Maui - Oahu

Maui - Oahu in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)


25. Februar

Die letzten Tage war ich aufgrund einer länger anhaltenden Flaute nicht mehr kitesurfen. Heute stellt sich der Passat wieder ein und es ist Zeit nach einem Monat auf Maui den Anker zu lichten und auf Molokai zuzusteuern. Raumschots und später platt mit Schmetterling düst Blue Bie vor 20kn Passatwind nur so die Windwellen herunter. Die Dünung kommt zwei Meter hoch von vorne. An Bord merkt man die Kraft die dahinter steckt kaum, doch an Land ist sie deutlich sichtbar: Spritzen die Windwellen im Luv der Felsen ein paar Meter hoch in die Luft, explodiert die Dünung in Lee ein Dutzend Meter hoch.

Die Fahrt entlang von Molokais Nordküste ist spektakulär. Die Felsen steigen vertikal aus dem Wasser und Wasserfälle graben tiefe Furchen in ihre Wände. Es führt keine Strasse der Küste entlang und so bin einer der wenigen Menschen, der diese Küste bewundern kann. Ich sitze an Deck, lasse die Füsse über Bord baumeln und lasse die Kulisse an mir vorbeiziehen. Als dann noch ein Wal neben Blue Bie springt, ist der Tag perfekt!


Humpback whale breaching

Als ich am Ende von Molokai um das Kap biege, kommt der scheinbare Wind von vorne und beträgt nun 25-30kn. Gut, dass ich den ganzen Tag gerefft gefahren bin! Der Ankerplatz an der Papuhaku Roadstead ist vor den Windwellen geschützt, doch der Wind pfeift die ganze Nacht durch das Rigg und die Dünung läuft ungebrochen in die Bucht, bricht laut am Strand und es ist unmöglich an Land zu gehen.


Sunseet in Molokai

26. Februar

Die Wellen brechen so gewaltig schön auf den Strand, dass ich mein Frühstück im Trampolin geniesse und dem Naturschauspiel zuschaue. Eine Stunde später reisse ich mich los und laufe aus. Der Wind ist leichter wie gestern und so zockeln Blue Bie und ich gemütlich vor dem Wind nach Honolulu. Anrufe bei drei Hafenmeistern (per Mobiltelefon natürlich; wer braucht denn heute noch den Funk?) sichern mir einen Hafenplatz. Zwar nicht im gleichen Hafenteil wie Ralf und Carmen auf Relax, aber dafür schöner und zentraler.

Vor dem Einschlafen erhalte ich noch ein Tsunami E-Mail über das Erdbeben in Chile. Die Flutwelle soll morgen gegen Mittag in Hawaii eintreffen und ich lege mich vorerst einmal schlafen.


Pokuhaku Roadsted anchorage

27. Februar

Um 6.00h werde ich von den Alarmsirenen geweckt, schalte den Funk ein und höre die Tsunami Warnung. In 6 Stunden sollen die Wellen hier sein. Ich habe genügend Zeit um mit dem Stegnachbar zu plaudern, Familie und Freunde zu benachrichtigen, zu frühstücken und dann mit 200 anderen Booten auszulaufen. Die grosse Mehrheit der Boote bleibt im Hafen. Es ist ein sonniger Tag und ich treibe lesend vor Honolulu bis der Tsunami Alarm gegenstandslos abgeblasen wird. Beim letzten Erdbeben dieser Stärke in Chile 1960 wurde Hilo auf Big Island komplett von einer Tsunami Welle verwüstet. So war die Vorsicht sicher nicht unberechtigt, auch wenn die Kosten für die Wirtschaft ganz schön hoch sind! Ganz Honolulu wurde evakuiert und alle Geschäfte blieben geschlossen.

Am Nachmittag erkunde ich mit dem Fahrrad Waikiki. Dies war früher der schönste Strand von Hawaii und ist heute ein Hochhaus- und Touristenbezirk. Prada, Gucci, Versace, … alle sind hier vertreten, doch hinter all den Hochhäusern finde ich den berühmten Strand.


