Galapagos - Osterinsel

Galapagos - Osterinsel in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)


Isabela

So ganz wollen wir die Galapagos Insel noch nicht verlassen und würden gerne noch Isabela besuchen. Offiziell darf man dort ohne teure und aufwendige Bewilligung zwar nicht ankern, aber wir haben ‚Glück‘: Moni’s Ohr hat sich in der Nacht entzündet und das Wasserstag des Gennakerbaums ist bei nicht allzu starken Winden gebrochen: Das letzte Originalstag von Blue Bie ist nach 10 Jahren durchkorrodiert! Kaum haben wir geankert kommt auch schon die Capitaneria vorbei, schaut sich den Schaden an und fordert uns auf, umgehend in das Büro zu kommen. Nach zwei Tagen, drei Gängen auf die Capitaneria und in das Spital (unter anderem für ein Zertifikat, dass wir nicht unter Schweinegrippe leiden) dürfen wir ein paar Tage bleiben.


Cuddly sea lion

Doch wir haben uns zu früh gefreut – nachdem wir mit Flossen bewaffnet auf eine Tour warten, stoppt uns ein Navy-Soldat: wir dürfen uns nur auskurieren, Blue Bie reparieren und im Dorf einkaufen, aber kein Tourismus machen. Doch auch das Dorf ist eine erfreuliche Abwechslung zu Puerto Ayora: Breite ‚Sandstrassen‘ eine gemütliche Gangart, kaum Verkehr, ein schöner Strand und Restaurants bieten ein schönes Bild und das eine oder andere Fotosujet.


Isabela beach

Eigentlich sind wir ja wegen den Pinguinen hergekommen, doch diese zeigen sich leider nicht. So haben wir unser Ziel halb erreicht: Wir waren auf Isabela und hätten die Pinguine gesehen, wären sie denn da gewesen. Moni hat sich dank Antibiotika schnell erholt und ich konnte das Wasserstag mit High-Tech Tauwerk ersetzen, welches ich für diesen Zweck vor zwei Jahren in St. Martin gekauft habe.


Isabela sunset

10. Mai

Wir laufen bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Passatwind von Isabela aus. Wir haben den ganzen Tag beste Segelbedingungen und testen das neue Wasserstag, welches bestens hält. Delfine kreuzen unseren Weg und springen meterhoch, doch keine Minute später ist das Spektakel vorbei ohne dass die Kamera an Deck war. Wir sehen einen wunderschönen Sonnenunter- und bald darauf einen einmaligen Mondaufgang: Er steigt gelb-rot aus dem schwarzen Meer – noch nie habe ich ihn so gross und so farbig gesehen.

Im Laufe der Nacht nimmt der Passat zu und wir wechseln vom Gennaker auf die Genua.


11. Mai (Etmal 178 Seemeilen)

Der Passat steigert sich weiter, Blue Bie‘s Bewegungen werden heftiger und das Leben an Bord anspruchsvoller: Ich muss mich dauernd festhalten oder breitbeinig stehen und Geschirr braucht besseren Halt. Wir müssen beide ein wenig wegen der Seekrankheit aufpassen, können nicht allzu lange an etwas arbeiten. Doch das ist auch nicht nötig, ausser kochen, abwaschen, Tagebuch schreiben und dem Service an einer Winsch gibt es nichts zu tun. Wo sonst ist nichts tun so Programm?


Life at sea

12. Mai (Etmal: 194 Seemeilen)

Der Passat ist sehr konstant und die Segelarbeit reduziert sich auf ein Reff einbinden und einen halben Tag später wieder ausschütten, Logbuch führen und alle 15 Minuten Ausguck halten. Blue Bie bewegt sich ganz schön in der zwei Meter hohen Dünung, doch immerhin kann ich kapitelweise lesen.

In der Nacht frischt der Wind auf 24kn auf und wir verbringen eine rauhe Nacht an Bord. Blue Bie ist mit einem Reff in Gross und Genua ideal besegelt, doch in der kurzen, steilen Welle schräg von vorne ist sie ganz schön unruhig.


13. Mai (Etmal 204 Seemeilen)

Der Wind bleibt, die Wellen werden länger und höher. So ist es eine Freude Blue Bie von Hand zu steuern. Sie liegt vollkommen ausgewogen auf dem Ruder und lässt sich mit zwei Fingern dirigieren. Umso schöner, dass wir in den letzten 24 Stunden mehr als 200 Seemeilen zurücklegen konnten; nicht viele Boote sind dazu in der Lage.


