Tonga - Vanua Levu (Fiji)

Tonga - Vanua Levu (Fiji) in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)


Vava'u caves

Eigentlich wäre hier in Tonga Buckelwal-Saison, doch bis jetzt sind dieses Jahr nur vereinzelte gesichtet worden. Als eines der wenigen Länder der Welt hat Tonga keine Vorschriften wie nahe man neben den Walen fahren und schwimmen darf. Wir können zuschauen, wie ein Motorboot keine 5 Meter neben ein Wal herfährt und teilweise den Weg abschneidet. Mir scheint als ob sich die Ausflugs- und Tauchunternehmen die Wale selber vertrieben und ihr Geschäft kaputt gemacht haben. Dieses ist wie die Restaurants fest in der Hand von Expatriats und für die Einheimischen bleiben nur Brosamen.


Annemarie & Patrice in Vava'u

Wir segeln tagsüber die 60 Seemeilen zu Tonga‘s Ha’apai Gruppe und geniessen den Vorteil eines schnellen Katamarans. Die meisten Boote segeln über Nacht um bei gutem Licht anzukommen. Gemäss Reiseführer und Cruising Guide ist die Ha’apai Gruppe wesentlich ursprünglicher als die Vava’u Gruppe. Doch für mich fühlt es sich sehr ähnlich an – hübsche Inseln mit Sandstränden und vereinzelten Dörfern. Mein negativer erster Eindruck von Tonga relativiert sich etwas, es war nirgends mehr so unordentlich wie in Olu‘a.


Frangipani

Wir nützen den vorübergehend östlicheren Wind um hinter Riffen 25 Seemeilen zum Südende der Ha’apai Gruppe zu segeln. Der Trip hat es in sich: Der Wind heult unverändert mit 25-30kn und ‚hinter den Riffen‘ entpuppt sich als Slalom zwischen den Riffen und ungenauen Seekarten; garniert mit zwei grossen Pässen, in denen die Strömung gegen die Pazifikwelle läuft und kurze steile Wellen. Blue Bie und meine Ölzeug-Shorts bewähren sich einmal mehr. Nach vier anstrengenden Stunden laufen wir in Telekivava’u ein und stellen fest, dass die Arbeit noch nicht vorbei ist.

Es hat Platz für zwei Boote im Ankerfeld und es sind bereits drei Boote dort! Wir finden noch ein Plätzchen, doch müssen wieder umankern, denn der Ankergrund hält nur schlecht. Gegen 18.00h halten schliesslich zwei Anker fest im Grund und wir gönnen uns ein Nickerchen. Der Ankerplatz unbequem – die Dünung läuft seitwärts über das Riff und lässt die Boote rollen. Wäre dies nicht der ideale Ausgangspunkt um nach Nuku’alofa zu segeln, wäre ich nicht hierher gekommen bzw. würde schon am nächsten Tag wieder Anker lichten. So warten wir ein paar Tage bis der Wind etwas nachlässt –bei 20kn Wind immer noch eine schnelle Fahrt.

Die erste Nacht ankern wir vor der vorgelagerten Inseln Pangaimotu. Wir umwandern die Insel mit einem kleinen Resort für Tagestouristen in 15 Minuten. Um nicht mit dem Shuttle-Boot jeden Tag nach Nuku’alofa fahren zu müssen, wollen wir Blue Bie an die Pier bringen. Ich habe etwas Bauchschmerzen bei 30kn Seitenwind römisch-katholisch (mit Buganker und Heckleinen) zwischen anderen Booten anzulegen. Doch als wir einlaufen liegt nur ein Boot an der 200m langen Pier, wo in der Hochsaison über 30 Boote liegen. Wir ankern in der Mitte des Hafenbeckens, bringen in aller Ruhe die Landleinen aus und winschen Blue Bie in Position. Wir finden sogar gratis Internet – es geht nichts über eine empfindliche WiFi Antenne. Nur Skype funktioniert nicht und ich gratuliere meiner Nichte und meinem besten Freund per E-Mail zum Geburtstag.


Sea stars

So schön es in Ha’apai ist, wird es mir trotzdem etwas langweilig. Die Strände wiederholen sich und die Dörfer ähneln sich – ich müsste wesentlich länger bleiben, um das lokale Leben zu spüren. Glücklicherweise konnte ich in Neiafu Bücher tauschen und wir treffen Gabor und Isolde, die mit mir durch den Panamakanal gefahren sind. So konnten ich wieder einmal etwas Seemannsgarn spinnen und das erst noch auf Deutsch:-) So schön Ankerbuchten sind, die Begegnung mit Leuten ist spannender.


