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Stromversorgung

Die Energiebilanz fasst im Überblick alle Stromverbraucher und –quellen an Bord zusammen.

Stromverbrauch - vor Anker

Der grösste Verbraucher an Bord ist der Kühlschrank. Ich schalte ihn nur tagsüber ein, weil mich in der Nacht das Kompressorgeräusch in der Nähe meiner Koje stört. Auf den Stromverbrauch hat das nur wenig Einfluss, da er so tagsüber mehr hinunterkühlen muss. Der Verbrauch beträgt rund 30Ah pro Tag. Ich habe eine sehr grosse Stromeinsparung erreicht, indem ich die Navigations- und Ankerleuchten auf LED umgerüstet habe. Anstelle von 25Ah pro Nacht verbrauchen sie jetzt noch 1.2Ahpro Nacht. Den gleichen Effekt (zumindest vor Anker) kann man mit einer Garten-Solarleuchte aus dem Baumarkt erzielen. Auch die Kabinen- und Cockpitbeleuchtung habe ich mehrheitlich auf LED umgestellt, sodass sie jetzt kaum mehr 2 Ah pro Abend braucht. Zum Lesen im Cockpit benütze ich die Stirnlampe, welche sich bestens aufstellen lässt.

Den Laptop betreibe ich über einen 12V Autoadapter um den Wandlungsverlust über 220V zu vermeiden. So benötigt er rund 3A und mein Tagesverbrauch beträgt rund 6Ah. Weitere 8Ah werden durch diverse Kleinverbraucher wie Radio, Wasserpumpen, Standby-Betrieb von Bilgenpumpen, Verluststrom und Laden von Mobiltelefon, Rasierapparat, etc., verbraucht. Der Stromverbrauch vor Anker addiert sich somit auf 50Ah pro Tag.

Dies ist sicherlich ein ziemlich tiefer Stromkonsum, aber für mich reicht es und ich kann den Sternenhimmel doppelt geniessen.

Mein Wassermacher leistet 60l/h und wenn es keine andere Wasserquellen (Regen oder Marina) hat, lasse ich ihn alle zwei Wochen für 2 Stunden laufen. Dabei benötigt er rund 25Ah. Um die Filter nicht zu verstopfen, lasse ihn meist nur auf Passage laufen. Je nach Zustand der Batterien läuft der Motor die ganze oder zumindest die halbe Zeit mit.

Zusätzlicher Stromverbrauch auf Tagestörns

Der zusätzliche Stromverbrauch für die Navigation (siehe unten) wird durch die Ladeleistung der Motoren beim Ankermanöver üblicherweise mehr als kompensiert.

Zusätzlicher Stromverbrauch auf Passage

Die komplette Navigationselektronik benötigt in 24 Stunden 20Ah und ist auf See dauernd eingeschaltet. Mein Pinnen-Autopilot braucht nur dann zusätzlichen Strom, wenn er das Ruder stellt. Er steuert fast die ganze Zeit und braucht im Durchschnitt pro Tag weitere 5Ah.

Über das Wachegehen sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Ich verlasse mich in der Nacht auf den Radaralarm und kontrolliere nicht alle 15 Minuten den Verkehr wie dies viele Einhandsegler machen. Bei 30kn Annäherungsgeschwindigkeit (ich 10kn, ein Frachter 20kn) müsste man in 15 Minuten einen Frachter auf 8 Seemeilen erkennen –ganz schön weit! Mein Radar ist die ganze Nacht auf Standby (10Ah) und sendet alle 3 Minuten für 30 Sekunden. In meiner Erfahrung ist ein Yacht-Radar auf eine Distanz grösser als 6 Seemeilen unzuverlässig. 6 Seemeilen entsprechen rund 12 Minuten Kontrollintervall; ein Radarbetrieb alle 3 Minuten gibt da eine relativ grosse Sicherheitsreserve, sollte ein Boot nicht das erste Mal gesehen werden. Zudem warnt der Radaralarm auch vor Regenschauern und Inseln, ein nicht unwichtiger Vorteil. Meine gefährlichsten Begegnungen hatte ich denn auch nicht in der Nacht, sondern als ich während dem Kochen zuwenig aufgepasst habe! Der Sendebetrieb alle 3 Minuten reduziert den Sendestromverbrauch im Vergleich zum Dauerbetrieb pro Nacht von 10Ah auf 2Ah. Der zusätzliche Stromverbrauch auf Passage addiert sich auf rund 40Ah.

Stromspeicherung

Ich habe drei Hauptbatterien mit einer Kapazität von insgesamt 305Ah. Dies ist mehr als ausreichend, vor allem da die Sonnenzellen die Batterien kontinuierlich nachladen. Beim Batteriestand schwankt meist zwischen 85 und 100%, fällt er gegen 75% lade ich mit dem Motor nach bis wieder 85% erreicht sind. Vorher lohnt sich ein Nachladen kaum, da der Ladestrom mit zunehmendem Batteriestand abnimmt. Bei einem Batteriestand von 75% beträgt der Ladestrom rund 35A, bei einem Batteriestand von 95% nur noch 10A.

Die beiden Motoren haben jeweils ihre eigenen Starterbatterie.

Stromerzeugung

Die Stromerzeugung erfolgt hauptsächlich über zwei 100W Solarzellen, welche fix auf den Davids montiert sind. Bei 12V müssten diese 16A liefern, doch aus mir unerfindlichen Gründen gelten die 200W bei 18 Volt. In der Praxis liefern sie je nach Sonnenstand und –intensität 6-11A. Pro Tag erhalte ich rund 70Ah Ladeleistung. Leider sind Batterien nicht besonders effizient, so dass rund 25% der Ladeleistung beim Laden verloren geht und die Batterien täglich um 50Ah aufgeladen werden. Wie die Energiebilanz zeigt, reicht dies aus, um meinen Verbrauch vor Anker zu decken. Auf längeren Passagen fehlen mir 30Ah pro Tag, welche ich unter Motor nachladen muss.

Meine beiden 10kW Motoren treiben je einen 60Ah Alternator mit externem Laderegler. Über eine Trenndiode lädt jeder Alternator die Haushaltsbatterien und die beiden Starterbatterien. Die Sonnenzellen laden nur die Haushaltsbatterien. Auch die Sonnenzellen laden über einen eigenen Laderegler um ein Überladen der Batterien zu vermeiden.

Da ich zwei relativ kleine 10kW Motoren habe, lohnt sich die Anschaffung eines Generators kaum. Ein solcher ist vor allem dann empfehlenswert, wenn ein grosser Hauptmotor für die Stromerzeugung zu ineffizient ist. Im letzten Jahr (ohne grössere Passagen) musste ich den Motor 2 Stunden laufen lassen um Strom zu erzeugen, weil es über eine längere Weile bewölkt war. Auch wenn die Sonne nicht durchgehend scheint, werden die Batterien bei den Ankermanövern, welche ich grundsätzlich unter Motor durchführe, auch immer wieder geladen. So kann ich auch auf einen Windgenerator verzichten. Ich würde ihn zu selten benötigen und die Stromerzeugung ist in den häufig windgeschützten Ankerbuchten leider nicht sehr gross.

Empfohlene Literatur

„Elektrik an Bord“ von Alaistair Garrett dient mir zusammen mit den verschiedenen Bedienungsanleitungen immer wieder als Nachschlagewerk.