschliesse ich einen Mietwagen zu nehmen und nochmals an die Orient Bay kiten zu gehen.


Sonntag, 1. April

Mit dem Mietwagen geht es eine halbe Stunde an die Orient Bay zum Kiten. Als ich um 9.00h ankomme, sind bereits die ersten Kiter draussen. Der Wind ist super. So baue ich auf und bin auch bald auf dem Wasser. Die Bedingungen sind wirklich ideal und ich düse ein wenig in der Brandungswelle ausserhalb von Green Island herum. Ein wirklich gelungener Kitetag.

Vor dem Eindunkeln gehe ich noch beim australischen Bootsnachbar auf einen Tee vorbei. Er hat dieselben Reisepläne wie ich und wir werden uns wohl nächstes Jahr irgendwo im Pazifik wieder sehen. Der Wetterbericht spricht von abnehmender Dünung im Laufe des Montags. Doch um auf der sicheren Seite zu sein, will ich morgen nochmals kiten gehen :) Doch dann will ich wirklich los!


Montag, 2. April

Ich bin wohl etwas zu übermütig beim Kiten. Zwei, dreimal verreisse ich einen Sprung und lande ziemlich unsanft im Wasser. Zum Glück werde ich das Brett jeweils vor dem Eintauchen los und so passiert nichts ernsthaftes. Doch es macht riesig Spass und ich bin nachher so richtig schön schlapp.

Am Abend gehe ich ein letztes Mal mit Werner essen. Ich habe die Zeit mit ihm sehr genossen und wir hatten immer wieder sehr interessante Gespräche. Ich geniesse es schon, mit jemandem eine längere Zeit zu verbringen, denn so kann man auch einmal tiefer gehende Gespräche führen.


Dienstag, 3. April

Um 8.00h bin ich auslaufsbereit. Doch die Brücke, welche die Lagune vom Meer trennt, öffnet erst um 9.00h. Die Zeit brauche ich zumindest teilweise um den Anker langsam zu heben, da eine wunderschöne Yacht genau über meinem Anker liegt. Es gelingt mir, indem ich den Moment abwarte, in welchem die andere Yacht vom Wind kurz zur Seite getrieben wird.

Danach geht es unter der Hebebrücke durch und mit leichten Winden Richtung Statia. Es ist ein ganz gemütliches Segeln, hätte sich nicht die Autopilotaufhängung an der Pinne gelöst. Ich kann sie bestenfalls notdürftig reparieren und steuere den Rest des Tages von Hand. Das wird mich noch eine ganze Woche verfolgen, da ich für mehr als eine Woche keine passenden Schrauben kaufen kann. In Statia lege ich an einer Mooring Boje an. Sie sieht etwas sonderbar aus und ich tauche um sicher zu gehen. Die Mooringleine und der Mooringstein sehen gut aus und ich bleibe.


Simpson Bay Brücke

Mittwoch, 4. April

sUm 9.00h treffe ich zum ersten Tauchgang beim Golden Rock Divecenter ein. Wir sind zu dritt, ein amerikanisches Ehepaar und ich. Wir haben einen sehr gemütlichen Tauchgang, in dem ich eine Hawkbill Schildkröte, die sich im Gegensatz zur üblichen grünen Schildkröte von Schwämmen (und nicht von Seegras ernährt) und damit in den Riffen zu Hause ist, Langusten, einen grossen Tintenfisch und ganz putzige Pufferfische sehe. Über Mittag lege ich die Blue Bie an eine freigewordene offizielle Parkboje und gehe am Nachmittag nochmals tauchen.

Zum Abendessen gehe ich an ein BBQ mit Live Konzert des Hotels vor Ort und esse gemeinsam mit meinen Tauchpartnern und Seglern die ich einige Stunden vorher kennen gelernt habe. Die Leadsängerin der Band ist die Tauchinstruktorin mit der ich tagsüber getaucht bin. Sie singt wirklich gut – das Resultat von 7 Jahren Gospeltraining. Dazwischen gibt ein Gästeehepaar noch eine Blueseinlage. Ein absolut gelungener Tag und Abend.


