Bonaire - Jamaika

Etappe auf Google Earth


Dienstag, 4. März

Nachdem wir gestern alles für den Besuch von Pa vorbereitet haben, gäbe es heute eigentlich nichts zu tun. Doch mit Gasflasche füllen und Videos und Software auf verschiedenen Booten tauschen, fliegt der Tag nur so vorbei und schon ist es Zeit Pa am Flughafen abzuholen. Ich kann mit dem Dinghi keine 100m neben dem Flughafen anlegen. Schon ein spezieller Limousinenservice!

Er hat sich schnell auf der Blue Bie installiert – schliesslich ist er bereits zum vierten Mal zu Besuch. Und dann beginnt er seines Amtes als Christkind zu walten: Ich erhalte die Weihnachtsgeschenke meiner Göttikinder, einige Kitesachen von Katja (www.niixe.com) und Weihnachtsguetzli und Brownies von Mami und Madeleine. Es fühlt sich an wie Weihnachten. Auch auf diesem Weg nochmals ganz herzlichen Dank!


Father & son

Mittwoch, 5. März

Pa und ich erkunden zu zweit Kralendjik und machen einige Besorgungen in Kralendjik. Die Einkaufsliste für Blue Bie kann ich kaum je vollständig abarbeiten und es gibt immer wieder etwas Neues zu kaufen. Den Nachmittag verbringen wir weitgehend an Bord und erledigen das eine oder andere. Noch immer warten wir auf den Mechaniker, der den Motor anschauen sollte. Doch beide kontaktierten Mechaniker finden keine Zeit.


Donnerstag, 6. März

Auch das auf heute angekündigte Erscheinen des Mechanikers erfolgt nicht und so gehe ich am späteren Vormittag ausklarieren. Obwohl Bonaire und Curacao beide zu Holland gehören, muss man ein- und ausklarieren. Immerhin geht es schnell und ist gratis.

Danach segeln wir die 35 Meilen nach Spanish Water, Curacao. Es ist wieder einmal geniales Segeln. Eine Backstagsbrise mit 18kn lässt Blue Bie unter Gross und Gennaker mit 9-12 kn segeln. Die Einfahrt in die Lagune von Spanish Water ist sehr schmal und gewunden, doch mit unserer mittlerweile gewonnenen Rifferfahrung problemlos.


Sailing from Bonaire

Freitag, 7. März

Ich sattle am frühen Morgen mein Mountainbike um nach Willemstad zum Einklarieren zu fahren. Dank dem Rückenwind geht das ganz einfach. Willemstad ist eine hübsche Stadt – seit langem die erste richtige Stadt mit hohen Häusern auf beiden Seiten der Strasse, aber auch mit bildhübschen Häuserzeilen entlang des Kanals. Wir müssen zum Bummeln hierher zurückkommen. Das Einklarieren geht schnell und problemlos. Mit den Einklarierungspapieren kann ich das bei Budget Marine in Bonaire bestellte Log hier in Curacao zollfrei abholen – wer sagt da, dass die Globalisierung schlecht ist! Umso besser, dass sie vergessen haben, die angekündigten FedEx Gebühren zu berechnen. Nach 40'128 Seemeilen oder fast zwei Weltumsegelungen wird das Log der Blue Bie wieder auf Null gestellt. Auch sonst finde ich im klein aussehenden Geschäft fast alles, was ich brauche und die Blue Bie Shopping Liste ist wieder sehr kurz.

Den Nachmittag verbringen Pa und ich werkelnd an Bord und an Land in der Happy Hour.


Samstag, 8. März

Wir möchten uns neue Cockpitpolster machen lassen, doch eine Wartefrist von 3 Wochen ist uns doch ein wenig zu viel. Doch beim Sattler können wir geschlossenzelligen Schaum und Bezugsmaterial kaufen, so dass wir die Polster irgendwo machen lassen können. Kaum unterwegs hält ein Auto an und bietet uns an mitzunehmen. Wir erleben es noch einige Male: Kaum sind wir einige Meter zu Fuss unterwegs, bietet uns ein freundlicher Autofahrer einzusteigen. So freundliche Leute habe ich noch nie erlebt.

Den Rest des Tages relaxen und lesen wir und nützen Momente der Langeweile für die eine oder andere kleine Arbeit. Schon schön, wenn man erst etwas tun muss, wenn man des Nichtstun überdrüssig wird:)


Sonntag, 9. März

Nachdem wir auf Ende nächster Woche einen Mechaniker organisiert haben, sind wir die nächsten Tage frei, die umliegenden Ankerbuchten zu erkunden. Nach einem ausgiebigen Frühstück setzen wir Segel und segeln nach Klein Curacao. Es geht 13 Meilen gegen den Wind. Der Wind und die Wellen sind moderat und nach 4 Stunden kommen wir in Klein Curacao an – das Log zeigt 30 Meilen an.