Blue Bie in Honolulu

28. Februar

Ich versuche Pa’s Flugplan nachzuvollziehen und realisiere, dass er nicht zwei Tage für den Hin-, sondern zwei Tage für den Rückflug braucht und er bereits heute Nacht eintrifft. Gut, dass ich bereits in Honolulu bin! Er kommt wegen Sturm Xyntia mit einiger Verspätung an und ich hole ihn weit nach Mitternacht am Flughafen ab.


1. März

Pa hat erstaunlich wenig Jet Lag und so pilgern wir mit dem öffentlichen Bus zu den beiden grossen Segelläden in Honolulu. Das Bussystem ist gut und mit einem Fahrpreis von USD 2.25 nicht allzu teuer. So können wir endlich meinen doch sehr vermissten Kühlschrank bei West Marine abholen. Sie liefern ihn sogar an Bord und wir fahren mit dem neuen AIS unter dem Arm zurück an Bord.


2. März

Wir machen einen gemütlichen Tag an Bord und montieren vor allem den Kühlschrank. 10 Jahre sind seit dem Vorgängermodell vergangen und die alte, auf Blue Bie abgestimmte Front, und alle Schrauben passen unverändert. Es hat auch seine Vorteile, wenn die Innovation etwas langsamer voran geht.


3. März

Wir besichtigen Pearl Harbor, wo die US Pazifikflotte von den Japanern am 7. Dezember 1941 angegriffen wurde, was die Amerikaner in den 2. Weltkrieg brachte. Sie drängten anschliessend die Japaner Insel für Insel und Land für Land aus dem Pazifikraum zurück, den diese während den ersten Kriegsjahren erobert haben. Bei allem Unglück hatten die Amerikaner auch Glück, denn kein Flugzeugträger war zu diesem Zeitpunkt in Pearl Harbor und die meisten angegriffenen und versenkten Schiffe konnten sie wieder einsetzen.


SSN Bowfin

Das Arizona Memorial, welches stellvertretend für alle Opfer über der gesunkenen SS Arizona errichtet wurde, ist nicht wirklich sehenswert. Umso interessanter waren das U-Boot Bowfin, das dazugehörige Museum sowie das Schlachtschiff Missouri, welches von 1944 – 1955 im Dienst war und auf welchem später der Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Überrascht hat mich die Tatsache, dass dieses Boot unter Präsident Reagan 1989 reaktiviert und modernisiert wurde und unter anderem in der Operation ‚Desert Storm‘ im Irak nochmals ein paar Jahre Dienst tat.


SS Missouri

Fast am eindrücklichsten war zu sehen wie gestandene Männer und Soldaten auch Jahrzehnte nach ihrem Einsatz zur Dekommissionierung ‚ihres‘ Schlachtschiffes gefahren sind und geweint haben! Unser Führer auf der Missouri war in den 50er Jahren der persönliche Koch von 3 verschiedenen Kapitänen und auch bei ihm konnte ich die Verbundenheit zum Schiff in jeder Faser spüren. Keine Frage, nicht nur Segelboote haben Seelen!


Bird in Pearl Harbor

4. März

Pa und ich haben bald unsere Bordroutine wieder. Ich koche, er wäscht ab und abends gehen wir häufig auswärts essen. Wir werkeln heute ein wenig und sind am Abend bei Ralph und Carmen auf Relax eingeladen. Dort treffen wir auch Helmut und Kerstin, die ich von Tahiti kenne, und Glenn und Sally mit denen ich eine kurze Zeit gemeinsam in Kailua-Kona war. Es ist eine kleine aber feine Cruiser-Szene in Hawaii.

War der Passatwind immer wieder durch kleinere Störungen unterbrochen, bläst er jetzt seit einer Woche ununterbrochen mit 20kn. Nicht die besten Voraussetzungen um gegen Wind und Welle zurück nach Maui zu segeln. Doch es ist keine Änderung, das heisst Besserung, in Sicht und so beschliessen wir morgen Nacht die Überfahrt anzutreten.


5. März

Nochmals werkeln wir einen Tag an Bord, füllen die Wassertanks und zurren alles doppelt für die Überfahrt erst einmal nach Molokai. Nicht, dass wir viel vorzubereiten haben, ich geniesse es schon, dass Blue Bie so gut wie immer seeklar ist.

