Auckland - Opua

Auckland - Opua in Google Maps (Webbrowser) und in Google Earth (separates Programm)


Auckland

Kathrin, die mich aus der Schweiz für drei Wochen besucht, und ich planen während den nächsten Wochen der Küste entlang nach Norden zu segeln und wir haben beide keine grosse Lust viel Zeit in Auckland zu verbringen. So reduziert sich unsere Stadtbesichtigung auf einen Ausflug in ein paar Zubehörgeschäfte und den Supermarkt, um paar Delikatessen für die kommenden Feiertage zu kaufen. Der Abschied von Auckland fällt mir leicht. Die Ambience im Viaduct Harbor ist zwar toll und man spürt die America’s Cup Geschichte, doch ein aktives Seglerleben gibt es dort nicht und Grosstädte sind nicht (mehr) mein Ding. Langsam frage ich mich nicht mehr, wo ich nach meinem Seglerleben Fuss fassen möchte, sondern ob!


Viaduct Harbor

Bevor wir Auckland verlassen, will ich noch unter der Harbor Bridge durchsegeln. Habe ich daran gedacht, die Höhe zu prüfen? Nein, ich bin einfach davon ausgegangen, dass sie hoch ist und wohl so konstruiert wurde, dass Yachten untendurch segeln können. Schliesslich nennt sich Auckland ‚City of Sails‘. Mit dem Feldstecher lese ich am Pfeiler, dass sie 23m hoch ist; das reicht für Blue Bie’s 19m hohen Mast. Bei unserer Durchfahrt springt ein Bungee-Jumper von der Brückenunterseite.


Under Auckland Harbor Bridge

Waiheke

Weil die Sonne und der Wind um die Wette eifern, segeln wir am schlafenden Rangitoto Vulkan vorbei nach Waiheke, der Hausinsel von Auckland. Schöne Ferienhäuser zieren die zahlreichen Buchten. Die Weihnachtsferien beginnen und wir sind von Dutzenden Booten umzingelt und auf dem Nachbarboot amtet Santa Claus seines Amtes. Wir besichtigen am Heiligabend ein Weingut und testen den lokalen Wein. Die Aussicht ist besser als der Wein;)


Waiheke vineyard

Auch ein Weihnachtsschwimmen darf an diesem Tag nicht fehlen. Nach einer kleinen Bescherung und einem noch kleineren Weihnachtsbaum, koche ich einen feinen Red Snapper, den wir mit einem neuseeländischen Champagner begleiten. So schön es ist, vermisse ich Weihnachten zu Hause mit den Kindern meiner Schwester und von guten Freunden schon ein wenig.


Santa Claus is coming to town

Kawau

Am Weihnachtstag segeln wir nach Kawau, welches von einem tiefen Fjord fast zweigeteilt wird, um Schutz vor einer ersten Starkwindphase zu finden. Wir finden nicht nur Schutz, sondern auch das wunderschöne Mansion House, dem Heim eines der ersten Gouverneure Neuseelands, das heute ein kleines Museum ist.


Mansion house, Kawau

Wir bleiben drei Tage auf der Insel und kommen in Kontakt mit der Crew eines neuseeländischen Katamarans. Die Neuseeländer sind auf allen erdenklichen Booten unterwegs: Stattliche Motoryachten, kleinste Fischerboote, kleine und grosse Segelboote und erstaunlich viele sportliche Segelyachten mit dünnen Masten und Backstagen. Allen gemeinsam ist die Leidenschaft für das Wasser und das Fischen.


Silverfern

Kaum eine Boot, das nicht Kaps nach Red Snappern abfischt, Felsen auf Muscheln untersucht oder Sandbänke nach Scallops abtaucht. So erlebe ich nach den Cruisern im Südpazifik und den Racern in Opua die dritte Yachtie-Szene und geniesse den vom Katamaran geschenkten Red Snapper.


Kawau sunset

Great Barrier Island

Der Wetterbericht kündigt noch schlimmeres Wetter an und wir kreuzen gerade noch vor dem aufziehenden Sturm zur Great Barrier Island. Trotz der vielen Booten auf dem Wasser fangen wir einen Thunfisch. Wir kommen rechtzeitig an und finden in einem der fjordartigen Arme von Port Fitzroy einen guten Ankerplatz. Waren es im ganzen Fjord vor einem Monat noch ein halbes Dutzend Yachten, liegen jetzt ein paar hundert vor Anker liegen. Am nächsten Morgen fegt der Wind in Sturm- und Regenböen mit über 30kn über den Berg hinunter, doch wir liegen sicher.


Nosy duck!

Im Laufe des Tages bläst es sich aus und wir erklimmen am nächsten Tag den Mt. Hobbson in einer 6-stündigen Wanderung. Er ist mit 628 Metern der höchste Punkt von Great Barrier Island. Im Wald finden wir auf halbem Weg Spuren der Holzfäller aus dem frühen 20. Jahrhundert: Sie haben hier die riesigen Kauri-Stämme geschlagen.