Klein Curacao ist ein kleines Eiland von 2 auf 1 Kilometer auf dem es nur einen grossen Leuchtturm, einige ehemalige Unterkünfte von Minenarbeitern (früher wurde Phosphat abgebaut) und einige Strohhütten für Tagestouristen hat. Das ganze ist von wunderbar klarem Wasser umgeben, welches in allen Farben schillert und von Fischen nur so wimmelt. Gleich neben dem Boot habe ich Angler-, Papageien-, Pufferfische, eine Flunder sowie unzählige kleine Fische gesehen.


Little Curacao

Montag, 10. März

Wir geniessen das Nichtstun an Bord. Nila geht auf einen zweistündigen Marsch, Pa geht auf einen kürzeren Spaziergang und ich spiele Dinghishuttle und bleibe ansonsten an Bord. Ich lese wieder einmal ein spannendes Buch und das unterbreche ich nur ungern. Trotzdem reparieren Pa und ich unter seiner fachkundigen und tatkräftigen Anleitung ein Dieselleck und dichten ein Fenster. Immer wieder essen wir etwas kleines, bevor Nila eine leckere Wurst-/Karotten-/Süsskartoffel-Lasagne und eine Birnenwähe zum Nachtessen macht.


Dienstag, 11. März

Der Wind foppt mich: Zum Frühstück hat es guten Kitewind, doch bis ich auf dem Wasser bin hat er so stark abgeflaut, dass ich nicht Höhe halten kann. So kite ich langsam aber sicher immer weiter in das Meer hinaus. Gut, dass Nila wie vereinbart in Rufdistanz ist und mit dem Dinghi kommt um den Kite zu bergen und mich an Bord zurück zu bringen. Auch so geht ein Morgen vorbei! Den Nachmittag geniessen wir an Bord, reinigen die Propeller und die Wasserlinie von Bewuchs und geniessen einen wunderbaren Sonnenuntergang.


Mittwoch, 12. März

Heute ist der Wind auch nach dem Frühstück stark genug zum Kiten und heute lasse ich die Gelegenheit nicht entgehen. Es hat zwar nicht allzu viel Wind, aber es reicht um zu cruisen und das eine oder andere Manöver zu probieren. Doch ohne allzu viel Belastung reisst der Kite keine 20 Meter von der Blue Bie nachdem er zweimal in das Wasser gefallen ist. Pa kann ihn gerade halten und bergen. Er ist quer durchgerissen – ein Fall für den Segelmacher! Doch dieser ist für 3 Wochen ausgebucht!

Unter Spi segeln wir am Nachmittag zurück nach Spanish Water.


under Spinnaker

Donnerstag, 13. März

Pa und ich erkunden zusammen Willemstad. Die Stadt ist sehr übersichtlich und nach dem Mittagessen haben wir es gesehen. Zugegebenermassen haben wir zwei Museen ausgelassen;) Die Stadt ist hübsch und Weltkulturerbe. Das spannenste ist die 150m lange Drehbrücke, welche die zwei Stadtteile verbindet. Einige Male am Tage öffnet sie um Boote durchzulassen. Sie wird durch zwei Dieselmotoren auf dem äussersten Brückenelement angetrieben. Wir sitzen fast zwei Stunden in einem Café am Quai und verfolgen das Schauspiel mehrmals. Ansonsten ist die Stadt auf Kreuzfahrttouristen ausgelegt – Schweizer Uhren, Schmuck und lokale Souvenirs. Am Abend gehe ich zur Happy Hour an Land, Nila geht joggen und Pa macht Siesta auf Blue Bie, ehe wir alle zusammen zu Eddy und Glenda zur Nach-Happy Hour gehen.


Willemstad

Freitag, 14. - Montag, 17. März

Wir blieben einige Tage in Spanish Harbour vor Anker, machen die eine oder andere Erledigung, erkunden das wenige was es zu erkunden gibt und geniessen die Zeit. Häufig unternehme ich etwas mit Pa und Nila geniesst die Zeit ohne Männer. So haben Pa und ich immer wieder Gelegenheit für Vater – Sohn Gespräche und haben heute mehr Zeit miteinander wie früher als ich noch gearbeitet habe. Rosi und Peter, Schweizer Segler die wir von Grenada und von Bonaire kennen, sind auch eingetroffen und kommen zu uns zum Nachtessen.