Der Wetterbericht zeigt kein Nachlassen des Passatwindes und so müssen wir früher oder später gegen den starken Wind nach Molokai und Maui. Wir ahnen was auf uns zu kommt als die Teilnehmer der Freitagabend-Regatta an Land zurückkommen und von 28kn Wind berichten.


6. März

Wir laufen in Hoffnung auf leichtere Winde erst nach Mitternacht aus. Doch der Passat pfeift mit 32kn um den Diamond Head und eine 3m See wird durch die gegenlaufende Strömung zu schwarzen steilen Wasserwänden aufgetürmt. Wir segeln mit 2 Reff in Gross und Genua hart am Wind genau in die Welle und Blue Bie taucht einige Male tief in Wellentäler. Zum Glück bessern sich die Bedingungen bald und wir können bei 25kn Molokai hart am Wind fast anliegen.

Gegen Morgen fällt der Wind vorübergehend unter 10kn und kommt dann in breiten Bändern aus verschiedenen Richtungen über die Berge Molokais. So reffe ich mehrmals ein und aus, ehe wir bei Sonnenschein gegen Mittag in der Bucht von Kaunakakai einlaufen. Nach dem wenigen Schlaf in der Nacht machen wir den Rest des Tages Siesta.


Sailing in30kn of wind

7. März

Ich versuche dem neu installierten Kühlschrank Benimm beizubringen. Er will nicht so recht funktionieren und ich finde schliesslich den Wackelkontakt, welcher der Hersteller eingebaut hat... Anschliessend installiere ich das neue AIS. Über Funk sendet AIS meine Position und Fahrtrichtung an alle Boote in Funkdistanz (rund 30 Seemeilen) und erhält dieselbe Information von allen so ausgerüsteten Schiffen. Alle grossen Schiffe sind verpflichtet AIS zu installieren und immer mehr Yachten rüsten sich mit AIS aus. So sehe ich auf einem kleinen Bildschirm (oder am PC), welche Boote auf Kollisionskurs sind und kann entsprechende Alarme setzen.

Nach der Installation sehe ich keine Schiff auf dem AIS Display und muss abwarten, ob es funktioniert. So lassen wir Technik Technik sein und schauen uns erst einmal das Dorf an. Die Hauptstrasse ist 50 Meter lang, hat ein Dutzend Gebäude und das einzige Restaurant schliesst um 17.00h…

Zum ersten Mal auf meiner Reise werde ich angefeindet. Drei halb betrunkene Fischer haben genug von der touristischen Entwicklung auf Molokai und verurteilen alle, die nicht nur als Touristen Geld bringen. Sie meinen Blue Bie hier schon einmal gesehen zu haben, sind überzeugt, ich wolle als Immobilienentwickler hier das grosse Geld machen und wollen dass ich schleunigst von hier verschwinde. Dem kommen wir auch so nach!


8. März

Der Wind ist unverändert stark und nimmt im Laufe des Tages sogar noch zu. Wir würden gerne weiter, doch mir bläst es zu stark; schon in der Ankerbucht hat es 25-30kn. Doch als der Wetterbericht für morgen noch mehr auf die Nase drehende Winde voraussagt, fahren wir trotzdem los.

Mit 10kn rauschen wir unter drittem Reff der Leeküste von Molokai entlang. Nach halber Distanz kommen wir in den offenen Kanal zwischen Molokai und Maui. Wir haben unter der Küste gut gegen den Wind vorgehalten und können jetzt mit halbem Wind über den Kanal düsen. Mehrmals muss ich Walen (!) ausweichen, die unseren Kurs kreuzen. Wenn jemand behauptet, dass Wale Segelschiffen ausweichen, kann ich nur sagen, dass dies für die hier cruisenden Buckelwale nicht gilt!!!

In Lahaina können wir an einer der Mooring-Bojen des Yacht Clubs festmachen. Weder der Hafenmeister noch der Yacht Club verlangen eine Mooring-Gebühr und wir begiessen dies mit einem frischen Bier im Yacht Club. Zum Nachtessen koche ich wieder einmal eine feine Rösti, die ich zusammen mit Shoyu Ahi Poke serviere. Dies ist die hawaiianische Art von Thunfisch Sashimi, Poisson Crus oder Ceviche und wird mit Sesamkernen, Maui Zwiebeln und soya-basierter Sauce gemacht.


