Panama - Salinas

aPanama - Salinas auf Google Earth


14. - 15. Februar

Es ist eine kurze Überfahrt von Panama zu den Las Perlas Inseln. Der Wetterbericht für die Weiterfahrt nach Galapagos ist zwar noch nicht ideal, aber Pa und ich beschliessen auf Las Perlas den richtigen Moment abzuwarten. Ein letztes Mal fahren wir an der eindrücklichen Skyline von Panama City vorbei und kommen vor dem Eindunkeln auf Contadora an.

Man könnte denken, Las Perlas sei eine rückständige Inselgruppe, doch insbesondere auf Contadora haben reiche Panamesen ihre Feriendomizile und sind gütig genug, ihre WiFi Netzwerke nicht zu verschlüsseln. So kann ich verschiedenes im Internet an Bord erledigen, was in Panama ein halbstündiger Fussmarsch entfernt war. Insbesondere kann ich den Wetterbericht so einrichten, dass ich ihn täglich als E-Mail via Satellitentelefon herunterladen kann. Der Wetterbericht für die Überfahrt nach Galapagos sieht günstiger aus als am Vortag und so beschliessen wir noch vor Eindunkeln loszufahren ohne je einen Fuss auf die Las Perlas Inseln gesetzt zu haben.


Contadora

16. Februar (Etmal 130 Seemeilen)

Die Überfahrt von Panama nach Galapagos beträgt rund 900 Seemeilen und ist von Flauten und Gegenwinden geprägt. Alle Cruising Guides empfehlen, die Dieselkapazität bis an den Rand zu füllen, um auch längere Passagen motoren zu können. Zunächst steht die Entscheidung an, ob wir dem langfristigen Trend entsprechend einen grossen Bogen nach Süden fahren oder einen kleineren Bogen nach Norden wie es der aktuelle Wetterbericht empfiehlt. Zumindest haben wir genügend Zeit: Pa’s Flug geht in rund zwei Wochen und wir hoffen es in 7-10 Tagen zu schaffen.

Die Winde in der ersten Nacht sind günstig und wegen dem starken Schiffsverkehr im Golf von Panama gehen wir durchgehend Wache. Vor dem Mondaufgang strahlen Millionen Sternen vom Firmament und ich kann endlich wieder einmal unter dem Kreuz des Südens träumen. Das Kielwasser schiesst phosphoreszierend unter dem Heck hervor und einmal sehe ich das phosphoreszierende Kielwasser von Delfinen die neben uns herschwimmen. Am frühen Morgen fange ich einen wunderschönen Yellow-fin Tuna, der uns für die nächsten drei Tage Fleisch gibt.


Catch of the day

17. Februar (Etmal 90 Seemeilen)

Weder am Tag noch in der Nacht vergeht kaum eine Stunde ohne dass ich wegen den drehenden und leichten Winden nicht die Segel verstellen muss. Trotzdem bleibt nach all den Aktivitäten in Cartagena, Colon und Panama endlich wieder einmal Zeit zum Tagträumen, Lesen und für ein kleines Nickerchen.

Vorletztes Jahr hatte ich bei der Atlantiküberquerung grosse Probleme mit der Kommunikation. Mein altes Satellitentelefon hatte nur zeitweise Empfang und der Empfang von E-Mails via Kurzwelle hat bei mir nie funktioniert, auch wenn ich leidlich guten Kurzwellen-Empfang habe und viele Cruiser E-Mails gut über Kurzwellen empfangen können. Für den Pazifik habe ich mich mit einem neuen Satellitentelefon und Modem ausgerüstet und kann jetzt auch auf hoher See E-Mails empfangen und senden. So brauche ich für den Empfang der Wetterdaten (4kB) und dem versenden des einen oder anderen E-Mails keine Minute, was mich einen Dollar kostet. Es funktioniert jederzeit problemlos.


18. Februar (Etmal 154 Seemeilen)

Schon bei meiner Morgenrunde begrüsst mich eine Schule Delfinen in der aufgehenden Sonne. Wir sehen fast jeden Tag Delfine, doch im Gegensatz zum Atlantik spielen sie nicht mit uns, sondern ziehen in einiger Distanz vorbei. Wenn ich beim Atlantikvergleich bin: Es hat deutlich weniger fliegende Fische, dafür phosphorisziert das Wasser mehr.