Doch vor allem kümmern wir uns um den Wetterbericht und unseren geplanten Törn zur Dominikanische Republik, der von Curacao 400 Seemeilen nach Norden führt. Es sieht nicht gut aus und der Wetterbericht wird nicht besser: Der Wind soll auf Nordost drehen und von einem Sturm im Atlantik kommen 5m hohe Wellen aus Norden auf die Karibik zu und es wird empfohlen, sichere Ankerbuchten aufzusuchen. Da macht es wirklich wenig Sinn, nach Norden zu segeln, um meinen Cousin in der Dominikanischen Republik zu besuchen. Schweren Herzens buchen wir für Pa einen Flug auf die Dominikanische Republik, von wo er nach Hause fliegen wird.


Father & son at tea

Trotzdem ist unsere Zeit recht ausgefüllt, denn nicht nur hier ist das Cruising Leben ein Halbtagesjob. Was zu Hause oft einfach und schnell geht ist unterwegs umständlich, denn man weiss nicht, wo etwas zu finden ist oder muss ohne Auto umständlich dorthin kommen. So müssen wir um Pa’s Flug zu buchen, 5 verschiedene Telefone bemühen, da entweder die Telefonkarte gerade leer ist (zweimal), keine Verbindung hergestellt werden kann oder die Verbindung unterbrochen wird. Zudem müssen wir zur Immigration um Pa vom Schiff auszutragen und zur Hafenbehörde um eine Ankerbewilligung für die Piscadeera Baaj zu erhalten, einkaufen, Wasser organisieren, etc. Soll jemand sagen, Cruisen sei Dolce far Niente!

Als der Mechaniker schliesslich erschienen ist, erklärt er, dass er nichts machen kann und ich eine neue Einspritzpumpe für USD 1'500 brauche. Diese wäre in frühestens 10 Tagen hier! Keine gute Nachricht und so fahren wir mit der Notlösung weiter und schauen, ob ein anderer Mechaniker eine bessere Lösung hat.


Spanish Water

Dienstag, 18. März

Für Nila und mich ist plötzlich wieder alles offen. Was vorher nach einem ungefähren Plan ausgesehen hat, gilt jetzt nicht mehr. An diesen Gedanken muss ich mich erst wieder gewöhnen. Wir wälzen schon einige Tage verschiedene Ideen. Doch zuerst segeln wir in die Piscadeera Baaj, denn es ist uns in Spanish Water schlicht und einfach langweilig geworden. Die Insel hat nicht viel zu bieten und auch Spanish Water bietet nicht viel ausser einem sehr guten Restaurant und viele Yachten. Die Piscadeera Baaj ist eine ein Quadratkilometer grosse Lagune mit einer Werft. Der empfohlene Ankerplatz ist vor einer Werft – nicht gerade hübsch anzuschauen. So ankern wir 200m um die Ecke und sind mitten in der Natur.


Mittwoch, 19. März

Wir machen uns einen gemütlichen Tag in der Piscadeera Baaj, Pa und ich erkunden, wie er am besten zum Flughafen kommt – natürlich nicht, ohne unterwegs einen Drink zu nehmen. Abends gehen wir in das Hooks Hut Restaurant essen. Man merkt, dass das Hilton Hotel gleich nebenan ist – die Preise sind die Hälfte höher als in Spanish Water. Dafür schmeckt das Essen wirklich lecker.

Die Gemütlichkeit wird am Nachmittag kurz unterbrochen als Nila bemerkt, dass die andere Yacht in der Bucht kurz nach dem Ankern abzutreiben beginnt. Ich fahre mit dem Dinghi hinüber und mache den Skipper darauf aufmerksam. Er hat nichts gemerkt – er war unter Deck am Musik hören und Spaghetti kochen. Nach dem erneuten Ankern kommt er auf einen Drink zu uns an Bord. James ist Australier und segelt die Yacht eines Freundes in zwei Jahren von der Türkei nach Neuseeland.


Donnerstag, 20. März

Schon wieder ist es Zeit Abschied zu nehmen. Pa verlässt uns am späten Nachmittag und ich fahre ihn mit dem Dinghi zum Hooks Hut Restaurant, wo ihn ein Taxi abholt. Ich habe die Zeit mit ihm sehr genossen – zu schade, dass es nicht klappt, gemeinsam in die Dominikanische Republik zu segeln.

Den Nachmittag geniesst Nila in der Stadt und ich gehe mit dem Bike die Hato Höhlen anschauen. Sie sind vor allem deswegen eindrücklich, weil sich hier früher Sklaven nach dem Ausreissen versteckten. So schön sie sind, an die Drachenhöhlen von Mallorca kommen sie bei weitem nicht heran.