14. Mai (Etmal 208 Seemeilen)

Auch tausend Seemeilen vom nächsten Land sind wir von viel Leben umgeben. Es vergeht kein Tag ohne dass Sturmvögel (Petrel) und Seeschwalben Blue Bie umfliegen und auch meine Freunde, die fliegenden Fische, sind omnipräsent. Ihre Abwesenheit zwischen Panama, Salinas und Galapagos kann ich leider nur als ein massloses Überfischen dieses Gebietes interpretieren. Zudem finden wir jeden Morgen tote fliegende Kalmare (Squids) an Deck. Auch an Wellen, Wolken, Sonnen- und Mondauf- und untergängen kann ich mich nie satt sehen.

Geschwindigkeiten und Wellen die sich tagsüber normal anfühlen und hören, erscheinen in der Nacht, wenn das Boot durch die schwarze Nacht rast und Wellen unter das Brückendeck schlagen, doch sehr bedrohlich. So schwanke ich zwischen Angst, dass das Boot strukturell leiden könnte und Ärger über meine Ängstlichkeit – segle ich doch schliesslich weit innerhalb der Vorgaben der Werft.


Moni

15. Mai (Etmal 200 Seemeilen)

Die Nacht war extrem böig mit Wind von 10-32kn. Die Besegelung war mit 2 Reffs in Gross und Genua ist ok, doch in einer Böe zerriss der aufgerollte Gennaker. Mit Bordmitteln lässt er sich nicht mehr reparieren; er braucht (zumindest) eine neue Bahn. Ich werde versuchen ihn in Tahiti reparieren lassen - doch es ist noch ein ganzes Stückchen bis dahin (4000 Seemeilen) und wir werden ihn vermissen. Er hat langsam aber sicher (zu-)viel Sonnenlicht gesehen und ich muss ihn bei Gelegenheit wohl ersetzen. So sind wir etwas müde, aber ok.


Water on deck

16. Mai (Etmal 180 Seemeilen)

Gut, wenn man sein Boot kennt: Gestern habe ich beobachtet wie die Ladeleistung nur 30Ah anstatt 45Ah beträgt. Als sie heute auf 20Ah abfiel, musste ich bei 20kn und 3m Welle wohl oder übel in den Motorraum um dem auf den Grund zu gehen. Wie erhofft, musste ich nur den Keilriemen nachspannen … und da ich heute mehr Touren- als Regattasegler bin, bin ich dafür sogar 40° von meinem Kurs abgefallen um einfachere Arbeitsbedingungen zu haben:)

Die Nacht war noch immer böig mit zahlreichen Regenschauern. Doch das scheint jetzt vorbei zu sein und die Sonne lacht vom Himmel. Der Wind kommt ein weniger achterlicher und so ist es ein wenig gemütlicher als die letzten Tage. Langsam aber sicher fallen die Temperaturen. Tagsüber noch immer warm, brauchen wir nachts so langsam die Decke.

Man könnte meinen, ich hätte mich eines Tages an den Sonnenuntergängen satt gesehen und sie wiederholen sich. Beides weit gefehlt – heute fliesst die Sonne flüssigem Gold gleich unter einer tiefen Wolkendecke direkt in das Meer.


Riding the storm

17. Mai (Etmal 200 Seemeilen)

Ich schlafe zum ersten Mal fast die ganze Nacht durch. Das anstrengende Segeln der letzten Tage fordert schon seinen Tribut. Das Leben an Bord ist bei Winden von 12-20kn schon sehr viel angenehmer als bei über 20kn. Die Geschwindigkeit ist praktisch gleich, nur die Bewegungen sind aufgrund der kleineren Wellen viel angenehmer und wir können lesen, schreiben oder auch mal etwas Manuelles machen, was bei über 20kn doch sehr anspruchsvoll ist.

Endlich kann ich mich in die faszinierende Geschichte unserer nächsten Destination, der Osterinsel, einlesen. Das Buch ‚Collapse – how societies chose to fail or survive‘ von Jarred Diamond gibt Einblick wieso 20 verschiedene Gesellschaften in der Vergangenheit und Gegenwart gescheitert sind – unter anderem auf der Osterinsel. Fast immer hat es mit der Balance des Bevölkerungswachstums, zu langsames Wachstum von Bäumen / Tieren um die zunehmende Nutzung zu kompensieren, und der Erosion guter Erde zu tun. Bis die Menschen den Schaden bemerken, ist es bereits zu spät und irreparabel. Kommt das bekannt vor? Nicht von ungefähr ist (war?) der Autor Präsident des WWF in Amerika….