Statia - Tauchcenter und Quill

Donnerstag, 5. April

Heute nehme ich mir den Quill, den mit 600 m.ü.M. höchsten – und einzigen – Berg von Statia vor. Die Wanderung ist schön. Es geht fast die ganze Zeit durch einen niedrig wachsenden Laubwald. Ich sehe mehr Eidechsen als ich Schritte mache, Schlangen und einige Einsiedlerkrebse. Oben angekommen, kann ich in den Vulkankrater hinuntersehen. Er ist längst erloschen und heute wächst darin ein tropischer Regenwald. Die letzten 300m auf den höchsten Punkt des Kraterrandes sind abenteuerlich. Ich muss mich mehr mit den Händen hochziehen als ich laufen kann. Obwohl es ein friedlicher Tag ist, habe ich heute nicht so den Frieden mit mir. Einige Gedanken nagen in mir und ich kann meine Gefühle nicht so recht identifizieren.


Weg auf den Quill

Freitag, 6. April

Nach zwei Tagen auf Statia, habe ich das meiste von der Insel gesehen und segle nach St. Kitts. Der Wind kommt genau von vorne und er frischt schon bald auf 16kn auf. Auch wenn die Blue Bie nicht allzu hoch am Wind segelt, bin ich bei diesen Verhältnissen mit Segeln schneller wie mit Motorsegeln. Bei Südostwind ist der Ankerplatz von Basseterre, der Hauptstadt von St.Kitts, sehr unruhig und ich segle weiter und werfe um 14.00h den Anker in der Whitehouse Bay. Es ankern noch zwei andere Yachten hier. Sonst ist weit und breit nichts zu sehen.


Samstag, 7. April

Eigentlich wollte ich heute St. Kitts mit dem Bike erkunden. Doch die Whitehouse Bay ist so weit weg von den Attraktivitäten der Insel, dass ich beschliesse die Erkundung auf die Nachbarinsel Nevis zu verschieben. Ich lichte früh am Morgen den Anker und es lohnt sich kaum, die Segel zu setzen, so kurz ist die Distanz. Doch der Wind bläst stark von vorne und mit einem Motor alleine komme ich kaum vorwärts. So setze ich das Grosssegel und bin um 10.00h in Nevis. Wider Erwarten ist die Ankerbucht ruhig und ich kann die Blue Bie guten Gewissens alleine lassen. So sattle ich mein Bike, verlade es in das Dinghi und mache mich auf, die Insel zu erkunden.


Blue Bie vor Nevis

Nevis hat grosse lange Zuckerrohrtradition und einige Besitzer haben in der Zwischenzeit Plantagen aus dem frühen 19. Jahrhundert in wunderschöne kleine Hotels umgewandelt. Die Insel ist wunderschön grün mit einem grossem Pflanzenreichtum, nur Zuckerrohr sehe ich keines mehr! Ich fahre an der Vulkanschulter entlang immer weiter nach oben, bis ich einen Pass erreiche. Dann geht es nochmals weiter bergauf bis zum Golden Rock Estate, wo ich im Garten einer ehemaligen Plantage zu Mittag esse. Der Garten und die Aussicht sind wirklich einmalig. Ich könnte hier eine Woche Urlaub machen. Nur schade, dass ich die Kamera auf dem Schiff vergessen habe. Für den Nachhauseweg zeigt mir die Besitzerin noch einen Nebenweg und so geht es erst zu Fuss durch den Urwald und dann vollkommen verkehrsfrei zurück nach Charlestown. Hier sieht man auch ein anderes Nevis: Freilaufende Schweine und Wäsche die noch von Hand am Trog gewaschen wird. Freilaufende Schweine sind für mich ein Novum, während freilaufende Hühner in der Karibik üblich sind.