Freitag, 21. März

Ich fahre mit dem Bike zum Ausklarieren nach Willemstad. Wegen dem Karfreitag ist alles geschlossen – auch die Immigration hat nur 2 Stunden offen – zumindest theoretisch. Bis die Beamtin mit 30 Minuten Verspätung kommt, hat sich eine beträchtliche Seglergemeinde versammelt – auch eine Art den neuesten Wetterbericht zu erhalten.

Wie schon gestern, kommt James zum Nachtessen. Wir verstehen uns sehr gut, da er auch Regattasegler und Katamaranfan ist. Er hat zahlreiche Baupläne studiert und wir fachsimpeln stundenlang.


Samstag, 22. März

Das Wetter ist nach wie vor nicht ideal für einen Schlag auf die Dominikanische Republik, doch es ist keine baldige Besserung in Sicht. So beschliessen wir, meinen Cousin auf der Dominikanischen Republik nicht zu besuchen und stattdessen direkt Haiti anzulaufen. Statt hoch am Wind gegen die noch immer stehende Norddünung können wir raumschots laufen und die Dünung schräg von vorne nehmen.

Es ist immer wieder schön, unterwegs zu sein. Ich mache den ganzen Tag nichts und lasse meinen Gedanken Auslauf. Nila und ich harmonieren ausgezeichnet, geniessen die Zeit zusammen und getrennt – da trifft es sich gut, dass das Cockpit der Blue Bie fast 7m breit ist und wir Abstand voneinander haben, wenn wir ihn möchten. Erstmals seit wir zusammen segeln gehen wir keine Nachtwache und verlassen uns auf den Radaralarm, da wir den ganzen Tag kein Schiff sichten.


Nila in the galley

Sonntag, 23. März

Bei 25 kn Wind ist Blue Bie während den letzten 24 Stunden nur so dahin geflogen und wir haben 231 Seemeilen zurückgelegt – Rekord mit fast zehn Knoten im Schnitt. Der Wind und die Dünung werden im Laufe des Tages langsam schwächer und die Fahrt wird ruhiger und langsamer. Doch noch immer machen wir mehr als 200 Seemeilen in 24 Stunden. Das Segeln ist einfach wunderschön, wir plaudern, lesen und geniessen die vorübergleitende Natur. Es gibt immer etwas zu sehen, Vögel, fliegende Fische, Wolken und Wellen. Nur mit dem Fischen haben wir es nicht so: Ich habe schon den fünften Köder in Folge verloren. Dreimal war es ein übergrosser Fisch, der mit dem ganzen Angelzeug abgehauen ist. Ob ich zu grosse Köder verwende? Im Atlantik hat es noch gepasst. Wieder gehen wir keine Nachtwache und der Radar weckt uns zweimal zuverlässig als grosse Containerschiffe unseren Weg kreuzen.


Passage making

Montag, 24. März

Kurz nach Sonnenaufgang kommen Haiti und die Ile de Vache in Sicht. Die Ile de Vache ist berühmt als das Versteck von Henry Morgan, einem Piraten der im 17. Jh. sein Unwesen in der Karibik trieb. Die Insel ist wunderschön, hat Palmenstrände und ist tropisch feucht – eine schöne Abwechslung zum trockenen Curacao. Die Sicht von der Ile de Vache nach Haiti erinnert mich sehr an den Blick über den Bodensee an den heimischen Rorschacherberg. 72 Stunden können wir hier bleiben ohne einzuklarieren – ein doch sehr aufwendiges Prozedere in diesem Land. Doch alles hat seine Schattenseiten und wir können uns der Jungs kaum erwehren, die mit ihren Einbäumen vorbeikommen. Von Kokosnüssen, Wäscheservice, Wasser, Rundgängen, Mangos, Limetten, Cashewnüssen wird uns alles angeboten.

Erstmals in meinem Leben sehe ich Cashewnussbäume, von denen man nicht nur die berühmten Nüsse, sondern auch die Äpfel essen kann, welche an den Nüssen hängen.


Port Morgan

Dienstag, 25. März

Ich weiss nicht so recht, was ich von Haiti halten soll. Es ist das ärmste Land ausserhalb Afrikas und die Bevölkerung wächst mit 3%. Auf der Fahrradtour zum Hauptort auf der Ile de Vache begegne ich sehr freundlichen Leuten. Ein junger Radfahrer schliesst sich mir kurzerhand an und lotst mich hin und wieder zurück. Nicht ganz einfach, denn auf der ganzen Insel hat es nur Fusspfade – Fahrräder soll es nicht mehr als ein Dutzend geben. Ansonsten gibt es Esel als Lasten- und Pferde als Reittiere. Es geht immer bergauf und bergab – zumindest auf der Hinfahrt, denn für die Rückfahrt hat er sich einen flacheren Weg ausgesucht. Er wollte mir auf der Hinfahrt wohl zeigen, wo ‚Bartli den Most holt’ – doch das ist ihm nicht gelungen. In Madame Bernard – dem Hauptort – werde ich Augenzeuge eines Streits von rund 50 Frauen am Dorfbrunnen, denn das Wasser versiegt, ehe alle mit Plastikkübeln Wasser geholt haben. Wasser muss auf der ganzen Insel zu Fuss geholt werden. Auch Läden gibt es keine und wo es etwas Ladenähnliches hat, gibt es im besten Fall etwas Reis, Zwiebeln und ein paar andere Grundnahrungsmitteln, aber sicherlich nichts Luxuriöses wie Teigwaren. Trotzdem sehen die Leute soweit gesund aus, wohl deshalb weil sie vom Fischfang leben.