Kaunakakai mainstreet

9. März

Ich beginne die Kabel des AIS, Satellitentracker und der Cockpitbeleuchtung vom Geräteträger zur Schaltpanel sauber zu verlegen. Der Weg führt durch diverse Schottwände und Kabelkanäle durch das halbe Schiff, stellt mich immer wieder vor neue Überraschungen und will wohl durchdacht sein.

Am Nachmittag organisieren wir diverse Ausflüge für die nächsten Tage und erkunden Lahaina. Lahaina ist eines der wichtigsten Touristenzentren von Maui. Es ist ein ehemaliges Walfangdorf aus dem 19. Jahrhundert, hat viel vom damaligen Charme bewahrt und ist das Zentrum vielfältiger Ausflüge auf dem Wasser. Bis zu 650 Walfangboote mit tausenden Seeleuten waren pro Jahr hier, heute sind es gerade mal noch ein paar Yachten die jedes Jahr anlegen. Umso mehr Touristen aus aller Herren Länder hat es tagsüber an Land. Es hat deswegen kaum Hotels, viele attraktive Restaurants und Bars.


10. März

Wir fahren mit der Pacific Whale Foundation zur Walbeobachtung. Ich habe von Blue Bie aus Wale zwar spektakulärer springen sehen, doch die Erklärungen und die Wale mit Hydrophonen unter Wasser zu hören ist auch sehr interessant. Wir folgen einem ‚Competition Pod‘- 7 Männchen die hinter einem Weibchen herschwimmen und miteinander kämpfen, wer sie begatten darf. Unglaublich wie intensiv gekämpft wird: sie verteilen Kopfnüsse, reissen die Haut des Gegners mit den Muscheln am Kinn auf und schlagen mit den 5 Meter langen Brust- und Schwanzflossen aufeinander ein.

Sie kämpfen nicht nur bis zum Umfallen, sondern fressen während dem ganzen Winter in Hawaii nichts und verlieren bis zu einem Drittel des Körpergewichts. Erst in Alaska finden sie wieder genügend Futter(fische).


Lahaina

11. März

Wir bleiben heute an Bord und schliessen die Kabelverlegung ab. Bis die Kabel verlegt, mit Kabelbindern gesichert und alles gereint ist, vergeht fast der ganze Tag.

Immer wieder bewundern wir die Aussicht auf Lahaina und West Maui. Die Wolken werden vom Passat über die Berge gedrückt und rasen den Berg herunter. Mehrmals am Tag entstehen wunderschöne Regenbogen, während Lahaina und wir an Bord in der Sonne liegen.


12. März

Wir fahren auf den Haleakala, den 3‘000 Meter hohen Vulkan und Hausberg von Maui. Wir haben Glück, erwischen einen der seltenen weitgehend wolkenfreien Tage und sehen ganz Maui und die Nachbarinseln. Der Haleakala ist 1790 zum letzten Mal ausgebrochen und man vermutet, dass er lediglich schläft, aber noch nicht endgültig erloschen ist. Am Abend fahren wir Richtung Hana und übernachten mitten im Regenwald bei Jan, einer englischen Seglerin, die auf Maui zu Hause ist.


Silver sword on Haleakala

Maui hat verschiedenste Klimazonen und wir fahren vom mediterran trockenen Lahaina durch subalpine Zonen auf den alpinen Haleakala und dann durch eine suptropische Landschaft hinunter zum Regenwald in Huelo. Bei aller Schönheit der Landschaft gefällt uns auch die Surf Action am Hookipa Beach.


Road to Hana

13. März

Wir setzen die Fahrt entlang der Strasse nach Hana fort, bewundern Wasserfälle, schwarze Sandstrände und die üppige Blüten- und Baumpracht entlang der Strasse. Je mehr wir uns dem Ostende Maui’s nähern, desto trockener wird die Vegetation und entlang der Südküste hat es ausgedehnte Viehwirtschaft. Wir picknicken mit einer tollen Aussicht auf das Meer und der Südflanke vom Haleaka, ehe wir durch das schroffe Lavafeld des letzten Vulkanausbruches zurück na Lahaina fahren.