18. Mai (Etmal 136 Seemeilen)

Der Wind geht weiter zurück und erreicht keine 10 Knoten mehr. Gemäss Wetterbericht soll er die nächsten 48 Stunden leicht bleiben und noch achterlicher drehen – Grund genug, wieder einmal den Spinnaker zu setzen. Normalerweise bevorzuge ich den Gennaker – er ist viel breiter einsetzbar – doch was man nicht hat, hat man nicht! Die Sonne strahlt vom Himmerl, der Spinnaker steht prächtig und zieht Blue Bie mit rund 5 Knoten durch den tiefblauen Pazifik, der Osterinsel entgegen. Das Segeln und vor allem das Leben an Bord sind bei diesen Bedingungen schon viel angenehmer. So stelle ich mich auch gerne länger in die Küche und mache zur Abwechslung Omeletten zum Frühstück. Wir sind bis jetzt sehr gut vorangekommen und sollten in 2-3 Tagen ankommen.

Beim schweren Wetter der letzten Tage hatte ich keine Lust zum Fischen – und erst recht nicht einen Fisch auf dem schmalen Achterdeck auszunehmen. Doch heute habe ich die Angel ausgeworfen und hatte Erfolg. Und wie: Per Zufall schaute ich gerade nach achtern als ein Dorade an der Wasseroberfläche aus 5 Meter im rechten Winkel auf den Köder zurast und zuschnappt – so nahe an der Oberfläche, dass seine Rückenflosse die Wasseroberfläche teilt. Ein einmaliges Schauspiel.


19. Mai (Etmal 110 Seemeilen)

Der Wind bleibt insgesamt leicht und so segeln wir den ganzen Tag unter Spinnaker. Während dem Nachtessen kochen sage ich zu Moni: „Komisch, es ist so ruhig draussen – wie wenn der Wind plötzlich weg ist.“ Vor dem Essen will ich kurz den Spinnaker kontrollieren, doch wo ist er? Dort wo er sein sollte, strahlen Sterne von Himmel und auch hinter dem Gross hängt er nicht. Meine Frage „Wo ist der Spinnaker“ kann Moni auch nicht wirklich beantworten:) Nein, er ist nicht davongeflogen – er ist im Wasser! Ich berge erst das Grosssegel und dann den Spinnaker aus dem Wasser. Der Ring am Top hat sich geöffnet und aus dem Spinnaker ausgefädelt.

Doch die grösste Sensation des Tages ereignet sich in der Backstube: Ich backe (als zweites Brot insgesamt) auf Anhieb einen perfekten Zopf!


My first 'Zopf'

20. Mai (Etmal 154 Seemeilen)

Ein wunderschöner Sonnenaufgang begrüsst mich mit einem himmelüberspannenden Regenbogen. Wir werden morgen ankommen und so sind Hausaufgaben angesagt: Detailkarten der Osterinsel und Ankerplätze studieren und im GPS eintragen.

Während der Nacht frischt der Wind nochmals auf 30kn auf. Wir wollen nicht vor Sonnenaufgang ankommen und segeln mit 2-3-fach gereffter Genua ohne Gross und laufen trotzdem über 7 Knoten. Es ist mir schon ein wenig mulmig: Der Wetterbericht zeigt für den morgigen Tag stark umlaufende Winde und keine Ankerbucht der Osterinsel scheint sicher.


Sunset under spinnaker

21. Mai

Die Osterinsel erwartet uns mit stürmischem, regnerischen Wetter und einer Sichtweite unter 200m. Den Seekarten traue ich in einem neuen Gebiet nie vollständig und bin froh als die Osterinsel auf dem Radar am richtigen Ort auftaucht! Wir kontaktieren über UKW-Funk ‚Pascua Radio‘ und werden aufgrund starken Seeganges angewiesen, nicht in der Hauptbucht von Hanga Roa, sondern um die Ecke in Vinapu zu ankern. Hier fällt der Anker gegen Mittag nach über 2‘000 Seemeilen in einer verhältnismässig ruhigen Bucht.

Die Osterinsel präsentiert sich auf der Südseite mit hohen Klippen in allen Farben und satten grünen Wiesen. Wir geben unsere Ankunft in Vinapu durch und werden beschieden, dass die Beamten wegen ungünstigen Verhältnissen erst morgen zu unserer Einklarierung erscheinen werden. Ungünstige Verhältnisse?!? Ja ja, es ist Feiertag auf der Osterinsel:) So bleiben wir den ganzen Tag an Bord, essen erst mal kräftig zu Mittag, machen Siesta und machen Blue Bie nach der langen Fahrt wieder ein wenig salonfähig.