Ile de Vache house

So bin ich versucht, hier und da ein wenig zu helfen. Doch zurück auf dem Schiff, will mir mein ‚Guide’ überteuerte Eier verkaufen, ein anderer Junge versucht für 5 Bananen USD 5 zu verlangen. Das brauche ich auch wieder nicht und so sinkt meine Sympathie rasch wieder. Nila hat ähnliche Eindrücke gewonnen und so beschliessen wir nicht allzu lange zu bleiben, auch wenn das Einklarieren über den lokalen Hotelier relativ problemlos möglich wäre.


Ile de Vache guide

Mittwoch, 26. März

Trotz der aufdringlichen Art der meisten Bootjungs haben wir Pipi in unser Herz geschlossen. Er ist auch mal bereit, erst etwas zu bieten, bevor er gleich die hohle Hand macht. Doch seiner grossen Bitte, ihn irgendwohin ausserhalb Haiti’s mitzunehmen, können bzw. wollen wir nicht nachkommen. So verfasse ich ihm ein Referenzschreiben um seine Tätigkeiten anderen Cruisern und Touristen zu empfehlen, denn er hebt sich mit seiner zurückhaltenden Art deutlich von den anderen ab. Wir kaufen für das Nachtessen 8 kleine Langusten für USD 5 und verabschieden uns von Port Morgan um gleich um die Ecke wieder zu ankern. Auf dem Weg nach Port Morgan haben wir eine hübsche Ankerbucht gesehen, die uns gefallen hat. Sie gefällt uns auch heute gut und wir werfen trotz der leichten Dünung Anker. Auf einem Katamaran lebt es sich einfach gemütlicher:)

Keine zwei Meilen von Port Morgan ist die Stimmung ganz anders. Keine Bootjungs bedrängen uns und es scheint uns als hätten wir die Bucht für uns alleine, obwohl am Strand unter den Palmen ein Hotel versteckt ist. Keine halbe Stunde später kommt ein Motorboot mit Hotelangestellten vorbei. Sie begrüssen uns und laden uns ein, die Hotelanlage zu benützen – das ist das erste Mal, dass das uns passiert. Zum Sonnenuntergang gehen wir an Land und geniessen einen Drink in der wunderschönen Anlage, die einige Bungalows und eine überdachte Bar umfasst. Es sind gerade mal sechs Gäste da und wir kommen mit einem amerikanischen Lehrerpaar in das Gespräch, welche seit vier Jahren auf Haiti eine Schule unterhalten – finanziert vom selber gesammelten Geld in den Staaten. Einmal mehr finde ich es bewundernswert, was Leute auf sich nehmen um ihrer Berufung zu folgen.

Nila kocht zum ersten Mal Langusten und ich stehe mit Rat und etwas Tat zur Seite. Es passt - sie schmecken einfach himmlisch:)


Donnerstag, 27. März

Heute ist so ein Tag wie ihn sich der geneigte Leser vorstellt: Nach dem Frühstück gehen Nila und ich an Land, liegen unter Palmen in einer Hängematte, lassen uns ein Getränk bringen und lesen den ganzen Tag. Nach dem Nachtessen gehen wir über das Hotel WiFi kurz in das Internet und essen anschliessend im Hotel ein wunderbares Nachtessen: Süsskartoffelsuppe, Fisch, Steak, Kartoffelgratin und Reis, gefolgt von einem Quarkkuchen. Der Speiseraum hat gerade mal Platz für 8 Gäste den wir mit einem amerikanischen Predigerpaar und den Besitzern geteilt haben. Ein Tag im Paradies…


Freitag, 28. März

Schon um 4 Uhr kann ich nicht mehr schlafen, weil mich ein paar Sachen verfolgen (der baldige Geburtstag meines Patenkindes, die knappe Liquidität auf meinem Konto, etc.) und so schreibe ein paar Mails, um einiges zu organisieren. Um 5 Uhr beginnt es wie aus Kübeln zu schütten und bis um 7 Uhr sind unsere Trinkwasser und Tankwasserkapazitäten bis zum Bersten gefüllt. Eigentlich wollen bzw. müssten wir weiter, da wir in Haiti nicht offiziell eingereist sind. Doch der Wind ist so schwach, dass wir wenig Lust haben, die 150 Meilen nach Jamaika zu segeln. So sortiere ich alte ausgeschnittene Artikel, ehe ich am Nachmittag wieder am Strand unter Palmen lese.