Black sand beach

14. März

Für einmal bin ich froh um ein Kreuzfahrtschiff vor Anker und kann das AIS System ausgiebig testen. Pa geht an Land ein paar Souvenirs einkaufen, während ich bleibe an Bord und die Ruhe geniesse.


15. März

Wir nehmen nochmals für zwei Tage einen Mietwagen und ich gehe bei perfekten Bedingungen an Maui‘s Kitebeach kitesurfen, während Pa vom Strand zuschaut. Es ist wiederum ein perfekter Kitetag und es passt einfach alles. Habe ich schon geschrieben, wie wohl ich mich beim Kitesurfen fühle?!?


Upcountry Maui

16. März

Pa fliegt nach Big Island um mit dem Helikopter den Kilauea Vulkan zu überfliegen. Doch ausser einer Dampfwolke und einigen glühenden Flecken Lava sieht er aus der Luft nicht allzu viel. Ich nütze den Mietwagen, mache bei Costco einen weiteren Teil des Grosseinkaufs für die nächsten Monate und gehe wieder kitesurfen. Im Gegensatz zu gestern will es nicht so richtig passen. Der Kite stürzt mir in die Welle und ich erreiche treibend das Ufer. Auch nachher finde ich nicht in den Rhythmus der Welle und schliesse den Tag schon früh ab.


17. März

Pa und ich kriegen Besuch von Jan, segeln mit ihr bei sonnigstem Wetter nach Lanai und sichten wiederum jede Menge Wale. Auf Lanai besuchen wir ihre Freunde Claudia und Kevin mit ihrer Tochter Nohea. Claudia ist Schweizerin, ist nach Maui ausgewandert und vermietet auf Lanai ein Haus.


18. März

Wir wollen mit Claudia und ihrer 6-jährigen Tochter segeln gehen. Claudia hat schon einmal den Atlantik überquert und es kommen viele alte Erinnerungen auf. Doch Passatwinde von über 30kn sind einer Kaffeefahrt nicht besonders zuträglich und wir kehren bald wieder um, da es Nohea sichtlich unwohl ist. Im Hafen ist sie schon bald wieder die alte und springt Vor- und Rückwärtssaltos auf Blue Bie’s Trampolin.


Noheas salto on the trampolin

Claudia nimmt uns in ihrem Wagen mit nach Lanai City, das auf 600m.ü.M. liegt. Ich fühle mich eher in den Bergen Colorados als auf Hawaii. Die ganze Vegetation ist subalpin, grosse Pinien ersetzen die Palmen und es ist ganz schön kühl. Die ganze Insel war bis in die 30er Jahre eine Ananas-Plantage, die geschlossen wurde als die Ananas-Produktion in anderen Länder der Welt günstiger wurde. Seither gehört die Insel David Murdoch, der darauf zwei Erstklass-Hotels baute. Fast alle Leute auf der Insel sind heute Angestellte des Hotels; nur wenige besitzen kleine Geschäfte oder Gallerien. Aufgrund der Rezession brach der Tourismus stark ein und statt 3‘200 Leute vor wenigen Jahren leben heute weniger als 2‘500 Leute auf der Insel.


Upcountry Lanai

19. März

Eigentlich wollten wir nach Maui zurück segeln, doch noch immer pfeift der Wind mit über 30kn aus Maui. So bleiben wir im Hafen und ich kann mit Dutzenden Spinnerdelfinen schnorcheln gehen. Sie haben ihren Namen, weil die jungen Delfine Sprünge machen, bei denen sie sich um die Körperachse drehen und dann bäuchlings wieder in das Wasser klatschen.


Snorkeling with spinner dolfins

Am Abend gehen wir mit Claudia und Kevin in die Koele Lodge, wo sich zur Freitagabend Happy Hour viele Einwohner und Langzeit-Urlauber treffen. Es kommt eine typische Expat-Atmosphäre auf Wir verbringen mit bekannten und Unbekannten plaudernd einen gemütlichen Abend vor lodernden Kaminfeuern. Ich habe ja gesagt, da oben ist es kühl!


Spinner dolfins spinning

20. März

Entgegen dem Wetterbericht lässt der Wind im Laufe des Morgens stark nach und wir segeln zurück nach Maui. Ich habe es sehr genossen, Lanai aus einer etwas anderen als der Touristenperspektive zu sehen, denn diese hätte vom Meer her ausser den Delfinen nicht viel hergegeben.