Das Leben an Bord ist äusserst ruhig und gelassen. Um auch dem Autopiloten ein wenig kühlere Temperaturen zu gönnen, basteln wir ihm aus einem Küchentuch einen kleine Sonnenpersenning. Ich versuche mich erstmals am Brotbacken – es ist essbar, aber lässt noch viel Steigerungspotential. Ich bin froh, dass Monica bei einem befreundeten Bäcker einen Crash Brotback Kurs genommen hat:)


Sun protection

19. Februar (Etmal 120 Seemeilen)

Am Morgen hat es noch etwas Wind, doch dieser schläft am Nachmittag vollends ein. Während 5 Stunden segeln wir keine Meile und ich genehmige mir ein kühles Bad im Pazifik. Gut dass die Strömung uns verlässlich mit fast zwei Knoten Richtung Galapagos schiebt – 80 Seemeilen gesegelt und 40 Seemeilen getrieben!


Route planning

Unsere Bordroutine ist einfach: Tagwache ist um 7.30h, frühstücken und aufräumen. Um 9.00h mache ich Computerarbeit, schreibe Mail, lade den Wetterbericht herunter und setze ihn in eine Strategie für den Tag um. Hierbei hilft einerseits die Routing-Software von MaxSea und die eigene Erfahrung. Nach einem leichten Lunch um 14.00h, relaxen, lesen und plaudern wir, ehe ich um 19.00h mit dem Nachtessen kochen beginne. Pa räumt anschliessend dankbarerweise immer die Küche auf:) In der Nacht gehen wir abwechselnd ‚Wache’: Der Radar wacht und einer von uns beiden steht alle paar Stunden auf um zu kontrollieren, dass alles passt.


A swim in the Pacific

20. Februar (Etmal 103 Seemeilen)

Das Wetterbild wiederholt sich: Wir sind mitten in den Rossbreiten (Doldrum oder ITCZ – Intertropical Conversion Zone), wo das Äquatorhoch leichte Winde und Regenschauer beschert. Leichte Winde haben wir in der Nacht, am Nachmittag meist gar nicht. Immerhin bleiben wir von den Regenschauern und –böen verschont. Wir segeln 67 Meilen und der Strom schiebt uns weitere 36 Meilen. Nicht auszudenken, wenn wir Gegenstrom hätten! So können wir weiterhin darauf verzichten, den Motor laufen zu lassen. Es ist schon gut, ein Boot zu haben, welches auch bei leichten Winden gut läuft.

Heute feiere ich den ersten Viertel meiner Weltumrundung. Ich habe seit dem Start genau 90 Breitengrade durchsegelt. Wenn ich hochrechne, komme ich auf 11 Jahre für die Weltumsegelung...


Breakfast at Tiffany

21. Februar (Etmal 108 Seemeilen)

Genau dasselbe Bild wie gestern und so gibt es nichts weiter zu sagen:)


View to eternity

22. Februar (Etmal 101 Seemeilen)

Wieder dasselbe Bild wie gestern, doch heute können wir meine Äquatortaufe feiern. Zwar hat sich Neptun nicht persönlich gezeigt, doch ein Glas Champagner ist es uns alleweil wert. Wenn noch jemand Zweifel an der Stille des stillen Ozeans (‚Pazifik’) hat, kann sich auf dem Bild der Champagnergläser auf den Sonnenzellen während dem Segeln davon überzeugen.


Equator crossing

23. Februar (Etmal 86 Meilen)

Im Laufe der Nacht stellt der Wind ab und so motoren wir teilweise oder lassen uns von den leichten Winden treiben, um vor Sonnenuntergang auf Galapagos anzukommen. Bereits bei Sonnenaufgang sehen wir die Inseln vor uns. Plötzlich hören wir etwas laut schnaufen und sehen ein sicherlich 5m grosses Tier vor uns. Zu gross für einen Delfin, doch die Rückenflosse am Schwanzansatz lässt es auch nicht wirklich wie ein Wal aussehen. Trotzdem wir einigen uns darauf, einen Wal gesehen zu haben. Ein späterer Blick in einen Tierführer lässt keine Zweifel offen: Es ist mein erster Wal!

Gegen 16.00h laufen wir in die Admirality Bay von Porto Ayora ein und gehen ein erstes Mal in das Städtchen. Es ist sehr touristisch ausgerichtet und sehr gepflegt mit gefliestem Pier und gepflasterten Trottoirs. Auch das Nachtessen ist ausgezeichnet.