Seit ich Nila kennen gelernt habe, habe ich mich weniger mit mir selbst beschäftigt als auch schon. In den letzten Tagen habe ich mich wieder bewusster mit mir auseinander gesetzt und fühle mich wohl und ausgeglichen. Nur gestern Abend, als eine Online Bestellung mehr als ein halbes Dutzend Anläufe brauchte, habe ich vorübergehend wieder einmal die Geduld verloren. Nicht nur Blue Bie braucht ab und zu etwas Arbeit!


Ile de Vache anchorage

Samstag, 29. März

Der Windmesser zeigt wiederum absolute Windstille und es in Strömen – dabei sind doch unsere Tanks schon alle voll! Zumindest der Regen hört gegen 10 Uhr auf und wir laufen trotz dem Schwachwind aus. Wir haben alle Zeit und segeln gemütlich unter Passatbesegelung (Gennaker und Genua) mit 5kn vor dem Wind. Es ist richtig genussvolles Segeln, wir lesen viel und lassen es uns einfach gut gehen. Gegen Abend dreht der Wind und wir segeln unter Gross und Gennaker durch die Nacht. Wir gehen Wache, da wir eine grosse Schifffahrtsroute queren, doch es hat kaum Verkehr.


Sonntag, 30. März

Am frühen Morgen flaut ohnehin schwache Wind noch mehr ab und wir bergen das Grosssegel, damit es den Gennaker nicht abdeckt. Der Wind ist so leicht, dass er nicht einmal die Genua zu füllen vermag. So treiben wir bei 3-5kn platt von achtern mit 0-3kn gegen Jamaika. Wir haben keine Eile und geniessen unsere guten Bücher. Bei dieser Geschwindigkeit wird nichts mit einer Ankunft bei Tageslicht und wir bereiten alles auf eine Nachtankunft vor, machen unsere Navigationshausaufgaben doppelt.

Gegen Abend kommen rings um uns Gewitter auf, doch wir werden vom Regen und Wind verschont und motoren die letzten zwei Stunden, weil gar nichts mehr geht. Um 2.00h stehen wir vor Port Antonio und wider erwarten funktionieren alle Leuchtfeuer und -bojen, so dass das Einlaufen problemlos ist. Trotzdem ankern wir sicherheitshalber in der Vorbucht, so dass wir nicht zwischen anderen Ankerliegern eine Mooringboje aufnehmen müssen. Um 3.00h ist alles fertig und wir fallen wir in einen tiefen Schlaf.


Montag, 31. März

Nachdem wir bis um 9.00h ausgeschlafen haben, sehen wir erstmals wie wunderschön grün Jamaika ist. Dank den hohen Bergen hat es viel Regen und üppigen Regenwald. Wir verlegen in die Hauptankerbucht von Port Antonio. Dort werden wir bereits vom Marinamanager erwartet, der uns für das Einklarieren an den Marinasteg winkt. Kaum belegt, steht schon der Beamte der Gesundheitsbehörde da und wir kriegen ein Dutzend Formulare zum Ausfüllen. Das Einklarieren bei Zoll und Immigration ist problemlos und erst noch gratis. Auch sonst geht alles zackig: Zwei Stunden später ist die Gasflasche gefüllt und ein Segelmacher holt unser Material ab, um unsere neuen Cockpitpolster zu nähen. Nila und ich geniessen die vornehme Marina, den Internetzugang und erstmals seit Mérida wieder eine heisse Dusche. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein.


Port Antonio marina

Dienstag, 1. April

Dolce Far Niente – wir erledigen einige aufgeschobene Sachen im Internet und plaudern mit anderen Cruisern. Das Hauptthema ist die Marina von Santiago de Cuba, die für einige Monate aus unklaren Gründen geschlossen war. Doch jetzt soll sie wieder offen sein – hoffentlich, denn wir wollen dort einklarieren. Nila geht joggen, ich gehe bummeln und ich treffe unterwegs treffe ich den Segelmacher. Er hat ein Problem: Unsere Polster sind zu klein für die Masse die wir ihm gegeben haben. Er misst 51 und ich will 130 – das kann doch nicht gehen. Nach einigem Hin und Her merke ich, dass er in Zoll denkt und rechnet und ich in Zentimeter. So ist das Problem schnell gelöst und ich lese ihm ab seinen Rollmeter die Masse in Zoll ab.