Alphorn meets Easter Island

22. Mai

Ich bin schon lange von der Kultur der Osterinsel und deren Untergang fasziniert und die Osterinsel war eine der Eckpfeiler meiner Reise. So bin ich schon ein wenig berührt als wir die Insel erstmals betreten. Es ist auch die erste Insel Polynesiens auf unserer Reise. Doch was sind Polynesien, Mikronesien und Melanesien oder Ozeanien? Wir werden die nächsten Jahre in dieser Region verbringen und ich bin dieser Frage im Bericht „Was ist Ozeanien?“ nachgegangen.


Hanga Roa

Hanga Roa ist ein üppig grünes Dorf mit einfachen, aber schmucken Holzhäusern. Es erinnert uns bezüglich Kleidung, Natur und Häuser stark an Hawaii, der einzigen Insel Polynesiens die wir kennen. Am Hafen hat es zwei Tauchcenter und ein kleines Café mit hervorragendem Glacé – ein Treffpunkt, wo wir auch die Crews der beiden anderen Yachten, einem englischen Ehepaar und vier jungen Norwegern, treffen. Schnell kommen wir in Kontakt und treffen uns hier in den nächsten Tagen immer wieder. Ich habe diese spontanen Seglertreffs in Galapagos schon sehr vermisst. Wir essen lokale Spezialitäten zum Nachtessen: Hühnchen, Schweinefleisch, Fisch und Süsskartoffeln, welche während 2 Stunden auf mit heissen Steinen abgedeckten Kohlen gegart wurden und sehen anschliessend eine lokale Tanz-Show.


Easter Island barbecue

23. Mai

Wir besuchen am Morgen das kleine, aber interessante Ortsmuseum. Polynesier haben die Osterinsel irgendwann in den Jahren 400 – 700 von Französisch Polynesien aus besiedelt. In deren ‚Hochkultur‘ von 1‘200 – 1‘700 war die Insel unter 10 Familien / Clans aufgeteilt. Sie hatten keine ‚Religion‘ an sich, sondern verehrten ihre Vorfahren mit Grabstätten und bis zu 10m hohen Statuen, den berühmten Moais. Bis zu 15‘000 Personen haben auf der Osterinsel gelebt. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts haben sie die Insel vollkommen entwaldet um Holz für den Transport der Moais und Brennholz zu gewinnen und haben damit die eigene Lebensgrundlage zerstört. Es gab immer weniger zu essen und ab 1680 bekämpften sich die Clans in Bürgerkriegen.

Am Ostersonntag 1772 wurde die Osterinsel durch den Holländer Jacob Roggeveen entdeckt. Zu dieser Zeit standen die meisten Moais noch. James Cook der die Insel 1774 besuchte, registrierte viele zerstörte Moais. Europäische Seuchen und zwei peruanische Schiffe 1862, welche fast die ganze verbleibende Bevölkerung abtransportierte und versklavte, haben noch ein paar Hundert Bewohner übrig gelassen, welche 1888 von Chile annektiert wurden. Heute stellen die Nachfolger der Polynesier und die Chilenen je die Hälfte der Bevölkerung von rund 4‘200 Leuten.


24. Mai

Einmal mehr verschieben die Meteorologen die Ankunft eines Tiefdruckgebietes und wir erkunden mit dem Mietwagen die eine Hälfte der Osterinsel. Zuerst erkunden wir Orongo, ein aus Schiefer gebautes Dorf, welches nach dem Untergang der Hochkultur jeweils einige Wochen im Jahr für die Kürung des Vogelmannes verwendet wurde. Die Aufgabe war einfach: Wer als erster mit einem Ei der auf dem vorgelagerten Felsen nistenden Zugvögel zurückkommt, hat für ein Jahr magische Kräfte, wird für ein Jahr verehrt und von allen ernährt.


Anakena beach

Die Osterinsel ist keine 20km lang und wir erreichen in einer Viertelstunde auf einer guten Strasse das andere Ende der Insel, den Strand von Anakena und sehen den ersten Grabstätten (Ahu) und den darauf errichteten Moais. Stoisch, doch ganz schön verwittert schauen sie über das frühere Dorf, von welchem heute nichts mehr zu sehen ist. Anschliessend fahren wir auf einem Feldweg der Küste entlang zurück und sehen diverse Ahus. Die einen wurden wieder errichtet, die anderen sind noch immer zerstört wie nach den Stammesfehden. Ein Dorf hatte sogar ein aufgeschüttetes Kanu-Dock.