Whale ahead

24. Februar

Wir gehen am Morgen in die Stadt um über einen Agenten die Immigration zu organisieren. Eigentlich sollte es ohne gehen, doch der letzte Beamte der das zuliess wurde letztes Jahr nach nur einigen Wochen im Amt wieder entlassen! So haben wir keine Wahl und müssen die Zusatzkosten akzeptieren. Zudem versuchen wir für Pa einen Flug zu buchen, doch das ist wegen dem Karneval nicht möglich: Die meisten Ämter sind geschlossen, obwohl man auf der Insel vom Karneval gar nichts spürt.


Admirality Bay

Habe ich zu hohe Erwartungen? Die Insel fühlt sich zumindest in Puerto Ayora fast wie jede andere an. Die Menschen dominieren die Natur. Und doch ist es anders: Auf unbenützten Booten lümmeln sich Seelöwen und viele Fregattvögel, Pelikane und Sturmvögel fischen in der Ankerbucht. In dieser hat es ein buntes Gemisch von Fischerbooten (im Nationalpark!), Ausflugsbooten mit denen man wöchige Rundfahrten machen kann und einigen Segelyachten. Genauso bunt ist die Mischung an Land: Viele Einheimische, einheimische Touristen, Rucksacktouristen, ältere Pauschaltouristen und ein paar wenige Segler.


Frigate bird

25. Februar

Wir machen einen Ausflug über die Insel Santa Cruz, besuchen eingestürzte Vulkankrater, Lavatunnels und Riesenschildkröten. Zwei können wir mitten im Liebesspiel beobachten. Ich habe noch nie eine Schildkröte schnaufen, geschweige denn Stöhnen gehört. Es kommt am ehesten dem (leisen) Brüllen eines Ochsen gleich.


Los Gemelos

Ein Teil von Santa Cruz ist bewirtschaftet, es wachsen Bananen, Mangos, Zitrusfrüchte, Avocados und Zwetschgen. 97% von Galapagos sind Nationalpark. Zum Glück können wir über die Tour die Nationalparks besuchen, ohne die USD 100 Nationalparkgebühr zu bezahlen.


Giant tortoise

26. Februar

Mit dem Dinghi fahren wir zur Charles Darwin Research- und Schildkröten Zuchtstation. Hier erfahren wir viel wissenswertes über die Riesen- (Land-) schildkröten, welche auf jeder der 10 Galapagos ein wenig verschieden sind. Auf hohen, regen- und vegetationsreichen Inseln haben sie kurze Hälse, auf tiefen, ariden Inseln haben sie lange Hälse damit sie besser an die hohen Kakteen herankommen. Die kleinen Unterschiede bei den Landschildkröten und den Finken in diesem kleinen Lebensraum haben Darwin’s Zweifel daran gestärkt, dass die Tierarten einmal geschaffen und seither unverändert geblieben sind.


Iguana

Ebenso sehr erstaunt mich das Skelett eines Seelöwen, welches eher an einen Hund als ein Meereslebewesen erinnert! Aber es ist auch ein Säugetier.


Sea lion skeleton

27. Februar

Auf einem Ausflug nach Floreana sehen wir mehr Riesenschildkröten, Blue Footed Boobies, Fregattvögel und einen Pinguin. Es hat eine Kolonie von 1'500 Pinguinen auf Galapagos (die drittkleinste Pinguinrasse der Welt). Das extreme Artenreichtum auf Galapagos ist begünstigt durch die kalten und warmen Meeresströmungen, welche bei Galapagos aufeinander treffen.


Sea lion relaxing

Der Höhepunkt des Ausfluges ist das Schnorcheln mit Seelöwen. Sie sind extrem wendig, schnell und neugierig und schießen pfeilschnell an mir vorbei. Zeitweise bin ich von einem Dutzend Seelöwen umgeben, die sich an der Sonne aalen, putzen, spielen oder etwas hinterher jagen. Nur vor der Kamera still halten mögen sie nicht!


Sea lion close up

28. Februar - 2. März

Schon ist es wieder Zeit, von meinem Pa Abschied zu nehmen. Ich hoffe sehr, dass er gesund und munter mich wieder besuchen kommen wird. Wir relaxen den letzten Tag an Bord und gehen fein Nachtessen. Am nächsten Tag hänge in der Stadt herum, bringe meine Wäsche und geniesse das Alleinsein, welches bei aller Freude über Besuch halt doch etwas kurz kommt. Blue Bie ist wirklich gut im Schuss, doch Kleinigkeiten gibt es immer zu machen.