Abends kommen die kanadischen Segler Mark und Helena zum Sundowner zu uns und wir gehen gemeinsam Nachtessen. Es sind einfache Restaurants, mehr wie gebratene Hühnchen, Hühncheneintopf und Hühnercurry gibt es nicht. Doch es schmeckt und auch das lokale Red Stripe Bier ist sehr gut.


Mittwoch, 2. April

Eigentlich möchte ich die aktualisierte Homepage hochladen, doch dass Programm foppt mich und so bin ich über die nächsten Tage einige Stunden damit beschäftigt, mehr oder weniger alles nochmals hochzuladen. Ein alter ergrauter Mechaniker schaut unseren Motor an und verschwindet mit einem ‚ich weiss was es ist’ für einige Zeit im Motorenraum. Und tatsächlich, er hat am richtigen Ort zu arbeiten begonnen und ist dem Problem auf der Spur: Der Dieselmengenschieber ist angerostet und verhockt deswegen gerne. Man kommt zwar kaum zu, aber mit WD40 kann er in zwei Anläufen den Rost entfernen ohne ihn zu demontieren.

Ansonsten ist Dolce Far Niente angesagt. Ich spaziere in der Stadt, Nila sucht sich ein Glacé und wir lesen viel an Bord.


Donnerstag, 3. April

Wir machen den ganzen Tag einen Ausflug in das nahe gelegene Rio Grande Tal. Nachdem wir in Barrydale den Rio Grande mit einem Bambusfloss überquert haben, folgen wir einem lokalen Führer auf einem Fusspfad entlang einem Nebenfluss. Die Luft ist herrlich schwer vom vorangegangenen Regenschauer und auf dem Pfad bildeten sich überall Pfützen. Wir können den Blick kaum von der überbordenden tropischen Fauna nehmen: Wir sehen Kakao-, Mandel-, Carcoon-, Brotfrucht- und Jackfrucht-Bäume. Letztere hat Kürbisgrosse Früchte von der wir naschen können. Sie ist klebrig wie Kaugummi und schmeckt süss wie Ananas – einfach lecker. Uns gefällt es so gut, dass wir beschliessen am Sonntag eine vierstündige Flossfahrt zu machen.

Zurück in Port Antonio gehen wir zur Bank, wo die Schwester einer ehemaligen Arbeitskollegin von mir arbeitet. Wir haben uns noch nie gesehen, doch verabreden uns, nächste Woche zum Essen.

Am Abend bringt der Segelmacher die Cockpitpolster zurück. Handwerklich tip-top, nur hat er die Farben verwechselt und den unschönen Unterseitenbezug oben verwendet. Es sieht wirklich nicht schön aus und ich bin so enttäuscht, dass ich nicht mit ihm diskutieren kann und ihn fort bitte. Die Kunde macht schnell die Runde im ganzen Hafen.


Freitag, 4. April

Wir verlegen in die nebenan gelegene Werft um alle Scheiben neu abzudichten. Doch es regnet den ganzen Tag und so ist an eine Demontage und Montage der Fenster nicht zu denken. Wir lesen, Nila verbringt einige Zeit im Internet und ich bringe Blue Bie am Nachmittag alleine an die Mooring zurück. Der Segelmacher kommt vorbei und ist ganz zerknirscht. Er verspricht, das schöne Obermaterial aufzutreiben und den Bezug neu zu machen. Mal schauen. Es ist nicht die einzige schlechte Nachricht heute: Das Dichtungsmaterial für die Fenster wurde teilweise falsch geliefert und jemand hat unser Handfunkgerät aus Nila’s Rucksack geklaut.


Samstag, 5. April

Es hat auch heute immer wieder tropische Regenschauer. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf und motoren zur Werft. Doch der Regen ist noch schlimmer als gestern. So lesen wir mehr oder weniger den ganzen Tag. Wir können mit dem Regen nichts anfangen, denn die Wassertanks sind schon längst randvoll.

Auf dem Weg zur Werft ertönt der Alarm beim reparierten Backbordmotor. Als ich den Motorenraum öffne, kommt mir dichter Rauch entgegen. Eine Prüfung zeigt, dass der Kühlwasserschlauch zum Boiler vom Keilriemen aufgerieben wurde und Kühlwasser ausgetreten ist. Ich schliesse den Boiler kurz und alles ist wieder bestens. Am Nachmittag kann ich in der Stadt einen neuen Schlauch kaufen und muss ihn nur noch verlegen.