Moai watching Blue Bie

Abends laden wir Vero und Christian, einem Schweizer Ehepaar das die mit dem Fahrrad die Welt umrundet und die ich im Hochland von Peru getroffen habe, zu einem Nachtessen auf Blue Bie ein. Christian ist ehemaliger Seemann und wir haben viel zu erzählen und zu lachen.


Ancient dinghi dock

25. Mai

Eigentlich wollten wir mit Vero und Christian segeln gehen. Doch ein Pferd hatte über Nacht an ihrem Zelt geknabbert und sie müssen sich um die Reparatur kümmern. So kümmere ich mich auch um ein paar Kleinigkeiten an Blue Bie und wir legen uns für zwei Stunden in eine Wiese.

Am Abend sehen wir in einem Hotel Kevin Costner’s Film ‚Rapa Nui‘. Ohne die Information der letzten Tage wäre es ein etwas kitschiger Abenteuerfilm. So hingegen können wir viele der kitschigen Übertreibungen und Vereinfachungen wegdenken und sehen, wie es damals hätte sein können.


Easter Island dance show

26. Mai

Nach einem Abschiedskaffee mit Vero und Christian frischt der auflandige Wind zünftig auf und schnell bilden sich brechende Wellen in der Bucht. Schon einige Segler sind auf der Fahrt mit dem Dinghi in den Hafen gekentert und wir entschliessen uns Hanga Roa zu verlassen.


Coffee mit Vero und Chrigu

Nach zwei Stunden erreichen wir am anderen Ende der Insel die Bucht Hotu Iti. Dank polarisierter Sonnenbrille finden wir auch bei bedecktem Himmel ein sandiges Plätzchen für unseren Anker. Es ist ein absolut traumhafter Platz. Im Nationalpark gelegen, hat es ausser einer Fischerhütte kein Haus, nur grüne Wiesen und Felsen und wir sind die einzige Yacht vor Anker. Doch am imposantesten sind die 15 Moais von Tongariki, welche am Ufer stehen.


Ahu Tongariki

Nachdem die letzten Touristen zurück nach Hanga Roa gefahren sind, gehen wir an Land und lassen die Moais auf uns wirken. Die bis zu 10m hohen Statuen strahlen eine unendliche Ruhe aus und wir versuchen uns vorzustellen, wie die Polynesier hier gewohnt haben und lassen unsere Seele baumeln.


Blue Bie in Easter Island

27. Mai

Zu Fuss erreichen wir Rano Raraku, den kleinen Vulkankrater, in welchem die 900 Moais der Osterinseln gehauen wurden. 400 wurden auf den Grabstätten errichtet, 100 waren unterwegs zu den Grabstätten und weitere 400 waren in Arbeit im Steinbruch. Es muss eine gewaltige Beschleunigung der Moai Bautätigkeit gewesen sein, dass so viele in Transport und Produktion gewesen sind. Ebenso unvorstellbar ist der schnelle Untergang der Gesellschaft, dass die Produktion so abrupt beendet wurde. Wahrscheinlich waren die Clan-Chefs aufgrund der immer geringeren landwirtschaftlichen Produktion nicht mehr in der Lage die Arbeiter zu ernähren und diese haben praktisch über Nacht zu streiken begonnen und es kam zum schon erwähnten Bürgerkrieg.


Rano Raraku

Heute ist es ein gepflegtes Freilichtmuseum und überall sehen wir begonnene, halbfertige oder fast fertige Moais. Sie wurden mit einfachstem Werkzeug geschlagen, da die Polynesier nur Steinwerkzeuge hatten. So sind die Moais nur aus mittelhartem Vulkangestein, da sie das härtere Gestein für die Bearbeitung der Moais brauchten.


Rano Raraku II

Wir sehen einen Moai von 21m, doppelt so gross und wohl viermal schwerer wie alle anderen. Der Transport hätte sicherlich ganz neue Probleme aufgeworfen. Ein anderer Moai ist mit Beinen abgebildet. Die Legende sagt, dass die Steinhauer dafür bestraft wurden, denn die Toten im Jenseits und brauchen keine Beine. Deshalb sind alle Moais nur von den Hüften an aufwärts abgebildet. Gegen Abend kehren wir zu unserem Ahu Tongariki zurück, lesen und ich versuche gute Fotos der Moais und Blue Bie zu machen.


Ahu Tongariki II

Die Osterinsel ist der faszinierendste Ort, den ich bis jetzt auf meiner Reise angelaufen habe. Die Ruhe, welche die Moais und die Landschaft ausstrahlen, die Geschichte der Gesellschaft und deren Untergang sind einfach faszinierend – ich könnte noch lange hier bleiben und mich darin vertiefen.


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