Heute knöpfe ich mir den Wassermacher vor, will ihn richtig reinigen. Ich finde hier sogar das richtige Reinigungsmittel, welches ich in den letzten 6 Monaten und 3 US Katalogen nicht gefunden habe. Ebenso finde ich auch den Rat eines Spezialisten – welcher sicher gut, doch aufwendig ist: Ich soll einen geschlossenen Kreislauf bilden um den Wassermacher während einer Stunde mit der Reinigungsflüssigkeit durchzuspülen. Einfacher gesagt als getan und so probiere ich verschiedene Varianten um einen guten Kreislauf mit einer Bilgenpumpe zu konstruieren.


Blue Footed Boobie

3. März

Ich gehe zum Gordon Rock tauchen, dem vernehmen nach einer der besten drei Tauchplätze von Galapagos. Die anderen, Wolf und Darwin, sind nur auf einer mehrtägigen Tauchfahrt erreichbar. Gordon Rock ist ein einzelner Felsen, einen Kilometer von der Insel Santa Cruz entfernt. Im Gegensatz zu vielen Tauchplätzen hat es keine empfindlichen Korallen, sondern raue Lavafelsen und die Crew verteilt Handschuhe um sich in der starken Strömung am Felsen zu halten. Die Strömung ist zum Glück schwach, doch man taucht von einem Strömungsfeld in das andere – von 20° grädigem zu 15° grädigem Wasser. Ein Beweis, dass Galapagos der Treffpunkt verschiedener Strömungen ist und Grund, wieso Seelöwen, Pinguine und Albatrosse sich hier heimisch fühlen.


Hammerhead shark

Die Tierwelt auf dem Tauchgang ist gewaltig: Ich sehe mehrfach grosse Hammerhai Familien, Weissspitzhaie, Blaupunkt- und Teufelsrochen, Schildkröten und riesige Schulen verschiedener Fische. Noch nie habe ich so viel ‚Biomasse’ gesehen, teilweise hat man vor lauter Fisch nichts gesehen! Im Gegensatz zum aggressiven Ruf, ziehen die Haie majestätisch langsam vorbei und lassen Zeit sie zu bestaunen. Ganz anders flitzen die Seelöwen umher, nie eine Sekunde verharrend. Ein wirklich genialer Tauchplatz!


Green turtle

4. März

Meine Pläne haben sich die letzten Wochen geändert: Statt über die Osterinseln nach Französisch Polynesien zu segeln, werde ich ‚zurück’ nach Salinas segeln, wo ich Monica fast zu Hause abholen kann. Ich bin diese Tage nicht wirklich eifersüchtig veranlagt, doch so ein klein wenig neidisch bin ich schon als sich ‚Zen’ mit starkem Ostwind von achtern zu den Marquesas verabschiedet, während ich bei Schwachwind gegen Wind und Strömung nach Salinas segeln muss. Ich schaue jeden Tag im Wetterbericht nach einem Fenster um die wenigsten ungünstigen Verhältnisse auszusuchen, doch das scheint in der Tat schwierig. Allzu lange warten darf ich auch nicht, denn in 10 Tagen muss ich Galapagos verlassen und ein ungünstiges Ostwindfenster hält so 3-5 Tage an. Wenn ich diese Tage nicht lossegle, dann kann ich nur hoffen, dass sich rechtzeitig nochmals ein Fenster auftut!


5. März

Die starken Ostwinde der letzten Tage lassen etwas nach und hinterlassen deutliche Spuren: Bei einigen Boote hat der Anker in der nach Osten offenen Bucht nicht gehalten, die Internet (Satelliten-)Antenne ist umgeknickt und diverse Tafeln und Wellblechdächer sind davon geflogen. Ich beschliesse das Nachlassen für die Fahrt nach Salinas auszunützen und gehe zum Agenten ausklarieren. Aus „ich erhalte die Dokumente am Nachmittag zurück“ wird nichts. Der Agent arbeitet zwar gut, aber er hält keinen einzigen Termin ein. Gut, dass ich vorausgedacht und die Unterlagen einen Tag zu früh gebracht habe.