Sonntag, 6. April

Wir können es kaum glauben: Wir erwachen unter einem strahlend blauen Himmel. Wir haben gestern die für heute geplante Flossfahrt annulliert, doch das können wir schnell rückgängig machen. Mit einem Route Taxi, welches eine bestimmte Strecke fährt sobald es voll ist, fahren wir nach Barydale, wo wir Valentine, unseren Flösser treffen. Es ist alles bereit und schon nach ein paar Minuten sind wir unterwegs. Das Floss ist aus einem Dutzend rund 10m langen Bambusstangen gebaut und mit einem einfachen Sitz versehen. Es ist bequemer als es aussieht und wir treiben mal mehr oder weniger schnell den Fluss herunter. Kleinere Stromschnellen meistert Valentine problemlos und wir geniessen die Ruhe, die Sonne und den Blick auf die vorbeiziehende Landschaft.

Nach zwei Stunden kommen wir in St. Margareth’s Bay an, wo wir noch etwas spazieren gehen. Kaum stehen wir am Strassenrand, hält ein Pick-up Truck an und nimmt uns mit. Nicht gratis – wir sind nicht in Curacao, aber zum Preis eines Route Taxis, d.h. für einen Dollar für eine 15-minütige Fahrt.


Montag, 7. April

Heute ist uns der Wettergott gut gesinnt und wir können bei strahlendem Sonnenschein alle Fenster demontieren, neu abdichten und wieder montieren. Zwei Mann von der Werft, Nila und ich sind den ganzen Tag damit beschäftigt. Nach Feierabend geniessen wir eine heisse Dusche und gehen anschliessend zum Chinesen essen.


Bamboo raft

Dienstag, 8. April

Weiter geht die Arbeit an den Fenstern! Doch wir sind in der Karibik und Rastaland. Ab und zu wird ein Joint geraucht und die Arbeit geht langsam, aber sicher voran. Trotzdem finde ich Zeit für ein Nickerchen und zum Lesen.


Mittwoch, 9. April

Eigentlich wären die Fenster gestern ja fertig gewesen und ich hätte heute nur noch die Lukendeckel abholen sollen. Doch auch gegen Mittag war das Klebeband noch nicht entfernt und einige letzte Handstriche fehlten noch. So mache ich mich selber daran und nach dem Mittag ist die Arbeit soweit erledigt. Es fällt nicht immer leicht zu akzeptieren, dass Reparaturen ein wichtiger Bestandteil des Bordalltags sind. Es fühlt sich schlecht an, dass das eigene Boot nicht perfekt ist bzw. Reparaturen notwendig hat bzw. dass das Cruising Leben auch seine Schattenseiten hat!

Den Nachmittag geniessen wir am Strand und gehen am Abend mit Pauline, der Schwester meiner Arbeitskollegin, fein essen.


Donnerstag, 10. April

Ich montiere am Morgen die Lukendeckel und dichte deren Beschläge und einige Instrumente ab. Der Regen der letzten Wochen hat schonungslos aufgedeckt, wo überall Wasser eindringt. Den Rest des Tages verbringe ich auf dem Bike: Zuerst fahre ich rund 15km nach Bosten, Jerk Pork essen. Anschliessend fahre ich weiter zur ‚Blue Lagoon’, wo der gleichnamige Film mit Brooke Shields gedreht wurde. Ein 200 grosses, mehr als 60m tiefes Loch geschützt vor Riffen und umgeben von Hügeln. Schön anzuschauen, aber ich kann sich nirgends hinlegen und ein Buch lesen. So fahre ich weiter zum San San Beach und dann zur Frenchman Cove, doch an beiden Stränden verlangt man USD 5 Eintritt – zuviel, wenn es gleich neben der Marina einen wunderschönen, kostenfreien Sandstrand hat. Abends kocht Nila ein superfeines gefülltes Poulet.


Blue Lagoon

Freitag, 11. April

Noch einmal will der Werftchef meine Fenster mit Silikon bzw. 3M 4200 abdichten. Als alles fertig ist, sitzen wir zusammen im Cockpit und trinken noch ein Bier. Er hat 10 Jahre in München gelebt und Musik für Kinder gemacht.

Am Nachmittag machen wir letzte Einkäufe und sind bereit für die Überfahrt nach Kuba. Es fällt mir schwer, mich von Jamaika zu verabschieden. Es ist wirklich herrlich hier: Die üppige Natur, die freundlichen Leute und die perfekte Marina. Doch wir haben gesehen, was wir sehen wollten und müssten jetzt doch sehr lange Autofahrten auf uns nehmen, um mehr zu sehen. Doch noch wissen wir nicht, ob wir heute oder morgen auslaufen wollen. Das wollen wir nach dem Nachtessen abhängig vom Wind entscheiden.


(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Print