Sonntag, 8. April

Um 6.00h werde ich von einem Gospelchor geweckt, der in der nahe gelegenen Kirche die Ostersonntagsmesse feiert. Noch einmal umdrehen und dann aufstehen, denn heute gibt es einen langen Schlag nach Montserrat. Nach dem Runden des Kaps von Nevis sehe ich, dass ich Montserrat nicht direkt anlaufen kann, sondern einmal mehr kreuzen muss. Das gibt einen langen Tag. Doch mentale Selbstkontrolle hilft auch hier. Statt immer wieder auszurechnen, wie lange es noch geht und wann ich ankomme, kann ich diese Gedanken nehmen und sie beiseite schieben. Auch wenn der Wind zweimal genau falsch dreht, verliere ich meine Ruhe (fast) nie. Ich habe mich die letzten Tage viel mit Meditation und einer anderen Form von Energiegewinnung befasst, wie sie in den „Prophezeiungen von Celestine“ beschrieben werden. Ich geniesse diese Auseinandersetzung mit meinem Geist und meinen Gedanken und habe das Gefühl, sie bringt mir einiges in Bezug auf meinen inneren Frieden. Es ist ein langer Weg, doch ich komme immer wieder einen kleinen Schritt weiter.

Nach 15.00h komme ich in Montserrat an. Hier ist grosse Osterparty und der ganze Strand dröhnt wie eine Disco. Doch für die Lautstärke hat es erstaunlich wenige Leute. Montserrat wurde 1995 durch einen Vulkanausbruch stark zerstört und zwei Drittel der Leute sind ausgewandert. Es gibt kein Mobiltelefonnetz auf der Insel (zumindest keines, das ich gefunden hätte), dafür hat der lokale Telefonanbieter gratis WiFi für die ganze Insel installiert. So schaue ich wieder einmal, was im America’s Cup gelaufen ist und schreibe einige Mails. Schon Wahnsinn, wie viel Zeit ein Mail in Anspruch nimmt. Gegen Abend bricht der Server zusammen und kommt nicht mehr zum Laufen, bevor die Ostern vorbei sind. Auch das ist Karibik! Am Abend koche ich mir eine Suppe und lese an Deck von Blue Bie unter einem wunderschönen Sternenhimmel.


Montag, 9. April

Frühmorgens sattle ich wieder mein Bike um das Vulkanobservatorium aufzusuchen. Es sind zwar nur 10km, aber es geht ständig bergauf und bergab. Weil es in der Karibik nie Schnee gibt, sind die Strassen häufig so steil, dass ich kaum hochkomme. Doch auch die Rampe zum Observatorium schaffe ich mit letzter Kraft auf dem Bike. Noch immer ist der Soufrière Vulkan aktiv. Er befördert circa 10 Kubikmeter Material jede Sekunde nach oben werden und bildet einen Dom, der alle 2-3 Jahre unter grossem Ascheauswurf implodiert. Schon Stunden später beginnt der Vorgang wieder von vorne.


Von der Lava abgeschnittene Villen

Unglaublich, was der Vulkanausbruch von 1995 für Konsequenzen hat. Ganze Gegenden mit schönsten Villen liegen im Sperrbezirk und dürfen nicht mehr betreten werden. So stehe ich mit dem Bike mitten auf einer Strasse plötzlich vor einer Tafel: Sperrzone – betreten strikte verboten. Am Nachmittag erledige ich wieder ein paar anfallende Kleinigkeiten. Jeden Tag etwas anderes, heute Unterwasser putzen, Fahrradschloss ölen, Gummi an der Pumpenhalterung ersetzen und den Geschwindigkeitsgeber der Blue Bie entkalken. Nachher gehe ich noch in die Bar der Tauchschule. Hier treffe ich einige Expats: Einen Amerikaner, einen Kanadier und einen Deutschen mit seiner Freundin aus Guyana. Sie treffen sich jeden Freitagabend und jeden Sonntag um 14.00h. Viel scheint die Insel nicht herzugeben! Zumindest haben sie es gut miteinander, doch ein Fremder wie ich wird sofort ausgequetscht! Es sind nur zwei Segelboote in der Bucht. Das andere Ehepaar ist seit 22 Jahren unterwegs, hat diverse Bücher geschrieben und hat bereits 111 Länder bereist. Ob ich das je erreichen werde?