Wiederum sehen wir viele Wale. Einer macht sein persönliches Fitness-Programm und schlägt fünf Mal mit der Schwanzflosse auf das Wasser, macht einige Minuten Pause und wiederholt diese Übung mehrmals.


21. & 22. März

Wir verbringen nochmals zwei Tage in und um Lahaina, geniessen die Ruhe an Bord, den Trubel an Land und die wunderschöne Aussicht auf Lahaina und die dahinter liegenden Berge.


Pa in Lahaina

23. März

Mit dem Bus fahre ich der Küste entlang nach Norden bis nach Napili, wo ich einen Küstenspaziergang vor allen grossen Hotelanlagen mache. Wirklich schön sind die Anlagen ja nicht, auch wenn sie Sheraton oder Ritz-Carlton heissen. Die Bauvorschriften lassen scheinbar nicht mehr gestalterische Freiheit zu. Doch der Strand ist schön und ich verbringe lesend einige gemütliche Stunden.


Online in Hawaii

24. März

Auch die schönste Zeit geht zu Ende und mit leichten Winden laufen wir von Lahaina aus. Schon bald sichten wir wieder Buckelwale und ich kann es kaum glauben als ein grosser Zitronenhai langsam an Blue Bie vorbeischwimmt!

Schon bald wird der leichte Wind hinter Maui durch eine 30 Knoten Brise abgelöst, welche durch die Meerenge zwischen Maui und Molokai bläst und uns schnell zum Lono Harbor auf Molokai bringt. So schön das Segeln auf Maui ist, wirklich einfach ist nicht es aufgrund des starken Passatwindes und auch das Fischen ist erfolglos – zu viele Leute leben und fischen hier.


25. März

Es unterläuft mir ein Beurteilungsfehler: Der Kurs von Lono Harbor zur Papohaku Roadsted führt nicht nach Norden, sondern nach Nordosten. Somit ist es keine zweistündige Fahrt hart am Wind im Schutz des Ufers, sondern eine Kreuz gegen eine kurze steile See und 30kn Wind. Doch wir kommen gut an und geniessen die spektakulär schöne Landschaft an der Nordwestecke von Molokai. Wie schon vor einigen Wochen ist die Dünung zu gross um mit dem Dinghi zu landen und die Insel zu erkunden.


Lono Harbor

26. März

Die letzte Etappe von Pa’s diesjährigem Urlaub führt wieder zurück nach Honolulu. Leichtere Winden führen uns vor dem Wind um den Diamond Head nach Honolulu. Ein erstes Mal können wir das AIS so richtig testen und sehen 17 Schiffe, die ihr Signal senden.

Bei einem ausführlichen Tankstopp bunkern wir Diesel und Gas, tauschen Bücher und trinken einen feinen Smoothie. Seit letztem August habe ich 100 Liter Diesel verbraucht. Es ist schon schön, wenn die Sonne den Strom liefert und Blue Bie auch bei wenig Wind gut segelt. Um 15.00h ist das Büro der staatlichen Marina bereits geschlossen und wir legen Blue Bie an einen freien Steg.

Schon bald werden wir von Mitgliedern des nebenan gelegenen Hawaii Yachtclub als Gastmitglied willkommen geheissen. Wir revanchieren uns, indem wir in Clubhaus zum Nachtessen gehen und die heissen Duschen aus vollem Herzen geniessen:-)


Waikiki at night

27. März

Wir werden mit einem herzlichen “Spaceships have to moore over there“ begrüsst. Blue Bie ist halt schon nicht ganz der durchschnittliche Cruiser Katamaran. Die Prozedur im Hafenmeisterbüro ist sehr langatmig, aber problemlos und wir dürfen schliesslich an unserem Platz bleiben.

Pa und ich gehen in’s nahegelegene Ala Moana Einkaufscenter um Mitbringsel und Geburtstagsgeschenke für die Daheimgebliebenen zu organisieren. Am Nachmittag bummelt Pa durch Waikiki und ich geniesse die Zeit an Bord und im Hafen.