Ich erhalte Damenbesuch – eine Seelöwin betrachtet Blue Bie als idealen Platz für ihre Siesta:)


Sea lion siesta

6. März

Mit leichten Ostwinden lichte ich Anker. Erst einmal Richtung Südosten, zur Insel Española. Dort sollen Albatrosse nisten, die sonst im Südpolarmeer zuhause sind und die ich unbedingt einmal im freien Flug sehen möchte. Als Privatyacht darf man im Galapagos Nationalpark nur eine der zwei Hauptinseln anlaufen und so lasse ich den Wind entscheiden, ob ich nach Española segeln werde. Die Richtung stimmt, doch der Wind ist so schwach, dass Blue Bie von der Strömung zurückgetrieben wird. Da lasse auch ich teilweise den Motor laufen und sehe beim Aufwachen Española vor mir.


My place!

7. März

Von einem Albatros ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür einige Live-aboard Ausflugsboote die sicher hundert Touristen an den Strand fahren um Seelöwen anzuschauen. Auf der Karte sehe ich zwar ein Kap Albatros, doch dort hat es keine Ankermöglichkeit. Auch beim zweiten Ankerplatz sehe ich keine Albatrosse, dafür im Lonely Planet die Information, dass die Albatrosse erst Ende März hier ankommen. Gut, dass ich mit Monica nochmals hierher zurückkommen kann.

Dafür werde ich sonst reichlich von der Natur verwöhnt. Schon beim Einlaufen schwimmen Schildkröten um Blue Bie und durch mein Alphornspiel angelockt, umschwimmt beim Eindunkeln ein Seelöwe Blue Bie.


8. März

Nachdem ich früh in das Bett gegangen bin, wache ich mit schlechten Träumen von meinem Portfolio bereits um Mitternacht auf. Das brauche ich nun wirklich nicht:( Da der Wind gut steht, entschliesse ich mich sofort loszusegeln. Delfine umspielen nach dem Auslaufen den Bug von Blue Bie und wünschen mir gute Fahrt. Im Laufe der Nacht nimmt der Wind immer mehr ab und im Laufe des Vormittags rührt sich kein Hauch mehr. So finde ich Zeit Blue Bie von Flugrost zu befreien, welcher während des Werftaufenthalts in Cartagena unschöne Flecken hinterlassen hat.

Erst in der Nacht kommt ein Hauch Wind. Gut, dass ich mich früh schlafen legte, von Mitternacht bis zwei Uhr ist meine Aufmerksamkeit als Segeltrimmer gefragt und danach kann ich den Radaralarm nicht benutzen, weil Regenschauer dauernd Alarm auslösen. So bin ich alle 15 Minuten kurz aufgestanden um zu schauen, dass kein Schiff zu nahe kommt.


9. März (Etmal 70 Seemeilen)

Tagsüber steht ein guter Nordostwind der mich trotz Gegenströmung stetig voranbringt. Es bleibt bedeckt mit Regenschauern, doch zu wenig um Trinkwasser zu sammeln. Eine völlig ermattete Seeschwalbe landet auf Blue Bie. Sie kommt in die Kabine, sitzt teilweise keine 10cm von mir und verbringt ihre letzten Lebensstunden in meiner Begleitung. Am nächsten Morgen gebe ich ihr ein ehrenvolles Seebegräbnis.


Tired sea swallow

10. März (Etmal 100 Seemeilen)

Die Strömung dreht vorübergehend zu meinen Gunsten und steht gegen Wind und Welle, so dass sich eine kurze ruppige See bildet – und das mitten auf dem Pazifik. Erstmals in meiner Segelkarriere auf Blue Bie kippt der (volle) Espressokrug um!

Im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind ab, dreht auf die Nase und das Wetter klart auf. Nachdem ich die letzten Tage keinen Erfolg beim Fischen hatte, rigge ich zwei neue Köder. Keine Stunde im Wasser, beisst ein Fisch. Ein halbstündiger Kampf beginnt – so lange wie noch nie. Trotzdem bin ich zu ungeduldig und als ich ihn auf den letzten Metern versuche gegen seinen Widerstand hineinzukurbeln, reisst die Leine - neuer Köder und Fisch ade:( Leider war es der einzige dieses Ködertyps, einem Köder der mit seiner grossen Lippe bis zu 5m tief taucht. Immerhin weiss ich jetzt, welchen Ködertyp ich besorgen muss.


11. März (Etmal 72 Seemeilen)

Der Wind kommt die ganze Nacht aus der Richtung von Salinas und so kreuze ich gegen den leichten Wind an. Mit 72 gesegelten Seemeilen komme ich dem Ziel nur 50 Seemeilen näher. Doch ich habe genügend zu Essen an Bord und keine Termine:)

Mit der abnehmenden Geschwindigkeit scheint die Zeit und der Horizont sich gegen die Ewigkeit zu strecken. Es ist unglaublich friedlich und es könnte ewig so weitergehen. Nichts belastet Kopf und Seele, ich fühle mich erfüllt und voller Ruhe.