Dienstag, 10. April

Was für ein herrlicher Segeltag. 18kn Wind, leichter Amwindkurs und die Blue Bie rauscht mit 9kn Fahrt durch das Wasser. So könnte das Segeln nie aufhören. Weil es so schön ist (und ich bereits dreimal in Deshaies war) lasse ich Deshaies aus und ziehe bis nach Pigeon Island durch. So kommen 50 Meilen zusammen, alles von Hand gesteuert. Pigeon Island oder auch „Cousteau Unterwassernationalpark“ ist ein Naturschutzgebiet, dass aber viel zu klein ist um die Tiere genügend zu schützen, so dass andere Inseln wie Statia, ein viel schöneres Tauchgebiet bietet. Doch die Bucht ist hübsch und mir gefällt es. Es stört mich auch nicht mehr, dass der Wind (hinter dem Gebirge von Guadeloupe wieder einmal aus Westen) mit 10kn auflandig in die Bucht hinein steht. Die Wellen sind recht klein und die Blue Bie liegt ruhig.


Soufrière

Vor dem Nachtessen spiele ich zur Freude der Bayern nebenan noch etwas Alphorn. Leider kriege ich kaum einen Ton richtig hin und ich höre nach 10 Minuten leicht enttäuscht wieder auf. Zum Glück geht es am nächsten Tag meist wieder besser.


Mittwoch, 11. April

Nochmals geht es in Lee von Guadeloupe entlang. Wie meist hinter den hohen Inseln ist der Wind schwach. Doch ich habe es nicht eilig und ich segle. Gegen das Kap dreht der Wind schlagartig auf. Gut, dass ich bereits vorher ein Reff in das Gross gemacht habe. Wieder einmal muss ich kreuzen. Doch bevor ich an meinem Tagesziel Saintes ankomme, beschliesse ich direkt nach Le Gosier durchzuziehen. Auf den Saintes war ich wie in Deshaies schon einmal. Wieder einmal meint es der Wind nicht gut mit mir. Er dreht auf die Nase und aus einem langen Amwindschlag wird für eine halbe Stunde eine Kreuz. Doch zum Glück dreht der Wind zurück und ich komme nach langen 8 Stunden in Le Gosier an. Ich bin schon froh, dass ich morgen in Pointe à Pitre, passende Schrauben kaufen kann und dann nicht mehr alles von Hand steuern muss. Das lange Steuern ist ein kleines Problem. Aber ich kann nicht einmal auf die Toilette gehen, etwas essen und auch beim Wenden oder anderen Segelmanövern fehlt eine Hand.


Le Gosier

Le Gosier ist eine wirklich schöne Ankerbucht hinter einer kleinen Insel. Doch für einmal fühle ich mich im Ort nicht wohl. Obwohl es schöne und massive Häuser sind, sieht alles sehr heruntergekommen aus. Es hilft sicherlich nicht viel, dass die ganze Strasse aufgerissen ist und renoviert wird. So freue ich mich, morgen in Pointe à Pitre zu sein.


Donnerstag, 12. April

Bereits um 7.00h mache ich den kurzen Schlag nach Pointe à Pitre. Ich gehe nicht in die Marina, sondern ankere gut geschützt hinter zwei Riffen und neben einer schönen Insel in der grossen Einfahrt. Die Marina bietet für die Kosten viel zu wenig - nicht einmal warme Duschen haben sie – und mit dem Kat musste ich immer auf die gegenüberliegende Hafenseite, so dass ich trotzdem immer das Dinghi brauchte. Noch bevor der Zoll um 9.00h öffnet bin ich an Land, reserviere einen Mietwagen um morgen Tanja am Flughafen abzuholen, gebe die Wäsche ab und rufen Marius, meinen Göttibuben an, der vor zwei Tagen Geburtstag hatte. Leider konnte ich ihn vorher nicht anrufen, da ich kein Internetzugang hatte. Doch es scheint als habe er sich auch heute gefreut.

Wieder erwarten, kann ich das leicht defekte Bimini zur Reparatur geben und erhalte es morgen zurück. Auch am Dinghidock hat es nur halb so viele Dinghis wie noch vor 4 Wochen. Nach einem späten Mittagessen - Nachos und ein Bier :), schrubbe ich das Deck und mache die Blue Bie klar für Besuch.


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