28. März

Pa und ich verbringen einen gemütlichen letzten Tag an Strand und Bord und lassen jeder für sich nochmals die gemeinsame Zeit Revue passieren. Gewisse Sachen werden unter Männern anders diskutiert…


29. März - 10. April

Ich geniesse es schon sehr, alleine zu segeln. Ich empfinde nicht nur die Passagen intensiver, ich geniesse auch die Beschäftigung mit mir selber und meinen Gedanken. Andererseits ist es auch schön, Erlebnisse zu teilen und sich mit jemandem auszutauschen. Doch es ist schwierig unterwegs den richtigen Partner zu finden, sich in kurzer Zeit kennen und lieben zu lernen und dann langfristig zusammen zu bleiben. So habe ich beschlossen mich nach Crew umzuschauen mit der ich auch nur einmal eine Etappe gemeinsam segle.

Dazu gibt es sehr gut gemachte Internet-Portale wie www.findacrew.net. Auf dieser Plattform suchen Bootsbesitzer Mannschaft und Segler Boote in allen möglichen Konstallationen: bezahlte Profis, Erfahrung suchende Amateure oder Reiselustige die sich an den Kosten beteiligen wollen. So finde ich Kontakt mit Leuten, die gerne mitsegeln und mithelfen möchten. Ich bin überrascht wie spontan Leute unterwegs sind. Laurence fliegt aus der Karibik nach Hawaii um einige Wochen gemeinsam zu segeln und danach zu entscheiden, ob wir gemeinsam in die Südsee segeln wollen. Sie ist eine Französin in meinem Alter und segelt während einer einjährigen Auszeit von ihrem Job in einer Werbeagentur in Paris auf verschiedenen Yachten.


Honolulu sunset

Gemeinsam machen wir Blue Bie bereit für die nächste Etappe und nützen das am Steg unbeschränkt sprudelnde Wasser um sie innen und aussen zu putzen und polieren. Ich kontrolliere das ganze Rigg, kürze und drehe Fallen und Schoten und lasse das Grosssegel revidieren. Gerade noch rechtzeitig vor der Abreise bricht die Gasleitung des Backofens und ein lokaler Mechaniker hilft uns die passenden metrischen Teile zu finden, was in Amerika nach wie vor schwierig ist. Zweimal verlängern wir den Hafenplatz bis alles bereit ist und der vor einem Monat zu Garantiearbeiten abgeschickte Autopilot wieder eintrifft.

Mit dem Bus fahren wir zum Diamond Head, dem ‚Hausvulkan‘ von Honolulu. Nach 40-minütigem Fussmarsch stehen wir auf dem Kraterrand und haben eine wunderbare Aussicht über Honolulu und die Küste. Der Krater selber ist eher trocken und abgesehen von der durch die Kraterwand führenden Zufahrtsstrasse nicht besonders spannend. Wir machen mit dem Bus auch eine Tagestour um Oahu und besuchen den botanischen Garten im üppigen Waimea Tal. Alles scheint dort zu wachsen und tropische Pflanzen aus aller Welt sind nach Region und Themen geordnet entlang des Tales gepflanzt. Zuhinterst im Tal stürzt der Waimea Fluss über einen kleinen Wasserfall in einen Teich und wir gönnen uns ein Süsswasserbad.


Honolulu from Diamond Head

Wir verbringen die Nachmittage oft am Strand von Waikiki, wo ich mich immer wohler fühle. Zwar hat es hinter dem Strand grosse Hotels, doch diese schirmen auch den Strassen- und Stadtlärm ab. Der Strand ist ein riesiger Schmelztiegel: Touristen und Einwohner; Bleiche und Gebräunte; Weisse, Polynesier, Japaner und Chinesen; Vollschlanke und Schlanke; Alt und Jung tummeln sich am Strand und wir haben viel zu sehen.


Waikiki Beach

Ich lese wieder ein Buch von James Mitchener, der es wie kein anderer schafft, die Geschichte und Atmosphäre einer Region einzufangen – in diesem Fall Hawaii. So erhalte ich jede Menge interessante Hintergrundinformation zu dieser Inselgruppe.

Doch dann wird es Zeit das wider Erwarten gastliche Honolulu zu verlassen, zu neuen Ufern aufzubrechen und Kauai, die letzte Hawaii Insel zu erkunden.


Happy in Honolulu

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