Kauri dam

Um sie nicht von Hand oder Pferd in’s Tal ziehen zu müssen, haben sie temporäre Staudämme gebaut um die Stämme mit Flutwellen zum Meer hinunter zu schwemmen. Heute sieht der Wald abgesehen von einem Pfad wieder jungfräulich aus. Es spannend zu sehen, welch bewegte Vergangenheit er hinter sich hat und wie wenig man davon sieht. Für einmal bin ich derjenige der von den Staudämmen (zu Fuss!!!) weiter auf den Gipfel will.


Excellent DOC walking tracks

Tutukaka

In Neuseeland kommt der Wind erst gegen Mittag und so legen wir erst spät ab. Doch der Wind weht so gut, dass wir in einem langen Schlag unter Spinnaker bis nach Tutukaka segeln. Gegen Abend stellt der Wind zwar ab, doch wir schaffen es mit dem letzten Licht gegen 21.00h nach Tutukaka. Wir geniessen die Atmosphäre am Hafen mit einem feinen Hamburger zu Mittag und treffen nachmittags Hajot und Ute die ich von der Karibik her kenne. Sie bereisen diesen Sommer Neuseeland mit dem VW Bus und wir grillen gemeinsam mit einem weiteren deutschen Pärchen am Strand.


New Years eve in Tutukaka

Fast wie in Studentenzeiten quetschen wir uns während einem Regenguss zu siebt in den Bus. Ebenso unerwartet werden wir beim Grillen von der Polizei aufgefordert, nicht in der Öffentlichkeit zu trinken; das ist hier innerhalb 500 vom Ufer nicht gestattet. Nach dem BBQ spüre ich eine gewisse Bettschwere und erlebe das neue Jahr erst am nächsten Morgen.


Me and Blue Bie in Tutukaka

Whangamumu

Gerne hätte ich bei den Poor Knight Inseln geankert um die grossen Höhlen zu besichtigen, doch 20 Knoten Wind und eine hohe Dünung verunmöglichen das. So segeln wir unter Spinnaker an den schroffen Felswänden vorbei nach Whangamumu. Langsam ist auch die Bordroutine angepasst. Blue Bie ist so einfach zu handhaben, dass Kathrin die Ankermanöver alleine fährt und ich zuschauen kann. Die kleine ringsum geschützte Bucht von Whangamumu beherbergt eine alte Walfängerstation, von der leider nur noch ein paar betonierte Tanks und rostige Wärmetauscher bestehen.


Whangamumu whaling station remains

Urupukapuka & Roberton Island

Um Cape Brett geht es zur Bay of Island. Wir sehen wieder das berühmte Hole in the Rock und fangen einen Kawahai, ein in Neuseeland hoch geschätzter Speisefisch. Wir ankern erst in der hübschen Bucht von Urupukapuka.


Hole in the Rock, Cape Brett

Auf dem Weg nach Roberton Island fahren wir an einer schwimmenden Mülltonne vorbei, welche in der Sommersaison extra für Yachten ausgelegt wird. Roberton Island hat die beliebteste Ankerbucht der Region, einen extra angelegten Schnorchelpfad und auf einem 100m hohen Hügel eine wunderschöne Aussicht über die schroffe und liebliche Seite von Roberton Island und die ganze Bay of Islands.


Floating disposal station

Whangaroa

Wir haben noch mehr als genug Zeit und so segeln wir über die Cavelli Inseln nach Whangaroa. Es haben sich hier tiefe Schluchten in die Felsen geschnitten und erinnern an die Fjorde Norwegens. Sie bieten auch besten Schutz vor den wieder einmal starken Winden. Der einzige Laden weit und breit bietet von Sonnenhüten über Werkzeuge bis zu Lebensmittel alles Erdenkliche, aber nichts in vernünftiger Auswahl. Für selbstgemachte Hamburger und Rösti reicht es alleweil.


Whangaroa

Mitten in der Bucht hat die Coastguard eine Wasserboje ausgelegt, an der wir Frischwasser aufnehmen; viel bequemer geht es nicht mehr.


Water buoy

Moturua Island

In immer noch starken Winden segeln wir direkt zurück in die Bay of Island. Diese hat unendlich viele Buchten und mein Pfad durch die Inseln gleicht bald einem Strickmuster. Spätestens in den Cavelli Inseln hat mich der fussgängerische Elan wieder verlassen und Kathrin erkundet die Hügel Moturuas alleine.


The day is over

Russell

Nach so vielen unbewohnten, mit vielen Booten geteilten Inseln freuen wir uns auf etwas Stadt und wir segeln nach Russell, der ehemaligen Hauptstadt Neuseelands. Zu Walfängerzeiten war dies der Sündenpfuhl Neuseelands mit 40 Schnapsgeschäften an der Strandpromenade, Schiessereien und Prostitution. Heute ist es ein hübscher Ferienort der gehobenen Klasse und ich geniesse das erste Frühstück seit langem an Land.


Russell

Es ist Tall Ship Race und damit die grösste Party Russell’s. Viele Windjammer sind zwar nicht hier, aber der Hungi (Erdofen) in dem 1‘000 Portionen gekocht werden ist sehenswert. Die meisten Einwohner helfen kochen; der Anlass geht somit weit über den veranstaltenden Russell Boating Club hinaus.