12. März (Etmal 66 Seemeilen)

Es ist wieder ein sehr ruhiger und erfüllter Tag. In der Nacht bin ich vier Mal mit Schwert, Ruder oder Propeller in einem Fischernetz hängen geblieben. Das meiste konnte ich sofort losschneiden. Dabei bin ich unglücklich auf dem taunassen Deck ausgerutscht und habe mir ein Knie überdehnt. Nicht schlimm, aber Grund genug zum erstem Mal seit langer
Zeit meine Medizinbox zu öffnen.


Quiet Pacific

13. März (Etmal 53 Seemeilen)

Bei Sonnenaufgang berge ich die Segel und säble schnorchelnd die noch um den Propeller gewickelte Leine los. Schon angenehm, dass das Heck der Blue Bie so schmal ist und ich ohne zu tauchen zum Propeller hinkomme. Danach habe ich nochmals ausgeschlafen und habe um 10.00h am gefrühstückt.

Noch beim Frühstücken kommt ein 10m langes offenes Motorboot zu fahren. Ich denke es ist die Coast Guard, doch es sind drei Fischer - 185 Seemeilen von der Küste. Sie seien 12 Tage unterwegs, ob ich etwas für sie zu essen habe?!? Klar, ich gebe ihnen einige Würste, Crackers, Riegel, Bier und Desinfektionsmittel, welches sie auch benötigen. Ob ich denn einen Fisch haben möchte? Klar, und so erhalte ich eine riesige Dorade, welche ich während einer Stunde in aller Ruhe filetierte. Kein Wunder, dass so eine Dorade mein Angelzeug abgerissen hat. Den Rest des Tages verbringe ich im Büro, setze meinen Klein-Laptop neu auf, denn ich habe mich entschlossen, nochmals drei Wochen nach Kolumbien zu reisen, um Monica zu Hause abzuholen.


14. März (Etmal 70 Seemeilen)

Eine Stimmung für die Ewigkeit – ein gutes Buch und der Ozean der ohne wahrnehmbaren Horizont in den Himmel übergeht. Ob es wohl ewig so weiter geht.

Gegen Abend dreht der Wind auf Süden, so dass ich erstmals seit vier Tagen meinen Bug wieder direkt auf Salinas richten kann.


Heaven and Pacific

15. März (Etmal 58 Seemeilen)

Langsam komme ich Salinas näher die herrliche Zeit dieser Überfahrt findet ein Ende. Eigentlich dürfte sie gar nicht zu Ende gehen. Doch umkehren will ich nun auch wieder nicht!

Der Einbruch der Dunkelheit ändert das Bild jäh. War ich vorher alleine mitten auf dem Ozean, sehe ich den Lichtschimmer von Salinas und ein Dutzend Lichter um mich herum. Es sind lokale Fischerboote und Fischernetze, welche tagsüber in der Distanz nicht zu erkennen waren. Auch auf dem Radar sind sie nicht zu sehen und so bleibt mir diese Nacht nichts anderes übrig als alle halbe Stunde aufzustehen und zu kontrollieren, dass ich mit keinem Boot kollidiere.


16. März

Die Nacht geht problemlos vorbei und ich laufe im Laufe des Vormittags in Salinas ein. In die Marina einlaufen darf ich nicht. Erst müssen die Officials an Bord. Sie kommen nachmittags mit 10 Mann und 100 vor-ausgefüllten Formularen. Crewlisten, Passagierlisten, Warenliste, Negativlisten, Zollerklärungen, ... der Phantasie der Behörden sind keine Grenzen gesetzt. Sehen wollen sie schliesslich meine Feuerlöscher und den Impfausweis mit der Gelbfieberimpfung.

Salinas ist das Badeparadies für Ecuadorianer, doch im Umkreis von 2km von der Marina hat es nur grosse Appartmentblocks. Kein Laden, kein Restaurant. Das Zentrum ist 10km weg – so richtig zu Hause fühle ich mich auf Anhieb nicht. Immerhin hat es ab morgen Platz in der Marina, so dass ich nach Bogota fahren kann um Monica zu Hause abzuholen. So schön eine Einhandpassage ist, ist das Leben halt doch schöner zu zweit!


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