Endless beaches

Auch Pangai, der Hauptort von Ha’apai, bietet nicht mehr Abwechslung oder Einkaufsmöglichkeiten – am Markt bieten sie ein einziges Gemüse an. So segeln wir schon bald weiter südwärts und treffen John & Nicole auf Taraipo, die ich auch seit der Panamakanal-Durchquerung vor zwei Jahren kenne. Der Wind heult während Tagen mit 20-25kn durch die Takelage und macht eine Weiterfahrt unsinnig und wir verplaudern die Tage an Bord von Taraipo und Blue Bie. Besonders interessant ist die Debatte über die verschiedenen Cruising Stile: Loly reist wegen Land und Leuten und empfindet die Zeit an als verlorene Zeit. John verbringt viel Zeit an Bord und geniesst es an Taraipo zu werkeln. Gegensätzlicher kann man kaum sein. Beide haben recht und es gibt kein richtig und falsch.


Fancy offices ...

Nuku’alofa ist die Hauptstadt von Tonga und Königssitz. Es ist angenehm sauber und beschaulich. Von all den besuchten „Südsee-Metropolen“ fühle ich mich hier am wohlsten. Es hat wenig Touristen und Verkehr und die Einheimischen sind freundlich und gelassen. Es ist schon erstaunlich wie stark sich auch die Märkte unterscheiden: Wie überall in der Südsee gibt es relativ wenig, das wenige jedoch in grossen Mengen: Hier sind es Tomaten, Peperoni, Eier und Wurzelgemüse wie Yam oder Tarot. Monatelang mussten wir Eier krampfhaft suchen, obwohl Hühner überall frei herumlaufen. Dafür gibt es hier keine Kartoffeln – nicht unbedingt überraschend, denn Tonga war nie kolonialisert!


Tonga's royal palace

Auch Kleidung und Souvenirs unterscheiden sich: In Französisch Polynesien und den Cook Inseln sind Pareos omnipräsent – hier sieht man keinen einzigen. Die Einheimischen tragen häufig die traditionelle Tracht; Staatsangestellte müssen sie tragen: Ein schwerer Rock und darüber eine geflochtene Matte Tapa, der Rinde des Papier-Mulberry Baumes. Entsprechend Man sieht hier deshalb viel Geflochtenes am Markt – Körbe, Matten Tischsets häufig.


Traditional dress

Wir gehen in das Oholai Resort zu einem lokalen Nachtessen mit anschliessender Tanzshow. Der Besitzer des Resorts hat in Australien gelebt und das Anwesen, das aus gesundheitlichen Gründen lange Jahre ausser Betrieb, von seinem Vater geerbt. 2007 kam er zurück nach Tonga, baute mit Hilfe von Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern eine Strasse und das Resort. Kaum fertig, wurde es dieses Frühjahr von einem Wirbelsturm wieder weggefegt und sie haben es in drei Monaten erneut zu einem Schmuckstück im traditionellen Stil aufgebaut. Das Essen ist hervorragend mit vielen verschiedenen lokalen Gerichten und einem super Spanferkel. Die Jugendlichen arbeiten heute im Resort und bestreiten zweimal die Woche die Tanzshow: Der Besitzer moderiert singt und spricht das Tischgebet, die Jugendlichen tanzen polynesische Tänze und einen wirklich eindrücklichen Feuertanz. Es ist nicht das erste Mal, dass wir einen Australien- oder Neuseeland-Rückkehrer so etwas Grossartiges anreissen sehen. Das Nachtessen kostet inkl. Show 20 Franken; in Französisch Polynesien wären es um die 60-90 Franken gewesen.


Oholai fire show

Wir sehen auf einer Inselrundfahrt einen tausend-jährigen Trilithon, den Stonehenge der Südsee, und einem bescheidenen Königspalast. Wir erhalten auch Einblick in den Alltag in Tonga, der noch heute zu einem grossen Teil aus Landwirtschaft und Fischfang zur Selbstversorgung besteht.


Trilithon

Nach einigen Tagen haben die starken Winde ausgeweht, wir bunkern zollfreien Diesel und brechen nach Fidschi auf. Bei 8-12kn achterlichen Winden und strahlendem Sonnenschein ist es eine äusserst ruhige Überfahrt. Wieso kann es nicht immer so angenehmen Wind haben?


Comfortable passage

Wir kommen auch so mehr als schnell genug vorwärts und rauschen unter Gennaker mit 7 Knoten durch die mondlose Nacht. Bei der Durchfahrt der unbeleuchteten, 4 Meilen breite Oneata-Passage wird es mir doch etwas mulmig, denn ich weiss nicht, wie genau die Seekarten sind. Mit Radar können wir immerhin die Distanz zu den Riffen und Inseln bestätigen.


Blowholes

Wir überqueren knapp vor Fidschi den 180. Längengrad und sind wieder in der heimischen Hemisphäre. Ob das heisst, dass ich die Halbzeit meiner Reise erreicht habe? Ich bin gespannt! Google Earth dreht schon seit Tonga hat aber wie MaxSea seine liebe Mühe mit dem 180. Längengrad: Beide können nicht gleichzeitig einen Kurs auf beiden Seiten anzeigen. Das ist die Realität für einmal einfacher.

Fidschi erwartet uns mit üppig grüner Pracht, einer hübschen Kleinstadt und einer bunten Mischung aus Fidschianern und Indern, die je rund die Hälfte der Bevölkerung stellen. Doch das ist Thema des nächsten Berichtes …


Colourful cemetry

(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Print