Hungi preparations

Charles bringt den neuen Gennaker nach Russell und wir gehen probesegeln. Charles möchte mir den Gennaker nicht einfach übergeben, sondern sicherstellen, dass ich ihn auch richtig behandle und segle. Er erinnert mich diesbezüglich ein wenig an einen Künstler, der sich von seinem Werk auch nicht wirklich trennen möchte. Der Gennaker (oder Code 1) steht auf Anhieb prächtig und zieht wie wahnsinnig. Im starken Wind wollen wir beide ihn nicht überstrapazieren und wir segeln höchst zufrieden unter Genua zurück nach Russell. Es macht schon Spass mit Charles zusammen die Segel zu entwickeln und ich freue mich auf das Gross und Genua, die im Moment auf dem Schneidetisch liegen.


Charles and his/my new gennaker

Kerikeri

Ein kurzer Abstecher nach Opua bringt nicht nur ein Wiedersehen mit Cruising-Freunden, sondern klärt auch meine nächste Zukunft: Ich werde übernächste Woche die Bay Island Sailing Woche mit Paul und Kevin auf Titan regattieren. Doch zuerst segeln Kathrin und ich über die ruhige Te Puka Bay nach Kerikeri, wo wir die Flussmündung hoch zum Stone Store, dem ältesten Steinhaus Neuseelands fahren. Die meisten Segler und Cruising Guides raten davon ab, weil es sehr untief ist und im davorliegenden Becken nur wenig Platz hat. Andererseits erscheint es mir ein spezieller Ort. Wo hat man schon die Möglichkeit vor dem ältesten Haus eines Landes zu ankern und die Geschichte so hautnah zu spüren?


Stone Basin

Wir warten eine hohe einlaufende Tide ab und motoren problemlos bis in das kleine Flussbecken. Das Anlegen gestaltet sich etwas schwierig: Zwischen den ersten Dalben hat es bei Niedrigwasser viel zu wenig Wasser und beim Wegfahren erwische ich die Belegleine des Nachbars in den Propeller. Auch zwischen den zweiten Dalben hat es nur knapp Wasser und so ankere ich schliesslich mit Bug- und Heckanker mitten in der Bucht. Das Becken hat kaum 100m Durchmesser und wir stören den Verkehr, doch es kommt niemand. Dafür liegen wir super heimelig vor den historischen Gebäuden und einem rekonstruierten Maori Dorf. Auf einer lebhaften Führung lassen wir uns die Geschichte der Missionare und der Maori näherbringen, die doch weit komplexer ist als ‚intelligente Weisse und wilde Schwarze‘. Im Gegenteil, die Missionare treffen auf ein hoch entwickeltes soziales System, welches wegen den Feuerwaffen und den europäischen Krankheiten innert weniger Jahren total aus den Fugen gerät und in Schlachten unter den Clans implodiert.


Kerikeri Führung

Zum Mittagessen treffen wir Charlotte und Andreas, zwei Bodensee-Seglern und ehemaligen Regatta-Gegnern. Charlotte ist Apothekerin und hat vor meiner Abreise Blue Bie’s Bordapotheke zusammengestellt. Wir stossen darauf an, dass ich bis jetzt noch fast nichts gebraucht habe! Mit der einsetzenden Nachmittagsebbe fahren wir wieder flussabwärts, dem offenen Meer entgegen.


Maori statue

Moturua

Ein letztes Mal segeln Kathrin und ich gemeinsam zu einer (nicht ganz) einsamen Insel – ihr erratet es, auch auf diesem Ankerplatz tummeln sich zahllose neuseeländische Boote. Wir ankern neben Garth auf Jacanda, den ich schon vor sechs Wochen in der Bay of Island getroffen habe und so schliesst sich mein Kreis nicht nur geografisch wieder.


Motorua

Trotz den vielen Booten finden wir überall einen Ankerplatz, müssen aber die Ankertechnik umstellen. Wo ich normalerweise 35-50m Kette gebe, muss Blue Bie mit 20-30m auskommen. Ansonsten wäre ihr Schwingradius zu gross und ich muss mir von den Neuseeländern sagen lassen, ob ich denn einen Sturm erwarte!?! Die lokalen Yachten geben meist 5-15m Leine.


Busy Motorua during holidays

Paihia & Russell

Eine letzte kurze Überfahrt bringt uns nach Paihia, wo wir in einem feinen Restaurant drei wunderschöne Wochen Revue passieren lassen. Am nächsten Morgen fährt Kathrin’s Bus zum Flughafen und ich wappne mich mit dem Economist und einem Katamaran-Magazin gegen die Ruhe an Bord. Ich motore über den Kanal nach Russell und geniesse den Nachmittag lesend im Gartenrestaurant und im Russell Museum. Spannend die Walfängergeschichte zu sehen, enttäuschend dass kaum ein Wort über die Maoris zu finden ist.


Russell

Opua

Zwei Tage später segle ich zurück nach Opua und schliesse den Kreis der vor fast zwei Monaten begonnen hat.


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